Dielenboden über dauerfeuchtem Keller im Ferienhaus- wie sanieren?

13.08.2010



Hallo,
es geht um ein Ferienhaus in Schweden mit einem dauerfeuchten Keller (eindringendes Grundwasser), welches nur zeitweilig beheizt wird. Das Problem ist, dass der alte Fußboden (Baujahr 1919) nun in mehreren Erdgeschoß-Räumen morsch geworden ist und ausgetauscht werden muss. Möglicherweise ist das Problem jedoch nicht durch den feuchten Keller, sondern auch durch PVC-Beläge verursacht, die der Vorbesitzer in den 70ern eingebracht hat. Das Haus wird seit 20 Jahren als Ferienhaus genutzt und im Winter nur zeitweilig geheizt- im Keller herrschen etwas 2-4 Grad, das Haus kühlt auf bis -15 Grad herunter. Hier kann also auch Kondensbildung im Fußboden auftreten.

Das gesamte Stützwerk des Hauses ist auf Natursteinen aufgelegt, und zwischen Erdboden und Balkenschicht sind circa 15cm gut unterlüfteter Spalt. Ich frage mich nun, ob ich eine Dampfsperre und Isolation in die Zwischenschicht einbringen soll, wo z.Z. nur Holzspäne sind (siehe meine professionelle Grafik ;-) oder ob eine Lösung mit (diffusionsoffenen) Dielen die bessere Wahl ist. Ein Aufbau mit Spanplatten und PVC ist zwar kostengünstiger, aber bisher sind die tragenden Balken noch nicht angegriffen, und das soll auch so bleiben! (Darum mache ich mir die größten Sorgen).

Bin für jede Hilfe dankbar!
gruß
Steffen



Fußboden im Ferienhaus



Hallo Steffen,
falls die Fussbodenbalken angegriffen sind: Nimm Lärche oder Douglasie (nur wenns das nicht gibt Kiefer) um sie zu ersetzen. Lä/Doug braucht nicht imprägniert werden.
Dass die Balken auf Naturstein aufliegen ist schon mal gut.Naturstein gilt als kapillarbrechend. Das heißt: Erdfeuchte steigt durch diese Steine nicht auf.Die unter em Fussboden zirkulierende Luft ist auch positiv zu bewerten.
Für Wände und Dachflächen gilt folgende Grundregel: Die Dichte der Materialien sollte von innen nach außen abnehmen. Deswegen: möglichst Aussendämmung. Weil das bei nachträglicher Dämmung von Altbauten manchmal nicht geht gibts hier bei Fachwerk.de heiße Diskussionen über nachträgliche Innendämmung.
Ich würde Deinen Fußboden wie eine flachliegende Außenwand betrachten. Mit dem Unterschied, dass die Wärme im Raum ja nach oben steigt.
Ob das ein gravierender Unterschied ist, dazu werden sich bestimmt noch die sehr engagierten Ingenieure & architekten im Forum äußern. Falls nicht musst Du dazu noch mal extra nachfragen.
Da Du mit Sicherheit keine kalten Füße kriegen willst, schlage ich Dir vor eine Dämmung mit Cellulose einzubringen. Die brauchst Du auch nicht einblasen lassen, sondern kannst sie rein schütten und von oben verdichten.
Als untere Begrenzung rate ich zu Weichfaserplatten,(weniger dichtes Material nach außen). Von unten nochmal Lä/Doug-Bretter dagegen, quer zu den Fußbodenbalken mit Abständen von 30-50cm. (Sparschalung)Die sollen die Weichfaserplatten nach unten stabilisieren.
Auf der Fußbodenbalkenlage kannst Du dann den Belag direkt verlegen. OSB, Dielen (Lärche in diesem Fall nur,wenn Dir der Händler zusichert, dass sie nicht mehr ausharzt), Linoleum.
PVC würde ich die Finger davon lassen. Zu dicht und da kommen Gase raus.
Eine kleine Unsicherheit bei meinem Fachwissen muß ich noch eingestehen: ob eine Dampfbremspappe und Hinterlüftung (Konterlattung) noch zwischen Balken und Belag müssen.Wenns meine Bude wäre würde ich das weglassen
Nochwas zu den vorgeschlagenen Materialien: Cellulosedämmung wird in der Regel mit Salzen(z.B. Borsalz) als Imprägnierung vermischt. Das bedeutet: Die Dämmung imprägniert noch das an sie anschließende Holz. Mäuse mögen das Zeug auch nicht: die kriegen davon brennende Augen.
Weichfaserplatten dämmen auch!
Wo in Schweden steht denn das Häuschen?
Gruß aus Nordvorpommern (ehemals Südschweden)
Ralph Schneidewind



