Fugenmörtel Sandsteinsockel

07.03.2019 Dieter Pete



Guten Abend,
unser Haus aus den 30ern benötigt dringend eine neue Verfugung des Sockels. Der Sockel besteht aus groben Sandsteinquadern, die ganz ursprünglich mal mit einer schwarz gefärbten, sehr fetten Zementfuge versehen waren. Stellenweise liegen diese Fugen nun offen und es existieren riesige Hohlstellen zwischen den Steinen. Ein Paradies für Mäuse und alle anderen Nager. Der enthaltene Kalkmörtel wurde über die Jahre ausgewaschen und von Mäusen etc ausgetragen. Erstens mache ich mir langfristig Sorgen um die Standfestigkeit und zweitens möchte ich die Fugen gerne füllen. Ursache waren nicht vorhandene Dachrinnen, ein Gefälle des Pflasters in Richtung Haus und Gleichgültigkeit der Vorbesitzer.
Mir wurde Trasskalk empfohlen. Ich habe an anderen Stellen mit Eigenmischungen experimentiert, würde in diesem Fall aber gerne auf das Otterbeinprodukt zurückgreifen wollen.
Meine Fragen:
Haltet ihr Trasskalk für geeignet?
Verfügt dieser über ausreichend Festigkeit, um der Situation wieder mehr Halt zu geben?
Bindet Trasskalk auch unter Luftabschluss ab? (Würde circa 40 cm ausschachten und unterhalb Geländeniveau lose Fehlstellen ausbessern und wieder verfüllen)
Wie bekomme ich den Mörtel in die Hohlstellen zwischen/hinter die Steine? (Flüssige Konsistenz und Sahnespritzbeutel?) Bzw muss lageweise verfüllt werden, damit der Mörtel besser abbindet?
Ich versuche mal ein Bild anzuhängen. Gerade kein passendes vorhanden. Vielleicht gibt es ja vorab schon Meinungen...



Trasskalkmörtel...



...ist aus meiner Sicht (Steinmetz) das bewährte Mttel.

Zementfugen möglichst gänzlich entfernen. Es gibt nur wenige Sandsteine die hart genug sind um zementäre Fugen auf Dauer durchzustehen - was aber auch abhängig von der Einbausituation ist.

Ich kenne zwar die Produkte von Otterbein nicht, aber ich denke man kann davon ausgehen, dass so gut wie alle Werktrockenmörtel höhere Festigkeiten bringen als das ursprüngliche Material mit dem früher gemauert wurde. Ich greife immer auf den Sakret TKM zurück, da ich den einfach bekomme und ich den geringen Zementanteil der in Werktrockenmörteln erhalten ist jetzt nicht als megaschlimm empfinde. Bisher habe ich damit jedenfalls keinerlei schlechte Erfahrungen gemacht und der Mörtel ist auch nach dem Abbinden noch weich (im Vgl. zu Trasszementmörtel) und flexibel. Otterbein wird sicher die Luxusvariante sein, denn die sind ja sehr bekannt für gute Produkte. Ich bekomme hier die Produkte von Sakret halt schneller ran - und Sakret hat auch einen Reinkalkmörtel der für Verfugungen ebenfalls gut geeignet ist - allerdings muss man da die Flächen auch ehreblich länger nachbehandeln.

Freischachten + Verfugen + mit dem Verfüllen der Grube bitte warten bis der Mörtel ausgehärtet ist.

Zum Verfüllen großer + schwer zugänglicher Löcher:

- Fugen von unten nach oben mit einer normalen Mörtelmischung so tief wie möglich ausfugen
- an der obersten Stelle jeder Fuge ein Loch lassen
- Mörtel mit einer breiigen, leicht fließfähigen Konsistenz anrühren
- Vergießen

Es gibt spezielle Vergussmörtel - allerdings habe ich bisher keinerlei schlechte Erfahrungen gesammelt, wenn ich mit dem normalen Werktrockenmörtel vergossen habe. Der Mörtel wird dann am Ende zwar nicht so fest (durch den hohen Wasseranteil), aber es reicht aus und ich habe bisher keinerlei Probleme mit Ausblühungen o.ä. gehabt. Ein Großteil des Anmachwassers wird ohnehin durch die Fugenflanken bzw. dem alten,trockenen "Klumpatsch" zwischen den Mauersteinen aufgesogen.

Zum Vergießen nehme ich ein selbstgebautes Konstrukt aus der Flasche eines alten Wassersprühers (Boden abschneiden) und eines Fahrradschlauchs. Der Fahrradschlauch hat sich absolut bewährt, da man darin kleine Klümpchen wunderbar von außen zerdrücken kann (falls es mal stopft). Den Fahrradschlauch unten schräg abschneiden, so hat man die Möglichkeit eine ganz feine "Düse" zu bekommen - und man kommt damit halt auch in Fugen bis 5mm Stärke.

