Dampfsperre

21.06.2011



Weiß hier jemand über Dampfsperren bescheid.
Ich habe diese im März 2011 verbaut, aber sie ist noch sichtbar. Leider hatte ich noch keine Zeit, die Dachschrägen zu verkleiden.
Nun hat mich mein Zimmermann darauf aufmerksam gemacht, dass diese Dampfsperren nicht UV-beständig sind.
Kann mich hier vielleicht jemand beruhigen oder weiß jemand, wie lange man diese Folien offen lassen kann.
Es ist eine blaue Folie mit CE-Kennzeichnung, laut Rechnung made in Germany.



Hilfe!



Um diese Frage beantworten zu können brächte es nähere Angaben zu Hersteller oder Verkaufstelle. Am Besten wäre eine Produktbezeichnung, dann könnte man im Netz nach einem passenden Produktdatenblatt fanden. Falls nicht Weiteres bekannt an die Verkaufsstelle wenden und dort nachfragen!

Wenn es sich z.B. um eine blaue Dampfsperre von Alujet handelt - wie in Baumärkten erhältlich - ist davon auszugehen daß diese nicht UV-stabilisiert ist! Das CE-Kennzeichen ist für diesen Aspekt nicht von Relevanz! Hier immer auf den Wortlaut UV-beständig auf der Verpackung - oder, wenn dort nicht aufgeführt im Produktdatenblatt achten.


Gruß aus Berlin,





Hallo Camedia,

Dampfsperren befinden sich gewöhnlich im Innenraum, bei Dir dann unter den Sparren. Dies ist kein Bereich in dem gewöhnlicherweise die UV-Beständigkeit einer Folie auf den Prüfstand gerät; oder wird der Bereich seit März bewittert?

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer



Auch im Innenbereich



gibts durchaus Sonneneinstrahlung :)
Unsere Folie, blau, nicht UV-beständig hat sich nach 10 Jahren in bröselige Bestandteile aufgelöst bzw. ist einfach mal gerisssen. Im belichteten Spitzboden in einem Bereich, den wir eigentlich nicht weiter ausbauen wollten - daher war sie unseren Verkleidungsbemühungen entkommen.
2 Jahre haben bei unsere Folie zumindet keine Probleme bereitet - so lange stand sie bei uns im DG zumindest vor der Verkleidung offen.
Würde mich daher auch interessieren, wielange so eine blaue nicht UV beständige Folie im Schnitt aushält.
LG
anna



Alles Schall und Rauch



Hallo

auch "eingebaute" Folien lösen sich in Luft bzw deren Bestandteile auf und die ganze Berechnung ist beim Teufel und die Konstruktion ist dann in Absehbarer Zeit futsch.

Neben den "bösen" UV Strahlen gibt es auch noch andere Strahlungen die solchen Folien zusetzen können und dazu kommt noch, dass die Folien auch noch "Weichmacher" beinhalten und diese mal schneller oder langsamer "ausdünsten" - dann werden die Spröde und geben ihren Geist auf.

Nix mehr mit Schutz, Bremse, Folie, Sperre und so weiter.

Aber bis dahin hat der Bauherr ja wieder ein Plus auf dem Konto und kann die Schäden wieder bezahlen und modernere und langlebigere beworbene Supermaterialien verwenden.

Viel Spass dabei

… und ewig dreht sich das Hamsterrad …

im Kopf oder im Käfig oder ???

FK



Spröde



das hat aber weniger etwas mit UV-Strahlung zu tun. Einfaches Fensterglas ist für einen großen Teil der ultravioletten Strahlen nicht/kaum durchlässig. Wenn die Sonne nicht direkt auf die Folie brennt ist hier eher kein Effekt zu erwarten.

Nach 10 Jahren hat die ein oder andere Folie ihren Lebensabend erreicht, die "Weichmacher" haben sich verflüchtigt und die Folie versprödet. Kondensat kann in die Dämmlage eindringen.

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer



Danke



für die Infos.
Dann haben wir bei der offenliegenden Folie also einfach nur beim "Verwesungsprozess" zusehen können.
Na Prost Mahlzeit für die verdeckten Folien.
Ich sehe viel Arbeit auf mich zukommen.....
LG
anna



nicht nur Arbeit



sondern eben auch

Schäden

Kosten

usw.

Kommt Zeit kommt …

Mich bitte nicht dafür verantwortlich machen.

Danke!

FK



Alternativen ...



... Arbeit! ... In welche Richtung solls denn gehen? ...


