Feuchte Küchenwand II - Muss verputzen sein?

24.12.2008



Ich hatte vor einiger Zeit wegen unserem Problem mit der feuchten Küchenwand gepostet und hier den sehr guten Rat bekommen, einen Gutachter hinzuzuziehen (hätten wir sofort machen sollen!!). Der war jetzt da und hat uns erklärt,
dass eindeutig der Terassenanbau des Nachbarn die Ursache ist und er nach dem Verursacherprinzip für unseren Schaden aufkommen muss (das wird leider sicher noch Anwälte beschäftigen - aber nun gut).

Als Maßnahme,um die Wand wieder zu trocknen, empfahl der Gutachter, den feuchten Putz innen zu entfernen und anschließend einen WTA- Sanierputz aufzutragen.
Jetzt aber meine Frage(n):
1. Muss Putz eigentlich überhaupt sein oder könnte man die "nackte Wand" lassen?
2. Ein großes Problem ist, dass vor der feuchten Wand unsere Küchenzeile steht und wir sie auch nirgendwo anders aufbauen könnten. Können wir sie zur Not vor der Wand stehen lassen? Gibt es Möglichkeiten, die den Trochnungsprozess hinter den Schränken besser machen (Heizleisten? so was wie ein Gebläse?).
Vielen Dank für ein paar hilfreiche Anregungen und Informationen.



Hallo



Wo sehen Sie den Schaden, Innen oder Aussen?
Ein WTA Sanierputz mag aussen funktionieren aber fuer Innen ist das keine gute Wahl.
Gruss Norbert





Auf alle Fälle muss erst mal die Feuchteursache beseitigt werden, bevor an die Sanierung gedacht wird...

Grüße,
Peter



feuchte Küchenwand II



@ Dr Norbert Hoepfer: Wir haben Feuchtigkeitsschäden innen und außen. Durch einen Terassenanbau des Nachbarn (er hat eine höhergelegte Holzterasse direkt an unsere Ziegelwand gebaut), ist das Regenwasser gegen unsere Küchenwand geführt worden und hat die Wand in ganzer Länge durchnäßt. Außen bedeutet dies, dass die Ziegelsteine (Feldbrandstein, oder so ähnlich)ausgewaschen werden und überall roter Staub rumliegt und die Wand überall Salzausblühungen zeigt.Innen, ist der Putz auf der ganzen Länge naß.
Das WTA Sanierputz evtl nicht unbedingt eine gute Wahl ist, habe ich aus Beiträgen hier schon rausgelesen und mache mich gerade wegen diesem Klimasan-Putz kundig.
(Muss dazu sagen, ich bin absolute Laiin und arbeite mich hier ganz langsam durch dieses Thema durch).
Aber muss denn unbedingt ein Putz aufgetragen werden oder trocknet eine Wand nicht besser ohne eine solche Schicht?

@ Peter Musch: Die Feuchteursache zu beheben, liegt erst mal nicht in unserer Macht, da lt. Gutachter, eindeutig der Terassenanbau des Nachbarn die Ursache ist und wir werden ihn erst mal nicht dazu bekommen, den Terassenanbau so zu gestalten, dass er nicht weiter Regenwasser unserer Wand zuführt. Ich hatte ihn schon vor längerer Zeit gebeten, das Gefälle von unserer Hauswand weg und zu seiner hin zu legen, außerdem sollte er wenigstens eine Fuge zwischen Holzbrettern und Wand sägen, damit das Regenwasser wenigstens ablaufen kann. Aber da grinst der natürlich nur einen und sagt einfach, er habe mit unserer nassen Wand nichts zu tun.
Das wird sicher eine langwierige Sache (und wird sicherlich ein Rechtsstreit werden) und wir müssen wenigsten von innen die Wand einigermaßen trocken bekommen, sonst haben wir irgendwann meterhohen Schimmel.





Wenn möglich würde ich die Küchenschränke ein Stück von der Wand wegschieben, unten die Sockelblende entfernen um eine gute Hinterlüftung zu bekommen und auch zusätzliche Heizleisten/Lüfter + regelmäßige Raumlüftung helfen...

Zum Fall selber würde ich die weitere Vorgehensweise erst mit einem Anwalt abstimmen...

Grüße,
Peter



@Beate



Hallo, Ihnen bleibt nur die Putzloesung. Klimasan ist die natuerliche Variante des Sanierputzes. Sprechen Sie mit Hr. Dahlbuedding, er vertreibt das Material in Ihrer Naehe.
http://fachwerkhaus.historisches-fachwerk.com/fachwerk/index.cfm/ly/1/0/community/a/showMitglied/550$.cfm
Ich wuerde eine Testlauf vorschlagen: Feuchten Putz abschlagen, Abschlaghoehe Feuchtehorizont + Mauerstaerke.
Fugen auskratzen und klimasan im Test anwerfen. Spaeter setzen Sie einen reinen Kalk-Oberputz drauf. Im Fruehling sehen Sie ob diese Loesung funktioniert.
Was haben Sie fuer einen Fussbodenaufbau, denn da wird die Feuchtigkeit auch hinziehen.
Viel Erfolg
Norbert Hoepfer





