Flußsteine auf Ziegelsteinfundament - machbar? Mit Foto

17.10.2016 Hausböckchen



Guten Morgen,

Ausgangssituation:
Fachwerk auf Flußsteinfundament gegründet und teilweise auch noch vorhanden, hat vermutlich um 1900 neues Ziegelsteinfundament bekommen. Das Ziegelsteinfundament ist ca. 1m tief.

Nun die Frage:
Ist es möglich, den oberen Teil des Fundaments ab circa 2-3 Ziegelreihen unter Gelände bis zum Schwellbalken wieder mit Findlingen zu erneuern? Verträgt sich das - Findling auf Ziegelstein?

Was meint der Fachmann?

Foto zeigt teilweise noch erhaltenes Findlingfundament und unten den Übergang zum Ziegelsteinfundament.

Beste Grüße
hausböckchen



Fundament



Ich kann den Sinn des Vorhabens nicht nachvollziehen.
Haben Sie schon einmal versucht, rundliche Findlingssteine zu vermauern?
Was ich nachvollziehen kann ist der Wunsch die Untermauerung der Schwelle im Spritzwasserbereich so zu gestalten das möglichst wenig Wasser an die Grundschwelle kommt. Das Problem kann man (ein guter Maurer) sowohl mit Natursteinen als auch mit Klinkern lösen.



Vieles geht...



....doch sollte es auch Sinn machen.



Damit anfangen?



Guten Morgen,

Herr Böttcher, wenn ich den Maurer von nebenan beauftragen wollte, bräuchte ich nicht in einem Forum für "Fachwerk-Selbstmacher" nachfragen.

Ich fragte nach der technischen Möglichkeit Naturstein auf Ziegelstein zu legen. Was ist das Ergebnis einer Sinn-Klärung? Der Sinn dürfte sich von alleine darstellen:

1. Findlingsfundament ist historisch vorgegeben. Also dürfte es erstrebenswert sein, den Originalzustand wiederherzustellen.
2. Das Ziegelfundament ist im oberen Bereich erneuerungsbedürftig. Formziegel für die obere Rollschicht kosten ne Menge Geld. Findlinge sind kostenlos, da tausendfach vorhanden.
3. Das Ziegelfundament unter ok Gelände ist in Ordnung. Warum also entfernen und gegen ein komplett neues Findlingsfundament tauschen, wenn hier doch die obersten Ziegelreihen durch Findlinge getauscht werden könnten.

Ich denke da an ein Vermauern in TrassKalkMörtel ab der Ziegelschicht 3 Lagen unter Gelände.

Jemand noch eine Idee?



Fundament



Das ist kein Forum für "Fachwerkselbstmacher" sondern für Fachwerk.
Mir geht es in erster Linie um die Verwendung von "Flußsteinen", also runden Steinen.
Das liegt daran das ich von Beruf u.a. Maurer bin.
Solche Steine lassen sich schlecht bis gar nicht vermauern, jedenfalls nicht ohne die Hilfe von reichlich Zement im erdfeuchten Mörtel. Wenn so etwas früher gemacht wurde dann nicht weil man es schick fand sondern als Notlösung da anderes Material zu teuer war und die Zurichtung runder Steine zu aufwändig. Man musste sie spalten um wenigstens eine einigermaßen gerade Lagerfuge zu erhalten oder aufwendig verzwicken.
Ob Sie mit solchen Techniken vertraut sind halte ich für fraglich.
Trotz aller Sorgfalt kommt dann immer noch ein wenig tragfähiges zweischaliges Mauerwerk heraus das auf der untersten Stufe der Qualität steht. Für Sockelmauerwerk sind behauene Werksteine, am besten Quader, viel besser geeignet weil sie gleichzeitig eine sichere waagerechte Abdichtung schaffen.
Hartgebrannte, frostsichere Klinker sind auch geeignet. Ich empfehle Ihnen die vorhandenen Ziegel des Sockelmauerwerkes wieder zu verwenden. Die Wasserableitung an der Schwelle kann mann dann gleich mit neu gestalten.
Zum historischen Kontext und zum Stil:
Bauliche Mängel werden nicht automatisch stilvoll weil sie alt sind, sie sind dann Zeitzeugen und sagen etwas über ihre Erbauer und deren wirtschaftliche Notlage aus.

