Verfugung Backsteinfassade mit Kalkmörtel - Fassade verhunzt.

29.04.2010



hallo,
habe ein sehr altes rotes Backsteinhaus, bei dem die Fugen neu verfugt werden mußten. Habe mich hier im Forum schlau gemacht, habe Mörtel aus Weißkalkhydrat und Sand 1:4 hergestellt und die Fugen als Laie leider grobmotorisch zu geschmiert. Obwohl ich die mürben Klinker nach dem Verfugen gereinigt habe, sieht das ehemals schmucke rote Backsteinhaus jetzt aus wie ein Haus in Sarajewo oder Afgahanistan
- weiß verschmierte - kalkige (ehemals rote) Klinkersteine.
- Die weißen neuen Fugen und die alten grauen Fugen im Mix. Eine Katastrophe. Meine einfachen 3 Fragen:
1. Kann man die weiße Kalkfarbe/Schleier aus den porösen, eigentlich roten Backsteinen entfernen (ohne dabei den Kalkputz zu schädigen)?
2. Kann man die weißen Kalkmörtelfugen einfärben, nachträglich wohlgemerkt, auf die Farbe der anderen Fugen, danit es nicht aussieht wie nach einem Bombeneinschlag?
3. Wie lange dauert es etwa, bis der Kalkmörtel RICHTIG ausgehärtet ist, Wochen, Monate, Jahre? -- Echt überhaupt keine Ahnung.
Hoffe, daß mir jemand Tips gibt - bin wirklich gefrustet.
Grüße, Bolzo



Korrektur



hallo,
habe eben einen Fehler in meiner Beschreibung entdeckt: zu Frage 1:
natürlich geht es nicht um Kalkputz (nicht vorhanden!), sondern nur um den Kalkmörtel in den Fugen. Wenn ich also mit sauren Mitteln versuche, die Klinkersteine zu reinigen, sollte das doch auch (trotz aller Sorgfalt) auch die Fugen angreifen.
Mag sein, daß ich der DAU (dümmste anzunehmende "Laie") bin, also könnte ich aus meiner Position heraus nur dazu raten, beim Empfehlen von Kalkmörtel darauf hinzuweisen, daß dieser Werkstoff in seiner Färbekraft durchaus mit weißer Dispersionsfarbe vergleichbar ist. Erst das Abkleben jedes einzelnen Backsteines und höchst konzentrierter Einsatz einer Fugenkelle brachte zufriedenstellende Ergebnisse.
Also, ich hoffe jetzt auf rettende Antworten! (Kann mir im schlimmsten Fall auch einen zweckmäßigen Anstrich vorstellen)



Fassade verhunzt



Hallo,

wenn Sie nun schon so ziemlich alles falsch gemacht haben, Fugen offenbar nicht ausgekratzt, Altfugen entfernt, Fugen gereinigt, richtiges Werkzeug benutzt etc, dann können Sie immer noch von vorne anfangen:
Also Fugen auskratzen, ggfs. auflexen, reinigen, wässern....
oder Sie schlämmen den ganzen Bau.

Grüße vom Niederrhein



Noch ein Tip



es gibt sicher auch in Ihrer Gegend Handwerker die das fachmännische Verfugen mal gelernt haben. Vielleicht finden Sie ja jemanden der Ihnen hilft, und Ihnen vor Ort die richtigen Tips gibt.



Moin Bolzo,



vielleicht hilft dir ein Hochdruckreiniger (Roto-Düse) das ganze wenigstens optisch abzumildern.

Die grauen Fugen kannst du nachweisseln...Woanders haben sie schon komplette Ziegelwände aufgemalt.

Frohes schaffen, Boris



Hinweis Fugen



Altbau und Denkmalpflege Informationen Fugarbeiten .