Moin Steffen,



dass der PVC der "Mörder" ist, sehe ich auch so. Wenn du an der Kellersituation nix ändern möchtest, würde ich den alten Aufbau so lassen und nur wieder frische, geölte Dielen draufmachen. So bleibt alles luftumspült und gammelt dir nicht weg.

Sonst müsstest du die Grundbalken aufnehmen und dort dampfdicht absperren, wahrscheinlich etwas mühsam für ein Ferienhaus. Da es unterm Haus nie trocken sein wird, muss die Feuchtigkeit irgendwohin, wird sich also ihren Weg neben deiner Sperre suchen...wenn das draussen ist, wärs ja egal, aber sonst.....

Gruss, Boris





Ich versteh den Konstruktionsbeschrieb nicht -
a) das Haus hat einen Keller, und
b) Das gesamte Stützwerk des Hauses ist auf Natursteinen aufgelegt, und zwischen Erdboden und Balkenschicht sind circa 15cm gut unterlüfteter Spalt.

d.h. die Kellermauern schliessen oben nicht ab? So ne Art ausgemauerte offene Grube unterm Haus?
Oder nur teilunterkellert?



Wenngleich...



...ich üblicherweise zu einer FB-Dämmung rate, halte ich die im vorliegenden Fall (geringe Winternutzung) für überflüssig und eher kontraproduktiv. Möglicherweise wird ja auch mit Holz geheizt, das vor der Hütte wächst, so daß die Kosten der Heizung sich in Schweiß beim Sägen und Spalten erschöpfen.

Insbesondere, wenn die Lagerhölzer erhalten bleiben, würde ich eine neue Dielung verlegen, diese harzarm und wachsfrei ölen, und das war's dann auch schon. Eine gewisse Lüftung für die Zeiten der Abwesenheit ist sicher gegeben bzw. sollte hergestellt werden. Die jetzigen Schäden sind mit sicherheit dem Belag zuzuschreiben. Auch auf Linoleum würde ich verzichten. Bis zum Nachweis des Gegenteils gehe ich davon aus, daß da keine nennenswerte Diffusion möglich ist.

Wichtiges Detail: Die Holzfeuchte der einzubauenden Dielen sollte den besonderen Bedingungen eines Ferienhauses entsprechen, und keinesfalls unter 12% liegen. Wenn Ihr Euch ein HF-Messgerät leihen könnt, messt doch 'mal die Holzfeuchte des Bodens oder anderer Holzteile im Raum.

"Fußboden wie eine flachliegende Außenwand betrachten"
Besser nicht. Die Bauklimatischen Bedingungen sind ja wohl nicht ganz diesselben.

Grüße

Thomas



@Jens



Das Haus ist tatsächlich nur Teilunterkellert. Habe ich in der Beschreibung vergessen zu erwähnen. Zunächst dachte ich auch, dass der Fußboden nur über dem Keller morsch ist, aber mittlerweile hat sich herausgestellt, das er es auch über dem nicht-unterkellerten Bereich ist. Die Meinungen hier gehen ja auch eher in die Richtung, dass der Bodenbelag aus PVC der Übeltäter ist.
Eine FB Dämmung ist m.E. tatsächlich nicht unbedingt nötig, denn gerade im Winter trägt man eh Hausschuhe oder dicke Socken. Sollte ich denn noch eine Windsperre als Zwischenlage unter den Dielenboden legen, falls sich diese im Winter stark zusammenziehen und somit Zugluftbrücken entstehen?

Herzlichen Dank übrigens an alle für die Antworten und Eure Mühe!
gruß
Steffen



Arbeiten...



