Fachwerk gedämmt

12.06.2013



Hallo,

wir sind dabei ein Fachwerhaus aus dem Jahre 1982 zu kaufen haben aber ein wenig Bedenken bei der Bauweise.

Es handelt sich um 18 cm starkes Holz mit folgender Ausfachung (von innen nach außen):

1 cm Rigipsplatte
10 cm Gasbeton
5 cm Styropur
1,5 cm "Wärmedämm"-putz (was soll denn bei der Dicke dämmen?)

Die Ausfachung ist nicht ganz bündig mit den Balken (ca. 1 cm) nach innen versetzt so, dass sich Wasser auf den überstehenden Balken ansammeln kann.
Die Gasbetonsteine sind mit Mörtel verputzt (keine Ahnung was genau für Material das ist).
Zwischen Dämmug und Balken wurde ursprünglich Silikon gespritzt und später vom Besitzer durch Acryll ersetzt worden.
Es sit zu beobachten, dass die an manchen Stellen von innen Feuchtigkeit ins Innere gedrungen ist (nichts dramatisches...) und dass der Beitzer immer wieder neu von außen verfugen muss.

Meine Frage ist :

Kann diese Bauweise zu größeren Folgeschäden durch Feuchte und Schimmel führen ??



Das liest sich...



... wie eine Aufstellung von "No-Go's" aus dem Lehrbuch.

Da hat es einer wahrscheinlich gut gemeint und so ziemlich alles falsch gemacht, was möglich war...

Die Probleme hast Du ja schon selber richtig erkannt...

MfG,
sh



Die Schwachpunkte ...



... haben Sie selbst bereits benannt. Und: es ist in der Tat eine Ansammlung von falschen Baustoffen im Zusammenhang mit einer Fachwerkkonstruktion.

Auch wenn das Holz äußerlich noch gut aussehen mag, ist durch die Anschlußfugen zwischen Gefache und Holz Regen/Feuchtigkeit eingedrungen und durch die Silikon- und Acryabdichtung in der Konstruktion gehalten worden. Vermutlich ist das Fachwerk auch mit einem mehr oder weniger dampfdichten Anstrich versehen worden, der mittlerweile durch Versprödung rissig geworden ist und der ebenfalls eingedrungenen Feuchtigkeit an der Rücktrocknung hindert. Der Porenbeton hält zudem die gespeicherte Feuchitgkeit lange und trocknet auch ggf. durch die Porenstruktur kapillar nie ganz aus. Größere Vermorschungsstellen sind nicht auszuschließen, gerade auch im Fussschwellenbereich und am Fußpunkt der Wandständer.

Wenn das Haus andere Vorzüge haben sollte, die einen Kauf rechtfertigen, sollten sie die Bausubstanz vor dem Kauf sehr genau prüfen und den Sanierungsaufwand schätzen lassen.

Die einzig vernünftige Lösung für eine gut erhaltene oder sanierte Fachwerkkonstruktion wäre eine zusätzliche Außendämmung und eine hinterlüftete Fassade als Witterungsschutz. Der Wärmedurchgangswert (U-Wert) der Wand hat sich an der Wärmeschutzverordnung von 1977 orientiert und liegt wahrscheinlich bei bescheidenen 1,45 W/m2K oder gering darunter. Ist also um den Faktor 5-6 schlechter als eine Wandkonstruktion nach der heute gültigen EnEV.

Wenn Sie eine Sanierungs- oder Immobilienkaufberatung wünschen sollten, können Sie sich gerne mit mir in Verbindung setzen. Ich habe z.Zt. eine Fachwerksanierung in Gummersbach und kann gerne einmal vorbeikommen.



Kann diese Bauweise zu größeren Folgeschäden durch Feuchte und Schimmel führen ??



Leider ja!!



Eher weitersuchen



Hallo,

sofern das Haus nicht unter die Kategorie "Schäppchenhaus" fällt und eh schon sehr große Summen für die Sanierung vorgesehen sind würde ich das Haus nicht kaufen. Das gute Stück hat ja "schon" 30 Jahre auf dem Buckel, und da würde ich bei der Bauweise (und der Beschreibung) befürchten, dass das Holz schon Schäden hat. Außerdem muss man auch grundsätzlich was an dem Aufbau ändern, was ja noch zusätzlich kostet.