Den Trichter (aufgeschnittene Flasche) dan einfach mit dem Brei befüllen und durchwandern lassen (mit den Fingern am Schlauch kann man dosieren) - Tipp: Vor der ersten Nutzung und nach jeder Nutzung: gründlich mit Wasser reinigen - dann flutscht es auch.

Wichtig: Der Mörtel fließt meist überall hin, also gut drauf achten ob sich irgendwo löcher bilden und immer Stück für Stück vergießen, nie zuviel auf einmal - es steigt ja auch der Druck auf die frisch verfugten Fugen.

Ich habe regelmäßig Werkstücke auszutauschen oder Situationen auf Baustellen, die anders gar nicht lösbar wären. Normale Vergussmörtel quellen i.d.R. etwas auf, damit auch ja alle Stellen erreicht werden, das ist in den Fällen wie ich es brauche aber ganz und gar nicht gewollt, da sich die Werkstücke dann auch verschieben könnten. Daher nutze ich das beschriebene Verfahren relativ häufig.

Übrigens: Gelernt habe ich das von einem alten Meister und war anfangs seeeeehr skeptisch bezüglich Ausblühungen, habe das sogar als Pfusch bezeichnet. Aber die Erfahrung zeigt: es funktioniert und es ist für die meisten Fälle absolut ausreichend.

Wenn es um die statische Ertüchtigung geht, ist das Verfahren so natürlich nicht geeignet, da müssen dann spezielle Mörtel her.

Viel Spaß beim rummatschen :-)



Noch ein Tipp



Es gibt spezielle Fugenmörtel für Natursteine die feiner sind als herkömmliche Mauermörtel. Also am besten mit dem Mauermörtel zufugen, 2cm auskratzen und im Nachgang dann mit einem weich eingestellten Fugenmörtel (z.B. von Remmers) ausfugen. Wenn deine Fugenbreiten unter 1cm sind würde ich das auf jeden Fall so machen, sonst kann es Risse an den Flanken geben.



Otterbein



Hallo,

ich habe vor zwei Jahren für meinen Sandsteinsockel den "historischen Fugenmörtel von Otterbein" verwendet.
Die Verarbeitung ist gut, Langzeiterfahrung habe ich natürlich noch nicht (nach 2 Jahren keine Ausblühungen oder Risse).
Das Produkt relativ kostenintensiv, da meine Mauer nicht so lang ist hatte ich das in Kauf genommen.
Für schwer zugängliche, hohle Stellen habe ich mir von Amazon zwei günstige Plastikmörtelspritzen geholt.
Zwei, weil die aufgrund des günstigen Preises nicht so lange halten. Die Funktion ist aber gut.

Gruß
Sebastian



Fuge gut … alles gut



Hallo

für derartige Fugen würde ich folgendes verwenden …

https://solubel.de/produkte/luftkalkmoertel-Sp20-SP50.php

… und rate hierzu noch vehement vom "Trasskalkalbtraum" ab … 
denn dieser Zaubermörtel wird im Laufe der Zeit so hart wie Beton … genau der, den Sie jetzt mühsam aus den Fugen rauspopeln … 

Und jetzt kommt die Geschichte mit den Römern, die das Zeug ja auch verwendet haben … aber die haben den nicht überall reingemacht … sondern nur für sehr ausgewählte Einsatzgebiete verwendet … und zweitens ist der hiesige "Trass" etwas völlig anderes, als das, was die Römer versendet haben … und hat auch wesentlich andere Materialeigenschaften … 

Viel Erfolg … 

Florian Kurz



Fugenmörtel Sandsteinsockel



Vielen Dank für die guten Hinweise. Ich denke dIe Fugen bekomme ich hin.
Heute konnte ich mir einen genaueren Überblick über die Gesamtsituation verschaffen.
Unterhalb des Sockels beginnt dann das Fundament. Durch Ertüchtigungsarbeiten an den Hausecken weiß ich, dass es etwa 70cm tief gegründet ist. Leider ist auch an der Wand entlang der Zustand nicht der Beste. Ziegel Reste und Natursteine wurden wohl mit Kalkmörtel aufgeschichtet. Teilweise alles sehr lose, viele größere Fehlstellen. Jetzt stellt sich mir die Frage des weiteren Vorgehens, bevor ich zum verfugen komme.
Kann ich das Fundament so belassen und die Fehlstellen ausmauern/ ausbessern? Falls ja, welcher Mörtel und mit welchem Stein. Habe viele harte Feldsteine in verschiedenen Größen. Sind die geeignet? Auch mit Trasskalk? Wie verfestige ich die großen Fugen im Erdreich. Würde auch hier zu Trasskalk tendieren. Einige Sockelsreine sind bereits etwas locker.
Würde bis zu einer Tiefe von ca 40cm alles soweit auf Vordermann bringen. Abschnittsweise arbeiten und mich dann um die Sockelfugen kümmern, sobald das andere durchgehärtet ist. Dann stellt sich die Frage, wie ich vorhandene Zementfugen im Sockel ohne große mechanische Einwirkungen entfernt bekomme. Habe an Winkelschleifer mit Diamantscheibe gedacht um grob zu lösen und anschließend mit feinem Meißel die Flanken bearbeite.
Dabei wollte ich eigentlich nur pflastern ;-)



