Fliesen freilegen

20.01.2008


Liebe Fachleute,
in meinem Denkmal gibt es eine Eingangshalle, in der vor etwa 50 Jahren auf alte Villeroy-und-Boch-Fliesen zuerst ein paar mm Estrich aufgebracht und dann Kunststoffplatten geklebt wurden.
Wie kann man insbesondere den Estrich ohne Beschädigung der Fliesen (uneben und mit Rillen) entfernen.
Ich suche schon lange eine Lösung, aber niemand scheint sich
auszukennen.
Für Tips wäre ich sehr dankbar.
Christoph



alten Fliesenbelag freilegen......



hier brauchen sie einen Profi der über ein Sandstrahlanlage verfügt welche im Wirbelstrahlverfahren arbeitet.
Gleichwohl muß derjenige der an der Düse steht viel Erfahrung und Gefühl haben. Das Strahlgut und der Druck muß mit zunehmender Nähe zu den Fliesen weicher werden.
Ist ne diffizile Sache, aber durchaus machbar!

Wünsche gutes gelingen und hoffentlich sind die Fliesen unter dem Estrich noch okay.
Wäre schade wenn der Aufwand für umsonst war.
gruß jens



Eisstrahlen!!!



hallo,
wäre ein versuch wert. durch den enormen temperatur unterschied könnte sich der schei. ablösen.
firmen die sowas anbieten wären vieleicht an dem versuch auch interresiert um ihr angebostfeld zu erweitern.
vorausagesetzt es funktioniert.
gruß franky



Trockeneisstrahlen(CO2 pellets!).......?



Da ich Erfahrungen mit Trockeneisstrahlen gesammelt hab.
Nein, Fliesen und Fassaden sind kein wirkliches Anwendungsgebiet dieser Technik und Estrich kann man damit auch nicht abtragen!
Aufgrund der schnellen thermischen Veränderung kommt es bei Fliesen zu Temperaturspannungen die zu Rissen führen.
Gleiches gilt für Fassaden im Sommer, es kommt hier aufgrund der schnellen Abkühlung von +40C auf -80C zu erheblicher Rissbildung im Oberflächenbereich des Materials!!

Dieses Verfahren ist gut für die Unterbodenreinigung von KFZs und dergleichen.
Die Frage ob das tonnenweise entlassen von CO2 in die Atmosphäre Zeitgemäß ist muß sich jeder selbst beantworten.

gruß jens



Die Fliesen:



ist das eine glasierte Ware oder eine Steinzeugfliese?

Grüße

Thomas





Steinzeugfliesen (20 qm ursprünglich, 12 verwendbar)habe ich mal wie folgt saniert:
Oberflächen mit einem feinen Meißel zunächst freipräpariert, es waren vier verschiedene Kleber zum Einsatz gekommen.
Nicht dabei verzweifeln, es braucht eben seine Zeit !
Anschließend die Fliesen selbst mit Scharriereisen und Fäustel aus dem Dickbett befreit. Dann Fliesen senkrecht zwischen die Füße genommen und mit dem Makita-Hammer (Breitmeißelwerzeug) den Zement / Kalk / Betonbrocken weggestemmt.
Anschließend alle Fliesen Nebelfeinstrahlen lassen.
Die Prozedur wird immer teurer, je öfter man sie in die Hand nimmt und wird von höchstens 70 Prozent der Fliesen unbeschadet überstanden.
Fazit: Verschenken wie sie sind und was neues machen.

Grüße vom Niederrhein



Ergänzend zu meiner Frage:



glasiert oder Steinzeug:

Wenn Steinzeug, sind die Fliesen strukturiert?

Grüße

Thomas



Fliesen freilegen - danke



Liebe Fachleute,
zunächst vielen Dank für die spontanen Tips!

