Frage an die Kalkexperten

20.03.2019 Dieter Pete


Frage an die Kalkexperten

Hallo,
wir haben vor etwa 1, 3 Jahren unser gesamtes Haupthaus 240 qm2 für einen sehr hohen Preis neu Verputzen lassen. Benutzt wurde Branntkalk, gelöscht und im Verhältnis 1:3 gemischt. Die Wände wurden ausreichend vorgenässt und anschließend per Hand verputzt. Danach freskaler Anstrich mit Kalk-Kasein- Farbe aus Koerndl Marmor Kalk 2 Jahre gelagert gestrichen.
Nach etwa 6 Monaten erste Abplatzungen etwa Fingernagelgroß mitten im Putz. Dies hat sich gesteigert bis zu etwa 5 Abplatzungen pro qm Wandfläche. Die Begutachtung des Unternehmens hatte keine Ergebnisse gebracht. Zement Einschlüsse konnten ausgeschlossen werden, es wurde ein extra Mischer benutzt. WerkzeugE waren nie in Berührung mit Zement t. Es sind definitiv Fremdkörper die zu diesen Abplatzungen führen. Es wurde Lehm vermutet. Farblich passt das. Die Einschlüsse/ Fremdkörper sind braun und sehr weich. Der darüber liegende Putz platzt jedenfalls ab. Nach etwa 9 Monaten haben wir sämtliche Fehlstellen in Eigenleistung verspachtelt ( Kalkspachtel) und mit der selben Farbe übergetüncht. Ergebnis nicht zufriedenstellend, man bekommt es farblich nicht genau hin. Mitlerweile platzen an vielen weiteres Stellen viele Stücke heraus. Von klein bis groß. Es ist eine Katastrophe. Das gesamte Haus ist betroffen.
Hat jemand ähnliche Erfahrungen, kennt die Ursache? Können es Lehmeinschlüsse aus dem Sand sein? Wie lange kann es dauern, bis es ein Ende hat. Wir würden dann erneut verspachteln und die gesamten Wandflächen neu Streichen müssen.
Wie soll ich mich gegenüber dem Unternehmen verhalten?
Eigenleistung (spachteln/ neuanstrich) vergüten lassen? Schadensersatz?
Ich bin ein Freund von gütliche Einigungen. Putz abschlagen und neu verputzen lassen ist keine Option.



Oder evtl Katzenkot?



Der Sandhaufen lag draußen. Es gibt Katzen auf dem Grundstück.
Bezüglich der Abplatzungen hatten wir gehofft, dass es endlich endet, sobald der Kalk endgültig durchcarbonatisiert ist. Es ist mitlerweile weit mehr als ein Jahr her, dass der Putz aufgetragen wurde. Wie lange kann das anhalten? So könnte man sich viel Arbeit sparen und mit den finalen Spachtelarbeiten noch warten.

Den Sand haben wir bestellt, jedoch wurde dieser im Vorfeld durch den Geschäftsführer begutachtet. Ich habe diesen nun zu einem Vor-Ort-Termin gebeten. Dort möchte ich schriftlich eine Vereinbarung festhalten. Jedoch weiß ich nicht so recht, was wir fordern können. Die Wiederinstandsetzung würden wir sogar übernehmen. Allerdings würden wir sämtlich damit verbundene Arbeiten (ausräumen, Boden abdecken, auskratzen, tünchen, streichen sämtlicher Räume, einrichten) zeitlich erfassen und rückerstattet bekommen wollen. Was könnte man als Stundenlohn ansetzen? PauschAl bietet sich nicht an, da nicht abzusehen ist, wie lange die Schäden sich weiter zeigen werden.
Sehr ärgerliche Umstände. Wir sind sehr am verzweifeln.



Moin,



das passiert, wenn man Produkte wählt mit denen der Ausführende nicht umgehen kann, es ist so, dass der Kalk nicht vollständig gelöscht wurde, diese Abplatzungen sind nun das Ergebnis, der Kalk löscht nach und durch die Volumenvergrößerung kommt es zu dem von Ihnen beschriebenen Schadensbild.