Hier auf dem Foto trifft Ihr Begriff vom "Fachwerkselbermacher" zu. Es gibt eine Menge weiterer baulicher Fehler die einem Zimmerer nicht untergekommen wären, ebenso einem Maurer.
Das soll nicht abwertend sein sondern das Thema Zeitzeugnis unterstreichen.
Da müssen Sie nicht unbedingt verschlimmbessern.





Ich wählte bewusst den Ausdruck "Fachwerkselbermachforum", da ein Großteil der Leute, die hier Fragen stellen, Eigenarbeit leisten wollen. Sicherlich gibt es auch den ein oder anderen, der einen Großteil an Firmen vergibt und nur sich die ein oder andere Tätigkeit eben dieser rückversichern möchte. Diese dürften aber wohl in der Minderheit liegen.

Eine Notlösung? Man verwendete was da war. Und es hat funktioniert. Warum soll man diese, zudem deutlich schönere Optik, im Vergleich zum Formziegel aus 2016er Industrieproduktion nicht verwenden? Strohwickel bewahre ich ja auch, weil sie historisch wertvoll sind. Sie sind auch nur eine Notlösung.

Mich würde einfach interessieren, ob ein in reichlich Trassmörtel eingelegter Findling (welche nicht rund sondern eher eckig bis oval sind) aufgelegt auf ein Ziegelsteinfundament Probleme geben kann, da zwei unterschiedliche Mauerungsvarianten gemischt werden.

Zu Ihrem letzten Kommentar muss ich noch wie folgt Stellung nehmen:
Das Haus wurde vom Vorbesitzer immer durch Betriebe der einzelnen Zünfte instand gehalten. Was man sieht ist die Arbeit von Maurern und Zimmerleuten. Nicht von "Fachwerkselbermachern". Hätten diese Handwerker sich mehr mit dem Thema Fachwerk und seine ordnungsgemäße Instandsetzung auseinandergesetzt, würde nicht sowas entstehen. Das ist was, was ich als NUR "Selbermacher" im Voraus habe.

Gruß
Hausböckchen



Fundament



Dieses Forum heißt Fachwerkhaus- Forum und nicht "Fachwerkselbermachforum".
Für mich spielt es vordergründig keine Rolle ob jemand Arbeiten selber macht oder ausführen lässt. Es geht um die Qualität die dabei herauskommen sollte.
Dieses Forum will Leuten helfen fachlich richtige Entscheidungen zu treffen, egal ob Handwerker, Bauherr oder Selberbauer.

Wenn Sie meinen das die Eckverbindung der Schwellen auf Ihrem Foto von einer Fachfirma gemacht wurde dann mag das sein. Für mich ist es Pfusch, egal ob von einem Obi-Jünger der seine Fachkenntnisse bei Helpster im Internet erworben hat oder von einem gutbezahlten Handwerker.



Handwerker ist nicht gleich Handwerker!



...um jetzt auch den Druck hier einmal wieder etwas herauszunehmen, muss ich mal sagen, dass Handwerker nicht gleich Handwerker sind.
Früher, wie heute nicht.
Nur in den letzten über dreißig oder gar mehr Jahren, hat die aufstrebende Großindustrie vieles an guter Handwerklichkeit mit Substanz gewandelt.
Das Nachhaltige ist da eher nicht mehr vordergründig.
Warum auch?
Es geht fast nur noch ums verkaufen und nicht mehr um fachlich gute und nachhaltige Qualität!

Dieses Forum soll als Anreiz und als Grundlage für überlegtes, fachkompetentes und auch sinnvolles Bauen im Bestand, sowohl aber auch im generellen Bauen und Umgang mit baulicher Substanz betrachtet werden.
Leider verkommt es aber immer mehr zur Selbstbaumanie und der Thematik, Fachleute helft, aber ich möchte es so billig wie möglich übers Internet gleich haben.
Den Fachmann vor Ort kommen lassen, ist da immer weniger gewollt.

Zurück zm Thema!
Ich würde der Konsequenz halber, das komplette Fundament in Feld- bzw. Flusssteine neu erstellen.
Ziegel unterliegen einer Zersetzung durch Feuchte und Frost.

Lehm-Strohwickel sind leider keine Notlösung nur gewesen.
Sie sind überlegt und der Region und auch der finanziellen Situation geschuldet, eine gute handwerkliche Lösung für die Fachwerkhäuser gewesen.
Eine Nachnutzung ist aber leider nicht möglich, da diese Wickel stets frisch und nass in nass eingebaut werden müssen.