Fussboden(aufbau) auf Holzbalkendecke

11.10.2014 jonzewiespike



Hallo liebe Fachwerk.de-Gemeinschaft,
Wir habe einige Fragen bezüglich des Bodenaufbaus auf einer Holzbalkendecke in einem Altbau. Da wir absolute Laien sind undsich leider auch im engeren Bekanntenkreis keine fachkundigen Personen befinden hoffen wir hier etwas unabhängige Hilfe zu finden. Entschuldigt den langen Text. In den Forumsbeiträgen zum Bodenaufbau haben wir leider nicht sämtliche Informationen gefunden.

Wir haben kürzlich ein um 1900 erbautes dreistöckiges Mehrfamilienhaus erworben um dieses von Grund auf zu sanieren. Unter der Ägide eines Bauinginieurs haben die Sanierungsmassnahmen bereits begonnen.Mangels Zeit und Kentniss erfolgt keinerlei Eigenleistung durch uns und kaum Vorgaben an den Ingernieur..
Aus Gründen auf die hier nicht näher eingegangen werden kann, wird jedoch unweigerlich eine Fussbodenheizung der Firma Krauthöfer -Thermoflair verbaut werden. Diese Entscheidung ist aus den nicht näher erläuterbaren Gründen leider noch vor Einbeziehung des Ingenieurs getroffen worden. Die prinzipiellen Nachteile einer Holzdielung auf einer Fussbodenheizung sind uns mittlerweile bekannt und wir hätten nach dem heutigen Kentnissstand auf eine solche verzichtet; dies ist aber leider nicht mehr möglich.
Nunmehr steht die Entscheidung über den Fussboden an. Hier war unser Wunsch die Verlegung eines Massivholzdielenbodens (Eiche 20 mm). Die Verlegung eines Massivholzdielenbodens lehnt der Ingenieur nach anfänglicher Zustimmung mittlerweile aber strikt ab und schlägt eine Drei-Schicht-Dielung vor.
Der Fussboden-Aufbau soll laut Ingenieur auf der alten Dielung erfolgen und wurde von Ihm mit 45 mm Aufbauhöhe wie folgt geplant. Die weitere bisherige Planung und teilweise Durchführung(z.B. Türen) erfolgte aufgrund dieser Aufbauhöhe.
1.OG und 2. OG
- Putz auf Schilfrohr/Sauerkrautmatten(?)
- Holzbalkendecke (80 cm Balkenabstand) mit Schüttung (teils alte Schüttung, teils wo ein Austausch von Deckenbalken erforderlich war wohl Perlit. Nähere Details zu Schüttung/ Deckenkonstruktion sind uns leider aktuell nicht bekannt)
- Feuchtigkeitssperre (max 1 mm)
- Alte Dielung (PitchPine, ca. 22 mm), teils neue Planken (Material uns nicht bekannt)
- Thermoflair-Fussbodenheizung (16 mm HDF/MDF Systemplatte + 5 mm HDF/MDF Deckplatte), Schwimmend verlegt
- Trittschallfolie (ca. 1 mm für Laminatböden, nähere Spezifikationen nicht bekannt)
- Raumlange (bis 5 m) Drei-Schicht-Dielen (21 mm, Douglasie), Schwimmend verlegt

EG wie OGs aber hier Preussische Kappendecke als Basis

Als Gründe für eine Ablehnug des Massivholzdielenbosens führt der Ingenieur auf, dass
Erstens eine starke Verwindung/Fugenbildung des Holzes durch das nicht zu gewährleistende notwendige Raumklima/Luftfeuchte höchstwahrscheinlich sei und
Zweitens die Verschraubung oder Verklebung auf den Fussbodenheizungs-Platten nicht praktikabel sei (Laut spärlicher Herstellerinformation aber durchaus möglich) und
Drittens die alte Dielung onehin (?)nicht geeignet sei für die Verlegung von Massivholzdielen.

Dies führte dazu, dass wir uns erstmals mit dem Thema Fussbodenaufbau beschäftigt haben um die aufgeführten Gründe nachvollziehen zu können .

Nach unserer bisherigen Recherche stellen sich nunmehr folgenden Probleme:

1) Der Fussbodenaufbau scheint uns zu niedrig und unvollständig um einen ausreichenden Trittschallschutz zu gewährleisten. Liegen wir da richtig? (www.mikadoonline.de/data/plus/2008/09/pdf/mikPLUS_200809.pdf). L
2) Es ist nicht ersichtlich weshalb eine Massivholzdielung aufgrund der alten Dielung nicht möglich sein sollte, da es sich soweit möglich um damalige Standarddecken handelt (Traglast wohl um 150 kg/m², zumindest wurde dieser Wert mal erwähnt).

