Fundamentanschluss sinnvoll?

28.04.2011 joerjen



Hallo Gemeinde,

ich möchte an meinem Haus in einem Bereich einen Anbau erstellen. Dazu sollen Fundamente geschalt und gegossen werden. Die Planung und Ausführung obliegt einem Bauingenieur, jedoch habe ich leichte Zweifel, ob das Geplante so vorteilhaft ist.

Mein Haus steht auf gemauerten Natursteinfundamenten, die etwa 1.80m tief in die Erde gehen. Sein Plan ist nun, die Natursteine anzubohren und dort Betonstabstahl einzubringen, damit das neue Fundament eine Verbindung zu dem vorhandenen Fundament bekommt. Ist das sinnvoll? Wenn ich hier verschiedene Einträge lese, frage ich mich, ob es nicht sogar sinnvoll wäre, den Beton des neuen Fundamentes irgendwie vom Natursteinsockel zu trennen, da ja ein Zementputz auch nicht gut für die Natursteine sein soll.

Die neuen Fundamente tragen lediglich die darauf stehende Wand (36.5er Poroton) mit einer Höhe von etwa 3m und die Spannbetondecke, die dann den Boden des zukünftigen Balkons bilden soll.

Auf den bisherigen Fundamenten steht ein Haus mit ca. 40cm Vollziegel und 2 Etagen.

Zur Veranschaulichung habe ich eine Skizze in der Draufsicht auf die Fundamente gemacht.



Fundamentanschluß



Das mit dem Ankoppeln halte ich auch für eine unglückliche Lösung, die gegen die Regeln der Technik verstößt. Die zu erwartenden Setzungen werden hier zu Rissen führen; eine sichere Verankerung in Bruchsteinwänden funktioniert ohnehin nicht.
Ich empfehle ein Gründung als Streifenfundament abgetreppt bis in Tiefe der jetzigen Fundamentsohle, besser gleich auf dem Niveau des Bestandes. Zum alten Fundament sollte eine XPS- Platte o.ä. als Trennung gestellt werden. Zur Ankoppelung des neuen an das alte Mauerwerk schlage ich Halfenschienen vor. Die Fuge sollte als Bewegungsfuge ausgebildet werden.

Viele Grüße





Hallo Herr Böttcher,

vielen Dank für Ihre Ausführungen.

Die Entkoppelung der beiden Fundamente über XPS-Platten klingt an sich gut, jedoch ist ja das Natursteinfundament sehr sehr uneben - wäre es schlimm, wenn die Platte sich nicht komplett anlegt? Kann man dann einfach gegen diese XPS-Platte betonieren, oder sollte die Fundamentschalung an der Seite geschlossen sein?

Zu der Anregung mit der Halfenschiene - wie sieht sowas detailliert aus - müßte das dem Ausführenden irgendwie mal aufzeigen. Er wollte das neue Mauerwerk vom alten Entkoppeln, indem er eine Pappe (die gleiche wie zur horizontelen Feuchtigkeitssperre)zwischen alt und neu setzt.

Was bedeutet abgetreppt? Der Fundamentgraben reicht derzeit bis zur Sohle des alten Fundamentes...



Gründung



Wichtig ist, das sich der Beton des neuen Fundamentes nicht mit dem Bestand verhaken bzw. verzahnen kann. Hauptsache es gibt einen Abstand. Natürlich kann direkt gegen die Platten betoniert werden, aber bitte das Sichern gegen Aufschwimmen nicht vergessen.
Nur eine Pappe zwischen die beiden Wänden ergibt keinen kraftschlüssigen Anschluß. Halfenschienen sorgen für diese Ankopplung, lassen aber senkrechte Bewegungen aus der Baugrundkonsolidierung zu.
Wenn der Graben schon so tief ausgeschachtet ist, vergessen Sie die Abtreppung.

Viele Grüße



und



wenns nicht sein mu?, auch mit dem Putz lange (2 Jahre?) warten, um die doch einretenden Setzungen nicht gleich in voller Gr??e im Putz zu haben. Alternativ zwei Putzfl?chen durch Bewegungsprofile oder 2 Abschlu?profile mit Abstand und Fugenmasse trennen.





Hallo Leute,

ich muß euch nochmal "nerven". Ich hatte am Wochenende meinem Bauing. den Vorschlag mit den Halfenschienen gemacht - er ist sehr skeptisch...

