Fragen zu Kalkputz als Innenputz

10.03.2014



Wertes Forum,

ich habe Fragen zu Kalkputz als Innenputz. Mit Kalkmörtel (Sand+Luftkalk) habe ich beim Ausmauern von Gefachen bereits gute Erfahrungen gemacht.
Nun soll Innenputz eingebaut werden. Dazu habe ich schon Einiges gelesen. Mein Kenntnisstand bzw. meine geplante Vorgehensweise ist wie folgt:

- Herstellung eines Unterputzes mit Sandkörnung 0-2mm und
Mischungsverhältnis Kalk : Sand von 1:3
- Auf den feuchten Unterputz (nächster Tag) Aufbringen
eines Feinputzes (Dicke 2-5mm) mit Sandkörnung 0-1mm und
Mischungsverhältnis Kalk : Sand von 1:3

Ist an dem Vorgehen etwas zu bemängeln? Weiterhin habe ich folgende Fragen:

- Bisher habe ich den Kalkmörtel immer per Hand mit dem
Spaten angerührt, d.h. Sand und Kalk trocken gemischt und
dann eingesumpft (Wasserzugabe). Kann man bei
Wasserzugabe auch mittels Maschine rühren oder rührt man
dort etwas „tot“?
- Sand der Körnung 0-1mm ist recht schwer zu beschaffen.
Kann man dafür auch QuarzSand verwenden (hat die
benötigte Körnung und ist im Baustoffhandel gut
verfügbar)?
- An einigen (wenigen) Stellen bräuchte ich eine recht
dicke Putzschicht (bis 4cm). Kann man den Putz so dick
realisieren (evtl. durch zeitlich versetztes Aufbringen
von 2 Lagen a 2cm Unterputz)? Wo sehen die Fachleute die
minimal und die maximal mögliche Putzdicke?
- Als Putzträger auf den Fachwerkbalken wollte ich
Schilfrohrmatten verwenden. Wo kann man diese Matten
(Breite ca. 30cm auf Rolle?) beziehen? Die Matten plane
ich mit verzinkten Nägeln in den Mauerwerksfugen (nicht
auf den Balken) zu fixieren. Ist das so korrekt/ sinnvoll?

Beste Grüße aus Thüringen

M. Fischer



Innenputz



Normalerweise wird Innenputz einlagig mit ca. 10 mm Stärke aufgetragen. Falls unterschiedliche Wandmaterialien vorhanden und die Flächen nicht eben sind müssen Sie erst einmal die vorhandenen Wandflächen mit einem Egalisierungsputz vorbereiten. Der sichert auch ein gleichmäßiges Saugverhalten und eine gleichmäßige Haftung.
Kalkputz selber zu mischen geht auch mit dem Freifallmischer, also ohne vorheriges Einsumpfen. Die Konsistenz und Geschmeidiigkeit hängt auch von der Sieblinie des Zuschlages ab.
Beachten Sie die alte Putzerregel:
Der Untergrund muß immer härter sein als die Putzschicht die darauf kommt. Ich empfehle Ihnen in den Egalisierungsputz etwas Zement beizufügen. Die Körnung des Zuschlages kann je nach Untergrund auch höher gewählt werden.
Noch etwas: versuchen Sie nicht den Putz möglichst dick in einem Auftrag anzubringen, lieber in mehreren, dünnen Aufträgen und mit flüssigerem Putz mit der Kelle anwerfen.



Mörtelwerk



Wenn Sie ein Mörtelwerk in der Nähe haben, dann lassen Sie sich am besten die benötigte Menge direkt anliefern ( teurer) oder holen sie es sich PKW-hängerweise selber ab.
Das kostete mich zuletzt ca 50€/m³ - in immer konstanten Mischungsverhältnis. Denn das wird man beim selbermischen nie erreichen.
Der Mörtel wird leicht feucht geliefert und kann gut abgedeckt wochenlange auf dem Hof lagern.



Kalkputz



Hallo,

zur Frage der Dicke: sie können so viele Lagen putzen, wie die Statik des jeweiligen Bauteiles hergibt. Also ist auch ein 10 cm dicker Putz in 6 Lagen denkbar. Aber wofür ?
Putzträger: Gibt es bei HISS und in jedem Naturbaustoff-Laden.
Ich würde für Kalkputz aber vorzugsweise Drahtziegelgewebe nehmen. Mineralisch unter mineralisch ist mir irgendwie sympathischer. Es gibt keinen "vernünftigen" Grund, sollte jemand danach fragen.