Greetz





Es könnte sich um eine Absprengung durch Volumenzunahme durch sogenannte "Treiber" handeln, dafür spricht die keilförmige Ausformung der Abplatzung.

Lehm halte ich da aber für unproblematisch, da hier mehr nur abschwembare Tonpartikel von Belang sind, einzelne "Knoten" bringen keine Probleme. Auch bei Katzenkacke würde ich keine Probleme befürchten , die besteht größtenteils aus Wasser, Mikroben und unverdaulichen Resten und sind mehr nur wie "tradierte" Zusatzstoffe zu behandeln.

Wie wurde den der Mörtel auf der Baustelle genau zubereitet ? Wurde gemahlener Branntkalk (Weissfeinkalk) oder wurde körniger bzw. stückiger Kalk verwendet. Welchen Gehalt an Calcium (CaO) hatte dieser.

Wurde der Mörtel mit bereits abgelöschten Kalk nach einer "Rastzeit" zubereitet oder erfolgte das Ablöschen erst unmittelbar beim Mischvorgang.

Für die Ermittlung der Minderung ist der Ansatz die Kosten zu beziffern, die entstehen würden wenn man die Abplatzungen nachträglich beseitigen lassen müsste, einschließlich eines kompletten Neuanstrisches um die Ausbesserungen optisch hinreichend zu egalisieren, vernünftig.



Dieser Kalk (siehe Bild)


Dieser Kalk (siehe Bild)

wurde verwendet. Gelöscht in Kalkwanne, dann nach 1-2 Tagen Standzeit verarbeitet. Es scheinen aber tatsächlich Fremdeinschlüsse zu den Abplatzieren zu führen. Unmittelbar hinter den Platzstellen befinden sich sehr weiche bräunliche Einschlüsse.

Keiner derartige Erfahrungen gemacht? Wie lange kann der Prozess andauern?



Eisenspähne



Kann es eventuell sein, dass die verwendeten Werkzeuge Spähne erzeugten, die nun rosten?

Aufgrund der Oxidation von Eisen ist automatisch auch eine Volumenzunahme verbunden, die theoretisch zu den Abplatzungen führen könnten.





Vielleicht kein Abrieb vom Werkzeug, sondern treibende Einschlüsse im verwendeten Sand. Beispielsweise Pyrit.

Ggf. lassen sich Reste vom verwendeten Sand auf solche Verunreinigungen überprüfen.



Eisen



hatte ich auch schon im Verdacht. Es wurde Brunnenwaaser zum Löschen, mischen und Vornässen benutzt. Dieses ist stark eisenhaltig.
Wobei es dann sicherlich auch Verfärbungen in der Oberfläche geben müsste.
Die Fremdkörper sind sehr klein und wie gesagt, auch sehr weich dahinter. Es bleibt ein Rätsel. Jedenfalls sehr ärgerlich. Wasser und Sand war dem Unternehmen bekannt. Selbstverständlich kein Vorsatz und für beide Seiten unangenehm.
Kann man erfahrungsgemäß sagen, wie lange die Kalkabbindung dauert, bzw wie lange derartige Abplatzungen andauern können. ES muss doch irgendann hoffentlich aufhören. So müsste man final einmal neu spachteln und streichen. Der letzte Putzauftrag war im Januar 2018.



Herr Bernhard,



Wie kommen Sie zu der Annahme? Ähnliche Erscheinungen schonmal gesehen? Ich will es nicht abstreiten, aber es handelT sich um ein sehr versiertes Unternehmen mit langjähriger Erfahrung in der Denkmalpflege und hohem Fachwissen. Dieses Phänomen bleibt denen auch ein Rätsel. Erst wurde Zement durch verunreinigtes Werkzeug vermutet. Nach Begutachtung jedoch vermutete man Lehmeinschlüsse im Sand...



Weiteres Bild


Weiteres Bild

Eventuell gibt das mehr Aufschluss...



Letzte Möglichkeit



wäre eine Probenentnahme und Untersuchung in einem Labor für Bauchemie.



