Breite Fugen in altem Dielenboden mit Hanf "gestopft"

14.01.2013



Ich hatte an andere Stelle 2011 die Frage gestellt, was man mit den breiten Fugen machen kann.
Deshalb will ich hier berichten, was wir letztendlich getan haben und welche Erfahrungen wir gemacht haben.

Ausgangslage:*********
In einem etwas über 100 Jahre alten Mehrfamilienhaus haben wir eine Wohnung (Eigentum) zu der eine Hälfte des Speichers des Hauses gehört.
Die Trennwand zum Nachbarn im Speicher war bereits beim Kauf vorhanden. Diese Trennwand steht auf den Speicherdielen, die teilweise unter der Wand durchlaufen.

Die Dielen selbst sind unterschiedlich breit ca. 20-25cm und haben stark unterschiedliche Abstände. Letztendlich war von 3mm bis 18mm Abstand alles vorhanden.
Die Dielen sind ohne Nut + Feder verlegt gewesen und laufen nicht immer sauber durch, sind also "gestückelt".
Uns gefällt das Rustikale (im Geschoss darunter haben wir schmälere Dielen mit Fugen bis 6mm und können sehr gut damit leben) - aber bei den ganz breiten Fugen haben wir Bedenken, dass dann doch zu viel Schlacke und Staub nach oben kommt.

Die Fugen offen zu lassen kam letztendlich tatsächlich wegen des Staubes nicht in Frage.

Verworfene Ansätze zum schließen der Fugen:*********
Das Aufnehmen und neu Verlegen haben wir nicht in Erwägung gezogen, weil erstens die Dielen zum Nachbarn durchlaufen, 2. die DIelen teilweise sehr brüchig sind, so dass wir die Erfahrung gemacht haben dass diese eigentlich beim Entfernen eher kaputt gehen
und letztendlich auch um Arbeit zu sparen.

Ich habe auch viel gelesen über das Verfugen, wei man es bei Schiffsböden macht - d.h. mit Fugenmasse ausgiessen. Das haben wir jedoch auch recht schnell verworfen, da die Fugenmassen nicht dauerhaft sind, der Prozess ebenso schwierig ist und unter unseren Dielen auch noch Hohlräume sind, in die man vermutlich unsinnig viel Fugenmasse gespritzt hätte.
Noch dazu wäre das ganze auch recht teuer gewesen.

Ausspanen haben wir an einigen Stellen tatsächlich ausprobiert: ein ein paar kurzen Fugen einer sehr breiten. Der Arbeitsaufwand war immens (bei den kurzen Fugen ca. 1 Tag für 1,5 lfm, die lange ging natürlich etwas schneller).
Wir hatten die Fugen vorher sauber gekratzt und aus alten noch vorhandenen Dielen Leisten sägen lassen, dann einseitig eingeleimt. Allerdings waren die Fugen an sich so unterschiedlich, dass hier pro Leiste sehr lange nachgehobel und geschliffen werden musste, damit die Leisten in die Fugen gepasst haben.
Wir haben uns den Versuch erspart, mit der Oberfräse die Fugen gleichmässig zu fräsen damit die Leisten besser passen.
Das Ergebnis der Ausspanung war gut, allerdings auch nicht optimal, da die Ränder unserer Dielen eben auch sehr "variabel" sind.

Unsere Lösung: *********
Wir haben es dann auf den Versuch ankommen lassen, die Fugen mit Hanfmaterial auszustopfen. Letztendlich verbauen wir uns damit nicht, später doch noch eine andere Lösung anzuwenden, da wir das Hanf auch problemlos wieder entfernen können.

Wir haben beim alten Boden zunächst die Nagelköpfe einzeln versenkt und alle Fugen sauber ausgekratzt. Trotzdem sind die Kanten unsere Dielen nach wie vor "rauh" gewesen, was wahrscheinlich den Halt des Hanfs später positiv beeinflusst.
Dann den Boden abgeschliffen - erst grob, dann fein.

Dann haben wir geölt - mit dem Kreidezeit Öl, da wir bei unserem Boden keine Angst vor zu starker "Anfeuerung" hatten und da Öl recht leicht zu Verarbeiten ist (ohne Padmaschine o.ä.)
Das Öl haben wir bei den breiten Dielen mit Pinsel, bei den schmäleren mit Lappen aufgetragen. Lappen deshalb, weil beim Pinsel öfter mal auch der Dreck aus den Fugen hängen blieb.

