Fundament ohne Stahlbeton bauen?




Hallo Fachwerkfreunde!

Darf ich Euch um Rat bzgl. Fundament und Keller bei einem Neubau-Vorhaben fragen:

Wir haben vor, neu zu bauen, undzwar sehr traditionell, regionaltypisch mit natürlichen Baustoffen.

Was mir besonders Kopfschmerzen bereitet, ist die Frage wie wir die Bodenplatte (ich meine damit wohl das Fundament) und den Keller machen.

Soweit ich mich informieren konnte, wird das Fundament heutzutage ausschließlich aus Beton angeboten, undzwar aus Stahlbeton.
Mir wurde gesagt (und das habe ich auch so gelesen), dass Bauwerke umso weniger lang haltbar sind, je mehr Stahl verbaut wurde. Wenn es gut ausgeführt ist, kann Stahlbeton wohl viele Jahrzehnte halten, aber eben nicht länger.
Mich und meine Kinder/Enkel wird das Bauwerk dann wohl überdauern, aber danach ist Schluss. Könnte mir natürlich egal sein, aber meine persönliche Sicht ist: Bauen sollte immer für die Ewigkeit sein.

Meine simple Frage lautet deshalb: Gibt es heute praktikable Möglichkeiten, ein Fundament ohne Stahlbeton herzustellen? Aus welchem Material? Früher wurden doch Fundamente z.B.aus Steinen/Findlingen gemacht.

Bzgl Keller weiß ich, dass die Möglichkeit eines Ziegelkellers besteht, muss also nicht unbedingt Beton sein. Allerdings bringt es ja wenig das Fundament aus Stahlbeton zu machen und den Keller aus Ziegel, wenn insgesamt das Ziel eine möglichst lange Lebensdauer ist.

Ich würde mich sehr freuen über Eure Ideen. Vielleicht gibt es ja eine Lösung?

Viele Grüße!



Gründung



Fundamentplatten, also Flächengründungen, sind nur bei bestimmten Bodenverhältnissen und Grundwasserständen erforderlich (Weiße Wanne).
Die klassische und übliche Gründungsart bei Einfamilienhäusern war bzw. ist das Streifenfundament aus unbewehrtem Beton.
Stahlbetonplatten haben sich mittlerweile als Gründungsart durchgesetzt weil sie einfacher und schneller zu bauen sind. Der Unterbeton für den Kellerfußboden fällt gleich mit ab und man spart sich die Streifenfundamente für die tragenden Innenwände. Für das Aufmauern steht eine Arbeitsplattform zur Vefügung.
Eine richtig gebaute Stahlbetonplatte überdauert nicht nur Jahrzehnte sondern Jahrhunderte.





Herr Böttcher, vielen Dank für die hilfreiche Antwort!

Wir wissen, das der Grundwasserstand beim unserem Baugrundstück hoch ist. Die Nachbarn links und rechts haben Probleme mit Wasser im Keller.

Ein Bodengutachten werden wir zusätzlich machen lassen.

Nach ihren Ausführungen kommt dann wohl aller Voraussicht nach nur eine Fundamentplatte und keine Streifenfundamente in Frage.
Fundamentplatte heißt dann also gleichzeitig Verwendung von Stahl, unbewehrt geht hier nicht?
Ihr Hinweis, dass eine richtig gebaute Stahlbetonplatte Jahrhunderte überdauern kann, ist natürlich interessant für mich. Ist das so? Gibt es Jahrhunderte alte Gebäude mit Stahlbeton-Fundamenten? Oder ist das lediglich eine Prognose, die zutreffen kann, aber nicht muss?

Vielen Dank!