Grüße vom Niederrhein



Danke + Sand für Feinputz?



Werte Fachleute,

Danke erst einmal für alle Antworten. Kann noch jemand etwas zu der Fragestellung des Sandes für den Feinputz sagen. Ich dachte da ja an Quarzsand. Sind da Probleme zu erwarten? Gibt es leicht beschaffbare Alternativen?

@Hr. Böttcher
Die Egalisierungsschicht macht sicherlich Sinn. Hier im Forum wird jedoch immer darauf verwiesen keinen Zement mit dem Holz des Fachwerks in Verbindung zu bringen. Kann auch ein etwas höherer Kalkanteil für den Unterputz verwendet werden?

@Hr. Puruckherr
Die Lösung mit dem Mörtelwerk ist sicherlich optimal (gleichbleibende Qualität). Ich werde mal sehen, ob es ein Werk bei mir in der Nähe gibt.

@Hr. Beckmann
Der Vorschlag des Drahtziegelgewebes ist sehr gut. Ich denke, dass der Putz an den Ziegelelementen besser haftet als an einem Schilfrohr.

Danke nochmal bis dahin an alle Antwortenden.

Beste Grüße aus Thüringen

M. Fischer



Kalkputz



Mir wurde beigebracht, maximal 3-fache Kornstärke als Putzschicht und immer 0 - x, da es wichtig sei, das auch Mehl und kleine Korngrössen vorhanden sind, damit es "zusammenhält".

Ob sich Quarzsand eignet weiss ich nicht wirklich. Ich habe aber eine Testfläche mit Quarzsand und Mehl erstellt, die ist gut rausgekommen, hat uns aber optisch nicht so zugesagt.

Leider kenne ich mich in Thüringen nicht aus. Ich habe meine Spezialmischungen bei Heidelberger Zement gekauft. Die produzieren fast alle Körnungen und das Werk Istein ist in unserer Nähe.

Viel Erfolg und liebe Grüsse
Nicole



Kalkputz



Putzträger auf Fachwerk:
Schilfrohr oder Streckmetall...ich würde da immer im historischen System bleiben, da sich gerade bei den dünnen Fachwerkwänden, temperaturbedingt, Kondenswasser am Metall bilden kann.

Ausgleichsputz:
Bei 4cm sollte man schon mehrlagig arbeiten. Da bietet sich die freskale Technik an. Sobald der Kalkputz angesteift ist sollte mann die nächste Lage aufbringen. Je nach Bedingungen kann da eine Nacht warten schon eine all Secco Technik erfordern. Das würde bedeuten den Putz austrocknen zu lassen bevor man die nächste Putzschicht aufbringt.
Ein Ausgleichsputz von zwei oder mehr Lagen a 2cm benötigen eine Sieblinie von 0-7mm. Den muss man sich allerdings selbst zusammenstellen oder zusammenstellen lassen. Quarzsand ist auf jeden Fall eine Nulllinie+Mauersand 0-3mm und Split kann man auch selbst eine brauchbare Sieblinie erzeugen. Oder eine Mischung aus 1 Teil Quarz oder Silbersand, 3 Teile Flusssand und 1 Teil Estrichsand (wobei die Runden Größtkörner vom Estrichsand nicht ganz so optimal sind)...ohne Gewähr, da die Sieblinien für einen guten Kalkputz echt wichtig sind. Wichtig ist auch, dass die mittleren Korngrößen überwiegen und Anteilig nach Null- und Größtkorn abnehmen.
Auf Zementanteile sollte man verzichten, da man zum einen die alte Putzregel von härter nach weicher schnell mal auf den Kopf stellt und zum anderen die Feuchtigkeitsverteilung und Abgabe des Wandaufbaus negativ beeinflusst.
Entscheident ist dann letztlich wie sorgfältig man den Putz nachbehandelt, denn einfach, zweifach, dreifach aufgeworfen, abreiben und trocknen lassen führt in der Regel zu einem mangelhaften Kristallgefüge
...da fallen mir noch viel mehr Dinge ein...z.B. das Ausgleichputze auf historischen Fachwerkwänden doch oft mit Lehmputz ausgeführt werden...(den kann man auch in größeren Putzstärken auftragen)...



