Fuge zw. Sandsteinsockel und Grundschwelle sanieren - welcher Mörtel?

23.02.2022 Philterkaffee


Hallo liebe Community,

wir haben ein Fachwerkhaus mit Sandsteinsockel, dessen Fugenmörtel tlw. fehlt. Insbesondere betroffen ist aber die Fuge zwischen Sockel und Grundschwelle. Hier ist tlw. auf über 20cm Breite einfach Luft. Mein Plan ist folgender:
Die existierenden "Leerstellen" gleichmäßig freikratzen, auf eine dünne Lage "Histocal MG IIa" (Otterbein) eine Mauersperrbahn legen und dann zur Grundschwelle hin ausfugen.
Die große Frage ist dabei: mit welchem Mörtel?

Wir hatten für einige Arbeiten am Fachwerk Zimmerleute von einem traditionsreichen Fachwerkbetrieb da, die in der Scheune eine ähnliche Stelle mit Trass-Kalk-Mörtel (Sakret) unterfüttert haben. Das hält gut, aber ist natürlich auch bei einer innenliegenden Grundschwelle.

Was mich verunsichert ist, daß ein anderer, ebenfalls für Fachwerk kompetenter Handwerker mal sagte, für solche Fugen müsse man expandierende Mörtelmischungen nehmen.

Stimmt das?
Oder kann ich meinen Histocal verwenden? (Ist noch was von einem anderen Projekt übrig)
Oder im Zweifel doch lieber Trass-Kalk-Mörtel?

Für Hinweise wäre ich sehr dankbar!


P.S.: Als ergänzende Frage: Sollte ich, so es möglich ist (was ich bei dem weichen Sandstein vermute), versuchen, nachdem ich die existierenden Fehlstellen geschlossen habe und diese gut durchgetrocknet sind, die Stellen, wo die Grundschwelle noch auf Mörtel und Sandstein aufliegt, freizufeilen und dann ebenso zu schließen? Nur dann ergibt ja auch die Sperrbahn Sinn, und bislang wäre so mein Plan.

P.P.S.: Das ganze Problem besteht nur auf einer Breite von ca. 5m.



Mauersperrbahn



Hmm, beide Ideen von dir sind Grenzwertig. Die Mauersperrbahn ist an der Stelle kritisch. Und die Mörtel, die du aufzählst sind allesamt Kalk-Zement-Mörtel mit schönem Namen, wenn ich mich nicht irre. Wirken also auch wie eine Sperre. Die Schwelle liegt dann schlimmstenfalls im Wasser.
In meiner Galerie findest du ein schönes Foto einer Schwelle auf Mauersperrbahn.
https://community.fachwerk.de/index.cfm/ly/1/0/image/a/showPicture/50564$.cfm

Kurzum: Ich würde lediglich mit Kalkmörtel ausfugen. Ohne Sperrbahn.



NHL-Mörtel ok?



Hallo Methusalem,

vielen Dank für die Antwort!
Bei dem Sakret-Produkt weiß ich es gerade nicht, aber Histocal ist auf jeden Fall zementfrei und besteht hauptsächlich aus NHL, sowie Puzzolanen und Kalkbrechsanden. Den könnte ich demnach nehmen?

Faszinierendes Foto! Aber ich verstehe nicht ganz, was die Mauersperrbahn damit zu tun hat? Meine Laien-Vermutung wäre, daß da eher der Ziegel-Überstand ein Problem war/ist.
Also ich brauch jetzt keine Mauersperrbahn für mein Seelenheil, aber ich würde gerne verstehen, warum besser nicht.



Re: Fuge zw. Sandsteinsockel und Grundschwelle sanieren - welcher Mörtel?



Eines vorweg, für eine einzige Fuge einen expandierenden Mörtel (was immer das sein soll?) zu verwenden, ist völliger Unsinn. Was die Schrumpfung beim Abbinden eines "normalen" Mörtels in einer Fuge ausmacht, ist weniger als das natürliche, feuchtigkeitsabhängige Quell-/Schrumpf-Verhalten der Schwelle selbst.