Kalk … Kalk … Kalk … 



Meines Erachtens wurde schlichtweg der falsche "Kalk" verwendet … unter dem "branntkalk kalkwerke breckweg 80%" kommt bei Google nicht viel heraus … 

Wiki sagt einiges … vor allem wenn man dann auch noch : "Baukalk" eingibt … 

Branntkalk wird zwar am Bau "verwendet" aber wohl nur als speziellem: "Heißkalk" weil der Kalk eben noch nicht gelöscht ist … der GELÖSCHTE Branntkalk sollte nach dem LÖSCHEN Monate oder Jahre eingesumpft wird … 

Bei Baukalk kommt der Begriff "Branntkalk" so gut wie nicht vor … Ich kenne auch nur "Weißkalkhydrat" mit hoher Prozentzahl als Bauprodukt … 

Kann es sein, dass die "deutsche Sparsamkeit" wider der "baulichen Erfahrung" bevorzugt wurde … 

An Sonsten bin ich hier mit meinem Latein am Ende … 

Viel Erfolg

Florian Kurz



Ich wollte es ja nicht sagen/schreiben



aber wenn ich Branntkalk 80 googele kommt sowas:

Reaktiver Naturkalkdünger mit = 80% Calciumoxid (Neutralisationswert) zur wirksamen pH-Wert-Regulierung, zur Verbesserung der Eigenschaften von mittleren und schweren Böden, zum Nährstoffausgleich und Hygenisierung in der Land-, Forst- und Teichwirtschaft und im Bereich Garten- & Landschaftsbau und -pflege.



Noch ein Gedanke



Sie schreiben vor 1,3 Jahren... spricht Mitten im WInter... hat der vielleicht Frost abbekommen?



zum Beginn grundsätzliches klären



Es handelt sich um einen Fassadenputz?
Auf was wurde der Putz aufgebracht? Mauerwerk? Fachwerk?
Wie war die Witterung als der Putz aufgebracht wurde?
Woher stammt der Sand? War dieser gewaschen?
Der Putz wurde händisch aufgetragen? Angeworfen? Gefilzt? Geglättet?
Es wurde ein extra Mischer benutzt? Zwangsmischer? Trommelmischer?
Warum wurde ein Kalk Kasein Anstrich gewählt?
Wie war der Kalk Kasein Anstrich angesetzt bzw. eingestellt?
Warum wurde der Kalk Kasein Anstrich freskal gestrichen?
Warum haben Sie die Ausbesserungen in Eigenleistung erbracht und nicht die Gewährleistung des Putzers in Anspruch genommen?
Handelt es sich bei der ausführenden Firma um eine Putz- oder Malerfirma?



Es



handelt sich um einen Innenputz, keine Frosteinwirkungen. Altes Mauerwerk, vorher auch mit Kalkputz bedeckt. Zuvor wurde der alte Putz in sämtlichen Räumen abgeschlagen. Der Putz wurde angeworfen und geglättet. Einlagiger Putz. Freskal wurde gestrichen, damit der erste Anstrich (5:1) eine bessere Bindung mit dem Putz eingeht, danach 4:1 und mehrere 3:1 Anstriche bis gewünschte Deckung erreicht. Kasein, um ein Abkreiden zu verhindern. Farbe wurde selbst angesetzt, auf Empfehlung unseres Bauplaners. Der Kalk selbst wurde fehlerfrei an etlichen Bauten benutzt. Ich selbst habe zuvor mehrere Probeflächen an fertigen Bauten in Augenschein genommen. Es wird wahrscheinlich der Sand sein. Und das ist das Problem. Ich kann gar nicht mehr genau sagen, ob dieser gewasche war. Zu dem Zeitpunkt habe ich aus Unkenntnis auch keine große Aufmerksamkeit darauf gelegt. Sowohl Maurer, als auch Bauplaner haben den Sand gesehen. Ich war Bauherr und Handlanger. Der Putz wurde in einem Trommelmischer hergestellt. Sämtliche Werkzeuge, auch Schubkarre und Mischer werden nur für Kalkzwecke verwendet. Die Firma ist ein Betrieb, die sich der Bauwerkserhaltung gewidmet hat. 2 Zimmerer, Tischler und ein Maurer.

