"Schwundfuge" bei Gefachausmauerung mit Lehmsteinen

28.07.2011



Hallo Zusammen,

seit längerem schon nutze ich dieses Forum um Informationen zu sammeln.
Nun ist es endlich soweit, und ich widme mich meinem vernachlässigten Scheunengiebel.
Hierzu habe ich eine Frage, die ich auch nach längerer Archivsuche leider nicht befriedigend klären konnte.

Die Gefache meines Giebels habe ich mit Lehmsteinen der Firma Claytec ausgemauert. Es sind 1200Kg/m3 Steine. Als Lehmmörtel habe ich den Mörtel, der mir mit den Steinen Verkauft wurde genommen. Diesen habe ich mit dem Lehmmörtel gemischt, den ich beim Ausräumen der Gefache, die mit Backsteinen ausgemauert waren gesammelt hatte.

Nun zu meiner Frage / Problem:

Nach Trocknung des Mörtels entsteht zwischen Balkenwerk und Mauerwerk ein Riss. Dieser ist mal mehr, mal weniger ausgeprägt. Teilweise 2-3mm. Ich bin mir nun unsicher ob dies noch zulässig ist. Scheinbar ist es normal das nach dem Ausmauern das Mauerwerk nicht absolut dicht mit dem Balken abschließt, obwohl das mein Verständnis vom Feuchtigkeitstransport von Holz zu Lehm stört.
Doch wieviel Spalt ist normal/zulässig.
Ist es sinvoll nach kompletter Trocknung die Fugen nochmal auszukratzen und Nachzufugen? Wobei ich das bei einigen Gefachen schon gemacht habe, und auch dort ist wieder ein kleiner Spalt zum Holz entstanden.
Vielleicht bin ich auch zu genau? Von Beruf Feinmechaniker.

Leider habe ich kein vernünftiges Bild, da ich nur noch ein Teleobjektiv zu meiner Kamera habe.

Über Antworten würde ich mich freuen.
Gruß
Dirk



Das sich Schwundrisse....



.... bilden ist normal.
Kommt von aussen noch etwas auf die Wand drauf oder soll es Sichtmauerwerk bleiben.....
Wenn noch etwas drauf kommt würde ich empfehlen die offnen Spalten mit Stopfhanf zu zumachen. Wenn es sich bar bleiben soll, was ich mir nicht vorstellen kann, würde ich die Fugen etwas auskratzen und Stopfhanf rein machen und dann nochmals überfugen....

Ein kleiner Riss wird aber immer bleiben bzw. kommen, da das Fachwerk, nicht wie unsere Beamten, arbeitet.

Mfg
Rene



Soll verputzt werden



Hallo,

ja die Ausfachungen will ich noch verputzen. Allerdings erst nächstes Jahr, weil ich die Geduld meines Gerüstbekannten nicht überstrapazieren möchte.
Eventuell ist es am Sinnvollsten einfach bis nächstes Jahr abzuwarten und dann die Anschlussfugen nochmal zu überarbeiten?
Ich werde mal versuchen ein aussagefähigeres Bild zu machen.
Eventuell ist es ja gar nicht so schlimm.
Jedenfalls kann ich mir nicht vorstellen dass ich in die kleinen "Fugen" Stopfhanf reinbekommen kann.

Gruß
Dirk



Wenn die Fugen so klein...



... sind das ich noch nicht einmal Stopfhanf rein bekomme, würde mir das gar keine Sorgen bereiten.....
Wichtig ist das es nur nicht mir anderen Mitteln abgedichtet wird. Silikon bzw Acryl wäre sowas von Falsch am Platz....

Wenn es erst nächstes Jahr verputzt werden soll, ist es dann für die Zeit gegen Schlagregen geschützt?

Auch wenn man die Fugen und Risse nicht sehen kann, das was man auf den Bildern sieht, sieht schon richtig gut aus....Habe blos bedenken das ein Feinmechaniker, der ja bekanntlich alles in mm und 100stel misst, nicht alles zu genau macht. :-)

Mfg
Rene



Die Wand bekommt sehr wenig Regen ab



Hallo Rene,

die Wand sieht so gut wie keinen Regen. Ziemlich genau Süd-Ausrichtung. Zumindest hier bei uns kommt aus der Richtung fast nie Wind. Darum mache ich mir keine Sorgen.
Allerdings ist die Wand dann doch bewitterter als ich dachte. Also ab und an wird sie schon ein klein wenig feucht. Über die Jahrzehnte ist dann wohl doch einiges an Feuchtigkeit über die vorstehenden, unverputzten Backsteine ins Holz gelangt.
Selbstverständlich würde ich niemals Silikon oder Ähnliches in die Fugen schmieren.
Ursprünglich wollte ich nur ein wenig das Holz behandeln, bis ich feststellen musste, dass das Holz teilweise nur noch in Resten übrig ist. Deshalb habe ich dann alle Gefache ausgeräumt und mit Lehm wieder ausgemauert.
Weil ich gesehen habe was bei falscher Ausführung über die Jahre so passieren kann bin ich vielleicht ein wenig überempfindlich.
Ja dass mit den 100steln und 1000steln macht mir schon das Leben teilweise schwer. Und dann noch die hohen Ansprüche an Gewerke die ich angehe, und mit meinem Beruf nichts zu tun haben.

Gruß
Dirk



3 mm sind nicht viel!