Darüberhinaus ergeben sich noch folgende Fragen:

1) Wäre es nicht sinnvoller zwischen alten Dielen und Fussbodenheizung eine GUTEX, PAVATEX, DOSER etc…-Platte als zusätzliche Trittschalldämmung schwimmend zu verlegen? Dies würde natürlich mindestens 40 mm zusätzliche Aufbauhöhe mit sich bringen, die wir als Bauherren aber in Kauf nehmen würden!
2) Wäre in diesem Fall nicht das Argument mit der nicht belastbaren alten Dielung hinfällig und die Verlegung einer Massivholzdielung möglich?
3) Über die Thermoflair-Platten haben wir nicht viele Informationen. Die Platten werden aber flächig mit Nut und Feder verlegt. Somit scheidet die Nutzung einer für Dielen vorgesehenen Gutex-Thermosafe-nf Platte wohl aus, da ja die Fussbodenheizung noch unter die Dielen käme. Wäre eine Gutex Thermofloor Platte äquivalent?
4) Hat jemand anders vielleicht Erfahrung mit diesem Heizungssystem gemacht?


Abschließend ist zu sagen, dass wir mittlerweile sehr verunsichert sind ob des Bodenaufbaus und vor allem traurig da wir uns immer einen Massivholzdielenboden im Haus gewünscht haben. Die unüberlegte Entscheidung eine Flächenheizung zu installieren bereuen wir mittlerweile zu tiefst.

Wir bedanken uns jetzt schonmal für Antworten.

Adrian und Katha



Ihr Armen...



Da bisher keiner geantwortet hat, schreibe ich - auch Laie - mal etwas dazu. Vielleicht findet sich ja noch ein Fachmensch. Ich habe gerade in einem kleineren Raum eine solche Holzbalkendecke komplett offen gehabt und den Boden neu aufgebaut.

Warum ihr die Heizung nicht weglassen könnt schreibt ihr nicht. Es wäre meine Wahl. Manchmal muss man in einen (finanziell) sauren Apfel beißen. Fehlentscheidungen trifft jeder mal. Entweder man lebt dann langfristig mit den Konsequenzen oder man fängt nochmal neu an.

Eine alte Dielung drin zu lassen ergibt für mich nur dann Sinn, wenn diese Tip-Top ist. Meistens ist sie das nicht. Stellen mit alten Feuchteschäden oder mit gebrochener Spundung, die bei Belastung viel arbeiten und durchbiegen, sollten mindestens ersetzt werden. Aber bei einem Balkenabstand von 80cm schwant mir, dass die 22mm Dielung sich schon allgemein stark durchbiegen wird. Selbst die von mir verbaute 25mm OSB-3 zeigt hier noch sichtbare Durchbiegung.

1 mm Trittschall zwischen Heizung und neuer Dielung erscheinen mir persönlich etwas wenig. 40mm aber wieder viel zu viel. Erstens macht sich die Höhe später wohl sehr bemerkbar (Fensterhöhe aber auch an Türrahmen), zweitens ist so ein Altbau eben ein Altbau, da hört man die Nachbarn nun einmal. Funktioniert das mit der Heizung überhaupt noch? 40mm Dämmung + 22mm Holz: Wie soll die Wärme da durch kommen?

Dass Vollholzdielen stark arbeiten, gerade bei Fußbodenheizung, das ist verständlich. Bei schwimmender Verlegung noch kein Problem, aber wenn der Fußboden auf die Heizungsplatten geschraubt werden sollte, würde ich auch eher Dreischichtparkett nehmen.

Holt Euch einen weiteren Sachverständigen ins Boot, dem ihr vertraut. Ohne genau zu wissen, was der aktuelle Zustand ist, würde ich trotzdem immer wieder meinen Weg gehen: Alte Dielung raus, dann kann die Balkenlage begutachtet werden (bei mir war ein Balkenkopf komplett zerstört und musste ertüchtigt werden!). Schüttung begutachten, leichte Schüttung durch schwereres Material ersetzen (Blähschiefer o.ä.). Auf Rieselschutz achten. Zum Nivellieren des Bodens - er sollte so Plan wie möglich sein - eine Lattung auf die Balken längs, nicht quer zum Balken; das ist eine endlose Fummelarbeit. Dann entweder Rauhspunddielung oder 28 bis 30 mm OSB-3 oder -4 verschrauben. OSB Platten eventuell an bestimmten Stellen noch von unten verstärken. Darauf vielleicht 2-3 mm Trittschalldämmung (ich habe eine Korkmatte drin), dann Dreischicht-Parkett schwimmend.

Wie gesagt, ich bin kein Fachmann. Ich schreibe nur, weil ich mit Euch mitfühlen kann.

Gruß



Unvermeidbar...



...ist nur der Tod. Mich würde schon interessieren, warum dieses FBH-System unbedingt eingesetzt werden muß. Es ist nämlich zur Kombination mit massiven Dielen nicht geeignet (soweit das die extrem dürftige Homepage erkennen lässt).

Es gibt aber durchaus FBH-Systeme im Trockenaufbau, die mit massiver Dielung kombiniert werden können. Ich habe damit beste Erfahrungen gemacht: www.ripal.de.

