Dampfbremsfolie richtig anbringen

29.01.2006



Hallo, wir bauen ein altes Nebengebäude zum Wohnhaus um. Wollen jetzt mit der Dämmung der Wände und des Daches beginnen. Das Dach soll dabei bis zum Firstrehm offen zu sehen sein. Wir wollten die Außenansicht und den Stil des Hauses nicht verändern und haben es nur behutsam von außen umgebaut. Nun muß die Wärmedämmung von innen angebracht werden. Lt Vorgabe des Architekten 180mm Dämmung im Dach und 80mm (0035WW) an den Wänden. Meine Fragen beziehen sich auf die ordentliche Anbringung und Verbindung von Dampfbremsfolie, Deckenbalken und Dach. Die Zwischendecke zum Obergeschoß ist aus Balken mit dazwischenliegender Staakendecke mit Lehmschüttung. Da die Balken unterschiedlichen Durchhang haben, haben wir eine Konterlattung mit 36cm Abstand in Waage aufgebracht. Zwischen die Latten haben wir aus Gewichtsgründen eine leichte Schüttung (Styroporkügelchen Firma PRIMAL) eingebracht und eine Spanplatte 22mm aufgeschraubt.Auf diese werden wir einen Trittschall von 10mm und eine OSB-Platte 25mm schwimmend verlegen.
Wie auf den Zeichnungen zu erkennen haben wir in einigen Räumen von unten sichtbare Deckenbalken und im späteren G-WC und im Hausanschlußraum eine gewölbte Decke.
Nun meine Fragen:
1.Ich habe vor die Dampfbremsfolie im OG und im EG lt Zeichnung anzubringen und brauche jetzt einen Rat ob ich damit richtig liege.
2. Besonders der Bereich mit der gewölbten Decke macht mir Kopfschmerzen da ich befürchte das der Temp.unterschied in der Zwischendecke dazu führt das sich Kondenswasser bildet und uns ungesehen die Deckenbalken faulen.
3. Desweiteren haben wir im EG eine Terrasse über der sich ein beheizter Raum befindet. Dort soll die Dampfbremsfolie im Fußbodenaufbau siehe Zeichnung 3 eingebaut werden.
Bitte auch eine Meinung dazu.
4. Wie verbinde ich die D.Folie um die Deckenbalken? Da die Balken von innen bis außen durch die Wand laufen müßte sich auch ein Taupunkt im Balken befinden. Führt er zu Fäulnis im Balken?
Danke im voraus für Ratschläge zu einer oder mehrerer meiner Fragen.
Ringo Posselt





Hallo lieber Ringo

Zur Zeichnung 1:
Deine "Dampfbremsfolie" sollte grundsätzlich auch an der Balkenlage vorbei nach unten gezogen werden.
Das erste Feld der Kappendecke würde ich zur Außenmauer hin dämmen.

Zu Zeichnung 2.
Folie bis zu Lehmschlag ziehen

Zu Zeichnung 3
Dampfbremsfolie ab dem bewohnten Bereich herunterziehen.






Nachdem dies eine recht detailreiche und verzwickte Konstruktion ist, hier noch zwei grundsätzliche Ratschläge:

A: Benutze Dampfbremspapier (z.B. db+ von pro clima)damit lassen sich unter Mithilfe von Naturlatexkleber wunderbar auch komplizierten Verschneidungen anpassen und dauerhaft verkleben.

B: Achte weniger auf den Diffusionswiderstand(sd Wert) als auf die "Wind- bzw. Luftdichtheit". Es darf einfach nirgends die Luft durchziehen (konvergieren). Im Notfall lasse einen Blowerdoor Test machen, die Investition könnte sich lohnen.

C: Plane Konstruktionsbewegungen durch den Einbau von Bewehgungsfalten ein.

Gruß


L. Parisek



Ich schließe mich an



Ich schließe mich den Ausführungen vom Lutz weitstgehend an.
Zusätzlich bin ich aber der Meinung, das es nicht ausreichend ist die Dampfbremse bis zum Lehmschlag zu führen. Die Dampfbremse muss durch die Decke (Balkenlage) bis ins Erdgeschoss (?) geführt werden. Bei der Kappendecke, bis auf die Kappen. Vielleicht ist es auch sinnvoll statt der DB+ die Intello des gleichen Herstellers einzubauen.
An Stelle der Mineralwolle würde ich einen Naturdämmstoff einsetzen, da er evtl. angefallene Feuchtigkeit leichter wieder Abgibt. Bei der Innendämmung mit Glas oder Steinwolle könnte ich mir Vorstellen, dass sogar eine Dampfsperre erforderlich ist. Entsprechende Berechnungen und Nachweise vom Planer fordern.

Ein kleiner Tipp, die Fa. Pro-Clima bietet eine gute Broschüre, wie Dampfbremsen im Detail zu Verarbeiten sind.