Die häufigsten Fehler bei der Sanierung von Fugen

Immer wieder kommt es bei der Fassadensanierung zu großen Bauschäden . Meist sind Verstöße gegen die Handwerksregeln die Ursache. Die folgenden Hinweise nennen typische Planungs-Verarbeitungs und Baufehler:

A) Verarbeitungsbedingte Fehler
1. Schlechte Untergrundvorbereitung
Trennschichten am Untergrund wie Altputzreste, Staub, Verschmutzung, Moos-, Algen- oder Wurzelbewuchs stören die Mörtelhaftung. Sie sind sorgfältig zu entfernen, um Putzablösungen und mangelhaften Flächenverbund zu vermeiden. Auf Natursteinuntergründen ist das Aufbringen einer Haftbrücke aus Staubkalkschlämme erforderlich, um den Flächenverbund von Fehlstellenergänzungen sicherzustellen.
Unterschiedlich und schlecht saugender Untergrund und Altoberflächen stören das gleichmäßige und durchgreifende Abbinden der neuen Mörtelschicht. Aufbrennen mit schlechter Putzhaftung, ungenügender Erhärtung und Risse sind die Folge. In der Frischmörtelphase muß der Untergrund ein ausreichendes Feuchtereservoir, gegebenenfalls durch Nachversorgung, aufweisen, um den Abbingdeprozeß nicht vorzeitig zu unterbinden.Wenn Vertiefungen im Untergrund nicht zuerst ausgemörtelt, sondern mit der ersten Lage zugemörtelt werden, entstehen besonders starke Schichtlagen. Sie trocknen nur langsam aus, bilden durch alle Folgeputzlagen gehende Schwundrisse und sind im Folgewinter stark frostgefährdet.


3.Mangelhaftes Aufrauhen der Frischmörtel-Oberfläche

Wurde der Frischmörtel nicht genug aufgerauht, entstehen eine geringere Gesamtoberfläche und eine sperrende Sinterhaut aus Kalkkristallen. Dies verringert die Carbonatisierungsgeschwindigkeit infolge CO 2-Zutritt aus der Luft. Der Mörtel trocknet und erhärtet langsamer. Die trocknungsbedingte Versinterung der Oberfläche reichert dort Bindemittel an. Der ungleichmäßige Festigkeitsaufbau im Mörtelquerschnitt führt dann zu Rissen. Die gebremste Trocknung erhöht die Frostgefahr.

Der beste Zeitraum für die Herstellung von Fugen im Außenbereich sind die frostfreien Monate (Ende April Mitte Oktober). Fugmörtel erhärten durch Aufnahme von CO2 aus der Luft. Vorher muß die entsprechende Menge an Wasser aus dem Putz abtrocknenNeben der langsam fortschreitenden Carbonatisierung setzt die Frühfestigkeit aber auch durch die Trocknung selbst ein. Ein richtig rezeptierter Mörtel erreichen deshalb ausreichende Stabilitität und Frostsicherheit, auch wenn er noch lange nicht durchcarbonatisiert ist. Voraussetzung für beide Festigungsprozesse ist immer die Trocknung

Hohe Luftfeuchte (Herbst) schränkt die Wasserabgabe, den davon abhängigen CO2-Zutritt und die Mörtelhärtung ein. Frischer Fugenmörtel sollte weitgehend im Jahr des Mörtelauftrages durchtrocknen. Terminverzögerungen gefährden diese kalktypische Anforderung.
Falscher Bauablauf verzögert bzw. unterbricht die Mörtelhärtung. Ungenügend abgebundene Flächen sind dann im Folgewinter besonders frostempfindlich und können schichtenweise abfrieren.

Weitere Infos gerne auf Anfrage..

Lg -Peter Schneider



Carbonatisierung



@Peter Schneider

Jetzt haben Sie Ihren Wissensstand zur Carbonatisierung zum besten gegeben.

Ich frage mich allerdings wie Sie erklären, das Beton fest wird ohne Carbonatisiert zu sein.
Und warum wird bei Stahlbeton, einem Baustoff der in Sachen Festigkeit am Bau seines Gleichen sucht, der Carbonatisierungsvorgang so gut wie nur möglich raus gezögert?


