Wandaufbau KFW70

16.06.2013 OGGI



Hallo,

sind ganz neu hier und hoffen auf gute Tipps.
Wir bauen ein Fachwerkhaus von 1720 neu auf. Haben KFW Förderungsmittel für ein KFW70 Haus beantragt, sind uns aber über die Dämmung des Innenraums unschlüssig.
Bisheriger Plan des Wandaufbaus sieht wir folgt aus:
Ständerwek ist ausgemauert mit Lehmstein. Eigentlich sollte dann eine 80mm starke Holzfaserplatte folgen mit einem 20mm Lehmputz. Dies wird dem Standart wahrscheinlich nicht entsprechen.
Weiß jemand andere Möglichkeiten für den Wandaufbau, damit wir KFW70 erreichen?

VLG Oggi&Nadine





Warum möchtest Du das Ständerwerk mit Lehmstein ausmauern?

Da das Gefach statisch nicht tragend ist, könntest Du es auch mit Holzweichfaser ausfüllen.



KFW 70



Ein 300 Jahre altes Fachwerkhaus und der KFW 70 Standard passen nicht zusammen.



Förderung



Die KfW-Förderungen mögen dem Neuerrichter eines Niedrigenergie- oder Passivhauses eine gewisse Motivation sein. Im Altbau- und insbesondere Fachwerkbereich sorgen sie in vielen Fällen für vorzeitigen Gebäudetod, bringen der Umwelt nichts und entlasten auch nicht das Baubudget.

Um ein altes Haus mit dem Gebäude angemessenen und dauerhaft funktionierenden Mitteln vom Energieverbrauch her zu optimieren, sind KfW-Vorgaben keine Empfehlung.

Da zur Förderung im Vorfeld eine offizielle eingehende Beratung gehört, wäre ebendieser Berater die richtige Adresse für solche Fragen, denn Forumsantworten lassen sich schwerlich belegen und gegenüber der KfW abrechnen.

Vielleicht hilft ja dieses Buch weiter:

http://www.oekobuch.de/buecher/bauen-und-renovieren/vom-altbau-zum-niedrigenergie-und-passiv-haus.htm

(soll jetzt keine persönliche Empfehlung sein, nur ein sachdienlicher Tipp)



War bingt



die Förderung?

Und welche Maßnahmen müssen dafür ergriffen werden?

Ich denke hier stimmt das Verhältniss nicht.

Grüße



ggw. Zins: 1% !



nun ist es ja keinesfalls so, dass die KfW nur Maßnahmen nach dem KfWxx Standard fördert.

Es gibt immer noch die Einzelmaßnahmen (z.B. obere Geschossdecke, Fesnter, Türen) und es gibt ein Programm für denkmalgeschützte Häuser.

https://www.kfw.de/media/pdf/download_center/foerderprogramme__inlandsfoerderung_/pdf_dokumente_2/59591.pdf

Ein Bauwerk von 1720 könnte da vielleicht ja ganz gut unterkommen, es sei denn von der erhaltenswerten Substanz ist nicht mehr übrig als das Baujahr auf dem Papier. Dann wird allerdings schwierig, weil ja auch unabhängig von der Förderung bestimmte Vorgaben einzuhalten sind.

Ein transloziertes Ständerwerk wird m.W. ohnehin wie ein Neubau bewertet.

gruß

G



FWH KFW 70



…das passt nicht zusammen.
In diesem Fall passt mein Motto nicht!
SG



Unabhängig von der technischen Machbarkeit...



Hallo Oggi & Nadine,

jetzt mal unabhängig davon, ob/wie man KfW 70 Neubaustandard mit einem alten Fachwerkhaus schafft: Steht Euer Haus unter Denkmalschutz? Wenn ja, benötigt Ihr sowieso egal für welche KfW-Massnahme immer einen Energieberater für Denkmale.

Wobei... Ihr schreibt Ihr habt die Fördermittel bereits beantragt? Dafür braucht man doch die Unterlagen bereits...?

Viele Grüße

Dirk



Unterlagen



Nicht nur im Bezug auf Denkmalschutz, sondern überhaupt hätte das detaillierte Dämmkonzept zum Zeitpunkt der Beantragung bereits komplett stehen müssen, dazu sind ja die beauftragten Energieberater da, damit diese die Dämmkonzepte berechnen und entwickeln.



Habe...



...mir gerade bei der Oma einen 5stelligen Betrag für die quadratur des Kreises geliehen.
Wie muss ich vorgehen?

Wenn Ihr die Mittel beantragt habt, gehört Euer Konzept, wie schon erwähnt, zum Antrag. Das ist m.E. vom Energieberater zu erledigen. Wenn das fehlt, wird der Antrag vermutlich nicht genehmigt werden.
PS:
Die auf den ersten Blick günstigen Zinsen vieler KFW Darlehen werden neben den damit verbundenen Auflagen i.d.R von einem "Tilgungsfreien Anlaufjahr" überschattet. D.h. im ersten Jahr werden nur Zinsen gezahlt, nichts getilt. Auf die Laufzeit betrachtet sind die Zinsen dann schon weniger attraktiv.





