Nachtr. Dachdeckendämmung bei Holzbalkendecke - Feuchteproblem

01.01.2009



Hallo zusammen,
wir wohnen in einem Mehrfamilienhaus mit einer Holzbalkendecke als oberste Geschossdecke zum ungedämmten Dachboden. Vor einem Jahr wurde diese Decke neu gedämmt mit folgendem Aufbau von innen:
-Putz mit Rohrschilfgeflecht (vorhanden)
-"Luftfolie" zum Schutz
-Dampfbremsfolie (oder -sperre) sd-Wert noch nicht bekannt
-Dämmung d=20cm mit 0,035
-Spanplattenbelag in allen begehbaren Bereichen
Die Dampfbremsfolie wurde über die Sparren geführt uns nicht geschnitten.
Jetzt zum eigentlichen Problem:
Bei den derzeitigen Temperaturen unter Null Grad tritt massiv Feuchtigkeit in den Aussenecken der Zimmer auf sowie an der kompletten Giebelseite. Darüber hinaus sind die Fenster im unteren Bereich des Glases nass. Die Werte der Hygrometer liegen im normalen Bereich zwischen 50 und 60 Prozent.
Die Fragen sind:
ist es richtig die Folie auf den Sparren fortzuführen oder besser zu schneiden?
Wie kann ich die Feuchtigkeit gerade in den Ecken verhindern?
Für eine Anregung bin ich sehr dankbar.





Das Schneiden der Folie führt immer zu schwachstellen, egal wie und womit die Folie wieder verklebt wird, also nach möglichkeit immer ungeschnitten verarbeiten.
Überprüf einmal ob die Dampfsperre/bremse am Randbereich zum Giebel/Putz luftdicht verklebt ist, nicht mit Klebeband sondern mit einer dichtmasse(Primur, o.ä.).
Bei dem Aufbau den ihr habt sollte nach möglichkeit auch eine Belüftungsebene sein, das heißt das die Dämmung nicht direkt voll unter die Spanplatten liegt sondern 1-2 cm vorher aufhört.Also anstatt einer 20er Dämmung eine 18er Dämmung.
Das sind jedoch nur geschätzte Angaben aus der Ferne.



Besichtigen!!



Die beschriebene Situation ist zwar gut und schön, doch sollte man für detaillierte Lösungsversuche eine präzise vor-Ort-Besichtigung organisieren.
Aus der Ferne kann eher noch mehr Mist passieren, als das man positive Herangehensweisen ableiten kann.
Also suchen Sie sich einen versierten Fachmann, der eine Fachkenntnis über Winddichtungsebenen besitzt.
Auch die Fa. proclima könnte man ansprechen und über die technische Abteilung kontaktieren.
http://www2.proclima.com/co/DE/de/service.htm

Sind Sie Eigentümer dieser Immobilie?
Wenn nicht, ist Ihr Vermieter bzw. Besitzer darüber zu informieren und zur Abstellung der Mängel verpflichtet.

Grüße in den neuen Tag von 2009.
Udo Mühle



Randbereich zur Giebelwand



Vor der Giebelwand sitzt ein Balken mit einem geschätzten Abstand von ca. 1cm. Die Folie ist hier also bis zur Oberseite des Balkens geführt und hier mit Klammern befestigt. DerSpalrt zwischen Balken und Giebelwand ist ungedämmt. Allerdings kann hier auch keine Dampfbremsfolie eingebaut werden.
Ich habe mir die Seite von "proclima" angesehen. Sehr informativ, was die Fläche angeht, allerdings gehen die Infos nicht auf dieses Detail ein. Ich werde mal die Serviceinfo anrufen, wenn die wieder arbeiten.



Luftfeuchte



Guten Tag,

das Problem der Feuchte an den Giebelwänden liegt meiner Ansicht nach an der nachträglichen Dämmung des Daches, wobei die geschilderte Ausführung bauphysikalisch in Ordnung scheint. Sollten die Giebelwände nicht von außen "gedämmt" sein, ist diese Oberfläche im Vergleich zur Dachfläche eine großflächige Wärmebrücke. Abhilfe schafft hier eine Innendämmung mit Kalziumsilikatplatten. Die Bildung von Feuchte im Fensterbereich deutet auf eine zu hohe Feuchte in den betreffenden Räumen hin. Generell eine korrekte Feuchte von 50 - 60% anzunehmen ist nicht ganz richtig, da außentemperaturabhängig. In den Wintermonaten mit Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt oder darunter, sollte die Feuchte 50% auf keinen Fall überschreiten. Die Differenz zwischen Luftfeuchte außen (im Winter sehr gering, da "trockene" Kälte) und innen ist in diesen Fällen maßgebend. Abschließend: Luftfeuchte ca. 40 - 43%, bei trotz allem auftretendem Schimmel, Dämmung mit alkalischen Kalziumsilikatplatten
Ingenieurbüro
Dipl.-Ing. Jürgen Brause



Nun



Ein überprüfen der Folie und der Anschlüsse ist durchaus sinnvoll.
Aber bevor alles schlecht geredet wird, noch eine kleine Anmerkung.
Die Feuchtigkeit muss nicht zwingend von einer vermutlich schlechten Verabeitung der Dampfbremse und der Anschlüsse kommen.
Hierbei kann es sich genauso um Kondenswasserbildung an den Wänden handeln, weil die Wandoberfläche die Taupunkttemparatur unterschreitet und es somit zu Kondenswasserbildung kommt.
Zwar ärgerlich, aber nicht verwunderlich man hat ja die Bauphysik des Hauses durch diese Massnahme verändert.
Mögliche Abhilfe evtl. Raumtemparatur anheben, Lüftungsverhalten ändern. Stoss- oder Querlüften, Fenster nicht kippen.
Eine Innendämmung anzubringen ist generell problematisch und ohne genaue Berechnung nicht zu empfehlen.

Grüsse