Bild2



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Bild3



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Bild4



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Fundamenterstellung um 1930



Zusätzlich würde mich interessieren, wie um 1930 herum Fundamente im Allgemeinen erstellt wurden. Vielleicht gibt es auch Fotos freigelegter Fundamente aus der Zeit, um den Zustand des meinigen mit anderen und die Art und Weise zu vergleichen.
Konnte leider nichts finden.



Luftkalk + Fundament



Also ich würde keinen Luftkalk nehmen (schon gar nicht bei der von mir vorgeschlagenen Ausführung )- aber das soll jeder selbst entscheiden, ich will mich dieser Diskussion nicht hingeben - und zum Nachlesen gibts ja hier auf der Website genügend Dokumente.

Fundament:

Über dein Fundament kann man nicht wirklich eine Aussage treffen, denn man sieht ja nur einen Teil eines kleinen Abschnittes. Unüblich sieht das für mich aber nicht aus, ich habe schon häufiger ähnliche Fundamente gesehen, nur eben nicht mit Ziegeln sondern aus Natursteinen gesetzt. Ich nehme an, dass die früher die Streifenfundamente einfach mit dem was Sie hatten, ein wenig Mörtel und viel Gottvertrauen in die Erde "gewumst" haben. Mir ist es jedenfalls nicht unbekannt, dass mit den großen Sockelsteinen die erste saubere Lage gemauert wurde, ich würde das als üblich bezeichnen und mir auch keine allzugroße Sorgen machen, denn das Haus steht ja. Solange du da durch Freischachten keinen Grundbruch oder ähnliches provozierst, wird das alles ok sein.

Wie sieht es denn mit der Feuchteblastung so aus? Hast du da Probleme?

Wenn ja, dann würde es wohl Sinn machen die großen Fehlstellen nicht nur auszuwerfen, sondern da auch gleich einen Pinselputz drüberzuziehen auf dem du wenigstens ein bisschen Abdichten kannst. Ansonsten würde ich denken, dass einfaches Auswerfen ausreicht, bei größeren Fehlstellen kann es natürlich nicht Schaden mal noch ein Steinchen mit reinzustecken.

Wie gesagt, über den Mörtel können sich andere streiten, ich lasse mir meinen TKM nicht madig machen, dafür verarbeite ich den schon zu lange völlig problemfrei - selbst in schwierigen Bereichen. Ich konnte bisher auch nicht feststellen, dass er über die Jahre härter wird.

Noch zum Thema Fugenspritzen:

Damit das gut funktioniert bedarf es entsprechend vergüteter Mörtel. Nicht jeden Mauermörtel kann man "einfach so" durch die Spritze jagen. Im vorliegenden Fall wäre ich mit der Handverfugung jedenfalls erheblich schneller als mit Spritze - denn die muss ja auch regelmäßig befüllt und gesäubert werden. Zudem muss man die Mörtel meist relativ dünn anrühren damit die gut durch die Spritze gehen, was die saubere Nachbearbeitung erheblich aufwendiger macht - und das rächt sich bei Bruchsteinmauerwerk...:-)



Danke



für ihre ausführlichen Antworten. Ich denke ich werde komplett beim Trasskalk bleiben und große Hohlstellen auswerfen bzw mit Zwickeln ausbessern. Den Tipp mit dem Fahrradschlauch werde ich beherzigen und es versuchen. Sorgen um das Fundament mache ich mir auch keine großen. Könnte einen solideren Eindruck machen, aber ok. Haben Sie evtl ein Bild ihrer Fahrradschlauchkonstruktion um es mir besser vorzustellen?
FeuchteProbleme haben wir keine. Im Innenbereich haben wir den gesamten Bodenbereich ausgeschachtet, mit hArten Grobschotter befüllt, verdichtet und anschließend eine Trasszement gebundene Liaporschüttung eingebracht. Vorher feucht, jetzt absolut trocken. Niveau des Fußbodens verläuft auch etwa auf Höhe der 1. Läufereihe der Verblender.
Hätten Sie auch einen Tipp für das Entfernen der zementieren Fugen? Ich würde es sonst erst mit Winkelschleifer und feinem Meißel versuchen.
Woher kommen Sie?