...die Bretters so stark, daß sie aus Nut und Feder trocknen? Die Bahn zur Winddichtigkeit ist freifliegend auf den Lagerhölzern nicht gut zu befestigen

Wenn Aufbauhöhe und Holz reichlich vorhanden ist, würde ich auf die (erste) Dielenlage eine zweite quer legen, ggf. mit einer Rohfilzpappe überlappend verlegt dazwischen. Das ist dann winddicht, bleibt dampfoffen, und dämmt besser der stärkeren Holzschicht wegen.

Grüße

Thomas





Na ja, auf der warmen Seite (hier der Keller) feuchter als auf der kalten (unbeheizter Wohnraum), Diffusionssperre (PVC-Belag) auf der kalten Seite ... klassischer Aufbau für solche Schäden. Die Feuchte Luft dürfte sich im ganzen Bodenaufbau waagrecht ausgebreitet haben.
Wenn man den Boden sowieso aufnehmen muss, würde ich den Fussboden da, wo er auf Erde kommt, nicht in Holz ausführen, auch wenn das bei richtiger Ausführung möglich ist. Es könnte zu Kondensat im Boden kommen, wenn es sehr kalt wird, der Keller noch warm ist und der Boden z.B. zu stark gebohnert wurde.



Warum altbewätes übe den Haufen werfen?



Rückbau bie auf Balken, und den Aufbau mit Riemen oder Dielenboden realisieren.

Grüsse



feedback



Hallo, wollte mal einen kleinen Zwischenstand geben, für die, die es interessiert. Ich habe den Bodenaufbau mit Rauhspund, Pappe und Bambusdielen realisiert. Die Bambusdielen sind vertikal verleimt und wurden nur geölt, um diffusionsoffen zu bleiben. Nach dem ersten kalten Winter zeigen sich bisher noch keinerlei Schäden, bwz. auch kein Verzug der Dielen. Mal sehen, wie es in den nächsten Jahren weitergeht.
gruß
Steffe



Na denn...



...weiterhin viel Erfolg. Ich find's etwas mutig (verleimter Parkettaufbau), aber die Praxis siegt zuweilen über die Theorie.

Sorgt besser für eine angemessene Lüftung während der Nutzungspausen.

Grüße

Thomas



habe mich eventuell etwas..



missverständlich ausgedrückt: die Bambusdielen sind vertikal verleimt, nicht horizontal (dadurch sind sie diffusionsoffener, und haben in meinen Augen ein schöneres Aussehen). Die Dielen selber sind geschraubt und nur an den Stirnseiten geleimt, so wie es empfohlen wird. Die Belüftung ist natürlich das wichtigste, da hast Du völlig recht. Daran arbeite ich gerade noch (Durchbruch im Keller zur Unterlüftung und Zirkulation im Raum).
Danke und gruß!



Einen Durchbruch...



...vom Keller zum Hohlraum unter der Dielung? Das wird wohl äußerst kontraproduktiv werden. Bitte versucht nicht, den Keller über das Wohnzimmer auszutrocknen.

Grüße

Thomas



ne,ne,ne



Irgendwie drück ich mich heute mißverständlich aus ;-)
Der Durchbruch im Keller geht durch die Außenmauer nach außen. Dann kann die Luft frei unter dem Haus zirkulieren. Desweiteren muss ich noch eine Zirkulation in den Wohnräumen schaffen, aber natürlich nicht über den Keller. Ich bin mir noch nicht sicher, ob es reichen wird, einfach die Türen offen zu lassen. Bei stärkerem Wind spürt man in dem alten Haus nämlich schon einen Luftzug. Eventuell muss ich aber ein, zwei Luftgitter einbauen, um das Wohnhaus zu belüften. Das Problem ist, wenn die Türen offen bleiben, verziehen sie sich im Winter und schließen dann schlecht.

Ich denke, einen großen Teil des Problems durch den Austausch des Plastikbodens gegen atmungsaktiven Dielenboden gelöst zu haben, aber der Keller muss definitiv noch besser belüftet werden. Ich habe hier sogar schon an eine Lösung mit Solarelementen und Elektrolüfter gedacht, aber passiv sollte hoffentlich auch reichen...