Fliesen auf Holzestich? Dämmen der Kellerdecke? Was machen die Gipssteine da?

22.11.2015 Okapi



Hallo

Wir haben ein Haus von 1927 gekauft und "dürfen" es nun sanieren.
Die Decken zwischen (trockenem, nicht beheizten, aber beheizbarem) Keller und EG bestehen von unten nach oben aus folgendem Aufbau:

Gipsputz
Lattung,
Balken, dazwischen
Schüttung, Gips Steine mit vereinzelten Strohhalmen "armiert" die auf an die Balken angenagelten Leisten aufliegen.
Lattung
Holzestrich (ca 1,2 cm)

Im Esszimmer sind die Balken (und die "Gipssteine) schon freigelegt worden, da der Boden sehr uneben war.

Über den "Gipssteinen" sind ca. 2 cm Spiel zu der Balkenoberseite und von da ca. 1 bis 8 cm zum neuen Fußboden (22 mm OSB+Parkett)
Was machen die Gipssteine da? Dienen die "nur" zur Beschwerung und Schalldämmung? Feuchtigkeitsregulation?

Sollten wir in den neu entstehenden Hohlräumen dämmen? Perlite? Was macht sonst Sinn? Wo kann ich das Material beziehen? Die Gipssteine sollten denke ich dort verbleiben

Im Flur sollen Fliesen verlegt werden. Uns wurde empfohlen den Boden dafür ebenfalls zu entfernen, er ist auch nicht sonderlich eben, und dann einen Estrich hineinzulegen. Aber die Gipssteine sind nicht belastbar. Dann Gipssteine raus und Isolieren (womit) und dann Estrich rein, oder den Holzestrich, der ohne Risse ist und ziemlich fest, doch einfach drinlassen und darauf Fliesen und auf Dämmung verzichten?

Danke für eure Hilfe

Ansgar



Wie uneben ?



Sind die Oberkanten der Balken eben, oder krumm ?

Wenn eben - OSB oben drauf, dann ein Trockenestrich.

Wenn krumm - seitlich Bohlen zur Nivellierung anlaschen (macht der Zimmermann mit einem Laser), darauf OSB. Dann ein Trockenestrich.

Damit Fliesen und Holzboden auf dem gleichen Niveau enden, kann man verschieden dicken Trockenestrich verbauen, oder noch eine geeignete Trittschallmatte unterlegen.

Dämmung im oberen Teil (Einschub) würde ich mit Blähton machen, darunter Steinwolle. Gibt es alles im Baumaterialhandel.



Holzestrich erneuern?



Wenn der Holzestrich ok ist kann ggf mit tragfähiger Schüttg aufgefüllt und nivelliert sowie gleichzeitig etwas gedämmt werden.
Dann OSB-Platte schwimmend Verlegen oder Trockenestrichplatten verwenden als Untergrund für den Bodenbelag.
Es hängt von der möglichen Aufbauhöhe ab.
Zum Dämmen würde ich Schüttungen oder Holzfaserplatten nehmen- Mineralwolle ist nicht kapillaraktiv und verliert schon bei geringer Feuchtigkeitsaufnahme sehr stark an Dämmwert.

Gipssteine und Gipsputz sind unwahrscheinlich- kann es Kalkputz oä sein?
Im Keller Hygrometer aufstellen und Feuchtigkeit kontrollieren.
Davon abhängig feuchtegesteuerte Lüftung einbauen-
ohne Messung ist Feuchtigkeit nur schwer feststellbar.
Es müssen nicht nasse Stellen sichtbar sein.

Andreas Teich



Deckenaufbau



Die Kombination von Holzbalkendecken mit Gipsdielen oder Gipsmörtel war für dieses Baualter nichts Ungewöhnliches; es gab eine Vielzahl von konkurrierenden Deckensystemen am Markt. Dazu gehörten auch neue Massivfußböden wie Anhydritestrich oder Sorrelzement.
Einer der Einsatzgründe war Brandschutz, ein anderer der Preis. Die Arbeitskraft wurde zum bestimmenden Preisfaktor.

Immerhin funktionieren diese Decke heute noch.
Wenn Wärmedämmung dann kann man die an die Deckenunterseite bringen.
Fliesenbelag nur mit Entkopplungsmatte- aber Vorsicht mit der Unverträglichkeit zementhaltiger Kleber und Calciumsulfat!
Außerdem kann dieser Aufbau zu Höhenproblemen führen. Besser sind für den Flur hochwertige Vinylfliesen oder Kautschukbelag auf den vorhandenen Estrich.
Eine hochwertige Dämmung ist im Flur nicht erforderlich und die Decke dämmt selber schon ein wenig.



Fliesen auf Trockenestrich, oder OSB+Trockenestrich, oder doch Nassestrich....



Hallo

Danke für die Antworten.

1. Danke für die Kommentare zu den zwischen den Balken liegenden Gips- oder Kalksteinen, habe die gebrochenen inzwischen mit Gips wieder geflickt und erkenne nach der Aushärtung keine Unterschied zwischen altem und neuen Material. Es gibt auch Steine die sie damals schon "geflickt" haben.