Putz



Holz und Zement vertragen sich sehr gut miteinander, das ist aber nicht das Problem.
Egal ob Kalk oder Zement im Putz, das Verbandholz bei Fachwerk sollte vom Putz entkoppelt werden da die Verformungen des Holzes sonst zu Putzrissen führen.
Der Zementanteil sichert die Anfangsfestigkeit des Unterputzes und macht die Standzeit nicht von der Carbonatisierungsdauer abhängig. Das ist bei dickeren mehrlagigen Putzaufträgen von Vorteil.
Eine passende Sieblinie des Zuschlages einzustellen (und die Rezeptur für jede Mischung einzuhalten) ist eine Sache des Gefühls und der Erfahrung, wenn man nicht auf fertig gemischte Produkte zurückgreifen will. Für kleinere Flächen bzw. mehrere Einzelflächen ist selbst gemischter Putz kein Problem, ich mache das auch. Aber bei größeren Flächen sind fertiggemischte Putze einfach besser handhabbar.



Ergänzende Fragen Kalkputz



Werte Fachleute,

Danke für die umfangreichen, fundierten und ergänzenden Antworten.

@Nicole

Danke für die einfache Regel bzgl. der Korngröße des Zuschlages und die Mitteilung Ihrer persönlichen Erfahrungen.

@Emzet

Sie scheinen sich mit Kalkputz vertieft beschäftigt und hier eingehende Praxiserfahrung erworben zu haben. Zwei ergänzende Fragen:

1. Um Missverständnisse auszuschließen: Sie würden also Schilfrohr als Putzträger verwenden? Was halten Sie vom Ziegeldrahtgewebe? Streckmetall hatte ich selbst schon ausgeschlossen.

2. Was meinen Sie mit:
"Entscheident ist dann letztlich wie sorgfältig man den Putz nachbehandelt, denn einfach, zweifach, dreifach aufgeworfen, abreiben und trocknen lassen führt in der Regel zu einem mangelhaften Kristallgefüge"
Wie sieht die Nachbehandlung aus? Welche praktischen Konsequenzen hat das mangelhafte Kristallgefüge?


@Hr. Böttcher

Danke für Ihre Hinweise. Die Wirkung des Einsatzes des Zementes ist einsichtig. Ich würde jedoch gern bei ausschliesslich Kalk bleiben, da hierbei bzgl. der Sorption/ Desorption der Putzschicht keine Einschränkungen entstehen.


Sonnige Grüße aus Thüringen

M. Fischer



@M.Fischer



zu 1: Ich bleibe gerne bei den historischen Techniken. Das beinhaltet natürlich auch, dass ich die Ausgleichsputze in Lehm herstellen würde. Das Schilfrohr dient eh nur als Putzträger, nicht als Armierung und wird auf den Balken, nicht an den Gefachen befestigt. Mit Ziegeldraht hab ich mich diesbezüglich noch nie beschäftigt aber ich verzichte bei Wandaufbauten auf größere Metallvorkommen. Wie schon gesagt habe ich mit Schilfrohr ein historisches Vorbild mit Langzeiterfahrungen und deshalb würde ich persönlich nie auf die Idee kommen Drahtgewebe jeglicher Form zu verwenden.

zu 2:
Kalkmörtel dürfen z.B. nicht zu schnell austrocknen. Das kann vor allem im Sommer ein Problem darstellen. Hier muss man den Putz über mehrere Tage leicht feucht halten. Auch wenn Räume beheizt werden muss eine ausreichend lange Feuchtigkeitszufuhr gewährleistet werden. Direkte Sonneneinstrahlung vermeiden...ach da gibts so viel, Wände angemessen vornässen, Sinterhäute vermeiden bzw. im leicht angezogenen Zustand abnehmen, Putz nicht übermäßig abreiben, anwerfen nicht aufziehen...Die praktischen Konsequenzen sind unzureichende Festigkeiten in tieferen Schichten oder auch insgesamt so das so eine Putzschicht dann auch mal hohl liegen kann, etc. Also wenn Luftkalk nicht ausreichend lange abbinden kann, dann ist das Endprodukt eben mangelhaft und das wäre ja sehr ärgerlich bei der Mühe die man sich dort macht.