Was mir aber noch aufgefallen ist...das neue Fundament endet ja nicht direkt an der alten Wand - das alte Hausfundament ragt unten etwa 20cm heraus, sodaß die Variante mit den Halfenschienen wohl gar nicht umsetzbar ist...was macht man denn in so einem Fall?



dann



bliebe, mit der Flex eine Gleitfuge, ca 10x20 cm ausflexen und nachstemmen, Trennstreifenm rein und durch neues Fundament ausfüllen, den Ziegel/Stein nicht auf das alte Fundament direkt mauern, sondern Puffer (20-30 Styropor PS 15 oder Estrichdämmplatte Steinwolle unterlegen, um Setzungen aufzufangen. Details der horiz. Sperrung dazu planen. Ist aber nur so ein Gedanke, den ein Statiker umsetzen sollte.





Hallo Olaf,

waren das jetzt verschiedene Varianten?!?

Variante 1 mit dem Fundament? Das mit der Gleitfuge habe ich da nicht ganz verstanden?!?

Variante 2 mit dem Unterlegen der Dämmung, die sich beim Setzen dann stauchen würde? Habe ich das so richtig verstanden?



wenn



Dein altes Fundament 20 cm vorsteht, muß ja deine neue Wand auf der alten abgesetzt werden. Wenn sich dein neues Fundament aber noch setzt, "stößt" sich die neue Wand am alten Fundament und das führt zu Rissen. Dem, so denke ich, könnte man vorbeugen, indem man etwas "Luft" unter den neuen Stein bringt. Putz, wie schon eher mal geschrieben, erst wesentlich später.
Die Gleitfuge ist ein Formschluss (Senkrechte Nut) in das alte Fundament. Kann von hier aus keine Skizze schicken, versuche es mal mit A für alte und X für neue Wand:
AAAAXX
AAAAXX
AAXXXX
AAAAXX
AAAAXX diese Fuge soll eine senkrechte Bewegung ohne Zwang ermöglich !
Beide Maßnahmen sind notwendig, ist somit keine Variante.





Ah ja - ich vermute zu verstehen was Du meinst :-).

Was spricht denn eigentlich dagegen, die neuen Steine gegen die Wand zu mauern (mit der Halfenschienenvariante) und zwischen dem alten Fundament und dem ersten neuen Stein einen elastischen Puffer aus Styropor oder ähnlichem zu setzen...? Wenn sowas denkbar ist, 2-3cm sollten da doch reichen, oder?



ich



meinte einen Puffer nach unten, seitlich wäre ein Gleitfuge ausreichend. Auch dort könnte die Fuge geflext werden.
Halfenschienen, wie ich sie kenne, müssen vorher in der alten Wand eingmauert werden, was ja nicht geschah - damals.





Mensch Olaf...jetzt dämmerts bei mir.

Du meinst in der alten Wand einen breiten "Kanal" von oben nach unten ausstemmen und dann die neue Wand mit einer "Nase" dort hineinmauern, damit die Wand dort runter gleiten kann.
Es gibt doch auch Halfenschienen zum Andübeln - die hatte ich vor, dafür zu nutzen. Welche Art von Dämmung könnte man dann zur Abdichtung zwischen altem und neuem Mauerwerk verwenden? Oder einfach Kompriband der Fensterbauer dort einsetzen?



jetzt



hast Du mich verstanden, Gleitfuge !!
Als Gleitfuge zwischen den Fundamenten Styrodur, 2 cm, bei den Wänden würde ich eine Jackodur-Platte (früher war HWL üblich) nehmen und die an der bestehenden Wand vorher ankleben. Wenn die alte Wand nass ist, würde eine mitgezogene Horizontalsperre von Nutzen sein, Nässe sollte man dann aber irgendwann weg bekommen.
Diese Platte kann ebenso 1-2 cm sein. Kompriband hat den Nachteil, dass beim mauern trotzdem Mörtel in die Fuge gelangt und sich so Zwangspunkte bilden. Die Platten hingegen sichern einen hinreichenden Spielraum und Kontaktfreie Stoßfuge.
Andübeln kannst du halfenschiene, Du hattest aber nach Alternativen gefragt. Und ein paar Dübel halten nicht soviel wie eine durchgehende Mauernase, da Du seitliche Bewegungen hingegen vermeiden willst. Dazu die Nase. Ansonsten könntest Du auch stumpf stoßen.





