Fugen zwischen Außenbalken abdichten

24.09.2014 1974 Marksi



Hallo,

ich habe vor 2 Jahren ein kleines Fachwerkhaus von einem Bauträger gekauft. Der Bauträger hatte das alte, total kaputte Fachwerk komplett abgetragen und von einem Zimmermannsbetrieb ein neues Fachwerk errichten lassen.
Mittlerweile kam es nach starkem Regen, der seitlich gegen die Hauswand prallte, schon einige Male vor, dass sich an den Innenwänden Wasserflecken bildeten und das Wasser unter den Fußleisten wieder raus lief. Da noch Garantie auf das Haus läuft, bat ich den Bauträger die Schäden sowie die Ursache dafür zu beheben. Seine Vermutung, die auch ein mit mir befreundeter Architekt teilt, ist, dass die Feuchtigkeit durch die Fugen zwischen den Holzbalken eindringt. Der Bauträger hat nach dem ersten Schaden zunächst die Querbalken, die durch das Haus verlaufen außen nochmals mit Metallplatten abgedichtet. Dennoch kam es erneut vor, dass Wasser nach innen drang (es sind nie besonders große Mengen, aber genug um hässliche Feuchtigkeitsflecken an der Innenwand zu hinterlassen). Beim nächsten Mal hat er einige der Außenfugen nochmals mit Silikon abgedichtet.
Danach trat nochmals ein Schaden auf - diesmal nur noch an weniger Stellen als beim letzten Mal. Die übrigen Fugen wurden daraufhin ebenfalls vom Bauträger auch noch mit Silikon abgedichtet. Mir ist jedoch klar, dass das Silikon keine Dauerlösung sein kann, wenn es nicht stetig erneuert wird. Ich bat den Bauträger deshalb um eine dauerhafte Lösung des Problems. Nun meinte er, ihm sei zu einem speziellen, diffusionsoffenen Lack geraten worden, mit dem man die "verdächtigen" Stellen (wo genau das Wasser eintritt ist nicht identifizierbar) außen Abdichten könnte.
Kennt jemand einen solchen Lack und hat Erfahrungswerte damit? Oder hat jemand hier einen anderen Tipp, um das Problem dauerhaft beheben zu können? Ich wäre sehr dankbar dafür!

Viele Grüße



Fugen



Bitte mal ein paar Bilder von den "reparierten" Fugen reinstellen.

Grüße, Gerhard



Fugen im Fachwerk



Hi Heike
"Oh, heiliger St. Silikon, der Schutzheilige aller Bauschaffenden."
Wie Gerhard schon schrieb: Bilder wären hilfreich.
Ansonsten: Wie soll ich mir das mit den Metallplatten vorstellen?
Und Silikon geht gar nicht!
Insgesamt ist mehr Input erforderlich: Dachüberstand, Wetterseite, Material der Ausfachungen und Bilder Detail und Total.
SG
Paul



Fotos



Lieber Paul, lieber Gerhard,

schon mal vielen Dank für eure Antworten! Ich habe mal einige Fotos gemacht, damit ihr eine bessere Vorstellung bekommt. Bei der in erster Linie betroffenen Seite handelt es sich um die Wetterseite. Die beiden anderen Seiten des Hauses sind von außen gedämmt und haben das Sichtfachwerk innen (Brandwände, da die Abstände zu den Nachbargrundstücken hier gering sind). Ausgefacht sind die beiden betroffenen Seiten laut Baubeschreibung von außen nach innen wie folgt: 1. Putz mit Fugendicht als Windstop, 2. Steico Protect 60mm, 3. Steico Flex 80mm, 4. Steico Flex 60mm, 5. OSB-Platte mit Dampfsperrenfunktion 15mm, 6. Innenputz.

Ich hoffe, das ist jetzt etwas aufschlussreicher!?

Viele Grüße
Heike



Foto



Hier nun ein Foto von der Straßenseite aus.



Foto



Hier sieht man die Metallabdeckung an den Querbalken (ein Stockwerk höher sieht es genau so aus), die als Schutz vor Feuchtigkeit nachträglich montiert wurde.



