Fragen zu Putz und Spachtelei

25.03.2018 Skrei



Hallo zusammen,

demnächst gehts ans putzen und da stellen sich mir noch ein paar Fragen.
Die Wände sind ein Mischmasch aus Bruch- und Backsteinen. Die Wände würde ich mit einem Drahtbesen grob von losem Material befreien und dann mit einem Zementmörtel vorspritzen. Im nächsten Schritt mit Kalkzementputz (Hagalith FF, Weberdur 110, etc.) putzen und als Decklage Kalkputz, selber gemischt mit Weißkalkhydrat. Soweit der Plan.
Meine Fragen wären nun, ob man ein Gewebe einarbeiten sollte? Wenn ja, in welche Schicht? Und wie stark sollten die jeweiligen Putzschichten mindestens sein?

Die nächste Frage bezieht sich auf das spachteln einer Kappendecke. Da habe ich in zwei Räumen den Putz der Kappen ausgebessert und möchte diese nun spachteln, um eine optisch ansprechende Decke hinzubekommen. Meine Frage wäre nun, welche Spachtelmasse sich dafür eignet? Ein Raum ist übrigens das Bad und auch die Dusche befindet sich unter der Kappe. Deswegen wäre es sicher von Vorteil, wenn die Spachtelmasse unempfindlich gegen Wasser ist. Für andere Ideen/Vorschläge bin ich natürlich auch zu haben.

Gruß, Steven





Für dein Vorhaben sei zunächst die geneigte Lektüre der "Kalkregeln" empfohlen.
Da steht (fast) alles drin.


https://www.baubiologie.de/downloads/kalkputzregeln.pdf

Machst du einen Innenputz?

Den "Vorspritz" kannst du auch mit einer Baustellenmischung erledigen. Auf wenig saugfähigen Untergrund ggf. auch mit Zement oder hydraulischem Kalk (1 Raumteil Kalk, 1 Raumteil Zement, 6 Raumteile grober Sand).


Für höhere Festigkeit hat sich traditionell der Zuschlag von Puzzolanen in Form von Ziegelmehl (Tennissand) zum Kalkmörtel bewährt.

Ein Gewebe mus man auf Mauerwerk nicht unbedingt verwenden. Ansonsten wird ein 10 x 10 mm in den freigestellten Unterputz eingebettet.

Traditionell wurden auch gerne Tierhaare oder Pflanzenfasern zum Mörtel dazugegeben. Ich verwende da beispielsweise Fasern aus zerschnittenem (bis 60 mm) Kokos-, Sisalstrick oder Hanfwerg (zwei Hände voll auf den 80 Liter Kübel für den Unterputz).

Die Dicke der Putzlagen richtet sich nach der "Drei-Korn-Regel" und wird durch das Größtkorn vom Putzmörtel bestimmt. Mindestdicke ist demzufolge die zweifache Kornstärke, die Maximalstärke sollte die fünffache Körnstärke nicht überschreiten. Also mit 0/4 könntest du bis zu 20 mm ausgleichen.

Für den Kalkanstrich kannst du im Biberbaumarkt einen Kübel Sumpfkalk kaufen.

Für die Decke kannst du Kalkglätte spachteln. Eine Ausgleichslage mit Feinmörtel aufziehen und frisch in feucht mit Kalkglätte dünn (!) überziehen (Verbrauch gering um 0,2 kg / Quadratmeter).

Da hasst du eine "glatte" Fläche ohne sichtbares Korn. Oder Feinputz (0,5 oder 1 mm Korn) und Anstrich mit Kalkfarbe.

Für die Feinputze ist die Firma "Hessler-Kalk" empfehlenswert. Hier die Produkte HP 90 und HP900.

