Frage Leistungsspektrum Bauingenieur

21.11.2017 elbihaus



Hallo zusammen, ich bin ja zugegebenermaßen komplett unerfahren - ich habe das Projekt ja u.a. auch gestartet um möglichst viel Neues zu lernen. Nun habe ich ja erste Termine gehabt und ich hätte auch gerne einen Bauingenieur beratend zur Seite. Ich brauche da auch bestimmt Unterstützung, möchte zB. einen Balkon hinten anbauen, also Statik, Beantragung Genehmigung usw.
Nun habe ich ein Angebot von ihm, was als erste Bestandsaufnahme Aufmaß & Erstellung der Bestandszeichnungen sowie
Erstellung eines Vorentwurfes mit Kostenschätzung beinhaltet. Nun mache ich das ja zum ersten Mal und will ihn da morgen nicht zu viele dumme Fragen stellen :) - ähm, wofür brauche ich das? Was genau bekomme ich denn da an Informationen? Also ein normales Aufmaß könnte ich ja selbst machen, auch punktuell wenn ich eines brauche. Was steht in einem Vorentwurf drin, und wie werden denn da Kosten geschätzt? Das es als klassisch normale Vorgehensweise sinnvoll ist, erscheint mir ja logisch. ich will ja aber vieles selbst machen oder in kleinen Aufträgen selbst vergeben. Macht es da auch Sinn? Es wäre toll wenn ihr mir da mal Licht ins Dunkel bringt!



Planung/Baubetreuung



Das Sie vieles selbst machen wollen ist erst einmal löblich und sinnvoll, dann aber bitte unter Anleitung und Aufsicht Ihres Baubetreuers.
Was ist ein Vorentwurf? Ihr Planer bringt erst einmal Ihre Vorstellungen und Wünsche zu Papier bzw. in den Rechner und kalkuliert grob anhand von prozentualen Kostenanteilen nach Einheiten (m², m³...) den Preis.
Damit wissen Sie ob das was Sie wollen überhaupt sinnvoll und bezahlbar für Sie ist.
Aufträge vergibt entweder der Baubetreuer oder Sie. Wenn Sie ein Chaos schaffen wollen dann sollten Sie selber Aufträge vergeben.
Aufmaß selber fertigen können Sie für sich aber damit kann Ihr Planer nichts anfangen. Nur wenn ich selber messe weiß ich das es auch stimmt. Sie können ihm höchstens zur Hand gehen wenn Sie etwas Geld sparen wollen.
Übrigens ist das Aufmaß eines Altbaues nicht so einfach wie man denkt, spätestens wenn der Planer die Geschosse mit ihrem Maßketten im Rechner aufeinanderlegt fängt der Ärger an. Manchmal muß man zwei oder dreimal raus um Unstimmigkeiten abzuklären.

Hier noch ein paar weitere Informationen zum Thema:

http://ingenieurbüro-böttcher-asl.de/mediapool/88/885822/data/Vademecum_f_r_Hausk_ufer_-_Teil_2-1_Planungsphase_und_Bauleitung.pdf



Danke!



Das klingt logisch, auch der verlinkte Artikel ist sehr hilfreich. So ganz sicher ich das brauche, weiß ich aber nicht. Das Projekt ist recht klein (sehr kleines Haus) und ich habe Zeit ohne Ende. Bevor ich irgendwas huschhusch mache, würd ich eher warten und es später weiterverfolgen. Ich möchte unbedingt überall mitreden, zugucken, lernen und mitarbeiten - also vermutlich der Albtraum mancher Handwerker und würde darum weniger nach Kosten, sondern mehr über Chemie bei der Auftragsvergabe gehen. "Bauleitung" usw. (ich sage mal Baupartnerschaft) würde also eh bei mir liegen und Aufwände nach Stunden abgerechnet (alles andere wäre unfair). Daher frag ich ich: wozu brauch ich denn so eine Planung? Ich würde lieber einfach mal loslegen, und brauche einen Berater, der mich dann vielleicht mal bremst (" Erst das Fundament, dann das Haus..." oder so :D). Also alle Fragen klärt, für die ich hier keine Antwort habe :)
Aber ich rede morgen mal mit ihm, der ist total nett und ich glaube meine Art der Rangehensweise ja auch unüblich.



Bauplanung



Bei so einem kleinen Bauvorhaben mit großer Eigenbeteiligung solltest du vielleicht nur einen Planverfasser für die Baueingabe beauftragen.