Fugen



Ich denke Ihr Vorhaben mit der Flex vorzuschneiden und mit einem feinen Eisen die Fugenflanken zu säubern ist schon eine gute Vorgehensweise - ich würde es bei derart großen Fugen auch nicht anders machen und meist fallen nach dem Entlastungsschnitt die Fugen wie von selbst heraus. Schneiden Sie halt mittig in die Fuge ein, damit Sie nicht in die Steine kommen mit der Flex - und denken Sie an die PSA, also Staubmaske (keine Papiermaske sondern was gescheites mit P3 Filter) und Gehörschutz sollten Standard sein beim Bauen.

Zur Verfüllhilfe:

Schneiden Sie den Boden einer stabilen und großen Plastikflasche ab - wie geschrieben nutze ich das Unterteil einer ganz normalen Gartenspritze - und montieren Sie auf den Flaschenhals ein ca. 30-40cm langes Stück Fahrradschlauch. Einfach drüberziehen und mit ein wenig Rödeldraht festzurren - reicht völlig aus. Den Fahrradschlauch schneiden Sie vorne am Auslass leicht schräg ab, dann können Sie den Schlauch besser in schmale Fugen einführen.

Befüllen entweder mit großer Suppenkelle, oder mit Gummibecher oder eben direkt in den Eimer tauchen (Handschuhe nicht vergessen) und losgießen. Vor der ersten Benutzung und danach nach Bedarf mit Wasser gut ausspülen - dann flutscht es immer gut.
Bitte nur zum Verfüllen von absolut unzugänglichen Stellen nutzen. Mit dem Vergießen von Hohlräumen / Fugen bringen sie eine ganze Menge Feuchtigkeit ins Mauerwerk und es ist kein Fehler das zu reduzieren.
Ich nutze das Verfahren, wenn ich schwere Steinmetzarbeiten in komplizierten Einbausituationen versetzen muss. Hat den Vorteil, dass man die Stücke in aller Ruhe gut ausrichten kann und der vergossene Mörtel füllt (wenn richtig gemacht) die Fugen besser aus, als wenn man die Stücke in Mörtelbatzen versetzt.

Mit dem Verfahren habe ich auch schon auseinandergedriftete Gewände oder abgesackte Schlussteine richten können ohne diese zurückbauen zu müssen - was natürlich ein Kostenfaktor ist für den Bauherren. Trotzdem ist das Verfahren mit dem Vergießen immer das letzte Mittel - einfach weil man viel Feuchtigkeit reinbringt und auch nie sicher sein kann wo der Mörtel überall hinläuft - und unter einer Sohlbank wäre das der Tod selbiger. Bei Ihrem Sockel sehe ich da allerdings nicht wirklich einen Bedarf, denn die Fugen sind so groß, die können Sie auswerfen / ausstopfen und selbst wenn nicht bis in die hinterste Ecke verfüllt ist, ist das gar nicht schlimm, denn: das haben die früher auch nicht so genau genommen. Ich bin öfter auch mal wegen Bergungen bei Abbrucharbeiten und sehe immer wieder alte Mauerwerke die im Inneren nur grob verfüllt sind.

Räumen Sie die Fugen tief aus und verfugen Sie neu - das wird schon reichen. Bei den Fugengrößen würde ich auch nicht nochmal einen feinen Fugenmörtel kaufen, da reicht der normale Mauermörtel zu.

Meine Kontaktdaten sollten eigentlich auf meinem Profil stehen, haben Sie dort schon geschaut?



Der



erste Abschnitt ist geschafft. Ich habe alle Fugen tief ausgekratzt und den Mörtel mit dem Fugeisen überall tief eingedrückt. Fehlstellen habe ich mit Naturstein und hartem Klinker ausgebessert. Das was da war.
Benutzt habe ich den Otterbein Trasskalk und auf Anraten des Herstellers für den FundamentBereich einen Teil Zement beigefügt. (4 Trasskalk/ 1Zement/15 Sand)
Das ganze soll jetzt eine Woche abbinden und dann wird die Grube wieder verfüllt.
WomiT sollte ich den Graben am besten verfüllen. Zuvor war nur sehr schwerer BOden/ Mutterboden drin. Sehr feucht.
Wenn ich mit Füllsand auffülle habe ich Angst, dass ich mir eine Bewässerungsanlage schaffe. Ich dachte, dass wenn ich dasselbe Erdmaterial verwende, nichts falsch zu machen.

Wenn ich fertig gepflastert habe und den Sockel verfugt habe, werde ich nochmal Rückmeldung über das Ergebnis geben.



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