folie, Balken, Decke, gelernt, durchatmen

17.01.2006



Hallo,

wir renovieren z.Zt. unser Fachwerkhaus. Wir haben jetzt zwei Probleme, die uns etwas größere Sorgen bereiten.

Wir haben, um die Decke des Obergeschosses zum Dachboden zu dämmen (größtenteils Lehmdecken), auf dem Boden großflächig eine Plastikfolie ausgelegt. Darüber befindet sich Mineraldämmwolle. Die Balkenfüße sind in Plastik eingepackt. Das alles wurde von unserem Architekten so geplant, der darin auch kein Problem sieht. Ich bin kein Handwerker.

Durch das Verputzen der Räume ist sehr viel Wasser ins Haus eingebracht worden.

Ein Teil dieses Wasser hat sich wohl auch im Dachgeschoss niedergeschlagen.
Und zwar an den Plastikverkleidungen der Balken. Dort kondensiert es und läuft in die Plastikverkleidung. Dort kann es nicht mehr hinaus. Dadurch fangen die Balken bereits an zu schimmeln. Unter den Dämmstoffmatten ist es (noch?) trocken, soweit wir das überblicken konnten.

Wie gesagt: Unser Architekt findet das nicht so problematisch. Seiner Meinung nach ergibt sich das Problem im Sommer, wenn es draußen trockener wird. Ich aber bekomme ein sehr schlechtes Gefühl, wenn ich nur an meinen Dachstuhl denke. Vielleicht ist er bis zum sommer schon weggefault.

Was denkt das Forum darüber? Sollten wir die Balken (zumindest vorübergehend?) freilegen?

Zum zweiten Problem:

Um die Fenster herum ist eine Holzverkleidung geplant. Die Wandbalken sind allerdings noch sehr feucht. Hier wollen wir bis zum Sommer mit dem Einbau warten. Wie aber
sollen wir die Fensterlaibungen isolieren? Um die Fenster herum befinden sich noch zahlreiche Luftschlitze. Und wenn wir die Laibungen ohne Isolierung einbauen zieht es mit Sicherheit ganz schön durch. Was ratet Ihr uns?

In froher Erwartung auf zahlreiche Antworten



Wie bescheuert muß man eigentlich sein...



um so einen Bockmist anzuordnen!
Tschuldigung, aber außer krasse Töne fällt mir da nix mehr zu ein.
Unten wird Feuchte warme Luft produziert, die es sowieso schon schwer hätte sich nach oben gegen die kalte Luft auszutauschen und abzudiffundieren. Nein, dann auch noch eine PE-folie drauflegen, um das Problem zu verstärken.
Raus mit der Folie, den Architekten damit einwickeln und immer mit der Argumentationshilfe (4/6er Kantholz, 1 m lang) draufhauen. Sorry, aber da platzt mir der Kragen.
Über die Bauzeit haben Sie so zeitlich kein Problem einen ordentlichen Schimmelrasen und anschließende Luftmyzele für einen beginnenden holzzerstörenden Befall zu produzieren.
Sie haben schon eine Lehmdecke drin, warum nicht eine Ladung Blähton draufkippen und gut ist. Konstruktive lösung, dämmt auch gut, ist nicht zu schwer und die Ökologen-Seele hat auch ihre Ruhe.
Grüße aus Leipzig von
Martin Malangeri



Tief Luftholen



Bei der Lektüre Eurer Frage muss man wirklich erst mal tief durchatmen. Ein echter Rückschlag für den Berufsstand der Architekten. Ich schliessse mich dem Vorschlag von Martin Malangeri an. Dämmung aus Blähton ohne Dampfbremse und dergl.

Euer Archi wird vermutlich auch vorschlagen, die Fensterleibungen mit Schaum zu füllen. Hände weg davon. Nehmt Hanf oder Kokosfaser dafür.

Beste Grüsse,
jh



Tief durchatmen



musste ich auch - als Laie - immerhin.