Innenputz



Beim Unterputz reichen geringe Zugaben von Zement aus um die Anfangsfestigkeit auch ohne vollständige Carbonatisierung soweit zu sichern das der Putz später nicht von der Wand fliegt. Hydraulischer Kalk NHL geht auch.
Die bauphysikalischen Eigenschaften wie Diffusionsfähigkeit werden davon kaum beeinflußt, auf das Raumklima wird das später keinen Einfluß ausüben. Die Diffusionsfähigkeit wird hauptsächlich über Sieblinie, Wassergehalt und Verdichtung beim Einbau eingestellt. Deshalb lieber werkgemischten Mörtel nehmen wenn man sich damit nicht auskennt.



oh … immer diese Märchen … 



Zitat:

Beim Unterputz reichen geringe Zugaben von Zement aus um die Anfangsfestigkeit auch ohne vollständige Carbonatisierung soweit zu sichern das der Putz später nicht von der Wand fliegt.

genau diese "geringe Zugabe von Zement" macht aus dem Kalkputz einen KZ-Putz denn die Vernadelung der Zemente hört nicht einfach nach der Menge der Dosierung auf, sondern härtet weiter und weiter … der K putz wird also immer härter und härter  … also "Kalkputz ade!"

… und wer seinen Kalkputz nicht auch OHNE Zement an die Wand bekommt OHNE, dass er "später von der Wand fliegt" … sollte Konditor oder Strassenkehrer oder Rechtsanwalt werden … 

diese Kellenspitze Zement, die immer noch als Allheilmittel in den Köpfen sitzt, wird auch nicht aus einem "schlechten" Naurer oder Putzer einen "guten" machen können … 

Das wäre so, als wenn eine Tütensuppe aus einem Amateur einen Sternenkoch machen könnte … 

… und wenn in einer DIN irgend ein Hinweis stehen sollte, dass man den "Zement" reintun MUSS , sollt man die DIN überdenken … 

ach ja … die DIN oder besser dieser Verein ist auch nichts anderes als der ADAC … eben ein Verein … 

Ich würde keinen Zement beimengen … 

Florian Kurz



Befestigung Putzträger (oder Armierung)?



Werte Fachleute,

Danke für alle Nachträge. Ich denke bis auf einen Punkt sind die Fragen meinerseits geklärt.

Es zeigt sich immer wieder, dass verschiedene Meinungen hinsichtlich der fachlich richtigen Lösung bestehen (Hr. Kurz contra Hr. Böttcher). Ich persönlich bin der Meinung, dass man weitestgehend auf alt bewährte Lösungen zurückgreifen sollte. Damit ist nicht gesagt, dass die neuere Lösung nicht funktioniert oder besser als die alt bewährte ist. Der Nachweis ist, denke ich, oft sehr schwierig bis unmöglich, da jeder Anwendungsfall andere Bedingungen aufweist.

Eines würde ich jedoch gern noch einmal aufgreifen!

Vor allem @Emzet und @ olistruve:

"Emzet" schlägt die Befestigung des Putzträgers (oder Armierung?) auf dem Fachwerkholz vor. "Olistruve" hingegen am Gefach. Ich habe in verschiedenen Quellen bereits beide Lösungen gesehen.
Aus meiner Sicht bei beiden Lösungen Risse entstehen. Verformt sich das Holz aufgrund von Quell- oder Schwindverhalten, können sich ja auch Gefache relativ zueinander bewegen. Ich meine es kommt primär darauf an einen haftenden Untergrund für den Putz über den Balken zu haben.