Foto



Hier noch ein Beispiel für abgedichtete Fugen.



Foto



Hier exemplarisch eine der mit Silikon abgedichteten Fugen. So wurden nachträglich fast alle Fugen abgedichtet.



Foto



Diese Metallleiste wurde vor wenigen Wochen zum Schutz vor Feuchtigkeit ebenfalls nachträglich montiert.



Foto



Nochmal die Metallleiste.



Fachwerk



Hallo Heike,

ich glaube, hier hilft nur eine Vollverkleidung der Fassade mit einer senkrechten, hinterlüfteten Schalung.

Hauptursächlich für die Fugen ist der Einbau von zu feuchtem Holz, die Ständer und Schwellen sind einfach geschwunden.

Auch der Anschluß der Fensterbretter ist nicht fachgerecht ausgeführt. Bei Schlagregen dringt Wasser an den unteren Fensterecken in die Konstruktion ein.

Eine Abdichtung mit Silikon und Lack (Bootslack) wird auf die Dauer nicht funktionieren.

Grüße, Gerhard



Danke



Lieber Gerhard,

vielen Dank für Deine aufschlussreiche Nachricht! Auch wenn es natürlich für mich nicht so gute Nachrichten sind, dass vermutlich nur eine Vollverkleidung der Fassade eine dauerhafte Problemlösung bringt. Ich wollte ja unbedingt ein Fachwerkhaus...
Hätte ich hier mal besser vorher nachgefragt, aber ich habe mich auf den Bauträger und einen befreundeten Architekten verlassen, der hier immer mal nach dem Rechten geschaut hat.
Deine Vermutung, dass auch der Anschluss der Fensterbretter nicht fachgerecht ausgeführt wurde, passt zum Schadensbild. Die Feuchtigkeit im Innenbereich hat sich bisher nämlich immer oben und seitlich um die Fensterrahmen gesammelt. Könnte man denn zumindest das noch dauerhaft nachbessern? Da ich noch 3 Jahre Garantie auf das Haus habe, würde ich diesbezüglich gerne den Bauträger in die Pflicht nehmen.
Hast Du diesbezüglich Erfahrungswerte?

Herzliche Grüße & vielen Dank
Heike



Wassereintritt am FWH



Hi Heike,
ich habe mir die Bilder mal angeschaut.
Soweit ich es erkennen kann, sehe ich folgende Fehler:
1. Dachüberstand an der Giebelseite ist zu gering. (Das könnte auch bei einer hinterlüfteten Vorhangfassade Probleme bringen.)
2. Die Fenster sind nicht fachgerecht eingebaut.
3. Die Fensterbänke sind nicht fachgerecht eingebaut.
4. Die sonstigen Abdeckbleche sind nicht fachgerecht eingebaut.
5. Bei der Verbretterung zwischen EG + OG (offensichtlich Rauspund) kann ich nicht erkennen ob Nut oder Feder unten ist. Die Feder gehört nach oben.
Die sich darüber befindende Abdeckung ist ebenfalls nicht fachgerecht.
Inwieweit die o.g. Fehler tatsächlich relevant sind, ist aus der Ferne nicht abschließend zu beurteilen.
Möglicherweise können durch fachgerechte Nacharbeiten die Ursachen für den Wassereintritt beseitigt werden.
Da mir Rechtsberatung nicht erlaubt ist, kann ich zu einem sinnvollen weiteren Vorgehen hier im Forum nichts sagen.
Ggfs. können wir uns über PM austauschen.
Viel Erfolg.
SG
Paul



Email



Hallo Paul,

vielen Dank schon mal für Deine Ausführungen. Ich habe Dir eine Email geschickt.

Herzliche Grüße
Heike



Silikon



Unglaublich was man den Leuten heute so alles zumutet und das mit Unterstützung eines Architekten.
Silikon am Fachwerk ist eine absolute Todsünde.
Bitte den Unternehmer umgehend den Mangel schriftlich anzeigen.Ggf einen Sachkundigen mit zu Rate ziehen.
Bei Bedarf kann ich ihnen einen Ansprechpartner in ihrer Gegend nennen..