Alternativen könnten z.B. sein:

- Dampfbremspapiere
- Diffusionshemmende Bauplatten (z.B. OSB, zementgebundene
Platten)
- mineralische Dampfbremse/-Sperre


Gruß aus Berlin



Interessanterweise



ist eine Versprödung nicht nur bei Dampfsperren, sondern auch älteren Unterspannbahnen (Gitterfolien) zu beobachten, die keiner direkten UV-Bestrahlung ausgesetzt waren. Vielmehr scheint da ein direkter Zusammenhang zwischen Hitzeentwicklung unter der Dacheindeckung und Versprödung mittels Verflüchtigung der Weichmacher zu bestehen. Wir hatten neulich einen Fall, da war auf der Südseite des Daches die komplette Gitterfolie defekt und bröselig, während auf der Nordseite des Daches die Gitterfolie komplett intakt war,. Auf jeder Dachseite befand sich dabei eine kleine Dachausstiegsluke, durch die Licht in den Spitzboden gelangen konnte.
Meine privat als Dampfsperre angebrachte blaue Baufolie von Alujet ist jetzt seit elf Jahren verbaut und nach wie vor intakt (hatte erst vor kurzem einen Dachdurchbruch machen und die Folie wieder ordentlich anschließen müssen).
Man muß also nicht zwangsläufig davon ausgehen, daß die Baufolie nach zehn Jahren ihren Geist aufgibt. Das wäre zu negativ gedacht.


Gruß Andreas



Zurück zum Anfang :)



....sollte man daher dem Trötstarter raten noch einmal über die bereits verwendete Dampfsperre nachzudenken,sie also auszutauschen bevor er sie weiterzubaut ?
ODER ist die blaue Folie doch eine akzeptable Möglichkeit des Dachausbaus mit zwar begrenzter ( wenn ja wie begrenzter ) Haltbarkeit ???
Bei der Renovierung des Dachgeschosses meiner Eltern ( Ausbau in den 70 ern ) kamen vor 2 Jahren Folien ( Unterspannbahn und Dampfsperre ) zum Vorschein, die bei Berührung starke Auflösungstendenzen zeigten - vor allem an der Südseite. Aber das wären dann immerhin lockere mindestens 35 Jahre - eine akzeptable Nutzungsdauer ??
UV- beständig waren die bestimmt auch nicht.
Fragen über Fragen.....
anna



Dampfsperre



Mittlerweile habe ich per E-Mail den Verkäufer versucht zu erreichen, leider ohne Erfolg. Meine blaue Folie habe ich bei Ebay bei einer Fa. Isoterm Dämmsysteme bestellt.
Ich bedanke mich bei allen Antworten, es war wie immer sehr lehrreich und unterhaltsam!

MfG
camedia77



Dampfsperre



Hier noch ein Nachtrag:
Laut den Verkaufsangaben im Internet handelt es sich um eine hochwertige COEX-Folie, geprüft nach DIN EN 13984 Klasse E Typ A mit einem SD-Wert größer 100m
Brandverhalten B2 nach DIN 4102.
Vielleicht kann speziell Stephan nunmehr weiterhelfen!

Vielen Dank!



@Anna



Ich kann mir weder einen Architekten noch einen Hersteller vorstellen, der ihnen 35 Jahre Garantie auf ein modernes Dampfsperrensystem gibt, geschweige denn mehr. Wie auch: Es fehlen einfach die Erfahrungswerte. Selbstverständlich kann man den Alterungsprozess simulieren, aber eine Garantie gibts deswegen noch lange nicht.
Neuerungen am Bau überholen sich ständig, was vor 15 Jahren noch usus war, wird inzwischen teilweise als völlig unzureichend betrachtet.
Insofern bin ich der Meinung, auch aus eigener Erfahrung heraus, daß sich die blaue Folie durchaus auch dauerhaft als Dampfsperre eignet. Man sollte eben schon auch eine starke Folie nehmen, also mindestens 200 my, d.h. 0,2 mm stark.
Interessant ist natürlich auch die Lösung mit intelligenten Folien mit einem flexiblen sd-Wert. Allerdings hab ich erst neulich auf einem Fortbildungskurs "Schimmelsachkundennachweis" vom Dozenten den Hinweis bekommen, daß gerade der Einbau solcher intelligenten Folien bei bei bestehender, erheblicher Restfeuchte im Rohbau (beispielsweise durch Estrich- und Putzarbeiten) durchaus auch problematisch sein kann, weil die Feuchtigkeit eben zunächst in die trockene Dämmung diffundieren würde und er aus diesem Grunde selbst schon erhebliche Schimmelsanierungen hat durchführen müssen.
Um zum Schluß zu kommen: Ich würde die Folie drinlassen.