2. Das ganze hat ca. 3 cm Gefälle, dummerweise nicht längs zum Flur sondern quer.

3. An der dünnsten Stelle dürfen wir etwa 25 mm aufbauen (auf den vorhandenen Holzestrich), wenn man noch die geplante Fliese 11mm stark ist und dann noch der Kleber bleibt nicht viel übrig, oder sind die Entkopplungsmatten entsprechend dünn?

4. Werd mal Hygrometer in den Keller legen und beobachten und posten.

Plan könnte sein:

Wir machen die Lattung und den Holzestrich raus, der Zimmermann gleicht den Boden aus, darauf dann Trockenestrich und darauf Fliesen? Oder sollte da noch ein Holzboden (OSB) dazwischen, weil es sonst nicht trägt?

Wir haben ja dann insgesamt ca. 65 mm Aufbauhöhe über Oberkante Balken. Also ginge auch 22 bis 30mm OSB 20 mm Trockenestrich und dann ca. 15 mm für Kleber und Fliesen.

Könnt Ihr mir nochmal den Nachteil von Estrich erklären? Feuchtigkeitseinbringung? Kann Estrich die Distanz zwischen den Balken (ca. 60 cm) überbrücken? Kann das der Trockenestrich?

Danke für eure Hilfe und Erfahrung.

Ansgar



Bodenaufbau



Wenn der Unterbau trocken ist wären Massivholzdielen am einfachsten zu verlegen und sind am angenehmsten zu begehen.

Im direkten Eingangsbereich könnten Linoleum-Platten, Gummibeläge oder auch Korkplatten zum Schutz vor Schmutz und Nässe darauf gelegt werden.

Estriche und Trockenestriche müssen immer vollflächig auf einem tragfähigen Untergrund aufliegen.
Nur Estriche auf Lewisplatte (Schwalbenschwanzplatten) können solche Abstände überbrücken.
Die Platten benötigen aber auch einen ebenen Untergrund.

OSB-Platten haben die negative Eigenschaft, bei Feuchtigkeit, die zB von unten eindringt und oben durch den Fliesenbelag nicht mehr ausdiffundieren kann, sehr stark zu quellen.

Andreas Teich



Luftfeuchtigkeit



Also habe gestern mal ein Hydrometer in Raummitte postiert und es sagte 60% relative Luftfeuchtigkeit bei 13°C Lufttemperatur an einem nebligen Tag in Stuttgart.

Massivholzdielen kommen in die restliche Wohnung, danke für den Hinweis.

Und was wird uns nun halten und wirtschaftlich sein?

- OSB (die quellen könnten, würde aber der Holzestrich auch)+Trockenestrich + Fliesen (Holzestrich raus)
- Holzestrich + Ausgleichsmasse+Entkopplungsmatte + Fliesen

- Estrich auf Lewisblechen+Fliesen (Holzestrich raus)

Danke nochmal für euren kompetenten Rat.

Gruss

Ansgar



Danke

Ansgar



Bodenaufbau im Flur



Ein Foto wäre zur Beurteilung hilfreich

OSB-Platten können, besonders im Kantenbereich, bis 20 % und mehr aufquellen- also ein Bruchteil wie andere Materialien.

Ich würde die generell nur verwenden, wenn sie in zuverlässig trockener Umgebung verwendet werden.

Lewisplatten haben eine Mindestaufbauhöhe von 50 mm, dazu kommt der Höhenausgleich darunter und der Fliesenbelag.

Bei den klimatischen Verhältnissen im Keller liegt der Taupunkt bei 5,5 Grad, also unproblematisch.

Je nach Flurgröße und Wohnungszuschnitt ist eine Dämmung des Bodens sinnvoll- zB mit Perlite oä.

Tragfähig und feuchteunempfindlich sind Fahrzeug-Sperrholzplatten (phenolhartzgebundene, dunkelbraune, Stärke 22 mm ist hier völlig ausreichend, Größe meistens 150 x 300 cm).
Die Schnittkanten müssen nachlackiert werden, um Feuchteschutz zu gewährleisten.

Für solche Platten geeigneten Kleber verwenden, ggf mit entsprechender Grundierung.

Der Fliesenbelag sollte nicht zu großformatig und genügend stabil sein, damit nichts bricht.

Weiteres ggf nach Foto- am besten mit Eingangstür oder sonst die Höhe begrenzenden Bauteilen (haustür, Innentüren, Treppe etc).

Andreas Teich



Flurfoto



Hallo,

heute habe ich ein paar Fotos gemacht. Die Eingangstür geht erstmal in einen Vorraum (der eine Betondecke von 1927 hat), es gehen noch Wohnzimmertür und Esszimmertür natürlich die Treppe ab.

Gruß

Ansgar Müller



Fußbodenaufbau



So sehen die Gipssteine aus (aus einem anderen Zimmer, in dem der Fußboden extrem uneben war, der Fußbodenaufbau ist aber gleich)




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