@ Peter Musch: Sockelleisten haben wir sofort entfernt, als wir die Feuchte Wand entdeckt haben (und einen Unterschrank habe ich auch ganz abgebaut). Blöderweise haben wir nur bei einem weiteren Unterschrank die rückwand entfernt, bei den andern Unterschränken haben wir das erst gemacht, als der Gutachter kam und dadurch auch jetzt erst das ganze Ausmaß des Schadens gesehen. Mit dem Vorziehen der Schränke werden wir dann nach den Feiertagen in Angriff nehmen und ich hoffe das Hr. Dahlbüdding uns nicht nur wegen des Putzes beraten kann, sondern vielleicht auch etwas zu Heizleisten und Belüftung sagen kann.
Tja, und so langsam begreife ich auch, dass wir um den Anwalt nicht herumkommen. Wir werden jetzt das schriftliche Gutachten des Sachverständigen abwarten und uns dann anwaltlich beraten lassen.

@ Dr. Norbert Hoepfer: Mit Hr. Dahlbüdding habe ich schon vor einigen Tagen telefoniert und er will Anfang Januar bei uns reinschauen und sich das "Malheur" anschauen.
Mir kam zwischenzeitlich nur die Frage, ob so ein Putz überhaupt sein müsse bzw. ob Putz evtl. nur optische Zwecke hat, das wäre ja hinter den Küchenschränken nicht nötig.
Aber so wie ich Sie jetzt verstehe, scheint der Putz ja auch für die Trocknung nötig.
Zu Ihrer Frage mit dem Fußbodenaufbau, kann ich nur sagen, keine Ahnung (und zu Ihrem Hinweis, dass die Feuchtigkeit auch in den Boden ziehen wird, fällt mir nur "na Klasse" ein), aber da kann ich die Vorbesitzer befragen, die das Haus damals saniert haben und auch den Boden zumindest neu verfliest haben.

Ihnen beiden vielen Dank für Ihre Antworten, es hilft sehr bei der Orientierung, in einem für uns völlig fremden Metier.



@Beate



Also schoene Gruesse an Hr. Dahlbuedding. Ich kenne Ihn von Fachwerk und Telefon. Da haben Sie auch gleich einen Fachmann am Objekt.
Nun ja, wenn da ne Daemmung unter dem FB ist, dann koennte die durchfeuchtet werden. An den Fliesen werden Sie es nicht merken.
Good luck
Norbert Hoepfer





Hallo Beate,
zur Frage ob der Innenputz ab muß, ja.
Wenn es Gips oder Zementputz ist.

Ob Sanierputz drauf muß, ja.
In Verbindung mit einer Dichtschlämme!

Ob es Sanierputz sein muß, ja.
Um die gelösten Salzen der Wand aufzunehmen.

Ob Sie ohne Putz auskommen können.
Nun wenn es Sie nicht Stört eine dauerhaft nasse Wandoberfläche zu haben und den "rote Staub" den Sie im Außenbereich haben, Sprengungen durch Salzkristallisation, auch innen in Ihrer Küche ertragen können geht es wohl auch ohne.

viele Grüße



@ Jens H Schröters



Vielen Dank für Ihre Rückmeldung. Ja, ich habe inzwischen verstanden, welche Funktion so ein Sanierputz hat. Hr. und Fr. Dahlbüdding waren vorgestern da und wir werden den vorhandenen, nassen Gipsputz abschlagen und Klimasan-Putz auftragen(... und hoffen, dass unser Nachbar sich durch Gutachter und Anwalt überzeugen lässt, einen Abstand zwischen Wand und Terasse zu bringen).





Das Problem ist kein schönes! Die Ursachenbeseitigung ohne Mitwirkung des Nachbarn ist wie beschreiben sehr schwer bis unmöglich und für den Rechtsstreit wünsche ich viel Erfolg.
Zur Schadenseingrenzung folgender Vorschlag:
1. Innenputz bis mind. 50 cm über den sichtbaren Durchfeuchtungsbereich abschlagen.
2. Nachträgliche Horizontalsperre in mind. 30 cm Höhe über Terrasse des Nachbarn einbauen.
3. Egalisierungsspachtel auf von Putz befreiter Wand auftragen. Höhe mind. 20 cm über nachträgliche Horizontalsperre.
4. Dichtungsschlämme mind. 2mm dick mehrlagig auftragen. ( Zulassung für Negativabdichtung beachten!)
5. Vorspritzputz und Deckputz, Systembezogen auf Dichtungsschlämme auftragen.

Damit wird ein weiteres Aufsteigen der Feuchtigkeit und das weitere Eindringen der Feuchtigkeit in den Wohnraum verhindert. Die Durchfeuchtung der Wand hinter der Abdichtung bleibt natürlich bestehen und kann erst nach einlenken des Nachbarn beseitigt werden. Möbel und ähnliches bleiben aber trocken.

Nochmals Viel Glück

J. Zinke