Jens: das hört sich nach Erfahrung an.
Franky: das werde ich nach Jens Tip wohl lieber
nicht verfolgen
Dietmar: so radikal mag ich es nicht angehen
Thomas: Steinzeug ist es wohl, jedenfalls nicht glasiert. Strukturiert würde ich die Fliesen schon nennen, sie haben
so farbige Flächen (Rauten, Dreiecke, Kreise usw.) mit vertieften Rillen dazwischen. Man sieht sie so ähnlich
recht oft in alten Schulen z.B.

Meine Anfrage bei Villeroy hat auch nicht viel gebracht. Sie wollten mir ihre auf historisch gemachte neue Fliese
verkaufen.

Beste Gruesse

Christoph



Denn...



...würde ich's mechanisch mit einen scharfen Meißel versuchen, ganz flach geführt. Steinzeugfliesen sind recht robust.

Mit etwas Gefühl kann man die oberste Schicht des Estrichs auch mit der Sanierfräse von Festool abtragen.

Steinzeugfliesen sind über einige mm durchgefärbt, ein zartes Anschleifen sollte die Estrichreste entfernen, ohne die viel härteren Fliesen zu schädigen. Für Einscheibenpoliermaschinen gibt es auch für Stein geeignete sehr feine Schleifgitter mit Diamantbesatz.

Nur wie die Reste aus den Vertiefungen entfernt werden, ist schwierig. Vielleicht lassen sie sich mit Säure lockern? Dann neutralisieren und mit einer straffen Bürste ausbürsten.

Grüße

Thomas





Hallo Christoph

Du schreibst das deine Fliesen Kreise und Rauten und sowas haben, ähnlich wie in alten Schulen. Könnte es sein das es sich dabei nicht um Steinzeug, sondern um Zementfliesen handelt? ( Die sind auch oft mit Rillen hergestellt worden).Ich weiß nicht ob das die Art der Freilegung ändert. Da können dir die anderen sicher besser weiterhelfen. Oder du fragst mal bei einer Firma die Zementfliesen herstellt.
Gruß
Dorothée



Bei Zementfliesen...



...wäre Säure tabu.

Villeroy & Boch (ehemals hatten sie auch in Dresden einen Sitz) haben aber meines Wissens nur glasierte Ware und Steinzeug hergestellt.

Grüße

Thomas





OSTARA, heute Deutsche Steinzeug, hat um 1890 Fliesen hergestellt, auf die die Beschreibung zutreffen könnte. Sie sind etwa 3 cm dick und recht robust.
Wenn die Dreckschicht (Estrich oder was auch immer) runter ist, zeigen sich oft noch Unebenheiten, die Anlaß für die Estrichverlegung gewesen sein können.
Dann stellen sich sicher neue Fragen.

Grüße vom Niederrein



Zementfliesen



Ich finde, es stellt sich die Frage Säure oder nicht, erst gar nicht.
Mein Voraschlag, derzeit ist es nahe bei "schade" daher:

Bis zur Sichtung der Oberfläche Grobzeug, was auch immer, Flex...
Dann beginnt die Arbeit, mit einer Dratbürste mit der Hand, ggf. auf der Bohrmaschine, nicht Flex, könnte zu viel sein.
Zum Abschluss Zementschleierentferner. Wenn die Fliesen weiß werden, mit fetthaltiger Seife oder Wachs nacharbeiten.

Ich sehe Erfolg



Naja,



bei zuviel Rubbeln mit Eisen- oder Messingbürsten wird das Steinzeug nicht weiß, sondern grau oder goldig schimmern (Metall)- wieder ist Säure gefragt. Was wäre gegen die vorsichtige Anwendung (Schutzbrille, Handschuhe, geringe Konzentration, alte Klamotten, Neutralisierung danach) denn einzuwenden?