Grüße aus Schönebeck



meine Fassade



danke für die zahlreichen Beiträge.
Also, den Sinn des Kalkputzes habe ich schon deshalb verstanden, weil das Haus irgendwann mal mit Zementmörtel nachverfugt wurde. Entprechend kaputt sind die Klinkersteine auch, an der Vorderseite. Das Schadensbild Klinkerstein-Zementputz erkenne ich jetzt schon auf den ersten Blick. Doch teilweise sind die Zementfugen großflächig in einem sehr guten Zustand, wo man selbst mit Winkelschleifer fluchen würde. Also habe ich halt die offenen lockeren Stellen freigemeisselt , freigekratzt und mit Druckluft ausgeblasen und die in der Regel 5 cm tiefen Fugen schon ordentlich nassgemacht und dann - ja dann halt "zugeschmiert"- den Mörtel einfach reingedrückt, im Glauben, es gleich danach reinigen zu können. Wusste halt nicht von der gigantischen Farbkraft von Kalkmörtel.



Fassade neue Farbe



an Boris:
danke für die entscheidenden Tips. Nachweisseln der Zementfugen - leuchtet ein.
Weiß jemand mit was? einfach Fassadebfarbe?
einen Backstein habe ich mit Malkreide eingefärbt - hält wahrscheinlich nicht - Resultat aber schön!
Also auch hier: einfärben von Backsteinen, evtl nicht mit Pinsel, sondern durch einreiben der Farbe mit Lappen, mit diversen Rot-Braun-Farben, hat jemand Erfahrung, welche Farbe man nehmen kann, die auch gut hält?



Moin Bolzo,



für genauere Tipps bräuchte es erstmal ein paar Fotos....

Du hast ja im Prinzip 3 Möglichkeiten:

- Versuchen den Kram wieder runterzuschrubben,-schleifen,-strahlen und dann richtigmachen.

- Den Rest zurechtschmieren, damits wenigstens gleichmässig aussieht.

- Alles komplett übermalen, z.B. die Backsteine in lila und die Fugen in grün-metallic....;-)

Welchen Tod willst du sterben?

Gruss, Boris

P.S. Ist deine Mörtelmischung wetterfest?





Hallo Boris,
danke für die Mühe!
eben regnet es wie verrückt, Fassade nass - das sieht gleich viel besser aus! Also Fotos eher von trockener Wand. Ob der Kalkmörtel nach ein paar Tagen Trocknungszeit jetzt schon diesen Regen mitmacht? Fragen über Fragen. Denke aber, ein Dampfstrahler wäre zu krass. Neige nach ein paar Experimenten sowieso zum Nachfärben - Haus steht nicht unter Denkmalschutz :)



Was war denn jetzt das Ergebnis?



Hallo,
mir droht gerade das selbe Problem - Kalkmörtel, der sich nach dem Verfugen fröhlich durch das Abwischen auf dem Backstein verteilt. Wie bekommt man den Kalkschleier wieder weg? Eine richtige Antwort auf diese habe ich nicht gefunden. Wäre sehr dankbar über einen Hinweis. P.S. Habe nicht vor die Steine lila und die Fugen grün-metallic anzumalen...



Fassadenrettung...



hallo,
hab es versucht mit Säure (naheliegend) - hat nichts gebracht und mechanisch, das zu entfernen. Bei mir sind die Backsteien aber schon porös . es geht einfach nicht.
kann da nicht viel helfen.
Was ich gemacht habe: mit Malkreide die weissen Stellen übermalt-überfärbt. . Das sah ein paar Monate echt gut aus. Die Kreide wurde aber dann doch wieder ausgewaschen, und es sieht aus wie vorher.
Man muß den Fugenmörtel wohl mit so einer Spritzdüse und einem Quetschbeutel in die Fugen einpressen, wie die Sahnehäubchen gemacht werden. Sowas solls im Baumarkt geben.
Die Verfärbung meiner Fassade könnte ich mit einer gut haftenden, wetterfesten, farblich abgestimmten Farbe, die ich in die Backsteine einreibe, (also nicht aufpinsele), wieder halbwegs herkriegen, denke ich, nach meinen Erfahrungen mit der Kreide.Das fällt wahrscheinlich nicht mal auf, wenn man gut genug ist beim Abmischen der Farben.
Das setzt aber etwas künstlerisches Geschick voraus.
Probiert hab ich es aber noch nicht.