Beste Grüße aus Thüringen

M. Fischer



Befestigung an Holz oder Gefach



Auf Holz kann man Schilfrohr einfach befestigen z.B. mit Nägeln etc. und die bleiben da auch drin und das war historisch auch so...historisch gesehen könnte man auch einfach nur Scharten ins Holz beilen um eine Verkrallung des Putzes mit dem Holz zu ermöglichen. Das sieht man z.B. an zahlreichen Fachwerkfassaden, die vornehmlich im Barock überputzt worden sind.
Wie man einen Putzträger nachhaltig auf einem gemauerten Gefach befestigen soll ohne Nägel Tief in die Fugen einer halbsteinig ausgemauerten Ausfachung zu schlagen (oder muss man da Schrauben und Dübel verwenden)wird mir nicht ganz klar...oder kann mir da jemand weiterhelfen.
Mit Ziegeldraht habe ich keine Erfahrungen (weil noch nie in Erwägung gezogen), bei Schilfrohr wird der Putz auf jeden Fall im Gefachbereich, natürlich auch auf den Fachwerkhölzern hohl liegen, weil ich keine ausreichende Verzahnung mit dem Untergrund erreichen kann. Somit ist auch eine barrierefreie Durchdringung von Feuchtigkeit in diesen Bereichen nicht gewährleistet.
Wenns um Rissbildungen geht kann man in den Unterputz vollflächig ein grobmaschiges Armierungsgewebe einbringen. Das macht man heute so bei Lehmunterputzen/Ausgleichsputzen. Ob das bei reinen Kalkputzaufbauten umsetzbar ist weis ich nicht. Ich verwende im Fachwerkbau immer Lehmputze als Ausgleichsschicht (die kann man auch stärker auftragen). Wenn denn dann als Sichtputz ein Kalk drauf soll rauhe ich den Lehmputz mit einem Zahnspachtel auf und streiche den frischen Lehmputz mit einer Kalkmilch. Ist das dann alles durchgetrocknet bringe ich einen trochen gelöschten Kalksspatzenputz mit max 1cm Stärke auf.

Gruß Emzet



Innenputz



EMZET: Warum gerade trocken gelöschten Kalkspatzenputz? Geht nicht auch ein (billigerer) normaler Luftkalkputz?
An Florian:
Schön das Du wieder mal präsent bist.
Ich beziehe mich auf dickere Unter- bzw. Ausgleichsputze mit reinem Luftkalk. Wenn die nur oberflächlich carbonatisiert sind fühlt sich das für einen Laien wie ein trockener, fester Putz an. Wenn dann noch vorgenässt und der Oberputz aufgetragen wird kann es passieren das die nicht carbonatisierte untere Lage des Unterputzes weich wird und alles von der Wand rutscht. Eine weitere Gefahr besteht darin das der Oberputz schneller durchcarbonatisiert als die unterste Putzschicht. Dann gibt es Risse und hohle Stellen durch partielle Ablösungen vom Untergrund. Alle Hersteller von Werktrockenmörteln mischen deshalb hydraulische Anteile in Ihren Luftkalkputz.
Bei Solubel sind das latenthydraulische Ziegelmehle statt Zement. Hier etwas verschämt "milde Hydraulefaktoren" genannt. Unter Luftabschluß und mit Feuchteüberschuss carbonatisiert der Putz dann nicht sondern bindet hydraulisch ab (zementär würde Herr Fischer sagen).
Der Effekt ist derselbe wie bei einer geringen Zugabe von normalem Zement. Wenn ich Zementsorten ab der Gruppe 3 nehme bestehen die ohnehin zum überwiegenden Teil schon aus latenthydraulischen Zumahlstoffen.
Ich kann nur immer wieder betonen das es nicht darauf ankommt ob 0 oder 2% Zement im Putz sind sondern wie fest und wie dicht der Putz wird.
Das hängt zum überwiegenden Teil von der Verarbeitung und von der Sieblinie des Zuschlages ab.





Also ich bin sicherlich kein Profi, saniere aber selbst gerade eine Altbauwohnung in der ich ausschließlich mit Kalkputz arbeite. Für den ersten Putz habe ich mich auch an Empfehlungen von Freunden gehalten, das ging leider etwas schief, das Putz bekam trotz gutem Vornässen der Wand ziemlich viele Risse. Da ich eine recht dicke Schwarte aufbringen musste (bis zu 3 cm) habe ich anfangs etwas gröberen Mauerersand zugemischt, damit ich durch das gröbere Korn einen besseren "Stand" bekomme. Die letzten Putzflächen habe ich allerdings nur noch mit feinem Putzersand gemacht, was dazu führte dass kein einziger Riss entstanden ist, obwohl ich stellenweise ca. 4-5 cm ausgleichen musste. Ich habe dazu auch einfach grob vorgeworfen, kurz anziehen lassen und dann den Rest aufgebracht, abgezogen und nach dem Anziehen abgerieben - das funktionierte einwandfrei. An das Mischungsverhältnis 1:3 habe ich mich nur anfangs gehalten, die Risse wurden von einem anderen Freund darauf zurückgeführt, dass ich zu viel Kalk reingeworfen habe, also arbeite ich mittlerweile mit 1:4 und habe damit gute Erfolge.

