Dielenboden Kiefer dunkler machen?

03.09.2011



Hallo Forumisten,

erst einmal ein großes Kompliment an dieses Forum. Habe schon etliche wertvolle Tipps entnehmen können.

Wir sind derzeit mit der Renovierung des Fußböden zugange.
Ein Problem ist der Kiefer-Dielenboden im Flur. Wir möchten ihn farblich an die restlichen Räume, Eiche dunkelbraun geräuchert und geölt, anpassen. Da der Flur Hauptverkehrsweg ist und dementsprechend strapaziert wird, sollte keine "oberflächliche" Tönung, sprich pigmentierte Öle o.ä. in Frage kommen.
Flammen möchte ich nach Möglichkeit vermeiden, falls es eine bessere Alternative gäbe.

Folgendes habe ich mal ergoogelt:
link

Demnach könnte man beispielsweise auf das Kiefernholz, um einen dunklen Braunton zu erzeugen, Gerbsäure auftragen und anschließend mit Kaliumpermanganat behandeln.
Hat jemand Erfahrung mit dieser Vorgehensweise?

Schon mal Danke für eure Mühe!

LG



Ein Flur...



...ist der am stärksten belastere Boden in der Wohnung. Hier würde ich zur Erneuerung in Eiche raten. Das geht schnell und bringt eine dauerhafte Lösung, besonders in Verbindung mit Öl.

Ich will Ihnen aber nicht den Mut zum Experimentieren nehmen, sie sollten aber in jedem Fall mit einem unregelmäßigem Farbbild leben können, und einen perfekten Schliff hinlegen. Die Konzentrationen der Lösung bitte vorher experimentell ermitteln.

Der link führt zwar zum richtigen Buch, ich finde aber die betreffende Passage nicht. Können Sie's hier 'reinkopieren?

Grüße

Thomas





Kap. 11, ab Seite 106

Gruß



......bereit für das waghalsige chemische Experiment



merci für die Antwort GEhlerding! Erspart mir das Suchen :D


Also Erneuerung mit Eiche wäre natürlich das genialste, aber der Geldbeutel sagt vorerst "nein" :-(
Außerdem haben die Dielen eine schöne Überbreite (35cm), nur der Sannyasin-Orangeton nervt.
Also ich wage mich jetzt an das chemische Experiment und egal wie es ausgeht, werde ich euch davon berichten.

jooooooooo dann..........LG



Experiment gelungen



Ich wollte euch kurz auf dem Laufenden halten!
Mein Experiment ist gelungen!
Ich habe mir wasserlösliches Tannin in Pulverform (Fa. Aurelio)besorgt und den Boden damit getränkt. Anschließend habe ich das Räucherverfahren mit Ammoniak angewendet.
Solange geräuchert, bis der satte Schokoladen-Ton des anschließenden Räuchereiche-Bodens erreicht war......dann geölt.
Ich bin überrascht, wie perfekt der farbliche Übergang vom Eichenboden zum Kiefer-Dielenboden gelungen ist. Optisch keinerlei Unterschied.

Grüße





Foto ?!



Auch ich...



...würde mich über ein Foto freuen, das Kern- und Splintpartien zeigt. Ferner würde mich interessieren, wie tief das Ganze farbwirksam ist.

Und letztlich: Welche Konzentrationen hatten die beiden Lösungen?

Da es ja offenbar geklappt hat, viel Freude mit Euerem Dielenboden wünscht

Thomas



Foto wird nachgeliefert



Ich habe derzeit nur ein Foto des Probestückes. Leider hat der Akku meiner Digi den Geist aufgegeben. Sobald der neue da ist, werde ich den kompletten Boden ablichten und das Foto nachliefern.

Ich habe für etwa 20qm Boden 1500gr Tannin in Wasser aufgelöst. Gesättigte Lösung! Davon habe ich aber letztendlich nur etwa die Hälfte verbraucht. Ich habe den Boden etwa 3 mal damit "getränkt", bis ich das Gefühl hatte, er nimmt nichts mehr auf. Anschließend habe ich eine 9%-tige Salmiaklösung aus dem Baumarkt verwendet (Die hochprozentigere hätte ich in der Apotheke bestellen müssen. Das dauerte mir zu lang und war mir zu teuer). Für die 20qm verteilte ich 5 Liter Salmiak auf 5 Gefäße.
Nach ca. 1,5 Tagen hatte ich den von mir gewünschten schokoladigen Farbton erreicht.
Wie sich das mit der Abnutzung verhält, kann ich noch nicht wirklich absehen. Der Boden ist gerade mal wenige Wochen alt und zeigt bislang keine Abnutzungserscheinungen. Allerdings muss ich sagen, dass wir im Hause nur mit Filzpantoffeln oder im Sommer auch barfuß herumlaufen. So gesehen erwarte ich mal keine großen Laufstraßen. Genaueres könnte ich aber erst nach einer Langzeitstudie sagen;-)


So, nun lade ich mal das Bild vom Probestück hoch...coming soon



Kannst Du...



am Hirnholz des Probestücks mal etwas schnitzen, um zu schauen, wie tief das eindringt?

Wäre interessant.

Grüße

Thomas



Bilder



hier sieht man alle drei Arbeitsstufen nebeneinander. Als Untergrund die unbehandelten, frisch geschliffenen Kieferdielen, darauf das geräucherte Probestück. Die dunklere Hälfte davon ist bereits geölt.



Bilder



hier sieht man das geräucherte Kiefer-Probestück direkt auf dem geräucherten Eichenboden liegen. Geölt ergibt sich exakt der gewünschte Schokoladen-Ton.



Bilder



hier mal alle 4 Varianten nebeneinander:
Die unbehandelten Kiefer-Dielen, der bereits geräucherte und geölte Eichenboden und das Probestück.





und nun noch zu Thomas und der gewünschten "Schnitzerei":
Musste erst einma das Probestück aus den Untiefen der Werkstatt ziehen.
Blickt man seitlich drauf, könnte man davon ausgehen, dass die Beize ca. 3-4mm tief eingedrungen ist. Könnte aber auch sein, dass ich beim Tränken des Probestücks die Ränder schlampig überstrichen hatte.....das weiß ich nicht mehr so genau.
Ich hab´s mal mit dem Schraubenzieher angeritzt und meine, dass es mind. 2mm Tiefe hat. Beim Anschleifen mit einem 120ér-Papier dauerte es eine kleine SChleif-Weile, bis sich das Holz wieder "erhellte"und nochmals eine Weile bis ich den Urton erreichte.
So wag ich mal zu behaupten, dass es ca. 2mm sein dürften..

Sagen wir mal so: Es ist nicht weniger effektiv als eine Clou-Farbbeize (die nach einigen Versuchen nicht einmal den gewünschten Ton lieferte und außerdem irgendwie künstlich wirkte) und allemal besser als eine pigmentiertes Holzöl, was nur oberflächlich aufliegt...

Das Foto von der Gesamtfläche liefere ich nach sobald der Akku und die Zeit da ist.

LG



guter Link zum Thema "Beizen"



http://fussbodenabschliff.de/farbe.php



noch ´nen Link



http://www.timothy-taylor.de/fachwissen-15-regeln-zum-beizen-von-holz-t67.html



Alte Rezepte...



...gibt's zuhauf. Die heutige Umsetzung ist oft das Schwierige, da es im 18.Jh. mit exakten Bezeichnungen und Mengenangaben nicht immer so genau genommen wurde. Wer aber Freude am Experimentieren hat, wird da auch fündig.

Zum Beispiel beim "Cröcker"

Grüße

Thomas