Wer legt unseren Flur in Hamburg trocken?

26.04.2007



Liebe Bauherren, -frauen und Handwerker,

unser Flur hat zwei Feuchte Innenwände. Beides sind relativ dünne Wände, bei einer ist der Putz regelrecht aufgebrochen und hat die Tapete gesprengt.

Zwei Gutachter waren inzwischen da und meinten die Feuchtigkeit käme von unten. Das Haus ist von 1900 und hat keinen Keller, wir wohnen im Erdgeschoss.

Der Boden ist ein alter Terrazzo auf den unsere Vorgänger fröhlich zwei Schichten PVC gelegt haben. Die unterste grossflächig verklebt.*ächz*

Dass sich da Feuchtigkeit bildet wundert mich irgendwie nicht.

Nun suchen wir
1. jemanden der den Terrazzo freilegt und aufmöbelt
und
2. die Wände umweltfreundlich und angemessen trocken legt.

Der gute Mann vom Bautenschutz der heute hier war wollte mir sofort Injektionen mit Giftzeugs von Remmers aufschwatzen und war furchtbar beleidigt als ich vorsichtig nachfragte ob es keine umweltverträglichere, dem alten Haus angemessene Lösungen gäbe.

Nun suche ich jemanden der die Flursache möglichst in einem Rutsch erledigt. Oder wenigstens nur zwei Rutschen...*seufz*

Und mich dabei nicht finanziell ruiniert...*jammer* ;))))

Interessenten und Kenner der Problematik bitte melden!

Liebe Grüsse & vielen Dank

Frau G.



Wer legt unseren Flur in Hamburg trocken?



Liebe Frau G Punkt,

gibt es von Ihren "Gutachtern" denn nichts Schriftliches?
Wenn, dann wären ein paar genauere Angaben schon hilfreich!
Aus was bestehen die Wände?
Wie sind die Oberflächen beschichtet?
Liegen sie zwischen Warm- und Kaltbereichen?
Gibt es Salzausblühungen unter den abgesprengten Putzstellen?
Was empfehlen die "Gutachter" zur Trockenlegung?

Viele Grüße
Georg Böttcher





Lieber Herr Böttcher,

erstmal herzlichen Dank für Ihre Antwort!

G Punkt? :O Ich heisse doch Frau Geh! ;)

Zum Thema:
der erste Gutachter war der Architekt, den die Eigentümergemeinschaft bzw Verwaltung geschickt hat, das sind alles Eigentumswohnungen hier.

Der Architekt sagte und schrieb unter dem PVC sammle sich Feuchtigkeit, die in die beiden Wände zöge.
Beides relativ dünne Wände, eine zwischen WC und Flur und eine zwischen Flur und Bad.
Die Wand zum WC ist ist die aufgeplatzte. Dort haben sich Salze auf der Tapete gebildet.

Die Rohrleitungen wurden von einem Sanitärmurkel deshalb mit einer Kamera untersucht, ist aber alles i.O.. Von innen ist die WC Wand gefliesst, darüber tapeziert und soweit ist dort keinerlei Schaden zu sehen.

Der Flur wird beheizt und gelüftet. Er ist etwa 12 qm gross und länglich.

Das Material...hm, weiss ich nicht. Ist beides verputzt. Ich denke aber mal das sind gemauerte Wände.

Der zweite Gutachter kam vom TÜV, der sah sich das Badezimmer an, dass wir neu haben einbauen lassen, weil dort nicht nur die wand zum Flur, sondern auch zur Küche feucht war und es hiess das käme vom undichten , alten Bad.
Er hat dann Tipps für das neue Bad gegeben. Wusste aber auch nicht viel mehr zu sagen, als der Architekt.

Sie merken Herr Böttcher, ich habe zugegebenermassen wenig Ahnung. Deshalb suche ich auf diesem Wege auch eher einen Fachmann der sich das mal vor Ort ansieht und eben auch in Ordnung bringt. Einfach in den Gelben Seiten jemanden raussuchen funktioniert halt nicht wirklich, habe ich ja heute wieder gesehen...

Viele Grüsse aus Hamburg,

Frau G.



Schornstein?



