Fugen in Backsteinhaus reparieren

23.09.2018 samuel



Hallo zusammen,

kurze Einleitung:
in unserem Backsteinhaus von ca. 1910 sind wir gerade dabei die seit vielen Jahren ungenutzen Dachbodenräume zu sanieren.
Im Zuge von neuen Fenstern sollen dann auch diese Fugen wieder repariert werden.

Problem:
Unter zwei alten Fenstern (die nicht mehr 100% dicht sind) im Innenbereich sind die Fugen inzwischen ziemlich tief herausgebröselt. Die Wände sind Doppelwandig, innen und außen jeweils massive Backsteine. Siehe Foto im Anhang.

Leider weiß ich nicht genau was dort ursprünglich verwendet wurde, das rausbröselnde hat Sand/Lehmfarbe und ist trocken und pulverig.

Wie gehe ich hier am besten vor und vor allem was für Produkte verwende ich am Besten? Das meiste was ich im Internet finde betrifft die Aussenwände.
Ich würde nach meinem aktuellen Wissensstand so vorgehen:
- alten Putz runter, Fugen auskratzen / reinigen / aussaugen - wie tief muss ich die fugen auskratzen,
- Silikatverdünner oder was nehme ich dann auf die Wand und Fugen?
- Kalkmörtel (mit ohne Zementzuschlag?)

Ich bin für jegliche Tipps dankbar. Das soll dann ja wieder ein paar Jahre halten!

Viele Grüße,
Samuel





Keinen Silikatverdünner verwenden.

Einfach Kalkmörtel verwenden 1 Raumteil Kalkhydrat zu 3 Raumteilen Sand. Für die Festigkeit kann optional noch 0,1 Raumteil Ziegelmehl oder hydraulischer Kalk (NHL) zugemischt werden.

Mörtelkonsistenz zwischen erdfeucht und leicht plastisch halten.

Die Fugen nur partiell von mürben Mörtel ausräumen, ausfegen und mit Wasser annetzen, was gleichzeitig der Staubbindung dient. Sehr tiefeFugen mehrlagig auffüllen. Die Verdichtung nach dem "Ansteifen" nicht vernachlässigen um den kraftschlüssigen Verbund zu gewährleisten.

Mörtelrezept gibt es hier:

http://www.ziegelkontor.de/tipps.html

Eine gute Arbeitsanleitung ist hier zu finden:

https://www.youtube.com/watch?v=ltFRjpRcbWQ



Fugenbehandlung vor dem Verfugen



Hallo Mario,

Soll ich nicht einmal mit Kalk + Wasser die Fugen anfeuchten? Irgendwo habe ich gelesen das man sowas machen soll damit der alte Mörtel, der noch in der Fuge sitzt auch wieder etwas fester wird.
Verputzen kann ich dann auch mit dem gleichen Mörtel oder da besser eine andere Zusammensetzung?

Das Video ist super und eigentlich ist die Verarbeitung ja auch recht intuitiv machbar.

VG Samuel





Ja, die Festigung mit Kalkmilch oder Sinterwasser wird oft empfohlen. "Neuere" Untersuchungen haben aber ergeben das dies nicht bringt. Wenn eine Verfestigung stattfindet liegt das an den "Reserven" von reaktiven Kalk, der historischen, trockengelöschten Mörteln.

Eine gewisse Festigung der Mörtel kann mit einer Kalkmilch der bis 20 Prozent fettarme Milch zum Anmachwasser gegeben wurde erreicht werden.

Für den Verputz kann derselbe Mörtel verwendet werden. Hier handelte es sich ja um einen "Schlämmverputz", Mörtel mit der Kelle angeworfen und mit der Kellenkante ausgeglichen und abgezogen bzw. soweit nötig wieder abgetragen. Danach wird der noch frische Putz mit einer Kalkmilch gestrichen und leicht "dressiert", fertig.



Fugentiefe wie tief erneuern?



alles klar! Der Putz soll dann die Wand auch nur möglichst dünn bedecken um die Wand zu begradigen. Dort soll dann Multipor aufgeklebt werden.

Noch mal zur Tiefe des Auskratzens der Fugen: müssen diese möglichst komplett erneuert werden, also zu 100% auskratzen (natürlich nicht alles auf einmal 100% auskratzen... soll ja nichts einstürzen) oder nur so weit wie sich mit leichtem kratzen löst, bzw. auch so tief kratzen wie es sich löst, auch wenn das ggf. 100% der Fugentiefe ist?

VG Samuel





"100 Prozent" wird ja wohl kaum nötig sein. Die Mauersteine sind im "Kreuzverband" aufgeschichtet.

Hier hat es halt lange reingeregnet und die Bindung des Mörtels ist mürbe geworden. Über die Druckfestigkeit des Bestandsmörtels würde ich mir jetzt nicht so viele Gedanken machen, sofern die Fugen wieder oberflächenbündig und kraftschlüssig gefüllt werden.

Wie gesagt wirklich lockeres Material ausräumen, abfegen oder saugen und durch Benetzung mit Wasser den Staub binden.

Wenn du das ganze mit einer kapillar leitfähigen Innendämmung versehen willst, sollte von Außen kein Regenwasser mehr hinzu treten können.



Feuchtigkeit kommt durch undichtes Fenster



okay.

Die Feuchtigkeit kommt vom Fenster, das ist die Wetterseite, Holzfenster, einfach verglast, nichtmal damals ausgeschäumt worden, also so richtig dicht ist da nichts. Das war vermutlich nicht mal vor zig Jahren beim Einbauen dicht...
Erstmal Fugen neu, dann neues Fenster. Dann sollte da keine Feuchtigkeit mehr reinkommen und dann kommt erst etwas Dämmung.

Vielen Dank für deine guten Tipps und Beantwortung meiner Fragen!

VG
Samuel



Kalkmörtel



Hallo,

noch mal eine Frage zum Kalkmörtel. Dieser hat ja nicht so eine hohe Festigkeit. Ich denke im Dachgeschoß ist das nicht so entscheidend, im Kellerbereich aber wohl schon, da das Haus mehr als 2 Stockwerke hat (Keller, Erdgeschoß, 1. Stockwerk, Dachgeschoß).
Zement zufügen soll ja auch nicht so toll sein, bzw. bei zu viel Zement hält die Fuge und der Stein bröckelt...
Mit welcher Mischung würdet ihr die Fugen in den Kellerwänden ausbessern, so dass das wieder die nächsten 50 Jahre hält?

vg
samuel





Das Problem mit Zement entsteht wenn Leute den wie Beton als Mörtel Verarbeiten (1 Raumteil Zement auf 3 Raumteile Sand).

Sinnvoll hingegen ist es dem Kalk bis zu 20 Prozent latent hydraulische Zuschläge oder hydraulische Bindemittel hinzuzufügen.

Für höhere Druckfestigkeit hatte ich bereits vorgeschlagen dem Kalkanteil noch 10 Prozent Ziegelmehl (Tennissand) beizufügen oder natürlich hydraulisches Kalkhydrat zu verwenden.