Hallo, das mit der Dampfbremse nach unten ziehen hat sich schon erledigt. Der Aufbau der Zwischendecke ist schon eingebaut. Nur über dem Mauerwerk haben wir großzügig Platz zum dämmen der Mauerkrone gelassen. Uns bleibt nichts anderes mehr übrig als die Folie unter dem Trittschall enden zu lassen. Oder soll die Folie auf dem Lehm enden? Bitte erkläre mir mal:"Dampfbremsfolie" sollte grundsätzlich auch an der Balkenlage vorbei nach unten gezogen werden. Heißt das, ich soll die Staaken entfernen und die Folie vom Dach mit der der Wand verbinden?
Über der Kappendecke habe ich schon 40mm Styrodur eingebaut und mit Bauschaum um die Balken verschäumt. Danach die Staaken und den Lehm wieder rauf. Reicht das? Zur Zeichnung 3 wie muß ich die Dampfbremsfolie ab dem bewohnten Bereich herunterziehen? Heißt das ebenfalls durch die Decke durch oder bis auf den Lehm? Wobei ich dann nicht weiß wie ich die Folie mit dem Lehm verbinde. Reicht es nicht sie einfach ca 50-75cm über dem Wohnbereich zu verkleben? ....und bitte ohne Fachbegriffe erklären.
Besten Dank für die Antworten. Sie sagen mir das wir vom Grund her richtig liegen.
Ringo



Dampfbremse ohne Unterbrechung



Die Dampfbremse irgendwo enden zu lassen, birgt ein großes Risiko. Die Dampfbremsen an der EG-Außenwand muss, wenn diese Dämmung denn tatsächlich so ausgeführt werden soll, mit der Dampfbremse des Dachgeschosses luftdicht verklebt werden. Alle Balkenauflager müssen ebenfalls verklebt werden.
Zu Dingen wie Styropor und Ortschäume brauche ich mich glaube ich nicht mehr zu äußern. Dazu gibt es einiges im Forum.
Ich denke, dass bei diesen Gegebenheiten ihr Architekt doch erst mal in der Pflicht ist ihnen die entsprechenden Details auszuarbeiten.





@ Ringo

Habe die Detailzeichung verbessert hier noch einmal ein horizontaler Schnitt:


Das mit dem Bauschaum und dem Styrodur hört sich nicht so gut an. Mein Vorschlag zu Zeichnung 1 bezieht sich auch auf die Wärmeleitung der Kappendecke("Kältebrücke") und nicht nur auf die angrenzende Außenwand. Mein Vorschlag zur Zeichnung 3 hast du genau richtig verstanden. Aber mit "Folie" wirst du das nie und nimmer fachgerecht realisieren können. Vielleicht wäre es sinnvoller gewesen die Dämmungsfrage vor Ausführung gründlicher zu klären.

Gruß

L. Parisek



Dämmebenen



Wie bereits hier mehrfach von unseren Fachmitgliedern erläutert, sollte bei der Ausführung der Winddichtungsmaßnahmen (bitte keine Luftdichtungslösungen; Luftballonprinzip herstellen!!)für die entsprechenden Dämmaßnahmen sehr präzise gearbeitet werden.
Eine 100%ige Lösung im Baukörper wird es nie geben, doch eine Annäherung an diese, sollte man schon beachten.
Dies bedeutet als, daß innenliegende Dämmschalen an den Gebäudeaußenwänden stets durch die Konstruktionsbauteile in deren Stärke hindurchgeführt werden sollten.
Wird fast bei keiner Baumaßnahme so umgesetzt, doch dies sind dann eben die kritischen Schwachpunkte, wo in den einbindenden Bauteilkonstruktionen andere Temperaturverhältnisse sich abspielen bzw. entwickeln und somit genau dort die Bauschadensentwicklung beginnt.
Fast jedes Trockenbaufachunternehmen schraubt auf und an die Decken ihre Montageprofile und baut ihre Trockenbauwandkonstruktion schön fluchtig und gerade vor die Bestandswände und schließt diese mit Dämmung, Folien und Montageplatten (Gips, Fermacell). Eine Einbeziehung der Dämmaßnahmen in die Boden- bzw. Deckenbereiche wir kaum mit vollzogen, somit entstehen gerade in diesen Bauteilbereichen extreme Temperaturgefälle und -strömungen, wo sich rasant Bauschäden entwickeln werden.
Also achten Sie bitte peinlichst auf eine gute Ausbildung und Herstellung von homogenen Dämmebenen mit den dazugehörigen Winddichtungsmaßnahmen.
Nachfolgend sehen Sie einmal ein Foto, wo wir zwar den Bauherren komplett betreut und auch verarbeitungstechnisch beraten haben und er sich selbstkritisch alles auch zutraute, war nachher dann dieses Ergebnis entstanden.
Dann ist guter Rat teuer!
Wenn Sie Lehmfüllungen in Ihren Zwischenkonstruktionen haben, sollte auch auf eine gute Kombination der nachfolgenden Dämmaterialien geachtet werden (Sorptionsverhalten, Speichervermögen!).
Eine eingeblase Dämmung kann da bereits sehr sinnvoll sein und auch eine gute Kostenersparnis bringen.
Zu weiteren Fachtipps stehen wir gern mit zur Verfügung.

Grüße Udo