Mfg .Peter Schneider



Interessantes Experiment Fachwerkhausneubau



Ein interessanter Versuch ein echtes Fachwerkhaus neu zu bauen ohne doppelte Außenwand. Schade, dass so viele bzw. alle Anfängerfehler gemacht wurden, sonst hätte vielleicht funktioniert, was üblicherweise nicht für möglich gehalten wird.



Details



Hallo Optimist,

vielen Dank für Deinen Kommentar! Welche Fehler meinst Du denn genau?

Viele Grüße
Heike



Fehler



Die Fehler sind ja schon oben aufgezählt worden. U.a.:
2. Die Fenster sind nicht fachgerecht eingebaut.
3. Die Fensterbänke sind nicht fachgerecht eingebaut.
4. Die sonstigen Abdeckbleche sind nicht fachgerecht eingebaut.

Dazu kommt der Silikoneinsatz. Sichtbares Fachwerk an der Wetterseite geht eigentlich nicht. War auch früher schon meistens verkleidet, außer vielleicht in geschützten Lagen. Wenn man mehr ins Detail gehen würde, wären da auch möglicherweise noch ein paar Fehler mehr. Aber es genügt ja auch so schon, denke ich.
Da es noch Gewährleistung gibt, ist das ja noch alles zu machen. Aber dann richtig. Nicht jetzt die alten Fehler mit neuen sanieren. Das funktioniert nicht. Und der Bauträger scheint kein Experte zu sein, wie er schon bewiesen hat. Der sollte jetzt die Maßnahmen der Sanierung besser nicht ohne die Unterstützung eines ausgewiesenen Experten festlegen.



Fugen an Fachwerkwand



Hallo Heike
Wie schon gesagt, Silikon, Lack etc geht gar nicht, das ist weder dauerhaft, noch optisch akzeptabel, dazu wird die Verdunstung von evt trotzdem eingedrungener Feuchtigkeit verhindert, sodass es eher mehr Schäden gibt.
Man sollte das Silikon komplette entfernen, dann z.B. Kompriband in den Hohlraum drücken und dann mit Keilleisten die Fugen verschließen. (PU-) Leim einseitig auftragen, sodass das Holz weiterhin arbeiten kann.
(Statt Silikon gibt's auch Abdichtungsmassen aus dem Bootsbau, die dauerhaft sind)
Metallabdeckungen so anbringen, dass diese nicht direkt das Holz berühren, damit Kondenswasser abtrocknen kann.
Die Fensterbänke seitlich ebenfalls zum Holz hin mit Kompriband abdichten, als Zusatzabdichtung könnte darüber nochmals ein Blech oder besser ein durchgehendes Brett auf die Balken geschraubt werden mit einer Abtropfkante, welches die seitl. Blechaufkantung überdeckt.
Die horizontalen Blechabdeckungen wären wohl möglich, sollten aber wie die Fensterbretter am Fensterrahmen eingefräst werden. Dies wäre als schräg liegendes Holzbrett natürlich schöner (Eiche oder Lärche)
Wenn Metallabdeckung würde ich die aus Kupferblech machen, (optisch schöner und besser formbar)
Vielleicht kannst do noch den Fensterbankanschluß als Detail fotografieren, um das genauer zu beurteilen bzw detaillierte Sanierungstips geben zu können.
(Du kannst mich auch anrufen: Andreas Teich Malta googlen)
Grüße von Andreas



machen Sie Nägel MIT Köpfen



Hallo

ist eine Abnahme schon erfolgt?

ein Rat:
Machen Sie bei Ihrem Haus keine "Eigenläufe" sondern holen Sie sich fachlichen Beistand - einen Sachverständigen) und einen Rechtsanwalt …

damit alles im rechtlichen Rahmen ist … 

M.E. kann man ein solches Sichtfachwerk NIE mit modernen Materialien schadensfrei errichten - DAS geht NICHT.