Grüße

Thomas





Das Absäuern was Thomas hier erwähnt ist eine gängige Methode und durchaus in die Überlegung einzubeziehen!

gruß jens





Liebe hilfreiche Fliesenfachleute,

ich danke allen für die Tips und das Nachdenken.
Ich werde die Vorschläge mal vorsichtig an unauffälliger
Stelle ausprobieren, aber dann brauche einen Betrieb im Nordschwarzwald für die Bearbeitung der 70 qm!

Ch. Kottmeier





Hallo Herr Kottmeier,

vor ca. 5 Jahren hatte ich eine ähnliche Fragestellung bei einem Kunden von uns:
Situation war ein Linoleumbelag auf einem Flieszementstrich und darunter sehr schöne Steinzeugfliesen aus dem Art Deco. Erste Versuche an unauffälliger Stelle mit Hammer und Meisel sowie Wassredampfstrahlen (Stimmy 5 von der Stuckrestaurierung). hatten nur mäßigen erfolg. Aber nach einer Probe mit Universalverdünner und dem Tränken der Fliesestrichschicht stellte sich heraus, das eine Neoprengrundierung vorab eingesetzt wurde welche sich mit der Verdünner anweichen lies und mit Fensterschabern (Rasierklingen und ähnlichem) konnte die Fliese realtiv leicht von der überdeckenden Schicht befreit werden. Natürlich sollte man für extrem gute Belüftung sorgen und ntürlich Atemschutz mit passendem Kohlefilter A1 tragen.

Ich würds einfach mal probieren, bei uns hats geklappt und der "neue" Alte Boden sieht wieder spitze aus, einzelne Fliesen haben wir reproduziert und ergänzt sieht heute keiner den Unterschied.


Grüße aus Offenbach

Jürgen Jobmann



Schon mal probiert ------- und Ergebnisse ----- ich bin halt neugieig



Hallo Herr Kottmeier,

vor ca. 5 Jahren hatte ich eine ähnliche Fragestellung bei einem Kunden von uns:
Situation war ein Linoleumbelag auf einem Flieszementstrich und darunter sehr schöne Steinzeugfliesen aus dem Art Deco. Erste Versuche an unauffälliger Stelle mit Hammer und Meisel sowie Wassredampfstrahlen (Stimmy 5 von der Stuckrestaurierung). hatten nur mäßigen erfolg. Aber nach einer Probe mit Universalverdünner und dem Tränken der Fliesestrichschicht stellte sich heraus, das eine Neoprengrundierung vorab eingesetzt wurde welche sich mit der Verdünner anweichen lies und mit Fensterschabern (Rasierklingen und ähnlichem) konnte die Fliese realtiv leicht von der überdeckenden Schicht befreit werden. Natürlich sollte man für extrem gute Belüftung sorgen und ntürlich Atemschutz mit passendem Kohlefilter A1 tragen.

Ich würds einfach mal probieren, bei uns hats geklappt und der "neue" Alte Boden sieht wieder spitze aus, einzelne Fliesen haben wir reproduziert und ergänzt sieht heute keiner den Unterschied.


Grüße aus Offenbach

Jürgen Jobmann

Mit Spannung auf Antwort wartend



Tipps von Herrn Lobmann



Lieber Herr Lobmann,

Sie haben Recht, nach Ihrem ermutigenden Hinweis
haben Sie in besonderes Dankeschön verdient!

Ich hatte schon mit verschiedenen Lösemitteln und Verdünnern probiert, aber wahrscheinlich war die Einwirkung zu kurz oder nicht getränkt genug. Von Neoprengrundierung habe ich bisher noch nichts gehört. Wenn das entscheidend ist, kommt es darauf an, wie üblich das in den fünfziger Jahren war.

Ich bin natürlich auch sehr gespannt, was dann zutage kommt (sicher kein Art Deco). Aber wenn ich solche Böden in alten Gebäuden sehe, bin ich doch sehr beeindruckt.

Ihre Sicherheitshinweise werde ich bei Probieren beherzigen.

Vielen Dank und beste Gruesse

Ch. Kottmeier