Gründung



Die ältesten noch existierenden Stahlbetonbauwerke sind etwa 150 Jahre alt, die breite Verwendung des Materials begann erst nach dem ersten Weltkrieg. Seitdem hat sich eine Menge im Kenntnisstand und der Entwicklung dieses Materials getan. Übrigens sollte man untergeordneten Bauwerken auch die Chance des Rückbaues lassen. Es muß nicht alles für die Ewigkeit gebaut sein. Neben dem physischen Verschleiß gibt es auch einen moralischen Verschleiß. Niemand will heute mehr ernsthaft in 1,70 m hohen Räumen leben die im Winter von den Nutztieren nebenan erwärmt werden.
Über so etwas wie die Planung und Bemessung Ihres Hauses wird sich der Statiker und Ihr Planer Gedanken machen müssen was die Abdichtung betrifft. Da kommt bei Keller und hohem Grundwasserstand eben das System "Weiße Wanne" in Betracht.
Wenn Sie es nach alter Väter Sitte halten wollen dann verzichten Sie auf den Keller oder bauen woanders. So wurde das nämlich früher gehandhabt. Man baute nicht ins Grund- oder Schichtenwasser.



Moin,



wo erfährt man nur ein solchen Unsinn, dass die Lebensdauer eines Objekts umgekehrt proportional zur eingebauten Stahlmenge steht?
Wenn Sie im GW-Bereich bauen wollen kommen Sie um eine Weiße Wanne nicht herum und die wird ohne entsprechende Stahleinlage nicht funktionieren.

Besorgen Sie sich vernünftige und angemessene Fachliteratur und lassen Sich beraten.



Gründung



Wie lange hält ein Stahlbetonbauteil?
Das ist eine falsch gestellte Frage. Wie jedes Bauteil gibt es Wartungs- und Instandsetzungszyklen. Wenn die nicht eingehalten werden versagt jedes Bauteil, jedes Bauwerk. Wie lange diese Zyklen sind kann man bei Stahlbetonbauteilen recht genau prognostizieren; über die fortschreitende Carbonatisierungstiefe pro Zeiteinheit. Was passiert wenn die Betondeckung bis zur Stahloberfläche carbonatisiert ist?
Erst mal gar nichts, solange kein Wasser drankommt. Und wenn dann muß spätestens zu diesem Zeitpunkt saniert werden. Dann gibt es einen neuen Zyklus.
Wie kann man die Zeitdauer verlängern: Durch eine größere Betondeckung, korrosionssichere Bewehrung, bessere Betonqualität... Ergo: Man die Frage nicht so einfach beantworten. Genauso könnte ich fragen wie lange ein Fachwerkhaus hält. Wenn das Dach nicht neu gedeckt wird wenn die Lebensdauer der Ziegel überschritten wird oder defekte Fenster nicht ausgewechselt werden eben nur 50 oder 100 Jahre.

Eine Stahlbetonbodenplatte die im Wasser liegt hält im Prinzip ewig, wenn sie für den vorliegenden Lastfall bemessen, konstruiert und mängelfrei ausgeführt wurde.





"Wie kann man die Zeitdauer verlängern: Durch eine größere Betondeckung, korrosionssichere Bewehrung, bessere Betonqualität."

Gute, einleuchtende Hinweise. Dann muss ich nur noch herausfinden, wie man diese einzelnen Punkte optimiert.

- Lassen sich den ca.-Angaben machen, wie dick der Stahl vom Beton bedeckt sein sollte.
- Wie erreicht man eine korrosonssichere Bewehrung? Ist damit z.B. "verzinkter Stahl" gemeint?
- Wie genau erreicht man eine bessere Betonqualität?

Und noch mal nachgefragt:
Sehe ich es richtige, dass keine (sinnvolle) Möglichkeit besteht, sowohl die Fundamentplatte als auch die Kellerwände aus Beton, aber ohne Stahlbewehrung auszuführen?

Vielen Dank!





Und noch eine Frage zum Hinweis auf den Zusammenhang von Wartung und Lenesdauer.

Bei vielen Gebäudenteilen (Fenster, Dach, etc.) ist es für mich als Laien offensichtlich, dass eine Wartungsmöglichkeit besteht.

Aber wie ist im Fall von Stahlbetonbodenplatte und Stahlbeton-Kellerwänden. Kann man die überhaupt warten? Kommt man da überall ran?