Diese Flächen können auch mit Pflanzenseife (Lösung aus 20g Seife / Liter Wasser) "hydrophobiert" werden.

http://www.kreidezeit.de/Themenblaetter/Geseifter-Kalk.pdf



Innenputz



Hallo Mario,

vielen Dank für die ausführliche Antwort und die Links, hab ich mir gleich mal etwas Lesestoff ausgedruckt.
Den Bieber-Sumpfkalk hatte ich schon auf dem Schirm, wie sieht es da mit Farbzuschlägen aus? (Falls Frau Gemahlin da Wünsche vorbringen sollte)
Wenn man sich das Gewebe sparen kann, würde ich das natürlich vorziehen, da ist es sicher einfacher wenn ich mir paar Hanffasern reinschnippel. Oder gibt es auch Fasern die schon fix und fertig käuflich zu erwerben sind? Der Zuschlag von Ziegelmehl erfolgt wohl auch eher "frei Schnauze"?
Die Hessler-Feinputze hab ich mir mal angeschaut, die Beschreibung macht nen guten Eindruck und ich denke das passt so für mich. Wobei ich nicht unbedingt eine "kornfreie" Fläche haben muss, mir geht es eher um eine homogene Fläche an den Kappen und das ich die Putzausbesserungen ohne große Mühe überdecken kann. Das ausbessern des Putzes war schon bissel ne Fummelei, wenn ich da die ganze Decke spachtel, sollte das schon etwas einfacher von der Hand gehen, zumindest so, dass mir keine grauen Haare wachsen.



Kalkputz und -malerei



Der Bieber-Sumpfkalk ist gut und preiswert. Der ist auch sehr weiß, habe ich selber schon an der Fachwerkfassade verarbeitet.

Das Thema Kalkfarbe ist ein eigenes. Man streicht halt die frischen Flächen einmal weiß vor, da hat man die beste Haftung da die dünne Farbschicht gemeinsam mit dem Putz erhärtet. Auch farbige Anstriche werden weiß unterlegt, was diesen mehr Strahkraft verleiht.

Die Abtönung kann mit kalkechten Pigmenten erfolgen. Die Menge ist auf den reinen Kalkteig mit 5 Volumenprozent oder 10 Gewichtsprozent begrenzt.

Da der Kalk ebenfall Weißpigment ist sind nur Aufhellungen bis zu kräftigen Pastelltönen machbar.

Wobei Eisenoxide in Kalk die höchste Färbekraft haben.

Manchmal ist es nützlich noch Marmormehl all Füllstoff beizumischen, Kasein oder Methylcellulose (Methylan, Glutolin L) als zusätzliches Bindelmittel.

Bei Interesse kannst du mal hier gucken, da sind auch schon Rezepte. Ansonsten können wir das hier gerne noch weiter vertiefen.

https://www.fachwerk.de/fachwerkhaus/wissen/luftkalkputz-oder-wasserkalkputz-266900.html

Mit der Kalkaseintechnik sind praktisch Volltöne machbar, da hier das Pigment ausschließlich mit Leim aus Milcheiweiß (Kasein) besteht der mit Kalk aufgeschlossen wurde.

Bei den Zutaten und kannst du auch mal bei kalkladen.de gucken. Da gibt es auch "fertige" Fasern und auch die "Hessler" Putze in Kleinabfüllung wenn man es erstmal probieren möchte. Der Versand ist recht schnell.
Wenn man die Staffelpreise nutzt auch recht günstig.

Ziegelmehl wird mit bis zu 30 Prozent vom Kalk hinzugegeben (1 Raumteil Kalk, 3,5 Raumteile Sand, 0,2-0,3 Raumteile Ziegelmehl. "Wasserfeste" Putze wir der Venezianische Stuck werden auch mit großeren Ziegelmehlmengen abgemischt (1 Raumteil Kalk, 2 Raumteile feiner Sand, 1 Raumteil Ziegelmehl.

Da findet man unter dem Begriff "Coccio Pesto" mehr infos.

