Findlingsfundament mit Lehmdeckschicht.

11.09.2015



Hallo Fachwerkfreunde.
So langsam geht es bei uns an den Wiederaufbau nach langer Renovierung. Die Decken sind schon wieder lehmverputzt, die Wände ausgebessert und mit Lehm oder Kalkmörtel neu aufgehübscht. Wir widmen uns zur Zeit den Böden.
Im ersten Raum stießen wir unter bzw. neben den im märkischen Sand verlegten Trägerbalken des alten Holzfußbodens auf kleinere sorgfältig behauene Findlinge mit einer dünnen deckenden Lehmschicht. Diese Steine bildeten offenbar das "Fundament" für die Fachwerkwände unseres kleinen Hauses. Sie besteht aus mehreren Lagen mit jeweils dazwischen eingebrachtem Lehm.
Wir vermuten, dass der Lehm als eine alte Form des Schutzes der Schwelle gegen Feuchtigkeit diente. Die Schwelle ist in weiten Teilen auch noch sehr gut erhalten , lediglich an einer Stelle ist nur noch das Kernholz gut erhalten. Dort drang Wasser durch die veränderte Geländelage ins Haus ein - das Problem ist inzwischen behoben.
Nun zu meinen Fragen:
Wie lange war es üblich solche Fundamente zu bauen . Zur Zeit vermuten wir das Baujahr um 1800

Wie kann ich diese Lehmschicht ergänzen und haltbar machen, da sie zukünftig offen sichtbar sein wird. Der Fußboden wird vor dieser Steinlage enden.
Es muss vermutlich gestampfter Lehm sein. Also deutlich fester als der handelsübliche Putz. Wie kann ich diese Schicht so fest und haltbar herstellen, wie das Original...das ist eher wie Beton denn wie Lehm. Reste alten Lehms aus der Decke sind noch vorhanden - ich habe schon überlegt diesen dafür zu verwenden, da er deutlich fester als Putz ist.

Vielen Dank für eure Ideen.

LG
anna



Lehmfundament



Wielange so etwas gebaut wurde kann ich nicht mit Sicherheit sagen, wobei ich annehme, dass es auch sehr stark von den wirtschaftlichen Möglichkeiten der Bauherrn und der Verfügbarkeit des Materials sowie den Gewohnheiten der Handwerker abhängt.

Bei höherem Tongehalt und starkem Stampfen wird das Material nach Trocknung in jedem Fall sehr fest- ähnlich wie auch Grünlinge.

Evt hilft zur Verbesserung der Oberflächenhaltbarkeit Leinölfirnis oder Wasserglas- dies aber verdünnen (ca 1:2 bis 1:3),da es sonst zu starke Spannungen aufbaut.
Auf jeden Fall Versuche anstellen und vollständige Trocknung abwarten vor der Beurteilung des Ergebnisses.

Andreas Teich



Lehmgemörtelte



Feldsteinfundamente waren in M/V bis vor dem 2.WK in einigen sandigen Gegenden üblich. Es waren oft billige Bauernkaten, die so gebaut wurden.
Mein ehemaliges Fachwerkhaus bei Pasewalk wurde kurz vor 33 gebaut und hatte diese Fundamente ebenfalls, so wie 4 baugleiche Häuser nebenan...


Andreas



Danke schonmal



für die Tipps bezüglich der Lehmdeckschicht. Wir werden dann mal mit altem Lehm aus der Decke experimentieren. Der ist definitiv druckfester, als der heutige handelsübliche Lehmputz.
Mit Wasserglas wollten wir ohnehin im Bereich des Sichtmauerwerks arbeiten. Mal sehen, wie das auf dem Boden wirkt.
@ Andreas Kapitzke. Also vor 1933 wurde das Haus in jedem Fall gebaut, sicher ist dass es auch vor 1833 entstanden ist ;)....Aber es ist interessant zu wissen, dass dieser Baustil durchaus auch noch im letzten Jahrhundert Anwendung fand. War ja auch nicht die schlechteste Methode, ein Haus zu gründen.
Wir haben inzwischen diese Findlingsfundamente unter allen Innenfachwerkwänden gefunden. Die sind bis zu 60 cm breit und gehen mindesten 3 Lagen in die Tiefe. Und darauf steht dann ein Fachwerkwändchen mit 15-20 cm als Trennwand zwischen den ehemals zwei Häusern....Schallschutz anno 1800 war wohl nicht so wichtig .