Hallo,
schönen Dank für die Zahlreichen Antworten. Zur Aufklärung: Unsere Energieberater haben zu Anfang behauptet alles sei möglich, sogar ein Passivhaus!!(scheinbar fehlendes Fachwissen)
Das Haus wurde so berechnet, dass Innendämmung dem Neusten Standard entsprechen würde.
Dann nach eigener Aufarbeitung bezüglich der Dämmung, wurde uns schnell bekannt, dass es Bauphysikalisch nicht machbar ist, und unserem Traum von einem alten Fachwerkhaus Schaden wird.

Frage wäre jetzt gewesen: wie lösen am geschicktesten und fachmännisch korrekt den Wandaufbau?
Alle anderen Details stehen bereits fest.

Viele liebe Grüße Oggi&Nadine



Nochmal: Denkmalschutz? Ja oder nein?



Hallo Oggi,

die Fragen sind wichtig:

Steht das Haus unter Denkmalschutz? EINZELDENKMAL oder Ensembleschutz?

Wenn ja: Hat das irgendwas mit der Fassade zu tun?

Hat das Haus Sichtfachwerk? Zu allen Seiten?

Ohne diese Informationen ist nicht klar, was alles "geht". Ein Foto des Hauses wäre auch nicht schlecht...


Grob über den dicken Daumen ist beim Fachwerkhaus - wenn man sich für Dämmung entscheidet - Außendämmung einfacher und risikoloser als Innendämmung.

Da hier recht viele komplett gegen Dämmung eines Fachwerkhauses sind, traue ich es kaum zu sagen: rechnerisch schafft unser altes Fachwerkhaus auch den EnEv 100er Neubaustandard. Das liegt daran, dass wir wegen Brandschutz außen dicke Brandschutzplatten anbringen mussten, die einen recht guten Dämmwert haben. Sichtfachwerk haben wir nur zur Straße, da gibt es eine Innendämmung mit Holzfaserplatten, darauf Wandheizung damit der Taupunkt "aus der Wand wandert". Und in 1/3 des Hauses mussten wir eine neue Mauer hinters Fachwerk stellen, um die Lasten für das Dach und den Dachboden abzutragen. Dazwischen dann noch Perlite, das dämmt auch gut. Normale Doppelverglasung statt der eingeworfenen Scheiben, Dachdämmung ist schon drin, Kellerdecke wird noch gedämmt.

Und ja, es ist wohl tatsächlich fraglich wann sich das jemals rechnet...

Viele Grüße

Dirk - nur Häuslesanierer, kein Experte: seht mir bitte fachliche Ungenauigkeiten nach



Denkmalschutz



Hallo Dirk,

nein, unser Haus hat keinen Denkmalschutz.
Es stand einst in Bremen und wurde bei uns im Sauerland neu aufgestellt.
Sichtfachwerk zu allen Seiten.





Hallo Sebastian,

ok, bei einem translozierten Gebäude ohne Denkmalschutz schaut das schon mal anders aus. Habt Ihr das Haus gerade erst versetzt oder steht es da schon länger?

Sprich: Müsst Ihr Euch an neue Bauauflagen halten, Energiewerte schaffen etc. um die Baugenehmigung zu erfüllen - oder wollt Ihr ein schon länger an dem Ort stehendes Haus dämmen?

Je nach Lage des Hauses ist eine Bekleidung der Fassade mindestens auf der Wetterseite sinnvoll. Wäre es für Euch ok, dass man das Sichtfachwerk nicht mehr sieht? Stehen in der Nähe "originale" Fachwerkhäuser - und wie ist deren Wetterseite gestaltet?

Wo genau steht das Haus denn im Sauerland? Schau' doch mal wo es bei Euch in der Nähe eine Aussenstelle der Interessengemeinschaft Bauernhaus (IGB) gibt. Über die IGB findet Ihr Experten und Fachwerkfans, die Euch vor Ort weiterhelfen können - auch wenn Euer Haus kein Bauernhaus ist.

Viele Grüße

Dirk



Folklore?



Im Sauerland wird traditionell üblicherweise anders gebaut als im Bremer Umland, die Wetterseiten werden im Sauerland meist verschiefert oder mit Walzblech verkleidet (frühe Industrialisierung, also ist auch das traditionell).

Die beschriebene Dämmung (Holzweichfaserplatte) zusammen mit dem Wandaufbau (Lehm) ist ja grundsätzlich okay und bis zu einem bestimmten Level ausbaufähig, also z.B. 140mm statt 80mm Plattenstärke und Dämmlehm, dazu ggf. eine Vorhangfassade, bis Euer Energieberater die von der KfW geforderten Werte erfüllt sieht. Das Ganze sollte sich aber, um einem verfrühten Gebäudetod entgegenzuwirken, auch ein Fachwerkexperte mal ansehen bzw. sich mit dem Energieberater absprechen. Mir scheint, für die heutigen Energieberater gilt oft der Grundsatz "Picking the low hanging fruits… ".

Ob das alles sinnvoll ist, steht auf einem anderen Blatt.

Hier bei uns im Rheinland stehen in einem Dorf ein paar neu errichtete Fachwerkhäuser in einem Baustil, wie er sonst nur in Niedersachsen zu finden ist, inkl. der gekreuzten Pferdeköpfe im Giebel. Sind zwar nett anzusehen, werden aber von allen nur als Fremdkörper angesehen.