Das 0,5 mm Korn als "grober Kalkspachtel" ist eigentlich immer gut. Kalkglätte (0,03 mm Korn) funktioniert nur auf frischen Grudputz oder Ausgleichslagen (nass in feucht) da die dünne Kalkschicht sonst schnell aufbrennt.

Besser wäre es dann beispielsweise den Wandspachtel (Fa. Kreidezeit) zu verwenden, der enthält wasserükhaltente Zuschläge (Perlite und Zellullose), der ist dann wie so ein "gewöhlicher" Flächenspachtel, nur auf Kalkbasis auch auf Null aufziehbar.



Farben und Spachtel



also mehr als Pastellfarbe wird es so oder so nicht, in dem Fall würden mir die Pigmente völlig reichen.
Danke für den Tip mit dem Kalkladen, da gibts ja so einiges was man gut gebrauchen kann.
Der Wandspachtel von Kreidezeit lässt sich dann auch hydrophobieren, oder?



Kalkspachtel



Den Wandspachtel kannst du mit Kalkfarbe Streichen und spätestens 24 Stunden später mit der Seifenlösung bestreichen.

Altputzflächen kann man auch mit einer Seifenlösung (allerdings nur 2 g /Liter) "grundieren" und in die noch Feuchte Fläche mit der Kalkglätte arbeiten.

Dieses "Vorseifen" setzt kurzfristig die Saugfähigkeit herab.

Was passieren kann wenn du "Altputzflächen" nur dünn überarbeitest, dass färbende Salze ("Wasserflecken") durch die frische Schicht diffundieren.

Da hilft dann vorgängig eine Grundierung mit verdünnten Schellack.



Alles beisammen



Nochmals vielen Dank an dich für die ganzen Infos, da sollte ich jetzt gut mit zurecht kommen.

Gruß, Steven



Steinsand



Mario, beim stöbern im Forum bin ich noch über einen Beitrag gestolpert, den ich interessant fand und der deshalb doch noch zu einer Frage führt.
In dem Beitrag wurde Steinsand als sehr gute Basis für Kalkputz angepriesen, da leichter und scharfkantiger als normaler Sand. Kannst du das so bestätigen?

Gruß, Steven



Steinsand?



Die Auswahl der "richtigen" Zuschläge zum Kalkputz ist auch ein weites Feld.

Das wir nun aber nicht für jede profane Anwendung, vollständig erforschen müssen.

Allen "Baustellenmischungen" ist gemein, dass sie aus heimischen Sanden bestehen.

Du meinst sicher Brechsande wie sie in jedem (Kalk-) Steinbruch angeboten werden.

Prinzipiell ist jeder gemischtkörnige Sand ausreichend geeignet um damit einen Putzmörtel zu erstellen.

Das können "scharfkantige" Brechsande oder eben Grubensande sein, die ebenfalls auch als "scharfer" Sand bezeichnet sein. "Runde" Flussande müssen aber auch nicht ungeeignet sein.

Optimaler Weise ist ein "guter" Putzsand dadurch gekennzeichnet, dass der ausreichend vorhandene Feinanteil, die Zwischenräume im gröberen Korngerüst auffüllt und somit ein "dichtes" Gefüge der Putzmasse gewährleistet.

Und in der Tat werden in der Literatur erwähnte geeignete "Normalsande" durch ihr mittleres Schüttgewicht (1,55 Kilo / Liter) klassifiziert.

Letztlich immer alles eine "Kompromisssuche" zwischen Anforderungen aus Haltbarkeit, Wertigkeit und ökonomischer Machbarkeit.

Hier hatten wir das Thema beispielsweise schon mal im Zusammenhang vertieft.

https://www.fachwerk.de/fachwerkhaus/wissen/kalkputz-einlagig-sinterschicht-kalkfarbe-271103.html

Wichtig auch immer an die "wassersparsame" Verarbeitung denken, dass ist für die Festigkeit genauso bedeutsam und erfordert ein inniges Mischen.