LG,
Tina





Recht herzlichen Dank erstmal für die Antworten.

Das Haus sieht von außen und innen wirklich geplegt aus. Was das holz angeht konnte man keine angefaulten Balken sehen.
Dass es nicht gut gedämmt ist liegt auf der Hand. Das Dach ist übrigens mit 8,5 cm Hartschaum flächendeckend issoliert. Also auch kein Wunderwerk..... aber darum geht es mir auch nicht bei diesem Beitrag.

Besteht denn die Möglichkeit die Fugen bei den Materialien so abzudichten, dass man wenigstens keine großen Feuchteschäden hat?

Ich habe hier im Forum sehr viel darüber gelesen.

Es wird zu Hanf, Kork, oder Kalkmörtel geraten. Und dann die Fugen mit einem Kellenschnitt ausfugen.
Kann jemand beurteilen ob es bei dieser Bauweise eine vernünftige Lösung zur Abdichtung der Fugen gibt ?

Das Haus kann man übrigens hier sehen :

http://www.mannella-immobilien.de/Objekt-Haus-in-Much-MANNELLA-*Fachwerk-auf-die-moderne-Art*-Idyllisch-Wohnen-mit-viel-Licht-ganz-ohne-rustikalen-Flair/M-37662274.htm





Der U-Wert der Wände soll laut Wärmeschutznachweis nach EnEv 2009 übrigens bei 0,572 liegen.
Der des Daches bei 0,361.

Das halte ich für





nicht wirklich wahrheitsgemäß



Die rein akademisch...



... durch Aneinanderreihung von Bauteilschichten ermittelten u-Werte mögen schon hinkommen...

Außer der Geschichte mit dem prinzipiellen Wandaufbau und den Fugen, sind mir noch zwei Dinge aufgefallen:

Das eine sind die Fenster, die möglicherweise noch aus der Erstausstattung stammen und damit einen energetischen Schwachpunkt darstellen.
Das andere ist die Ölheizung, wahrscheinlich ist einmal Ersatz eingebaut worden, sodass das jetzige Gerät denn doch allmählich seine beste Zeit hinter sich haben könnte; auch Öltanks halten nicht ewig.

Ich will damit nur andeuten, dass in den nächsten Jahren nicht unhebliche Zusatzkosten anstehen könnten. Um solche Sachen einigermaßen zuverlässig im Vorfeld ausloten zu können, ist eine Begehung mit einem Fachmenschen des Vertrauens absolut sinnvoll; natürlich arbeitet der nicht für 'nen warmen Händedruck und 'ne Tasse Kaffee aber das lässt sich alles im vorraus klären.

MfG,
sh



DAs Haus ...



... macht rein optisch einen ganz guten Eindruck. Ich habe alledings bei meinen Immobilienkaufberatungen ziemlich viele "verkaufslackierte" Häuser gesehen, deren wahre Substanz hinter Hochglanzoberflächen zu erahnen war.

Bedenklich ist die äußerst schmal bemessene Außenwandkonstruktion. Gar nicht geht ein Fachwerk, das außen und innen sichtbar ist, weil auf einer Seite die wind- und regendichte Verkleidung angeordnet werden muß. Eine Seite des Fachwerkes muß also eine Verkleidung tragen. Das lässt sich ggf. nachbessern.

Entscheidend wäre die Qualität der FAchwerkkonstruktion nach 30 Jahren.

Zu bedenken sind auch die großflächigen Festverglasungen, deren Ug-Wert bei 2,9 W/m2K oder noch schlechter liegen dürfte mit dem bekannten Frösteleffekt in Glasnähe. Und die Silikonfugen der Festverglasung mit dem Vermorschungseffekt. In den 80ern hat man ziemlich einfach gebaut. DA sollten einige Details genau überprüft werden

Die Fenster dürften auch Ihren Zenith überschritten haben. Wie ist das Dach gedämmt? Eine Aufsparrendämmung in welcher Höhe? Hinterlüftet?

Wenn Sie eine Immobilienkaufberatung wünschen, kann ich Ihnen gerne einige Informationen zusenden. Ich komme 1-2 mal/Woche z.Zt. an Much vorbei.