Gruß Andreas

@Camedia:

Hier ein Link zum SD-Wert:

www.sichtdachstuhl.de/SD-Wert.html

Dem ist nix hinzuzufügen. Allerdings sagt dieser Wert rein gar nix über die UV-Beständigkeit bzw. über die Funktionsdauer aus. Dafür gibt es maximal Erfahrungswerte, die auch wieder von den örtlichen Begebenheiten abhängen.

Nochmal: Ich würde die Folie drinlassen. Aber bitte an den Wandanschlüssen und Durchbrüchen unbedingt mit geeignetem Klebeband und Kartuschenkleber (z.B. Siga) anbringen. Sonst ist die Frage der Haltbarkeit Ihrer Folie Ihr geringstes Problem.



Danke



@ andreas
Danke für die Infos - bin nun doch etwas entspannter und werde unsere Dachflächen zwar scharf im Auge behalten - aber nicht gleich diesen Sommer noch zur Not OP schreiten.
@ Camedia 77
Tante Goo hat mir für die oben benannte Dampfbremse ein Datenblatt ausgespuckt.
Darin steht: Lagerzeit 3 Monate bei Raumtemperatur mit Schutz vor UV-Strahlung. :((
Sollte man dann wohl doch möglichst bald abdecken um die Haltbarkeit nicht deutlich herabzusetzen.
Eine schöne Arbeitsphase wünscht
anna



...



Tut mir leid aber über "Tante Goo" gibt es der Möglichkeiten viele eine blaue Dampfsperre mit irgend etwas von Isotherm im Namen zu finden! ...


Die Angaben von Camedia konnte ich so jetzt erstmal nicht nachprüfen ( vielleicht kannst Du ja hier mal einen Link reinstellen ).

DIN EN 13984 wäre zwar schon mal die richtige Norm für Dampfsperrfolien, und die Angabe Klasse E Typ A würde sich auch erstmal mit dem CE Kennzeichen decken ( siehe auch hier: http://www.dampfbremssystem.de/10.html ), in Bezug auf die UV-Beständigkeit bringt Dich das aber vermutlich immer noch nicht weiter. ...
Leider sind derartige Zertifikatskenzeichungen oft eher irrefürend da unverständlich für den Laien und oft auch für den Sachkundigen. Der Teufel steckt dabei im Detail und man sollte die zugehörige Normen schon recht genau kennen (tue ich auch nicht) um die feinen Unterschiede aus dem Wust an Typenkürzeln und Kennzeichnungen ins Verständliche zu bringen. Sicherer für den Bauanwender ist da immer ein Blick in das zugehörige Produktdatenblatt und die dort empfohlenen Anwendungen!

Aber lange Rede kurzer Sinn! Dein Problem war die UV-Beständigkeit, und Du wirst natürlich wissen wollen wie weiter! ... Hmm diese Frage wird Dir hier wohl keiner seriös beantworten!

Es ist bekannt - und wurde ja hier auch schon diskutiert - daß Kunstoffbahnen wie sie für Dampfbrems- oder Dampfsperrbahnen eingesetzt werden in der Regel Weichmacher enthalten welche unter Einwirkung von UV-Strahlung aber auch Wärme entweichen und dadurch die Folien verspröden. Noch vor ein paar Jahren war man sich dieses Problems noch nicht derart bewußt wie heute. Ob man nun aber davon ausgehen kann, daß man deshalb heute zumindest bei Qualitätsprodukten gefahrlos zugreifen kann, ist glaube zu optimistisch gedacht! Es gibt durchaus Kunststoffe die weniger anfällig gegenüber der Verflüchtigung von Weichmachern sind. In wie Weit diese dann aber auch wieder gegen andere Einflüsse (mech. Beanspruchung, biochemische Substanzen etc. ) beständig sind weiß wohl noch keiner. Wie Andreas schon sagte fehlt hier einfach der Erfahrungsschatz! Fakt ist, daß wohl keine Dampfbremse der Welt für die Ewigkeit ausgelegt ist! Die Produktentwickler rechnen wohl so mit 25-30Jahren. Es gibt durchaus Alternativen zu Folien aber auch die haben ihre Nachteile.

In Bezug auf Deine Frage wäre nun zu klären in wie weit Dich die Sache beunruhigt, und was es Dir wert ist. Falls Du Dich für den Austausch entscheiden solltest solltest Du sorgsam abwägen welcher Lösung zu Deinem Dachaufbau paßt (Dampfsperre oder -bremse), was Du investieren willst oder kannst, und wie lange Du hier Sicherheit haben möchtest. Die Wahrscheinlichkeit daß Deine bestehende Folie die nächsten 30 Jahre überdauert ist gegeben. Wie hoch Diese ist, kann ich Dir, wie wohl die Meisten auch, nicht sagen!

Gruß aus Berlin