Sorry, aber d e n Archi (da fehlt das s vor dem c) würde ich in den Wind schießen. Eingewickelt in seiner Folie und der Mineraldämmwolle. Fachwerkhauserfahrung hat d e r ganz sicher nicht. Selbst unter denen mit Erfahrungen gibt es solche und solche.

Wir nehmen Ceralith (heute auf 60 m² zwischen die Lagerbalken eingebracht. Arbeitszeit ca. 3 Std., fürs Material gibt es dann auch noch Förderung) und Lehm, drunter jeweils einen Rieselschutz aus armiertem Papier. Fenster und Türen werden mit Hanf abgedichtet. Gut isses.

Grüße
Ulrike



Unverschämtheit



Konfrontiert einmal Euren Ar(s)chitekten mit der Frage:
Planerische Gewährleistung für Architekten! Diese liegt bei 30 Jahren, doch nach diesen Lösungen in Eurem Bau, ist nach wenigen Jahren das Haus flöten.
Den Meinungen unserer Communitymitgliedern schließen wir uns in vollster Weise mit an und teilen auch diese Beurteilungen.
Man muß sich fragen, welche Lehrmeister da an der Bildung beteiligt waren und was damit hinterlassen wurde.
Versucht umgehend diese Folien zu entfernen und an den Balkenköpfen so tief wie Ihr herankommt, diese herauszuschneiden.
Danach grundlegend abtrocknen lassen und mittels einer sorptionsfähigen (atmungsaktiven und feuchteregulierenden!!)Dämmvariante neu aufzubauen.
Sollten Sie dazu kongrete Fragen haben, können wir Ihnen gern behilflich sein und Sie unterstützen.
1 Vorschlag könnte sein, Pellito-Trockenschüttung und anschließende Holzweichfaserplatte aufgelegt, einbringen.
Oder eine Lehmleichtbefüllung mit anschließender Lehmpaneelbelegung.

Fachgrüße und trotzdem noch Kopf schüttelnd
über Ihr bauliches Dilemma nachdenkend,

Udo Mühle



Tief durchatmen!



Hallo!
Der arme Architekt!
.. aber der hat das doch so gelernt .. und es stehen allerlei Fachliteraturen und Anweisungen der Bauindustrie und der A-Kammern zur Ansicht und zum Kauf bereit, in denen diese Art von baulichem Wärmeschutz und Abdichtereiwahnsinn propagiert werden.
die Ausbildung an den Unis oder und Fachhochschulen werden doch nicht nach der Realität gemacht, sondern nach dem "Mainstream" und da halte ich gar nichts von (auch nicht von Gespinsten und ähnlichen Dämmereien)

Die obligate Sperrfolie ist genau so verbreitet wie die Teerpappe unter den Balken und der Zement und Kunststoffanteil in den Kalkputzen (auch Lehmputze werden schon damit verseucht - da lässt sichs dann "besser" verarbeiten!!!

In dem Fall würde ich, wie schon beschrieben:
Handbremse ziehen - die fachlichen Argumente vom A. aufschreiben und ihn dazu nötigen eine Stellungnahme über die "Haltbarkeit" und die Gewährleistung seinerseits herauszurücken!

Sie müssen in dem Haus leben und auch noch die Schäden bezahlen!
Evtl. einen Rechtsbeistand nehmen um alles "hieb und Stichfest zu machen"

Glück auf

Florian Kurz



So schnell verfault doch nichts!



Stellen Sie so schnell wie möglich erstmal einen (oder mehrere) Luftentfeuchter auf, um die Feuchte zu reduzierenist doch logisch, das um diese Zeit wenig austrocknet.
Dies deswegen weil, die Fenster (und alle anderen Öffnungen) wegen der Kälte geschlossen bleiben.
Wie soll denn da die Feuchte rauskommen?
Die sonstigen technischen Details (Fehler) sind doch gut beschrieben.



na ja,



selbt wenn er das mit der folie gelernt hat, müsste er doch auch gelernt haben, dass die ausführung luftdicht zu sein hat?
das jedenfalls ist eine katastrophe und hat ja mit Dampfsperre nichts gemein, egal wie man dazu steht.
das ist pfusch, da gibts nichts zu beschönigen.