Was die Horizontalsperre unter der Schwelle betrifft, hat Methusalem schon recht. Eine Folie direkt unter der Schwelle einzubauen ist sehr kritisch, weil dann Wasser auf der Folie unter die Schwelle fließen kann.
Richtig wäre, eine Steinreihe unter der Schwelle auszubauen, die Sperre auf der darunter liegenden Steinreihe aufzulegen und die oberste Steinreihe, idealerweise aus saugfähigen Ziegelsteinen, wieder einzubauen.
So kann diese Steinreihe einströmendes Wasser von der Schwelle weg "saugen". Die Fuge zwischen der obersten Steinreihe und der Schwelle sollte genu deshalb mit einem Kalkmörtel (ohne Zement) verpresst werden.
Die Vorderkante dieser obersten Steinreihe sollte bis ca. 1-2 cm unter die Schwelle abgeschrägt werden, damit eben kein Wasser unter die Schwelle laufen kann.
Hier ein schönes Beispiel aus einem früheren Beitrag: https://community.fachwerk.de/index.cfm/ly/1/0/image/a/showPicture/50992$.cfm

Natürlich macht eine Horizontalsperre nur dann wirklich Sinn, wenn sie über die ganze Länge unter der Schwelle eingebaut wird. Was bei 5 m ja auch kein sooo großer Aufwand ist.

Nachträglich editiert: Auf einem Sandsteinsockel KEINE Horizontalsperre einzurichten ist auch kritisch.
Denn gerade Sandstein ist extrem kapillaraktiv. D. h., wenn Feuchtigkeit im Untergrund/Fundament ansteht, zieht sie in Sandstein sehr weit hoch und auch sehr viel. Es kommt halt auch darauf an wie hoch der Sockel bis zur Schwelle ist und wieviel Feuchtigkeit auf dieser Strecke (vom Untergrund bis zur Schwelle) wieder aus dem Mauerwerk verdunstet.

Gruß,
KH



Re: NHL-Mörtel ok?



NHL bedeutet erst mal nur dass es sich um einen natürlichen hydraulischen Kalk handelt. Das sagt noch nix über die Druckfestigkeit aus. In deinem Fall sollte es ein NHL 5 -Kalk sein. Mit dem kann man auch ohne Zement einen Mörtel der Mörtelgruppe 2 (MG II) herstellen.
Siehe z. B. hier: https://www.zkw-otterbein.de/images/Otterbein/Technische_Merkblaetter/TechMerk__NHL/HYDRADUR_NHL_5_de.pdf

Gruß,
KH



NHL-Mörtel u. Mauersperrbahn



Hallo,

auch weiterhin herzlichen Dank für die hilfreichen Beiträge!

Bzgl. der Mauersperrbahn: da habe ich mich offenbar etwas unklar ausgedrückt. Der Aufbau wäre: Steinsockel, darauf 3-4mm Mörtel als Sperrbahnbett, dann Sperrbahn, dann ca. 1-3cm Mörtelfuge, dann Eichen-Grundschwelle. Also das Holz läge nicht direkt an der Sperrbahn. Für eine Reihe Ziegelsteine ist leider kein Platz.

Wenn ich dann doch diese schrittweise Ausfugung mache (also erst Ist-Fehlstellen ausfugen, dann den Rest freifeilen und auch ausfugen), wie lange sollte ich etwa warten, um den Mörtel durchtrocknen zu lassen? Im Produktdatenblatt von Hydradur NHL 5 wird Druckfestigkeit nach Zeit angegeben, und die maximale Druckfestigkeit ist da offenbar erst nach 12 Monaten erreicht. Das überrascht mich dann doch.

Im Datenblatt vom MGIIa-Mörtel wird noch die Biegezugfestigkeit erwähnt. Die wird bei Hydradur nicht erwähnt, aber "dur" deutet ja eher Härte an. Da frage ich mich als Laie, ob eine gewisse Flexibilität nicht wünschenswert wäre, weil die Grundschwelle ja arbeitet? Davon abgesehen scheint Hydradur aber sehr gut zu sein, Danke für den Hinweis! Ich habe jetzt auch mal beim Hersteller angefragt, welches Produkt sie für diese Situation empfehlen würden. Ich werde berichten.

Noch eine Frage zum Sandsteinsockel, die bei Ihrer Erwähnung der Steinfeuchtigkeit aufkam, Herr Hubel: Wäre es sinnvoll, vor dem Sandsteinsockel eine Drainage zu legen? Der Boden ist dort recht lehmig und bleibt lange feucht. Allerdings liest man immer mal von Mauerwerksschäden, weil Leute historische Häuser "trockengelegt" haben. So eine Drainage legt jetzt natürlich nicht gleich alles trocken, aber dennoch würde sich die Feuchtigkeitszufuhr etwas verringern. Haben Sie – oder jemand – dazu eine Einschätzung?
P.S.: Der Sockel ist etwa einen knappen Meter hoch.

Vielen Dank!