Fußbodenaufbau Betonboden unterlüftet?

26.10.2020 Werner Frei


Liebe Forumsmitglieder,

die Suchfunktion bemühe ich jetzt schon seit Wochen und den Lesestoff bin ich auch duch. Aber die bauliche Situation meines Hauses verstehe ich noch nicht. Vor einem Umbau würde ich gerne die Substanz und den notwendigen Umfang der Arbeiten verstehen. Vielleicht kann jemand helfen.

Hintergrund:
Das Haus ist Bj. 1924, doppelschalig gemauert, vermutlich Streifenfundament aus Ziegeln, teilunterkellert. Untergrund ist Sandboden.
Das Haus wurde ca. 1970 umgebaut. Der vordere Teil ist nicht unterkellert und war vermutlich vor dem Umbau Garage/Unterstellplatz. Nach dem Umbau von 1970 ist in einer Hälfte eine Garage entstanden (Betonbodenplatte mit gemauerter Schraubergrube) und auf der anderen Seite ein Wohnzimmer (getrennt durch Mauer (lt. Statiker nicht tragend) und Gipskarton).
Wir würden gerne die Garage mit Wohnzimmer verbinden und beides als Wohnraum nutzen.

Problem:
Seltsam ist der Bodenaufbau des Wohnzimmers. Ich habe an zugänglichen Punkten mit einer endoskopischen Kamera den Aufbau angeschaut. Das Lagebild setzt sich somit aus punktuellen Wahrnehmungen der Zustände zusammen. Demnach hat der Boden folgenden Aufbau:

Vermutlich Punktfundamente aus Ziegel mit darauf "schwebendem" Betonboden (zu den Mauern hin mit Styropor "isoliert"), Estrich, Lattung mit Dämmwolle, Dielen.
Seltsam ist der "schwebende" Betonboden. Der Sandboden hat einen unregelmäßigen Abstand von ca. 10 - 20 cm.

Durch den Aufbau ist der Estirch im Wohnraum ca. 20-30cm über der Oberkante des Betonbodens der Garagenseite

Fragen, die ich mir stelle - über andere Erkenntnisse wäre ich aber auch dankbar:

Ist das so gewollt gewesen? Sollte der Betonboden evtl. wie bei einem Balkenboden unterlüftet werden?

Ist ein solcher Aufbau bekannt? Ich konnte keine Beschreibungen dazu finden.

Wurde bei der Garagenseite auf eine aufwendigen Aufbau verzichtet, weil hier kein Wohnraum entstehen sollte?

Wurde der Sand ausgewaschen? Muss ich hier mit einem Material auffüllen?

Welches Vorgehen bietet sich für eine Angelichung der Bodenhöhen an? Erhöhung der Garage durch z.B. Dämmaterialien? Heraussahme des kompletten Bodens im Wohnraum und Neuaufbau?

Viele Grüße
Werner Frei



Fußbodenaufbau



ob das gewollt war läßt sich nur mutmaßen, ich denke ja. Denn wohin sollte der Sand gespült worden sein, wenn ringsum Fundamente sind ( so jedenfalls habe ich es verstanden).
Durch welche Öffnungen hast du denn die Kamera geschoben ? Könntest Du dabei auch die Betonplatte von unten begutachten. Wieviel Punktfundamte in welchem Raster konntest du ausmachen. Wäre dazu eine Skizze machbar? Vorstellbar wäre, dass auf die Punktfundamente TT-Träger gelegt wurden und zwischen die Betonhohldielen geschoben wurden, darauf dann ein Estrich gegossen ( wahrscheinlich ist das von Dir beschriebene Styropor als Randdämmstreifen für den Estrich gedacht) und dann der von Dir beschriebene Aufbau. Wieviel Dämmung ist jetzt drin bzw. wie hoch ist der Aufbau über Estrich jetzt im WZ ?
Um die weitere Vorgehensweise zu entscheiden, wäre es wichtig, daß Ihr Eure Vorstellungen betrachtet:
- wie hoch soll die Zimmerhöhe werden, d.h. eher die geringere Höhe im WZ oder die Höhe ( plus Aufbau) des Garagenteils
- Soll eine Fußbodenheizung rein
- wie ist der Endbelag gedacht



Danke für die Überlegungen, Bilder und Planung


Danke für die Überlegungen, Bilder und Planung

Vielen Dank für die Überlegungen. Ganz schlüssig ist mir die Konstruktion allerdings noch nicht.

Dass das Styropor als Abstandshalter für den Estrich (ist das überhaupt Estrich oder feinerer Beton?) da ist, klingt plausibel. Nach Fertigplatten als Unterkonstruktion sieht es allerdings nicht aus, dafür ist m.E. die Unterseite zu rau. Daher bleibt für mich die Frage, wie das gegossen worden ist und wie der Luftspalt entstanden ist. M.E. wäre es ohne Nachteil viel einfacher gewesen, die erste Betonschicht auf die Erde zu gießen. Das ist auch bei der anderen Hälfte, die als Garage genutzt wurde, augenscheinlich so passiert.