Hallo Olaf,

der Bauing. war heute morgen kurz auf der Baustelle und meinte, dass wir uns das Anbringen der Halfenschienen etc. eigentlich sparen können, da das alte und das neue Mauerwerk unter der Betondecke mit einem Ringbalken verbunden werden wird und er dann quasi alles zusammenhält.

Hält der Ringbalken bzw. Ringanker das auch wirklich zusammen? Nicht, dass es an der Wand gleiten kann und oben unter dem Ringanker später abreißt? Was meinst Du?



der



Ringanker kann nur Kräfte "innerhalb der Scheibe" aufnehmen, die er einschließt. Das Mauerwerk unter drunte ist sozusagen nur "angeklebt" und kann jederzeit nach unten weg, wenn es denn der baugrund so will, dann kommt es auf die Bewehrung an, wieviel und wie gut die verlegt ist. Denn dann wird die Decke als Kragplatte belastet. Aber das Setzen des Mauerwerkes kann Sie nicht aufhalten, zumal man eigentlich am Auflager eine Gleitfuge einbaut (bei Leichtziegel auch Bitumenbahn gegen Kantenpressung). Wie ichs machen würde habe ich a schon geschrieben, eine Gewähr kann ich nicht geben, zumal ich ja nicht vor Ort war und das ganze im Zusammenhang sehen konnte. Wichtig ist eine solide Gründung und das kann eine Tiefe von 1,80 bedeuten, je nach Baugrund. "Angedübelte" Halfenschienen sind bei solchen Kräften nicht ausreichend, um Setzungen aufzufangen. Entweder treten die auf und es geht abwärts oder Du hast Glück gehabt. Ich gehe aber von Setzungen aus, und wenn es nur 1-3 mm sind ....... Das Mauerwerk ist aber nicht aus Gummi !!



Fundamentanschluß



Anscheinend sollte ich einige grundlegende Fakten betreffs Gründungen klarstellen:

1. Fundamente bzw. Gründungen sind dazu da, die sich aus dem Bau und der Nutzung ergebenden Verformungen schadlos für die Bauwerke in den Baugrund abzutragen.
Das heißt man sollte nicht versuchen Bewegungen zu vermeiden oder durch Zwängungen zu unterdrücken. Das führt zu Schäden am Bauwerk.

2. Da man solche Bewegungen nicht vermeiden kann, sind sie kontrolliert abzuleiten. Dafür verwendet man Bewegungsfugen.
Der Übergang zwischen Altbau und Anbau ist so eine Bewegungsfuge.

3. Die von mir empfohlene Halfenschiene ist nicht! dafür gedacht, solche vertikalen Bewegungen abzufangen. Sie ist dafür da, nur horizontale Kräfte zwischen den Bauteilen zu übertragen.

4. Bei einem Fundamentüberstand am Altbau arbeitet man entweder mit einem Gelenk(der Überstand wird durch anmauern oder Anbetonieren ausgeglichen, dort kann auch gleich die Schiene eingesetzt werden) oder mit der beschriebenen Unterfütterung mit einem Stück Styropor o.ä.

5. Abgedeckt wird die Fuge mit einer Deckleiste aus Kunststoff oder Metall, die entweder einseitig befestigt oder mit Federklemmen eingesetzt wird.

Viele Grüße





Hallo Herr Böttcher,

1. das habe ich auch so verstanden
2. das habe ich auch so verstanden
3. ich habe das so verstanden, dass diese Schiene das "Abgleiten" des neuen Anbaus möglich macht, horizontale Kräfte aber in das alte Mauerwerk einleitet und dieses (sagen wir mal so) auf Zug belastet...
4. Das mit dem Aufmauern auf dem alten Überstand habe ich mir schon fast gedacht.
5. verstanden

Wenn ich so an andere Altbauten mit neuen Anbauten denke, fällt mir ein, dass dort eigentlich nur das neue Mauerwerk stumpf gegen das alte Mauerwerk gesetzt wurde und vermutlich darunter ein kleiner Bereich freigelassen (bzw. mit flexibler Dämmung versehen) wurde...ist das so üblich? Keiner dieser Bauherren hat eine Nase ins Mauerwerk gebaut und Halfenschienen kennen die meisten gar nicht.

Ich bin ehrlich gesagt etwas irritiert, der Bauing. scheint sich da wenig Gedanken zu machen und ich um so mehr...




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