Minimalaufbauhöhe auf einen funktionierenden Altdielung: 24mm FBH und 22mm Dielung.

Grüße

Thomas



Vielen Dank



für eure Antworten.

Bereits aus diesen erscheint die einzig vernünftige Lösung klar, nämlich das Heizungssystem zu wechseln. Letztlich ist dieser Weg natürlich nicht unmöglich und wir beginnen uns gerade mit dieser Möglichkeit, die einen herben finanziellen Verlust mit sich bringt, zu arrangieren.
Aber wie Mathias anmerkte ist es manchmal besser in einen sauren Apfel zu beißen

@Thomas
Das von Ihnen vorgeschlagene Heizungssystem der Firma Ripal haben wir uns angeschaut.

Die Recherche im Forum hat uns vermittelt, dass Sie bereits einige Erfahrung mit der Anwendung dieses Systems unter Massivholzdielenböden haben und zu unserer Freude durften wir lesen, dass dieses System auch unter 28 mm Douglasien-Dielen, unsere zunächst favorisierten Dielen, funktioniert .

Aus unserer Sicht wäre dieses vom Aufbau natürlich ideal.
Allerdings fragen wir uns wie sich dieser minimale Aufbau bezüglich des (Tritt)Schallschutzes verhält. Könnten Sie uns hierzu Ihre Erfahrungswerte mitteilen?
Sollten die sich aus dem Aufbau erfahrungsgemäß ergebenden Schallschutz-technischen Eigenschaften der Geschossdecken tolerabel sein wären wir der Lösung unseres Problems bereits ein gewaltiges Stück näher.

Wir werden die Anschaffung in jedem Fall mit unserem Heizungsingenieur besprechen.
Leider befürchten wir, dass sich in unserer näheren Umgebung niemand finden wird, der über die entsprechenden Erfahrung/Kompetenzen verfügt um den Einbau dieses Systems unter einen Massivholzdielenboden durchzuführen. Unsere bisherige Erfahrung hat gezeigt, dass eine Vielzahl von Tischlern aus Furcht vor Haftungsansprüchen die Installation einer Fussbodenheizung unter Massivholzdielen ablehnt, obwohl der vorgesehene Hersteller der Dielen (pur Natur) selbst dies prinzipiell für möglich hält.
Deshalb möchten wir uns andeutungsweise erkundigen ob Sie auch bundesweit tätig wären, oder alternativ, Empfehlungen für Handwerkbetriebe nahe unserer Region (Vorpommern) mit Erfahrung in der Verlegung von Massivholzdielen in Kombination mit Fussbodenheizungen abgeben könnten.

Falls dennoch nicht realisierbar möchten wir noch fragen wie Ihr den Unterschied zwischen Massivholzdielen und Drei-Schicht-Dielen einschätzt (Optik, Haptik ?)
Sollte es dazu kommen würden wir zu 21mm Drei-Schicht-Douglasiendielen der Firma pur Natur tendieren.

Herzliche Grüße

Adrian und Katha



Langsam langsam



Hallo,

bitte keine schwerwiegenden Entscheidungen auf einer pauschalen Laienmeinung basieren! :-)

Weder kenne ich die baulichen, finanziellen und persönlichen Umstände, noch habe ich entsprechende fachliche Kompetenz.

Ich habe übrigens Eichen-Landhausdielenparkett verlegt. Nicht nur aus optischen Gründen, sondern auch der Haltbarkeit wegen. Günstig ist das allerdings auch nicht. Durch eine Klick-Verbindung ist das Fugenbild des 3S-Parketts evtl. etwas dichter als bei Massivholzdielen. Am schönsten fändeich allerdings raumlange Dielen...

Gruß



Fragen...



zur baulichen Situation:

Ist das ein von Euch allein genutztes Haus (dann wäre über den angemessenen Aufwand zur Trittschalldämmung nachzudenken) oder spielen Mieter eine Rolle (dann gehts nicht ohne).

Eine gute Trittschalldämmung ist durchaus zu realisieren, allerdings kostet das etwas Aufbauhöhe. Das Ripal-System ist sehr einfach montierbar, das schaffen auch Laien. Euer Heizungsbauer bekommt das mit Sicherheit hin. Wichtig ist nur, daß die genaue Lage der Lagerhölzer im Vorfeld abgestimmt wird, damit die Dielen überall festgeschraubt werden können. Eine schwimmende Verlegung von Massivholz auf FBH ist nicht mit gutem Gewissen zu empfehlen.

Optische Unterschiede zwischen einer Dreischichtdiele und einer Massivdiele muss es nicht geben.

Wir arbeiten auch fern der Heimat, solange es um Verlegen auf belegreifem Unterbau und Oberflächenbehandlung geht, und können dazu auch gerne telefonieren. Tel. Nr. im Profil.

Grüße

Thomas