Für genaues Aufmaß haftet ohnehin kein Ing. oder Architekt-
das wird immer dem ausführenden Betrieb überlassen.

Natürlich müssen Maße für die Planung vorhanden sein,
die kannst du aber selber aufnehmen, sofern sie nachvollziehbar sind und die spätere Zeichenarbeit beschleunigen.

Technische Details oder verschiedene Ausführungsvarianten können externe Berater liefern.
Angebote bei einem offenbar ziemlich überschaubarem Bauvorhaben mit evt entsprechend viel Eigenleistung können auch selbst eingeholt werden-
Unterstützung kann dann immer noch stundenweise eingeholt werden.

Wenn’s mit diesem Planer nicht geht bei anderen Sanierern nachfragen, evt auch bei IG Bauernhaus.
Die wesentlichen Fragen sollten natürlich geklärt sein und ein Mindestvertrauen muß ohnehin gegeben sein.

Andreas Teich



Planung



"Für genaues Aufmaß haftet ohnehin kein Ing. oder Architekt-
das wird immer dem ausführenden Betrieb überlassen."
Quatsch.
Hier geht es darum den Bestand aufzumessen, das ist etwas anderes als die Abrechnung nach Einheitspreisen und Aufmaß.
Bei detaillierten Leistungsbeschreibungen erfolgt die Abrechnung nach in der Regel nach Pauschalpreis. Hier erfolgt eine Neuberechnung auf Grund einer abweichenden Menge erst ab einer bestimmten Größe, man spart sich so die Erbsenzählerei.

"die kannst du aber selber aufnehmen..."
Aufmaß bei Altbauten ist nicht bloß Länge mal Breite eines Zimmers. Dazu braucht man Technik, Erfahrung und Wissen. Wer so blauäugig herangeht hat als Planer noch kein komplettes Aufmaß eines Bestandsbaues gemacht.



Planeraufgaben



Die Frage ist dabei auch, wieviel die Arbeiten des Planers kosten und welche Arbeiten für die Planeinreichung unbedingt notwendig sind-sofern es nicht um generelle Beratung,Anordnung von Räumen, Bauphysik, Selbstbauanleitung oÄ geht.

Es gibt genügend Bauten, die wunderbar bis in jedes Detail geplant wurden, dann aber wegen zu hoher Kosten nicht ausgeführt werden können, wegen Kostenüberschreitung nicht fertiggestellt werden können oder zum Ruin der Eigentümer führen.

Allein ein genaues, womöglich verformungsgerechtes Aufmaß kostet mehrere tausend bis zu mehreren 10.000,-€, abhängig vom Genauigkeitsgrad.
Wer das nicht aus bauhistorischen oder denkmalpflegerischen Gründen benötigt sollte es unterlassen und auf das Notwendige beschränken- oder sich eben selber damit befassen.
Da ich fast ausschließlich mit Altbauten befaßt bin und selber einen großen Altbau mit mehreren Anbauten und außerrechtwinkeligen Grundrissen besitze kenne ich den Aufwand- zumal ich auch Materialbestellungen danach aufgebe, für die ich hafte.

Ich hatte darauf hingewiesen, dass für die Planzeichnungen Maße vorhanden sein müssen- das Bauamt verlangt aber keinen bis auf den mm genauen Plan.
Ich habe zumindest noch keinen Plan gesehen, dessen Maße bis auf den letzten cm mit den tatsächlichen Baumaßen übereingestimmt haben.

Daher wird kein Planer nach seinem Aufmaß Bestellungen aufgeben- was ja möglich wäre, wenn immer 100 % genau gemessen würde.

Da der Umfang des Umbaus unbekannt ist läßt sich ohnehin nichts Genaues sagen.
Zumindest scheint elbihaus@ Interesse an weitgehender Beteiligung am Planungs-, Vergabe- und Bauprozeß zu haben.

Daher vermute ich, dass das entsprechend teure Rundumsorglospaket bei kompletter Architekten/Bau-Ing- Betreuung nicht gewünscht wird.

Um welche Arbeiten gehts überhaupt, neben dem Balkonneubau?
Bestehen Denkmalschutzanforderungen?
Davon hängen ohnehin die benötigten Kenntnisse des Planers ab.
Es ist sicher klar, dass ein versierter Planer, der auch kostenbewußt arbeitet sinnvoll ist.

Andreas Teich




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