Historie eines Hauses - wie? wo?

11.12.2003



Hallo,

anfang des Jahres haben wir ein altes Haus gekauft und sind seitdem am renovieren / restaurieren. So weit so gut. Geschätzt wurde das Alter des Hauses auf ca. 1900. Gestern waren wir nun bei der örtlichen Baubehörde und haben da mal Einblick genommen. UIIII! Die Altersschätzung liegt komplett daneben! Der älteste Bauantrag (ein Anbau an das bestehende Gebäude) war von 1881. Und auf einer alten Flurkarte von ca. 1830 stand auf unserem Grundstück auch schon ein Gebäude.
Da wir uns sowieso für die Geschichte unseres Heims interessieren sind wir nun natürlich noch neugieriger geworden. Daher die Frage an die Fachwerk-Gemeinde - viele von Euch sind doch sicher genauso neugierig wie wir was ihr Haus anbelangt: Wie und wo kann man am besten nach weiteren Informationen suchen?

Viele Grüße von Tine



Hausforschung



Guten Tag,

wenn der Hausaktenverwaltung nicht irgendein Unglück zugestoßen ist (Hochwasser, Brand, Kriegseinwirkungen), dann sind Akten seit der Reichsgründung 1870/71 in der Regel vorhanden. Davor sind schriftliche Unterlagen bei unbedeutenderen Bauvorhaben meistens nicht auffindbar. Handelt es sich um bedeutendere Bauvorhaben über 5.000 Goldmark Herstellungkosten, dann war die Preußische Oberbaudeputation zuständige Baugenehmigungsbehörde (im Lande Preußen natürlich). Unterlagen über solche Bauvorhaben erfragen Sie am Besten beim Landeskonservator.
Ansonsten müssen Sie das Stadtarchiv bemühen. Das gilt vor allem für Bauten aus noch früherer Zeit. Nach meiner Erfahrung aber ist das Haus selber der wichtigste Zeitzeuge und kann manches verraten. gehen Sie also schonend mit der Substanz um und versuchen Sie zu entziffern, was an historischer Botschaft übriggeblieben ist.



Alte Bilder



Hier kann man schon mal Bilder suchen.
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Suche



...die Aufnahme des Bestandes (hier ist ja noch ein Zapfenloch, wozu war das wohl?) ist die beste Bauakte, danach lohnt sich die Suche im Bauaktenarchiv.



Historie



Um die Geschichte eines Gebäudes am besten nachvollziehen zu können bedient man sich am besten der Mittel der Bauforschung. D.h. zunächst Bauaufnahme (verformungsgerechtes Aufmaß), Baubeschreibung, für die Datierung ganz hilfreich der Dendrochronologie und der Archivforschung (Stadt- / Gemeindearchive, Staatsarchive, Diözesanarchive usw.)
Viel Glück bei der Forschung
Johann Müller



Forschung



Guten Tag, Sie können das Kataster bis auf das Urkataster zurückverfolgen. Ältere Angaben findet man bei der Katasterbehörde des Kreises oder wie bereits gesagt in Archiven z.B. der Komunen. Zu Katastereintragungen gehört auch immer ein schriftlicher Tel, der oft aussagekräftig ist. Man muss aber Altdeutsche Schrift entziffern können. Zeitlich vor den Katasteraufzeichnungen können vielleicht Kirchenbücher oder alte Steuerlisten helfen (Das Kataster wurde früher auch nur aus Steuergründen so sogfältig geführt). Je nach Region gibt es vielleicht schon Veröffentlichungen von Heimatforschern.
Eine nicht ganz billige Methode ist die dendrochronologische Untersuchung von Bohrkernen, verbauter Hölzer. Wichtig ist dann, dass man sicher ist keine zweitverwendeten Hölzer zu beproben und die äußersten Jahrringe möglichst bis zum Kern beprobt. Je nach Region bieten die Bauartmerkmale nur untergeordnete Hinweise weil ländliche Bauweisen oft über lange Zeiträume unverändert beibehalten wurden. Indirekt lässt sich vielleicht aus der Holzart und der verbauten Holzmenge ein Anhalt ableiten. In manchenn Regionen wurde früher mit Eiche gebaut, bis die Eiche verbraucht war. Bereits relativ früh wurden Holzsparverordnungen erlassen.
Viel Glück!
Ulrich Arnold





Als wir das wagenhäuschen gekauft haben, gab es zwei Jahreszahlen: 1798 im Eckbalken am Haus und 1707 im Kratzputz der einen Scheune. Mehr wussten wir nicht über die Geschichte. Inzwischen hat sich durch viele Besucher ein fast geschlossenes Bild der Hausgeschichte ergeben, wir haben 60 Jahre alte Fotos von unserem Haus bekommen und werden sicher noch mehr erfahren wenn wir einmal die Zeit haben,gezielt zu forschen. Der große Vorteil: Wagenhausen war eine Klosterdorf der Abtei Theres, die 1803 aufgelöst wurde. Wie es aussieht, war unser Haus der Sitz des Ortsvorstandes. Dadurch erschließen sich viele Quellen (Kirchenbücher u.ä.). Zweitverwendete Hölzer im Dachstuhl, der Gewölbekeller und uralte Bauteile auf dem Grundstück (Brunneneinfassung) sind weitere Mosaiksteinchen, wie wir zu gegebener Zeit zusammensetzen werden - anhand unseres Häuschens lässt sich wohl eines Tages sogar eine kleine Ortschronik schreiben (die -hausen-Orte in Franken wurden um 800 gegründet!).
Geduld führt hier zum Ziel!
Gruß gf



Alter?



Interessant ist es auch , sich über die in der Region angewandten Techniken zu informieren, die bei der Verzapfung der Hölzer zum Zuge kam. Im Laufe der Zeit hat es da Veränderungen gegeben, an denen man eine zeitliche Einschränkung vornehmen kann. In unserem Bereich (Ruhr) sind z.B. Doppelzapfungen am Balken nur bis ca. 1750 angewandt worden. Der Denkmalschutz der Region /Stadt gibt dazu gern Info raus, LAndeskonservatoren und auch Landschaftsverbände( bei uns: Westfalen-Lippe) darf man dazu auch befragen.Und wie schon erwähnt: Kirchenbücher, oft findet man dort interessante Dinge. MfG :-) U.Dahlbüdding



Forschung ...



... mitunter kommt man auch über die Feuerversicherungen weiter. MFG