Falls es im Bereich der feuchten Wände einen Schornstein gibt, könnte die Feuchtigkeit auch über diesen ins Haus gekommen sein - das sollte mal überprüft werden.
Ausserdem kann ich mir nicht vorstellen, dass man mit einer Kamera von innen sehen kann, ob ein Abflussrohr 100%ig dicht ist. Also, wenn kein Schornstein in der Nähe ist, würde ich eher auf die Wasserinstallationen als Feuchtequelle schliessen als auf die 2 Lagen PVC, unter denen sich zwar Feuchtigkeit sammelt, aber vermutlich nicht in solchen Mengen, ausser es gab in früheren Zeiten mal einen grossen Wasserschaden (Waschmaschinen-Zuleitung geplatzt oder ähnliches).
Nicht verzweifeln!



Wer legt unseren Flur in Hamburg trocken?



Liebe Frau Geh,
leider ist mir Hamburg zu weit, sonst hätte ich mir die Sache selber einmal angesehen und Ihnen noch ein Gutachten geschrieben. Mit Ihren Angaben zu den anderen Gutachten kann ich immer noch nichts anfangen. Haben die Experten z.B. den Feuchtegehalt der Wände überprüft?
Wenn ich (oder Kollegen)ein Gutachten abgeben erfolgt das schriftlich. Und da steht u.a.folgendes drin:
- Beschreibung des vorgefundenen Zustandes
- Vorschläge zur Beseitigung des Schadens/Mangels.
Anscheinend fehlt der zweite Punkt in beiden Gutachten?
Das mit dem Belag auf dem Terrazzo, das der Architekt als Schadensursache vermutet, klingt für mich ziemlich abenteuerlich, aber was solls. Was schlägt er denn, nachdem er die Ursache ermittelt hat, als Schadensbeseitigung vor? Das würde mich auch beim TÜV- Menschen interessieren.

Ich kann nur orakeln, was Ursache und Beseitigung betrifft, vor allem darüber, ob und wie die Wände durchfeuchtet sind.
Zu den Ursachen:
Als Feuchtequellen kommen bei Innenwänden nur kapillare Bodenfeuchte, Planschwasser und Kondenswasser in Frage.
Bodenfeuchte:
Der Architekt vermutet, das Bodenfeuchte durch den Terrazzo unter den (vollflächig verklebten) PVC- Belag wandert und von da aus kapillar in die Wände zieht. Ich halte das für sehr unwahrscheinlich. Bodenfeuchte kann über die Fundamente der Innenwände eintreten, aber das sind immer nur geringe Mengen, der Boden unter einem Haus ist trocken, die Fundamente stehen auf einer kapillarbrechenden Kiesschicht, der Fußboden ist ebenfalls auf Kies aufgebaut. Zwischen Wand und Terrazzo wurde auch früher eine Trennlage eingebaut.
Die beschriebenen Feuchtigkeitsmengen sind meiner Ansicht nicht aus normaler Bodenfeuchte zu erklären. Die Salzausblühungen deuten auf einen Austrocknungsprozess hin, die Wand trocknet zum warmen, gelüfteten Flur hin aus.
Planschwasser:
Die Entwässerung scheint dicht zu sein, die Zuleitungen sicher auch, denn das würde man mit der Zeit sehen, wenn eine TW- Leitung auch nur minimal leckt und man würde eine defekte EW- Leitung riechen.
Frühere Wasserschäden durch ein altes Bad usw. sind da schon eher möglich, die vernässten Wände trocknen langsam zum Flur hin aus. Warum? Der Flur ist laut Ihrer Auskunft die warme, trockene, da gelüftete Seite. Bad und WC sind sicher nur temporär beheizt und gefliest, da trocknet nicht viel weg und im Bad kommt Kondens- und Planschwasser dazu. Fliesenbeläge sind nicht ganz wasserdicht, aber dafür nahezu diffusionsdicht.
Kondenswasser:
Nur zeitweilig benutzte Räume wie Bad und WC werden zur Energieeinsparung gern weniger beheizt. Erst beim Baden wird die Heizung aufgedreht, die Folge sind massive Kondenswassereintragungen an den kalten Wänden.
Kondenswasser vom Flur halte ich für unwahrscheinlich, da der Flur, wie Sie schreiben, beheizt und gelüftet ist. Die Wöände trocknen also zum Flur hin aus.
Schlußfolgerung aus meinen mehr hellseherischen als gutachterlichen Vermutungen:
- Zur Ursache:
Ich glaube, die Hauptursache der Durchfeuchtung liegt an einem Wassereintrag durch eine frühere Havarie oder Planschwasser und an Kondenswasser durch Nutzungsverhalten in Bad und WC.
Aufsteigende Feuchte kann nicht die Hauptursache sein.