Dann das Gepfusche mit Blechelchen und Silikönchen … DAS ist ein HAUS und kein Schuppen … 

Dieses Wasser dringt in ALLE Ritzen und wird Ihnen (auch wenn es innen nicht mehr herauskommt) in der Konstruktion bleiben und dort hinein gelangen (auch bauphysikalisch - Taupunkt) und dann weiter schädigen …

M.E. ist das Haus ein geträumter Murks, der nie und nimmer funktioniert … 

Der Vorschlag mit der Gesamtverbretterung ist wahrscheinlich gegen den Schlagregen der beste … aber dann bleiben noch die anderen Probleme und Folgen (Winddichtigkeit, Taupunktschäden …)

Florian Kurz



Fugen im Fachwerk



Hallo Florian,
eigentlich ist das Haus doch ganz hübsch als Fachwerkhaus und die haben doch auch jahrhundertelang gut funktioniert bez tun es immer noch.
Bei gravierenden Bauschäden ist es sicher angeraten einen Rechtsanwalt und Gutachter zu konsultieren, wenn die Baufirma nicht kooperiert.
Vielleicht könnte man aber doch hier versuchen, Tipps zu geben, um nicht gleich einen Abriß des Hauses anzuraten ?
Da werden die Eigentümer ja womöglich gleich depressiv.

Winddichtung muß natürlich funktionieren und Feuchtigkeitseintritt bis ins Innere muß natürlich auch verhindert werden.
Dazu könnte man Sanierungshinweise geben.
das Silikongeschmiere ist aber tatsächlich völlig daneben-wie jemand nur auf eine solche Idee kommen kann ???



Danke



@Florian: Danke für den Kommentar. "Eigenläufe" möchte ich auch auf keinen Fall machen. Ich erhoffte mir hier kompetente Ratschläge, die mir dem Bauträger gegenüber eine gute Argumentationsbasis geben. Dazu würde ich ggf. auch einen Sachverständigen zu Rate ziehen. Bis

@Andreas: Vielen Dank für Deine konkreten Tipps, die für mich sehr fachmännisch klingen und die ich gerne einmal telefonisch vertiefen würde. Das Foto vom Fensterbankanschluss kommt. Vielen Dank auch, dass Du meinem Haus noch eine "Chance" geben würdest. Mir gefällt es nämlich eigentlich sehr gut - mal abgesehen von den Mängeln.

Liebe Grüße
Heike



Sie sollten …



… KEINE Selbstläufe machen … 

Sie dürfen dem "Bauträger" keine Sachen sagen, denn dann ist ER fein raus … 

@Andreas
Zitat: "eigentlich ist das Haus doch ganz hübsch als Fachwerkhaus und die haben doch auch jahrhundertelang gut funktioniert bez tun es immer noch"

genau DAS ist ja das Problem: ES schaut gut aus … ist es aber nicht!

und Fachwerke, die Jahrhunderte lang funktionieren, gehen mit Lehm, ohne eisen, mit Kalkputz und NIE mit Dämmung und OSB-Platten und dem anderen Sch…

… dieses "moderne" SchickFachWerkHaus wird nie und nimmer 100 Jahre … wenns hochkommt mal 50 denke ich … ausser man saniert es von Grund auf … 

Florian Kurz



Fensterbankanschluss1



Hier nun ein paar Fotos des Fensterbankanschlusses.
Sicht von oben.



Fensterbankanschluss



Sicht frontal



Fensterbankanschluss



Sicht frontal.



Fensterbankanschluss



Sicht von unten.



Fensterbankanschluss



Sicht von unten.



Was genau ist gemeint



Hallo Florian,

was genau meinst Du damit, dass ich dem Bauträger keine Sachen sagen darf. Wenn ich möchte, dass die Mängel beseitigt werden, muss ich ihn doch ansprechen, oder!?

Das Haus ist übrigens komplett saniert worden bevor ich es gekauft habe.

Viele Grüße
Heike



Sachverständiger



Hallo Herr Schneider,

ich habe Ihnen eine Email geschickt, da ich durchaus am Kontakt zu einem Sachverständigen hier in der Region interessiert wäre.

Herzlichen Dank schon mal!

Viele Grüße
Heike Marks