Für das Punktfundament habe ich nur ein Pfeiler gefunden - genau an der Stelle an der ich geöffnet habe. Ob es weitere gibt und wieviele kann ich nicht sagen. Eines der Bilder könnte auch ein Streifenfundament nahelegen. Skizze mit vielen Fragezeichen habe ich für die Diemensionen angfertigt. Die Gesamtschichtdicke (grober Unterbeton und "Estrich") beträgt ca. 22 cm.

Der neue Aufbau hätte im Idalfall eine Fußbodenheizung und Parkett. Deckenhöhe ist 2,90m über der Oberkante vom "Estrich" in der Garage entsprechend 3,20m. Finale Raumhöhe sollte mindestens "normal" sein.
Allerdings habe ich Bedenken wegen der Feuchte - Trennschichten habe ich z.B. nicht gesehen. Daher überlege ich auch einen billigeren Aufbau mit Dämmung und Parkett, bzw. Dielen oder auch nur Vinyl - bei der Variante würde ich zumindest im schlimmsten Fall nicht so viel Geld versenken, oder?

Die Garagenseite würde ich vermutlich mit Dämmung anheben. Wahrscheinlich müsste ich auch eine Trennschicht vor der Dämmung einziehen (Betonboden hat hier Erdkontakt), oder? Den Fußbodenbelag und Heizungssyste, würde ich dann natürlich angelichen wollen.

Bilder folgen in den Antworten.



Öffnung für Blick unter den Boden


Öffnung für Blick unter den Boden

Öffnung für Außenwasseranschluss



Blick nach Links


Blick nach Links

Erstes Bild nach links



Blick nach Links2


Blick nach Links2

Ist der untere Beton durchgängig armiert?



Blick nach Hinten


Blick nach Hinten

Spalt zwischen Fundament unter dem Boden und der Mauer



Auflage Mauer


Auflage Mauer

Auflagetiefe leider nicht zu erkennen.



Blick weit in den Boden


Blick weit in den Boden

Luftspalt scheit durchgänig zu sein. Weitere Auflagepunkte nicht zu erkennen. Beschaffenheit der Unterseite könnte auf Gießprozess beim Bau / Umbau hinweisen.



Weiterer Blick ins "Innere" - Hinweis auf Streifenfundament


Weiterer Blick ins

Evtl. Streifenfundament. Ansonsten keine weiteren Auflagepunkte zu erkennen.



bodenaufbau



um einen Rückbau des Bodens im jetzigen WZ zu vermeiden, hätte auch ich zu einer Anhebung des Garagenbodens tendiert. Eine Feuchteabdichtung z.B. mit Schweißbahn oder EPDM-folie, die bis zur OK Fertigboden an der Wand hochgezogen wird, ist ratsam.
Der tatsächliche Bodenaufbau unter dem WZ ist ohne eine Öffnung nicht zu erforschen, dies ist vielleicht auch nicht nötig.
Gutes Gelingen !



Ja, aber warum wurde so gebaut? Dämmung unter Fußbodenplatte über Erdreich einblasen



Danke für die Überlegungen. Die Einschätzung stimmt wohl.

Ich würde nur wirklich gerne verstehen, warum so gebaut wurde. Auch um zu verhindern, dass ich durch Umbauten oder Dämmungen den planerischen Gedanken zunichte mache.

Warum ist unter dem Boden kein Kies? Die Platte wurde wahrscheinlich vorort gegossen (raue Unterseite, passgenau) - also muss das Erdreich nachträglich mühsam entfernt worden sein. Das macht man doch nicht ohne Grund auf einer Länge von 6m. Für eine Unterlüftung fehlen Auslassöffnungen nach Außen.

Ich sehe zwei Hypothesen:

1. Durch die "schwebende" Anordnung wird sichergestellt, dass die Kräfte nur über die Fundamente abgeleitet werden. Könnte Kies etc. Kräfte auch seitlich aufs Streifenfundament ableiten?
2. Durch den Hohlraum wird weniger Feuchtigkeit vom Erdreich übertragen.

Gibt es heute vielleicht eine sinnvolle nachträgliche Dämmung? Kann ein Material eingeblasen werden? Vielleicht gibt es einen geeigneten Schaum?



Ein nachträgliches Ausräumen



unter der Bodenplatte halte ich nicht für geschehen. Der Zwischenraum ist viel zu niedrig dafür. Die einzige Erklärung, die ich habe ist, dass die Platte auf einen nicht verdichteten Boden gegossen wurde und der sich dann über die Jahre gesetzt hat. Eine Lastabtragung vom Kies in das Streifenfundament wird nicht stattfinden.
Ob es möglich ist, dort eine Dämmung nachträglich einzubringen , kann ich anhand der Fotos nicht einschätzen. Es sollte ja kein organisches Material sein, weil eine gewisse Feuchte im Boden nicht ausgeschlossen werden kann.
Es wäre zu erfragen, ob man Perlite ähnlich wie Zellulose einblasen kann. Aber mit einer ordentlichen Dämmung auf der Platte sollte eine energetische Ertüchtigung dieses Teils des Zimmers gut funktionieren.