Schaue einfach mal in der Umgebung nach (günstigen) Angeboten. Mauersande (0/2 oder 0/4 mm) sind in aller Regel hinreichend geeignet.

Für weitere "Forschung" sei die in ihrem Umfang vom Kenntnisstand bisher unerreichte Darstellung des Herrn Heinrich Burchartz empfohlen.

Dankenswerter Weise ist dieser "Wissensschatz" jetzt "frei" verfügbar.

Ab Seite 23 wird dort zu Sandzuschlägen ausgeführt.

https://archive.org/stream/LuftkalkeUndLuftkalkmrtel/Luftkalke_und_Luftkalkmörtel#page/n5/mode/2up



Sand



ja ich meinte den dunkelgrauen Steinbruchsand. Den kannte ich bis vor kurzem gar nicht, bin erst durch das Verlegen der Trinkwasserleitung damit in Berührung gekommen. Und so rein "konsistenzmäßig" fand ich den ziemlich gut. Da ich diesen aus dem örtlichen Steinbruch günstig beziehen kann, wäre das eben ne gute Alternative. Ich wollte sowieso erst ne Ecke zur Probe putzen, da werde ich dann ja merken wie ich damit zurecht komme.

Gruß, Steven



Natursteinkörnung



Mit Natursteinsanden, kannst du ja dann in der Tat "Steinputze" herstellen. Da werden Natursteinkörnungen zu Mörtel verarbeitet und die abgebundenen Oberflächen werden dann mit Zahn- oder Scharriereisen, steinmetzmäßig bearbeitet. Ganz so damit der Betrachter meinen könnte, die so gestalteten Mauern wären als Monolith so aus dem Fels gesägt worden. Also wenn du später mal noch die Erichtung eines Mausoleums im Garten planst, kann man darauf nochmals zurückkommen.

Was ist es denn für ein Gestein? Grau, Granit? Du musst halt gucken, je nach Feinheit, kann solchrs "Vulkangestein" mit Kalk hydraulisch Erhärtungsreaktionen bewirken. Da sind schon die Römer früher drauf gekommen und haben aus diesem "Beton" in vorindustrieller Zeit die "Ewige Stadt" errichtet.



Steinputz



Ok, wenn sich also meine Urahnen noch an meiner "Kunst" erfreuen sollen, kann ich auf den Steinsand zurückgreifen.
Woraus genau der besteht weiß ich nicht, müsste ich im Steinbruch erfragen. Er ist relativ fein und ziemlich dunkel.
Da ich für die Außenarbeiten eh was von dem Zeug brauche, werde ich auf jeden Fall mal testen, wie sich der Sand in Verbindung mit Kalk so verhält.

Gruß, Steven



Natursteinkörnung



Ich habe gerade in der Studienarbeit von Robert Wacha, Fugensanierung in der Ruinenpflege, Krems 2009, gelesen das schon im 15. Jahrhundert Granitsand zusammen mit Fluss- oder Grubensanden gemischt bei der Mörtelbereitung verwendet wurden.

Also gibt es auch empirische Nachweise dafür das eine Mischung durchaus brauchbar sein kann.



Ruinenpflege



Das passt ja.........:-)
Nein.....so schlimm isses nu wirklich nicht. Ich weiß jetzt auch inzwischen, dass es sich um Granitsand handelt. Habe auch noch paar Krümel auf dem Hof zusammengekratzt....der Sand ist sehr gemischtkörnig. Ein Drittel ist relativ groß, denke so bis ca. 2,5mm und die anderen zwei Drittel relativ klein. Da ich mir eh von beiden Sanden, also Granitsand und Feinkies, ne Fuhre hole, werde ich auf jeden Fall auch mal ne gemischte Variante probieren. Mir schwebt da jetzt in etwa das vor: Vorspritz mit Granitsand, Grundputz gemischt und deckputz mit Maurersand. Mal kucken was bei rumkommt.