Wie schon geasagt wäre ein Nahaufnahme hilfreich.

Ist die obere Fuge schon geschlossen?

Wann soll der Aussenputz drauf?

Grüße Gerd



verputzen möchte ich nächstes Jahr



Hallo Gerd,
ja die obere Fuge ist schon geschlossen. Verputzen möchte ich nächstes Jahr. Dann werde ich mir das Gerüst nochmal borgen.
Ich werde mich um ein besseres Bild kümmern.

Danke für Eure Antworten.

Gruß
Dirk



Detailbilder



Hallo Zusammen,

nachdem ich jetzt weiss das Schwundrisse normal sind, fand ich mein "Werk" gestern beim Fotografieren gar nicht mehr so schlimm.
Die von mir erwähnten 3mm habe ich dann doch nur an einer Stelle, dort habe ich wohl auch zu viel Mörtel auf einmal reingestopft. Die normalen Fugen auf den Bildern sind zwischen 8 und 10mm breit. Diese Obere ist wohl ca. 20mm breit.



Diese hier meinte ich



die hier

Gruß
Dirk



Herangehensweise



Guten Morgen an den Dirk S.

Zum ersten möchte ich mal betonen, dass die Ausmauerung hervorragend optisch anzusehen ist.
Sehr saubere und präzise Arbeit.
Meine fachliche Hochachtung an deine Arbeit.

Nun aber ein paar Abfragen;
Von wo nach wo wurde das Fachwerk ausgemauert?
Ist umlaufend eine Dreikantleiste eingebracht worden?
Wie befestigt?
Wann wurde die obere Fuge geschlossen?
Und wie hast Du die Umlauffuge nachbehandelt?

Der Großteil der Anschlussfugen sieht okay aus.
Auf dem letzten Foto ist die obere Fuge schon etwas bemängelnd.
Hier kann es sicherlich sein, dass zu frisch verpresst wurde, bereits nach dem Ausmauern die Fuge geschlossen wurde, der Mörtel zu fettig war (Zumischen des Altmateriales!) oder das Versäumnis, mehrmals im Rücktrocknungsprozess diese Umlauffugen zu verpressen.

Wie und mit was soll denn die Fassade verputzt werden?
Balken sichtig oder Balken überputzt?

Grüße in den Tag,
Udo



Unterstützung



Lehmsteine: NF-Lehmsteine in einer Fachwerkfassade  BV: Schäl

ganz wichtig!!



Da will ich auch mal meinen....



..... Senf dazu geben... Als einer der Maurer von der piecke auf gelernt hat muss ich vor dir als nicht Maurer den Hut ziehen. Vom Aussehen her ist die Wand perfekt gemauert....

Mfg
Rene



Vielen Dank für die Blumen



@ Udo
Ich habe von Oben nach Unten ausgemauert. Eine umlaufende Dreikantleiste habe ich mit verzinkten Stahlstiften festgenagelt. Die Obere Fuge habe ich direkt im Anschluss ans Ausmauern geschlossen. Dies war wohl auch ein Fehler. Die schon bestehenden Anschlussfugen habe ich immer dann, wenn ich neue Reihen gemauert habe mit dem Fugeisen nachgedrückt.
Ich möchte dann im nächsten Jahr die Gefache mit Kalkputz verputzen, die Balken sollen sichtbar bleiben.

@ Rene
vielen Dank für Deinen Zuspruch. Ich bin jetzt beruhigt und werde die "schlechten" Fugen noch mal nacharbeiten.

ps. so siehts von Innen aus, obwohl die Scheune im Obergeschoss nur eine Rumpelkammer ist und auch bleiben wird.
Vielen Dank und Gruß
Dirk



Umlauffugen...



...nach Fertigstellung des Tagwerkes erst mit dem Fugeisen verpressen.
Da ist eine gewisse Steifigkeit bereits erfolgt.
Sonst hat es keinen Zweck!

Doch nun die eigentliche Kritik!
Wie weit ist die Ausfachung von der äußeren Balkenkante zurückgesetzt worden?
Sieht eigentlich bündig aus.



ca. 20mm



liegt das Mauerwerk hinter den Balken zurück. Ich habe extra Innen aufgedoppelt, damit die Steine wegen des "zierlichen" Balkenquerschnittes nicht überstehen.
Ja, mit den Anschlussfugen hätte ich mir wohl mehr Mühe geben müssen. Ich frage mich nur ob das so in Ordnung geht wie es jetzt ist (bis auf den einen großen Spalt), oder ob hier Nachbesserungsbedarf besteht.

Danke und Gruß
Dirk



Klappern...



....die Gefache?
Also wackeln sie, wenn Du dagegen drückst?



Wackeln



Hallo Udo,

das eine Gefach, das mit dem großen Setzriss, wackelt ein wenig. Die Anderen sind alle fest.
Bei diesem Gefach habe ich jetzt alle Anschlussfugen bis fast an die Dreikantleiste ausgekratzt, die Fugen dann etwas vorgenässt und wieder verschlossen. Mit dem Fugeisen drücke ich nun nach Deiner "Anleitung" nach.
Schade dass ich so etwas wichtiges erst lernen musste, nachdem alles fertig war. Aber Theorie und Praxis waren ja schon häufig zwei paar Schuhe.

Danke für Deine Unterstützung und Gruß
Dirk