Fragen zur Erneuerung Schieferfassade auf Lehmfachwerk mit leichter Dämmung

27.12.2020 BauerErnst


Hallo, wir haben vom Großvater den Hof übernommen und wollen nun die alte schadhafte Schieferfassade am Haupthaus erneuern und gleichzeitig diese Fassade leicht dämmen.

Die betreffenden Fassaden sind am 2. Stock und am Dachgeschoß, sie bestehen aus Lehmfachwerk ca 15cm dicke Wände.
Probleme mit Feuchtigkeit gibt es innen keine, außen ist der Zustand unter der alten Holzverschalung nicht bekannt, das wird man erste beurteilen können, wenn die alte Fassade abgenommen wird.

Meine Frage ist nun:

Wie ist der korrekte Aufbau einer solchen Dämmung und dem abschließenden neuen Schiefer? Welche Materialien empfiehlt man auf solch altem Lehmfachwerk ? Das Haus soll nicht "kaputt-gedämmt" werden!
Energiekosten stehen nicht im Vordergrund, da wir jede Menge Wald besitzen und seit vielen Jahren mit eigenem Holz heizen, (Holzvergaser und Kachelöfen)

Unser Dachdecker hat folgenden Aufbau geschildert:
1. Lattung aufbringen
2. Fassadendämmplatten zwischen Lattung einbringen
3. Konterlattung
4. Rauspundschalung
5. eine Lage Pappvordeckung
6. Schiefer

Bitte vielmals um Meinungen und Hinweise zu unserem Vorhaben,

Vielen Dank und eine schöne Weihnachtszeit!!!



Genau so gehts.



Hallo BauerErnst,

Genau so wie es Ihr Dachdecker beschreibt hat es der Zimmerer auf meiner letzten Baustelle auch gemacht. Als Dämmplatte verwendete er Holzweichfaserplatten.
Achten Sie nur darauf, dass die Hinterlüftung (= die Ebene der Konterlattung) rundum von allen Seiten mit einem feinmaschigen Gitter, oder Lochblechstreifen gut verschlossen wird, damit keine Untermieter (Mäuse, Bilche, Vögel, Wespen, usw.) einziehen können!

Unabhängig davon dass Sie jetzt schon sehr geringe Heizkosten haben, sollte die Dämmung aber trotzdem so dick werden, dass es zum Einen überhaupt wirtschaftlich sinnvoll ist eine Dämmung anzubringen und zum Anderen, Sie wissen wahrscheinlich selbst am Besten wieviel Arbeit es ist bis das Brennholz aus dem Wald geholt und ofengerecht eingelagert ist. Schon aus dem Grund macht eine gute Dämmung Sinn.
Mal abgesehen von den zukünftigen Vorschriften zum Holzheizen (Thema CO2-Abgabe, usw.) und im Hinblick darauf, dass wir alle nicht jünger werden, ist man irgendwann um jeden Ster weniger froh.... ;-)
Sagt einer der nicht nur, aber auch mit Holz heizt.

Gruß aus Rheinhessen,
KHH



Schieferfassade erneuern



Bei Außendämmung können Gebäude nicht kaputtgedämmt werden- egal wie hoch die Dämmstärke ist.
Bei zu wenig Dämmung steigt eher die Möglichkeit von Kondensatentstehung und in der Folge mögliche Schimmelbildung.
Zudem bleibt der Aufwand und auch die Kosten bei dickerer Außendämmung fast gleich gegenüber wenig Dämmung.
Wenn der Platz begrenzt ist können zB Stegträger, darauf Schalbretter mit außenseitiger, diffusionsoffener Unterspannbahn, Zellulosedämmung und dann direkt die Schieferplatten ohne Hinterlüftung verwendet werden, wie es auch bei Dächern möglich ist.



Danke für Antworten, aber weitere Fragen...



Vielen Dank für die Antworten! Allen noch ein Gutes Neues Jahr !!!

1. Zur Antwort von @AndreasTeich:
Ich benötige da noch etwas Erklärung, warum ein Haus, daß mehr als 100 Jahre ohne Dämmung keinerlei Feuchteschäden durch z.B. Taupunktproblematik etc. erlitten hat mit einer "leichten" Dämmung einem größeren Risiko ausgesetzt ist, als ohne oder einer "dicken" Dämmung. Da fehlen mir die Fachkenntnisse, könnten sie mir da bitte noch etwas dazu erläutern ? Vielen Dank

2. Zum Aufbau auf das alte Fachwerk:
Wir gehen davon aus, daß es doch recht bröckelig am Putz, der auf dem Lehmfachwerk ist, zugeht.
Empfiehlt es sich diesen Putz auf dem LehmFachwerk wieder tadellos herzustellen, reicht eine mit passenden Materialien wiederhergestellte Reparatur, bevor die weiche Holzfaserdämmung zwischen die Rahmung eingebracht wird ? Oder könnte man sich nur auf die Abdichtung der Gefache konzentrieren und darauf direkt mit der Dämmung aufbauen ? Im Bereich des nicht ausgebauten Dachbodens kann man innen noch an das blanke Lehmfachwerk ran im 2. OG geht das nicht, da im Inneren eine recht aufwendige hochwertig gestaltete Holzverkleidung bis ca zur halben Raumhöhe vorhanden ist, die auf jeden Fall zu erhalten ist.

Vielen Dank für weitere Hilfestellungen.