Das Kind ist in den Brunnen gefallen. Es stellt sich nur die Frage, wie lange Abbindungs/ Karbonatisierungsprozesse andauern, um den bestmöglichsten Zeitpunkt der Ausbesserungen vorzunehmen.
Selbst ausgespachtelt wurde das erste Mal, weil wir mit dem Unternehmen die Abmachung getroffen haben, Restarbeiten, die in diesem Jahr noch anstehen, mit unseren Ausbesserungsarbeiten zu verrechnen. Durch erneute Abplatzungen ändert sich derzeit unsere Stimmung, da nicht abzusehen ist, wie lange der Putz noch arbeitet und nach 3 Jahren Sanierung uns langsam die Kräfte ausgehen...



Zur Witterung



DIE Bedingungen waren perfekt. Kein Frost und die Räume hatten durch das Wasser, das eingebracht wurde dauerhaft eine relative Luftfeuchte von annähernd 90-100%. Der Putz hatte ausreichend Zeit auszuhärten.



...eine leise Ahnung...



Erstmal danke für Ihre Antwort.
Eine Frage habe ich noch zu den Probeflächen die Sie sich angeschaut haben. Waren diese auch mit einem Kalk Kasein Anstrich versehen?
Weitere Fragen habe ich zu Ihrem Rezept für den Kalk Kasein Anstrich. Haben Sie das Kasein selber angesetzt oder fertiges Kasein erworben? Können Sie das genau Rezept für den Kalk Kasein Anstrich nennen? Was bedeutet Ihre Angabe 5:1, 4:1 und 3:1 genau? Bedeutet dies das in jeweils folgendem Anstrich das Kasein weniger verdünnt wurde?
Das sich Ihre Stimmung auf dem Tiefpunkt befindet ist verständlich. Allerdings sollten solche Schäden gründlich sondiert werden bevor man in Aktionismus verfällt. Nur so kann man am Ende zu einer guten Lösung kommen.



Ja,



sämtliche Flächen auch mit Kaseinfarbe gestrichen, selbst FläChen im Außenbereich, mit und ohne Pigmenten.
Das Kasein in Pulverform mit Ammoniak und Wasser zu einem Kaseinleim angesetzt. Am Folgetag mit sehr hochwertigen Kalk zur Farbe weiterverarbeitet.
5:1/ 4:1/ 3/1 sind die Raumteile Kalk zu Wasser. Sehr "magere" Farbe beginnend zu fetter. Der erste Anstrich ist auch kaum deckend, sehr wässrig.
Es wird nicht die Farbe sein. Selbst im Bad, dort haben wir an 2 kleinen Flächen Kalkfarbe von Kreidezeit benutzt. Auch dort die Platzer.



...immer wieder das eigene Handeln hinterfragen...



Ihre Selbstsicherheit ist beeindruckend! Die will ich Ihnen auch nicht nehmen, aber Ihre Aussage "von mager nach fett" genügt für mich.
Wenn Sie möchten können Sie ja mal in diesem PDF https://www.baubiologie.de/downloads/kalkputzregeln.pdf
unter Kalkanstrich stöbern.
Der Putzer hätte gründlicher sein können, aber die Alleinschuld trifft Ihn bei diesem Schaden nicht.



Naja,



Dort wird von fett zu mager empfohlen. JeDoch auch nicht begründet und steht meiner Meinung nach nicht im Zusammenhang mit den Erscheinungen. Außerdem sind die Einschlüsse, die eine Volumenzunahme an entsprechenden Stellen herbeiführen nicht von der Hand zu weisen. Es gibt 2 Räume im OG, die diese Schäden nicht aufweisen, trotz selber Vorgehensweise. Flächen, die mit KreidezeitFarbe gestrichen wurden habe auch die Fehler. Selbst ungestrichene Flächen zeigen Schäden. Daher meine Selbstsicherheit. Ich werde nach dem Gespräch mit dem Unternehmen berichten. DIE Anleitung des Anstriches kam aus auch von dorther. Es wird bei denen genauso gestrichen.