Dann haben wir uns Hanfrandstreifen in 5 und 10mm Dicke besorgt. Diese dienen eigentlich dem Abstsellen eines neu verlegten Bodens am Rand und sind 10cm breit.
Diese Streifen haben wir mit einem Akku-Universalschneider der Länge nach in drei Teile geteilt. War recht aufwändig, aber nachdem wir uns eine konstruktion gebastelt hatten, ging das dann ganz fix.
Diese Streifen haben wir letztendlich in die Fugen gestopft, und durch "nachstopfen" (mit entsprechend zugesägten Brettchen) verdichtet. Das Stopfen war auch eine Menge Arbeit, wurde aber sauber ausgeführt.
Wir haben versucht den Hanf möglichst ca. 0,5cm unter der Dielenoberfläche zu drücken. Das gelang besonders an den Stellen nicht gut, wo die Balken unter den Dielen laufen auf denen die Dielen festgenagelt sind.
Aber auch dort stopften wir möglichst tief.


Die Erfahrung: *********
Wir leben auf und mit diesem Boden nun ca. 4 Monate und sind vollauf zufrieden.
Selten nehme ich mal ein Hölzchen in die Hand um etwas aufgestandene Hanf-Fasern wieder nach unten zu stopfen.
Beim Staubsaugen löst sich kein Hanf aus den Fugen. Auch in den Gehbereichen, wo vermutlich mehr Schwingung stattfindet löst sich kein Hanf.

Die Optik ist für uns mehr als akzeptabel, und unseren Gästen fällt nicht auf, dass die Fugen ausgestopft sind.
Insgesamt sind alle Gäste eigentlich positiv überrascht, wie schön der Boden ist (was sicher auch an der Anfeuerung durch das Kreidzeit-Öl liegt).

Die Empfindlichkeit des Bodens ist durch das Öl wesentlich besser (härter!) geworden.
Bezüglich Staub oder Schmutzanfall sind wir besonders positiv überrascht: wir haben nun weniger Staub-Anfall als im Geschoss mit den eng verlegten Dielen.
Dies vermutlich deshalb, weil die Hanf-Fugen selbst mehr Staub binden. Die Befürchtung, dass sich aus den Hanfstreifen Hanffasern lösen und selbst mehr Schmutz produzieren hat sich nach ca. 2 Wochen bereits gelegt.

Anbei hänge ich Bilder aus verschiedenen "Epochen" unseres Schaffens.
Ich versuche auch weiter zu berichten, wie sich die Erfahrungen mit diesem Boden über die weitere Zeit entwickelt.



Ausgangszustand: Detail am Treppenaufgang



hier ein Detailfoto, wie der Boden vorher aussah



Ich denke mal...



.. das das eine sehr gute Lösung ist und vor allem sind es alles Materialien die zu einander passen. Das sieht man auch am Ergebnis und an der (wenn auch zur zeit noch kurzen) Dauerhaftigkeit.
Die Bilder sehen sehr gut aus und man erkennt das ausstopfen nicht.
Ich denke es wird kaum jemanden geben der da zu meckern hätte.



Ausgangszustand: Dielen in der Fläche



Foto der Dielen vor der Bearbeitung



Nach dem Schliff



Foto des Bodens nach dem Schleifen - da war er sehr hell



Nach dem Ölen - Vor dem Hanf stopfen



Hier der Zustand direkt nach dem Ölen, noch ist kein Hanf drin.
Man sieht sehr schön, wie stark "angefeuert" wurde
Allerdings ist das später wieder etwas heller geworden.



Die "Stopf-Phase"



hier sind wir dabei, die Hanf-Streifen in die Fugen zu stopfen. Meterweise wird ersmtal nur "eingelegt"- und danach richtig runtergestopft.



Nachher - Detail



So sieht das Treppenaufgangsdetail vom Anfang jetzt aus.
Ausgestopft!



Nachher - Fugendetail



so tief haben wir gestopft



Sieht



gut aus
Immer schön zu lesen daß es auch positive Erfahrungsberichte gibt..



Nachher - Wohnraum



und so sieht der Boden dann nachher aus :-)

Tschüss erstmal!



Wunderschön!



Aussehen tut es auf jeden Fall super, hoffentlich ist es auch dauerhaft genug.
Gerade das "nicht perfekte" der alten Originaldielen finde ich so reizvoll. Ich hoffe, dass unsere Dielen am Ende auch so in etwa aussehen werden.



Also, --



-- so schlecht finde ich das Ausstopfen der Fugen mit Hanf
auch nicht. -- Mein Vorschlag zur Stabilisierung der verstopften Fugen ist Folgender : Eine Leimtränke aus stark verdünntem Glutinleim ( Knochenleim ) herstellen und mittels einer Spritzflasche in die Fugen einträufeln.
-
Nach dem Trocknen der Tränke hat sich dann zumindest die oberste Schicht des verstopften Hanfes derart verfestigt,
daß sich keine Fasern mehr aufrichten können.
-
Man kann natürlich auch versuchen, ganz normalen Holzkaltleim wie z.B Punul oder ähnliches zu verdünnen und an einer "Teststrecke" ausprobieren.
-
Klappt ganz sicher.
-
Gruß, A. Milling



Schön geworden!