- Empfehlungen zur Beseitigung
Da die vermutete Ursache nicht in der Konstruktion, sondern im Nutzungsverhalten liegt, würde ich auf eine nachträgliche Abdichtung der Wände vorerst verzichten.
Ich würde Folgendes machen:
1. Überprüfung des Feuchtegehaltes der Mauern mit einem Feuchtemessgerät. Hier geht es nicht so sehr um Mengen in Gramm pro dm³, sondern um Feuchteverteilung in der Wand.
2. Entfernen des versalzenen Putzes bis zur Trocknungslinie, Fugen des Mauerwerkes auskratzen, das Mauerwerk über mehrere Monate bei Bedarf trocknen lassen. Bei starker Versalzung Salzgehalt überprüfen lassen. Um das Erscheinungsbild etwas zu mildern, einen einfachen Kalkanstrich auf das rohe Mauerwerk geben.
3. Nach Trocknungsphase Neuverputz mit Kalkputz PI. Anstrich der Wand mit diffusionsoffener Farbe.

PVC- Belag entfernen und Terrazzo freilegen ist eine gestalterische Entscheidung, die nach der erfolgreichen Sanierung der Wand ansteht.

Viele Grüße
Georg Böttcher





Lieber Herr Böttcher,

ich hatte bereits gestern eine Antwort getippt und dann
war nach einer halben Stunde alles weg...*hmpf*

Erst einmal möchte ich Danke sagen für die viele Mühe, die Sie sich gemacht haben. Das ist wirklich unheinlich nett!

Der Architekt, der angeblich ständig als Experte und Gutachter Altbauten begeht, hat zur Ursachenbeseitigung wirklich nur empfohlen den PVC Boden raus zu nehmen. Das haben wir auch schriftlich.

Der Sanitärmann mit der Kamera hatte einen Monitor dabei und er hat behauptet man könne so ganz genau sehen ob was an den Rohren kaputt sei.

Dafür dass die Rohe intakt sind spricht, dass die beiden betroffenen Wände durch den Flur getrennt sind und die Rohre dazwischen ja nicht verlaufen.

Aber genau weiss man es eben doch nicht, ich als Laie sowieso nicht und fragen kann ich auch niemanden, denn der Vorbesitzer kommuniziert überhaupt nicht mit uns und der Makler stellt sich dumm.
Er ist gleichzeitig auch Verwalter des Hauses und das macht die Sache nicht leichter.

Hinzu kommt, dass wir ja erst anderthalb Jahre hier wohnen und die Nebenkosten des Kaufs und einige Renovierungen ziemlich hoch waren. Was ja auch einkalkuliert und ok war, aber dann wurde plötzlich die Aussenwärmedämmung von der Gemeinschaft beschlossen, wovon vorher nie die Rede war und es kamen nochmals fast achttausend Euro Sonderzahlung auf uns zu und eben das neue Bad wegen der Nässe.

Langsam geht uns das Geld aus und ich möchte mich jetzt nicht bis auf den letzten Cent verschulden indem ich Gutachter um Gutachter kommen lasse und vielleicht noch einen Rechtsstreit führe.Und hinterher hab ich trotzdem das nachsehen.

Beide Räume, sowohl WC, als auch Bad haben kein Fenster, nur einen winzigen Abzug und keine Heizung. Das Bad ist ein gefangener Raum, das WC hat eine Aussenwand.

Deshalb lassen wir die Türen fast immer offen.

Wir werden jetzt versuchen Ihre Tipps in die Tat um zu setzen.
Ich persönlich fände es am besten den gesamten Putz im Flur abzuschlagen und alles neu mit Kalkputz zu versehen.

Oder die offenen gekalkten Mauern sehen so gut aus, dass ich sie gleich so lasse. ;)))

Viele sonnige Grüsse,

Frau G.



ich könnte das



Sehr geehrte Frau G.,

wenn Sie uns gewähren lassen - wir beißen nicht und beraten ganz unverbindlich.

MfG Andrea