Frißt Hausbock auch in Wandbalken?




Hallo,
ich habe mich in ein Fachwerkhaus verliebt, das allerdings aktiv von Schädlingen befallen zu sein scheint.
Eckdaten: Bj. 1861, teilunterkellert, Sandsteinsockel, trocken, seit 3 Jahren unbewohnt, kein Schimmel, Außenverkleidung mit Asbest (vermutlich) Schindeln, innen komplett verputzt, Ausfachung Stroh-Lehm.

Dach) Es gibt im Speicher die größeren ovalen Löcher (Hausbock schätze ich), die kleinen runden Löcher (Anobium punctatum schätze ich) und jede Menge frisches Holzmehl.

Boden) Im ganzen Haus sind Dielenböden (unbeschädigt). In einem Zimmer ist allerdings kein Dielenboden mehr, sondern nur noch die bröslige Überreste. Auf dem Dielenboden lag ein PVC-Boden.

Meine Fragen:
- Ist der Dielenboden Opfer von Schädlingen, oder würdet ihr eher auf Vermoderung aufgrund nicht verdampfbarer Feuchtigkeit tippen? (Unter dem Teil des Hauses ist kein Keller)
- Geht ein Hausbock auch in die Wandbalken, die ich aufgrund der Schindeln außen leider noch nicht sehen konnte. Sprich muss ich hier mit Schäden rechnen?
Ich möchte auf jeden Fall einen Teil der Schindeln abnehmen um mal drunter zu schaun, aber dass es an einer Stelle ok ist, muss ja an anderer Stelle nicht so sein.

Ich würde mich über ein paar Tipps freuen.
Eine Heißluftbehandlung des Speichers kommt laut meiner Einschätzung gut in Frage (alle Balken sind gut zugänglich und noch nicht verbastelt) und das würde ich auch auf jeden Fall machen lassen wollen.
Meine Sorge gilt hauptsächlich dem nicht sichtbaren Holz (Wand).

Vielen Dank,
Jen



Das wird...



...ohne fachkundigen Gutachter vor Ort nicht funktionieren. Grundsätzlich frisst der Hausbock auch da, wo er nicht zu sehen ist.

Dem Dielenboden hat vermutlich die Feuchte durch den dichten Belag darüber ein Bein gestellt, der auch den Weg für Schädlinge freigemacht hat. Eine Sperrebene im Unterbau sollten Sie im EG unbedingt vorsehen.

Grüße

Thomas





Hallo Jen,
Aus Deiner Beschreibung geht nicht hervor,aus welchem Holz das Fachwerk ist. In Eiche geht er meines Wissens nicht rein. Bei Lärche und Kiefer schmeckt ihm vor Allem der Splint. Das ist der äußere, hellere Teil der Balken.Den Kern lässt er meistens in Ruhe.
Der Holzschutzgutachter, mit dem ich in meiner Gegend oft zu tun habe, und den ich sehr schätze, sagt, dass holzschädigende Insekten in Holz das 60 Jahre und mehr auf. dem Buckel hat und trocken ist keinen Schaden mehr anrichten.
Es kann sein, dass trotzdem noch Mehl aus den Gängen rieselt. Es gibt Insekten, die die Frassgänge nach dem Auszug der Schädigenden Insekten besiedeln. Das sind die Nachmieter, die dann erst mal die Bude saubermachen.Z.B. Silberfische.
Gruß aus Nordvorpommern
Ralph



Wie Holzart identifizieren?



Hallo,

@Thomas: Mein Problem ist auch irgendwo noch wenn ich einen Gutachter bestelle (wegen der Wandbalken), dass ich ja vermutlich voher die Fassade Freilegen muss. Ich muss mal sehen wie ich das regeln kann. Das mit den Dielen schätze ich auch eher, dass es von "unten" kommt.


@Ralph
Das mit den "Nachmietern" wäre meine große Hoffnung.
Ja, das mit den unterschiedlichen Schädlingen in unterschiedlichem Holz und das mit dem Alter (das ist aber soweit ich gelesen habe nicht in 100% der Fälle so - sie gehen manchmal wohl auch noch an altes Holz) weiß ich auch, nur: Wie erkenne ich, was es für ein Holz ist? Ich schätze auf Eiche, bin mir aber nicht sicher und habe bisher noch keine gute Seite gefunden wo erklärt wird, wie man ein Stück Holz identifizieren kann.