Gründung



Die Frage ist schnell zu beantworten:
Indem sich der Planer und der Ausführende an die DIN 1045 und die DIN EN 206 halten.
Da steht alles drin.
Wenn Sie sich fragen wie Sie das kontrollieren sollen:
Indem Sie sich einen Baubetreuer bzw. Bauleiter (AG) nehmen. Dazu sind Sie nach der Musterbauordnung grundsätzlich verpflichtet, nämlich fachlich kompetente Vertreter zu bestellen wenn Sie selber nicht in der Lage sind die fachlichen Anforderungen zu erfüllen die an einen Bauherren gestellt werden.
Das steht alles in Ihrer Landesbauordnung.
Die sollten Sie als zukünftiger Bauherr unter Ihrem Kopfkissen liegen haben.

Eine weiße Wanne ohne Stahlbewehrung:
Nein.
Eine schwarze Wanne: Ja.
Die Frage ist warum mit einem Handwagen losziehen wenn es einen Kombi gibt.
Jetzt fragen Sie bitte nicht was eine schwarze Wanne ist sonst wird das einen unendliche Geschichte.





Ich weiß zum Glück, was eine schwarze Wanne ist ;)

Interessant wäre noch zu wissen, wie man einen Korrosionsschutz des Stahls erreichen kann.

Vielen Dank!



Weiße Wanne



Ich hoffe Sie wissen auch wie man dann die Bodenplatte ohne Bewehrung gegen hydrostatischen Druck von unten schützt.
Auch der Bau einer schwarzen Wanne ist ein komplexer Vorgang für den es klare technische Regeln gibt wie die DIN 18195.

DIN EN 206, DAfSTB- Richtlinie WU- Beton, dort stehen die Verfahren, Regeln und Planungsgrundsätze für den Schutz der Bewehrung gegen Korrosion.
Zink funktioniert jedenfalls nicht.
Festlegung des Betons, Bestimmung der maßgebenden Anforderungen an die Dauerhaftigkeit über Expositionsklassen.
Entwurfsbeton nach maßgebenden Anforderungen wie Druckfestigkeit, Konsistenz, Festigkeitsentwicklung, Größtkorn, Wassereindringwiderstand, Rissweitenminimierung.
Betonüberdeckung, W/Z- Wert, Einbauregeln nach WU- Richtlinie... Anodischer Korrosionsschutz, Kunststoffummantelung...
Das sind die Faktoren die den Korrosionsschutz beeinflussen, wobei die letzten beiden absolute Ausnahmen darstellen und nicht für weiße Wannen eingesetzt werden.

Es gibt hier keine einfachen Antworten. Die Planung von solchen Betonbauteilen ist eine komplexe Angelegenheit die eine Menge Fachwissen erfordert. Was wann und wie gemacht wird hängt von den konkreten Bedingungen vor Ort ab.
Viel hilft jedenfalls nicht viel,egal von was.
Ich hoffe das wird Ihnen jetzt langsam klar. Sie kratzen noch nicht mal an der Oberfläche des Erkenntnisstandes.



Jupp



Genau so sieht das aus. Auf vielen Baustellen hat sich darum auch rumgesprochen, dass man die Konsistenz von Beton nicht auf der Baustelle mit dem Wasserschlauch einstellt...



DIN 1045



Da muß ich unwillkürlich an den Fragesteller denken der 6 m³ erdfeuchten Beton mit der Schubkarre in eine bewehrte Bodenplatte einbauen will...
Da fällt mir noch was ein: am 21.3. findet der 14. Dresdner Betontag statt. Das Leitthema heißt: "Robustheit von Beton".
9.00 bis 16.30 Uhr in der TU Dresden, Dülfersaal.
Teilnehmergebühr 200,- €. Wer Interesse hat kann sich bis zum 7.3. unter www.bauakademie-sachsen.de anmelden.
Ich werde jedenfalls da sein.
Ein Tipp: wenigstens eine halbe Stunde eher da sein, es gibt kaum Parkplätze.



ja



das nimmt Formen an...........



Stahlbeton



Es stimmt, das Thema hat sich schon totgelaufen aber ich habe heute was beim Suchen gefunden das ich so niedlich fand das ich nicht widerstehen konnte:

http://www.helpster.de/beton-wasserdicht-machen-so-macht-es-der-fachmann_148402