Außendämmung auf fachwerk



Hallo BauerErnst,

ich beziehe mich jetzt nur auf Ihre zweite Frage, zur ersten lerne ich vielleicht auch noch etwas dazu. ;-)

(Zitat) "Wir gehen davon aus, daß es doch recht bröckelig am Putz, der auf dem Lehmfachwerk ist, zugeht. Empfiehlt es sich diesen Putz auf dem LehmFachwerk wieder tadellos herzustellen, reicht eine mit passenden Materialien wiederhergestellte Reparatur, bevor die weiche Holzfaserdämmung zwischen die Rahmung eingebracht wird ?" (Zitat Ende)
Jetzt kommt mal wieder die Universalantwort: Es kommt darauf an.......
Und zwar, wie bröselig der alte Lehmputz ist und/oder wie tief die Ausfachungen/Gefachfüllungen bröseln.
Denn, die vorgesehene Dämmung sollte hohlraumfrei auf der Wandfläche liegen/kleben/montiert werden.
Verbauen Sie sehr weiche und flexible "Holzflex"-Platten, z. B. Steicoflex, können Unebenheiten von 2-3 cm bleiben.
Kommen eher festere HWF-Platten, z. B. Steico Protect, o. ä., zum Einsatz darf die Fläche keine Löcher und/oder kurzwellige Unebenheiten haben. Den diese Platten sind sehr steif.
Stehen die Fw-Balken gegenüber den Ausfachungen vor, oder umgekehrt, sollten Sie eine ebene Fläche herstellen.
Die muss nicht besonders akurat und glatt sein, aber eben, damit die Platten über die gsamte Fläche vollflächig anliegen.
Wenn Sie eine Einblasdämmung vorhaben, dann brauchen Sie nur allen losen Putz entfernen.
Kurz gesagt, das Augenmerk auf "hohlraumfrei" legen.
Egal wie dick oder dünn die Dämmung werden soll.
Natürlich sollten alle Ausfachungen stabil sitzen.
Müssen Sie diese noch stabiliseren, können Sie das auch nur von aussen machen.
Öffenen Sie dazu die Anschlussfugen zu den Balken so weit als nötig und füllen Sie die Fugen mit Strohlehm neu.
Falls die Ausfachungen in Stakung und Flechtwerk sind und die eine oder andere Stake lose ist, können Sie die mit Edelstahlschrauben schräg in den Balken fixieren.
Wenn diese Füllungen sehr dick ist, bzw. bis tief rein gehen, können Sie sie während der Trocknung noch nachverpressen (geht mit einem kurz abgeschnittenen Fugeisen gut) , damit nicht gleich wieder Schrumpfrisse entstehen.

Gruß,
KHH



@KHH



Vielen Dank für ihre sehr einleuchtend erklärte Antwort.



Bald beginnt der Abbau der Schieferfassade und dann...



... kommen ggf. die ersten Probleme auf uns zu.

Wie bereits geschrieben erwarten wir einen recht bröseligen Putz und gewiß auch angebröckelte Lehmgefache :-( ...

Da ja eine Dämmung aus Holzweichfaserplatten unter die neue Schieferfassade eingebracht werden soll, muß vorher eine gerade Fläche geschaffen werden.

Was wir wissen, es ist ein Kalkputz vorhanden, darunter das Lehmgefach.

Der Lehm muß ja eine recht lange zeit trocknen, bevor die Dämmung drauf kann. Was könnte man noch verarbeiten, um die Fassadenarbeiten mit der Trocknung nicht zu arg in die Länge zu ziehen ???

Ich stelle mir vor, hauptsächlich die Gefache zu stabilisieren und rundum mit Lehm abzudichten.

Gibt es eine weichere, anschmiegsamere Dämmmatte, die man dann noch zwischen die unebene Gefachflächen und der Holzfaserdämmung einbauen könnte, damit keine Hohlräume entstehen ???

Die Gefache werden dann später nach und nach auch von innen renoviert, wenn von außen alles zu ist.



Unebene Gefachfläche



" Der Lehm muß ja eine recht lange zeit trocknen, bevor die Dämmung drauf kann. Was könnte man noch verarbeiten, um die Fassadenarbeiten mit der Trocknung nicht zu arg in die Länge zu ziehen ???"
Egal mit was du die Löcher/Unebenheiten auffüllst, alles muss erst vollkommen austrocknen.
Mit Lehm bleibst du halt "im System" und erhälst die Kapillarität und Diffussionsfähigkeit der Ausfachungen bis direkt hinter die (neuen) Dämmplatten. Verwendest du stattdessen z. B. einen Kalkputz, setzt du diese Eigenschaften etwas runter. Bei der Witterung und den Temperaturen trocknet der Lehm außen recht schnell.

"Gibt es eine weichere, anschmiegsamere Dämmmatte, die man dann noch zwischen die unebene Gefachflächen und der Holzfaserdämmung einbauen könnte, damit keine Hohlräume entstehen ???"
Schau mal, ob du damit hin kommst:
https://www.udidaemmsysteme.de/udi-systeme/fuer-die-fassade/udireco-system/

Gruß,
KH



Steico flex ?



ist das Steico flex auch so "anschmiegsam" ??? Oder was gäbe es denn noch für Produkte ohne Putzträgerplatte ? Das soll ja unter das Schiefer...

Vielen Dank



Re: Steico flex ?



"...ist das Steico flex auch so "anschmiegsam" ???..."
Ja, ist es.
Nur musst du das mit einer diffusiondoffenen Unterspannbahn (z. B. pro clima Intello) rundum winddicht "einpacken", weil es so wenig verdichtet/gepresst ist, dass die Kaltluft (die durch die Hinterlüftung rein zieht) durch pfeift. Der Dämmeffekt wäre ohne die Unterspannbahn/Winddichtung dahin.




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