@fam. hangen

bevor sie das rausreißen, nehmen sie sich einen Anwalt und einen sachverständigen! das muss einfach protokolliert werden. sowohl die kosten für die beseitigung als auch die schadensbehebung und andere mögliche schadenersatzansprüche würde ich nicht auf mir sitzen lassen. hoffentlich ist der mensch ausreichend haftplichtversichert.



so nicht natürlich



Hallo,

natürlich geht das so nicht! Wie kommt der Architekt aber auf so eine Idee? Dass er das wirklich so gelernt hat, glaube ich nicht. DIESER Architekt hat nur nicht verstanden, was er gelernt hat. Und das ist schlimm, schlimmer noch , als nichts wissen, denn das bringt nicht nur Bauschäden, sondern immer noch mehr böses Blut wider die "Schularchitektur".

Was passiert da nun wirklich bei Ihnen in der Decke? Also: Die Raumtemperatur fällt natürlich über Decke und Dämmung bis auf die Temperatur im Dachraum ab. Der Temperaturabfall passiert zwar hauptsächlich in der Dämmschicht, aber auch (und das ist hier entscheidend), in der Deckenkonstruktion. D.h. an der Folie herrscht eine andere Temperatur, als im Raum, und wenn diese Temperatur (bei ca 20 Grad Zimmertemperatur und einer gar nicht so hohen Luftfeuchte von 65% im Raum) unter 14,5 Grad liegt, dann wird die Folie nass, und so auch die Balken (auf der Innenraumseite) und dann schimmelt das recht bald.

Also: Wenn eine Folie, dann muß sie mehr in die Wärme (d.h. auf die Innenseite der Lehmdecke). Aber besser verzichten sie ganz darauf.

Was sie brauchen, ist eine luftdichte Decke. Das haben sie aber z.B. schon wenn Sie durchgehend und rißfrei verputzen. Es gibt aber noch andere, folienfreie Wege dorthin.

Aber bitte: Lassen sie das von jemandem planen, der auch ein bisschen was von Bauphysik versteht.

Viele Grüße,
Andreas Schmeller



Ausbildung



Servus,

in der Studienzeit kann, darf ein angehender Architekt freiwillig zwei Wochen auf der Baustelle mitarbeiten.
(ist das immer noch so?)

@Florian Kurz
Ihre Beiträge,Als Dipl.Ing.(FH)haben mich, meine Wenigkeit, oft beeindruckt.
So kann ich sagen, der erste Gedanke war bei mir ähnlich... der arme Architekt...
Sollte nicht noch mehr Praktisch gelehrt werden?Theorie geht fast immer.Mit Nullen und Einsen baue ich auch ein Haus-theoretisch.
Sowieso ist Altbau doch eine ganz andere Verantwortung...

Mit freundlichen Grüßen
Mladen Klepac



Ergänzung des Bauherren



Ich möchte mich erstmal für die zahlreichen Antworten bedanken.
Wir hatten soeben ein Treffen mit unserem Architekten. Er hat auch sehr schnell eingesehen, daß es so nicht bleiben kann. Allerdings hält er die Folie nicht für grundsätzlich falsch. Es handelt sich bei der Folie um eine diffusionsoffene PE-Folie. Das hatte ich vorher nicht erwähnt. Nasse Stellen sind auch nur erkennbar an den Balken. In der Fläche ist es unter der Folie "furztrocken". Der Knackpunkt scheint die Grenzfläche Folie/Luft zu sein.
Er will sich über das Wochenende Gedanken machen und externen Rat einholen. Nächste Woche soll dann gehandelt werden. Ich halte alle Interessierten gerna auf dem Laufenden.
MfG
Christian Hangen