Ich danke schonmal herzlichst!
Jen





Hallo Jen,
was die holzart betrifft: Da würde ich mir einfach mal anschauen was bei Fachwerk in Deiner Gegend, (Deinem Ort) bei Fachwerkhäusern üblich war. Vielleicht auch einmal mit den Besitzern von anderen Fachwerkhäusern sprechen.
In meiner Gegend war Z.B. Eichenfachwerk in den Außenwänden ( Ausnahme: das Rähm, weil das unterm Dachüberstand witterungsgeschützt ist) und Kiefer in den Innenwänden, der Deckenbalkenlage und dem Dachstuhl der Standard.
Ich repariere viele alte Fachwerkhäuser.Beim Fachwerk schaue ich mir als erstes die Schwelle an, dann die unteren Enden der Stiele, danach die Fensterriegel.
Dass die Fassade mit Schindeln verkleidet ist muß kein schlechtes Zeichen sein. Vielleicht haben das die Vorbesitzer gemacht weil es Mode war. Vielleicht war die Fassade ja nur unansehnlich und sie wurde verkleidet weil Schindeln mit weniger Pflegeaufwand verbunden sind.
So eine Verkleidung hat, wenn sie bauphysikalisch richtig angebracht wird eine Schutzfunktion. (Hinterlüftung!)
Das Heißluftverfahren ist meines Wissens die beste Art die Würmchen zu killen. Andererseits auch sehr teuer. Das würde ich nur anwenden, wenn die Altsubstanz hochgradig wertvoll ist und für diese Maßnahme auch Fördergelder lockergemacht werden können.
Schäden kannst Du auch trotz Schindelverkleidung erkennen wenn Dir Verformungen der Baukubatur auffallen. Z.B. Buckel und Dellen in der Trauflinie und/ oder dem First.

Ralph



Schwelle...



Hi Ralph,

ok, da werde ich mal umfragen. Guter Tip.

Die Schwelle sieht man leider auch nicht, weil das ganz auf einen Sandstein-Sockel aufgebaut ist und die Schwelle schon hinter den Schindeln liegt.

Dellen, Buckel, Risse etc. haben die Wände nicht :)

Was ich machen werde, ist mal ein paar von den Schindeln abmachen, dann schaun wie's drunter aussieht und ob es ein Fachwerk ist, das man Freilegen könnte.
Wenn ja und wenn der Zustand gut aussieht, würde ich es erstmal kaufen ;) dann gerne freilegen, wenn nicht gibt es zwei Varianten, die mir einfallen 1) Asbest Schindeln runter und neue drauf, ich dachte da an die "englischen" Ziegelschindel. Da muss ich mal schaun ob man das vom Ortsbild her darf. oder 2) dranlassen und begrünen.

Da der Speicher über 2 Gechosse geht (1. Stock, plus 2. Stock Spitzdach, komplett begehbar) fällt mir kein besseres Verfahren ein. Mit Chemie will ich da ungerne ran.

Falls noch jemand einen Tipp zur Holzbestimmung hat, freue ich mich! Aber das kann vermutlich auch ein Gutacher um den ich ja eh nicht drum rumkommen werde.

Danke,
Jen



Gerade ein guter SV...



...sollte mit geringstmöglichem Eingriff Erkenntnisse gewinnen können. Dazu müssen Sie nicht die ganze Fassade freilegen. Wenn der Bock frisst, ist es zweitrangig, welche Holzart ihm da schmeckt.

Grüße

Thomas



Schädlingsbefall



Richtig!
Ein vernünftiger SV zerlegt nicht unbedingt die halbe Bude.
Was Hausbock und Konsorten betrifft, diese nehmen, wenn nicht gerade entsprechendes da ist, jedes Holz, ob Uralt oder neu, Feucht oder Trocken, das dumme ist diese Biester kennen unsere Theorien nicht und können nicht lesen.





Hallo Jen,
Es würde mich interessieren ob Dein Holzschutzgutachter die Erkenntnisse von meinem bestätigt oder widerlegt.*
Ich bin Zimmerer und habe schon viele Fachwerkhäuser repariert ( restauriert darf ich nicht sagen, sonst fühlen sich die Restauratoren auf den Schlips getreten).Meine praktischen Beobachtungen decken sich mit den theoretischen meines Holzschutzgutachters.
* aber man lernt ja nie aus!!!
Gruß aus Nordvorpommern
Ralph