Vielen Dank für die "Rückmeldung"...passiert leider noch viel zu wenig hier.

Gruss, Boris



Einfach genial



ist diese Methode. Das werde ich gleich meinem Schreiner vorschlagen. Er meinte übrigens, dass er die Kanten leicht abhobeln werde, damit das Rauhe verschwindet und man sich nicht beim Barfußlaufen verletzen kann. Wie sind da Deine Erfahrungen? Kann man darauf verzichten?
Auf alle Fälle zeige ich ihm diese Bilder, vielen Dank für den tollen Beitrag. An andrer Stelle habe ich schon nachlesen können, dass die Nummer mit dem Bauschaum durch Bohrlöcher zum Befestigen der Dielenbretter Quatsch ist. Das hat mein Schreiner mir nämlich vorgeschlagen. Gottseidank gibt es hier im Forum lauter brauchbare und kreative Beiträge, ich bin immer wieder begeistert!



Bauschaum



Offenbar ist diese üble Schnapsidee in einschlägigen Kreisen ziemlich verbreitet. Auch bei uns hatten irgendwelche "Experten" in einem Raum den Boden damit malträtiert:
Alles musste mühselig entsorgt werden, muffiger geruch, Würfelbruch…



@rosetta



Das war doch n Joke oder ? Dein Schreiner hat tatsächlich vorgeschlagen deine Dielen mit Bauschaum zu befestigen ?
Nach dem Motto -was lange hält bringt uns kein Geld- oder so ??
Dann aber mit dem Schippenstiel freundlichst den Weg vom Hof gezeigt... ;-)



Der Laie staunt, der Fachmann empfiehlt...



Ja Bauschaum war die Empfehlung. Da die alten Dielen an einigen Stellen durchhängen und sich beim Darüberlaufen etwas bewegen, hat der (empfohlene) Schreiner festgestellt, dass man an an diesen Stellen die Nägel nachschlagen muss und daneben noch verschrauben sollte. Und um sicher zu gehen, dass es hält, kommt in die Schraubenbohrung ein "Klacks" Bauschaum. Woher soll ich als Laie wissen, dass das völliger Quatsch ist? Nicht das erste Mal wird vorgeworfen ich hätte keinen technischen Sachverstand...Aber GottseiDank gibt es das forum. Bevor ich noch weiteren Quatsch in meinem Haus verbauen lassen (habe schon ein paar solche Kröten schlucken müssen), lese ich im Forum nach und konfrontiere die Handwerker damit, bevor ich einen Auftrag vergebe. Leider kann ich nicht alles selbst machen. Oder vielleicht doch....



Toll



Schön sieht der Boden jetzt aus! Darf ich fragen, welches Holz das ist?



Antwort an rosetta und ramona



@rosetta
die Kanten (aber nur das "obere" Eck sozusagen) haben wir größtenteils mit Schleifpapier "gebrochen", d.h. mit der Hand eigentlich nur ein- oder zweimal drüberfahren. An wenigen Stellen war auch ein Hobel notwendig. Ja, das haben wir also gemacht.
Auch Nagelköpfe verspachteln habe ich nicht extra erwähnt, das war auch noch ein Arbeitsschritt - wir haben hier zwar einen etwas zu hellen Spachtel gewählt (und nicht den Schleifstaub gebunden, das wäre wohl besser gewesen) - aber es gibt schlimmeres. Bei diesem "bunten" Boden hätten wir die Farbe ohnehin nie exakt getroffen.

@ramona
welches Holz konkret das ist, würden wir auch gerne wissen. Aber selbst die Holzfachleute können das nicht so genau sagen. Definitiv ist es Nadelholz, evtl. Fichte, oder aber auch verschiedene Nadelhölzer.
Wir haben an Ausbesserungsstellen des Geländers ein Stück "neues" Holz (Fichte) eingesetzt, das wurde trotz ansonsten gleicher Behandlung aber nicht so dunkel. ;-)
Wir vermuten fast schon, dass die starke 'Farbenwticklung' etwas mit dem Alter des Holzes zu tun hat.



Bauschaum, ...



... also nur als eine Art Schraubensicherung, hört, hört!
Das war mir allerdings tatsächlich noch neu.

Ich meinte nur die offensichtlich recht häufig angewandte Komplettmethode, nämlich durch winzige Bohrlöcher in den Dielen den ganzen Hohlraum darunter und wohl auch die Fugen dazwischen mit Bauschaum auszufüllen.

In manchen Fällen führte das sogar zu einem Aufwerfen des Bodens, sodass die Türen nicht mehr auf gingen...