Im Baustoffmarkt sagte man mir, man müsse darauf achten immer ungewaschenen Sand zu nehmen, da dieser noch einen Teil Lehm enthält und dadurch besser haftet. Rezepte mit Quarzsand habe ich nur in Verbindung mit Kalkglätte gelesen, die Erprobung steht aber noch aus... Bin mal gespannt wie ich die Wände dann am Ende schön glatt bekomme... :-)

Probiere es einfach aus...

Was das Drahtzeug angeht: Ich hab meine Balken einfach mit nem Drahtgewebe mit Ölpapier überspannt und im Mauerwerk verankert. Lässt sich schlecht verputzen, aber hinterher gab es bei mir keinerlei Risse, es hat also gehalten. Selbst die Anbindung zu Altputzflächen blieben Rissfrei, da habe ich schon gestaunt...

Schlussendlich bleibt nur eines: Es ist und bleibt ein Ausbildungsberuf und die Erfahrung und Fachkenntnis eines Mauerers lässt sich durch nichts ersetzen. Man kann vieles probieren, schlussendlich wird es aber immer eine Laienarbeit bleiben. Mir hat es Spaß gemacht, aber sollte ich das nochmal angehen, so würd ich wirklich auf einen Profi zurückgreifen, auch einfach weil der am Tag mehr schafft als 4 m² Putz... :-)



Innenputz, Ergänzungen



Werte Forenschreiber,

Danke für alle Beiträge. Die Diskussion und die Erfahrungsberichte sind wirklich sehr interessant und lehrreich.

@Emzet und olistruve

Wie man sieht gibt es unterschiedliche Meinungen bzgl. der Befestigung des Putzträgers.
Offensichtlich scheint ja sowohl Emzet mit der Methode "Befestigung am Holz" und olistruve mit der Methode "Befestigung am Gefach" gute Ergebnisse erreicht zu haben.
Meine Erfahrungen und den Bezug zum Problem hatte ich noch nicht mitgeteilt. In meinem Haus wurde bei nicht von mir hergestellten Kalkputz das Schilfrohr auf dem Holz befestigt. Die Putzschicht auf dem Holz im Bestand zeigt vereinzelt relativ kleine Risse. Nun bin ich hier im Forum an anderer Stelle auf die Vorgehensweise "Befestigung am Gefach" aufmerksam geworden und habe mich gefragt, ob die kleinen Risse zu vermeiden gewesen wären.
Die Vorgehensweise "Befestigung am Gefach" scheint mir auch die "Richtigere" zu sein; bzgl. der Befestigung machen die Aussagen von olistruve Sinn. Mein Mauerwerk ist mit weichem Kalkmörtel gemauert, so dass kürzere verzinkte Nägel dort einbringbar sein sollten.

@ Hr. Böttcher:

Ich denke ich habe schon gelesen, dass in Kalken (CL90) auch geringfügige Anteile an hydraulischen Kalken enthalten sind. Deshalb denke ich, dass weitere (nicht übertriebene) hydraulische Anteile bzgl. der Sorption und des Wasserdampfdiffusionswiderstandes keine signifikante Verschlechterung darstellen. Genauere Ergebnisse sind natürlich nur mit einer genauen bauphysikalischen Analyse zu erhalten.

@Nooto
Ihr Erfahrungsbericht ist sehr interessant. Ich habe Zugriff auf Schmiersand (relativ hoher Lehmanteil) und eine Art feinen Kies (0-2mm), den man ja auch als Sand bezeichnen kann. Für die Herstellung des Maurermörtels habe ich beide Sande 1:1 gemischt. Das hat gut funktioniert.
Für die Herstellung des Kalkputzes würde ich mit diesen beiden Sanden experimentieren.
Über die etwas magerere Mischung 1:4 für den Putz habe ich auch schon gelesen. Letzlich beeinflusst alles alles und man muss zwangsweise experimentieren.
Ihr Rat mit dem Fachmann ist sicherlich richtig.

Beste Grüße aus Thüringen

M. Fischer



Danke



für den sehr interessanten Link Olistruve.



Befestigung, Eigenschaften Putzträger



Hallo olistruve,

Danke für die Information. S.129 des verlinkten Buches zeigt dann ja wohl endgültig die Lösung des Problems auf.
Ich denke das Forum hat hier wieder einmal seine Stärke bewiesen und nicht nur mir neue Einsichten verschafft.


Beste Grüße

M. Fischer