Fichtedielen in Küche und Bad richtige Entscheidung?

15.03.2007



Hallo Fachwerker!
Wir haben eine ETW im ersten Stock eines Altbaus von 1908 gekauft. Es hat sich herausgestellt, dass die alten Dielen raus müssen (bereits geschehen). Die Balken sollen ca. 80 cm auseinander liegen. Die Füllung sieht in der obersten Schicht nach Sand aus. Uns wurde Lärche 1,8 cm dick auf Spanplatte oder Fichte 3 cm dick ohne Spanplatte empfohlen. Wir haben uns nun für Fichte ohne Spanplatte (wegen der Formaldehyde, etc.) entschieden. War das die richtige Entscheidung oder können wir irgendwann einmal riesige Probleme bekommen, weil wir die Dielen schließlich auch in der Küche und im Bad (!) Verlegen lassen müssen?
Weiterhin bin ich ganz verwirrt, was die Behandlung der Dielen im Bad (und auch in der Küche) betrifft. Soll man sie nun ölen, wachsen oder lackieren. Ich bekommen so viele verschiedene Informationen, dass ich nun gar nicht mehr weiß, womit wir am wenigsten falsch (und am meisten richtig) machen können.
Ganz vielen lieben Dank für Eure Antworten - ich habe nämlich Angst, dass es die falsche Entscheidung war, diese Wohnung gekauft zu haben...



Kein Grund zur Verwirrung



Öl ist vor Wachs oder Lack der Vorzug zu geben, auch und besonders in Küche und Bad. Und es muß richtig geölt werden. Dazu habe ich im Forum schon einiges geschrieben, unter anderem das:



---Forenreferenz-----------
Eine bildhafte Beschreibung... -
eines falschen Oberflächenaufbaues.

Was war falsch? Möglichkeiten:
- zu dicker Ölauftrag
- zu kurze Wartezeit zwischen Öl- und Wachsauftrag
- ungeeignetes Wachs
- zu dicker Wachsauftrag
- falsche Pflege

Zunächst: Fachgerecht Pur geölte Böden (d.h. auch ohne Harzanteile) sind sehr strapazierfähig und werden niemals so aussehen wie beschrieben. Öl bildet keine Schicht auf dem Holz, dringt aber gut ein und härtet es sogar noch etwas. Sie werden keinen Schmutz binden und keine Laufstraßen zeigen. Öle sollten immer (auch wenn das nicht in der Kreidezeit - Beschreibung steht) einpoliert werden. Dann entfällt auch der dort vorgeschriebene Zwischenschliff.
Der Boden wird wasser- und schmutzabweisend, bleibt aber diffusionsoffen. Einziger Nachteil: Manche (Pflanzen) Farbstoffe wie z.B. der Farbstoff der Erdbeeren wird aufgenommen. Glücklicherweise sind aber Pflanzenfarben selten lichtecht.

Durch Ölen entsteht eine matte Oberfläche. Wenn es etwas glänzender sein soll, kann Wachs dünn aufpoliert werden. Das schützt zwar das Holz zusätzlich, bildet aber eine Schicht, die Schmutz binden kann und abgelaufen wird - Straßenbildung. Insofern sehe ich hier einen erhöhten Pflegeaufwand, aber noch kein Bild, wie oben von Dir beschrieben.

Die Kreidezeit-Wachsemulsion halte ich auf geölten Böden für fehl am Platze, sie sollte besser gar nicht im Fußbodenbereich verwendet werden. Warum? Wachsemulsionen (also Gemische aus Wachs, Wasser und Emulgatoren) können mit einer geölten Oberfläche keine intensive Bindung eingehen, nach Verdunsten des Wassers liegen Wachs und Emulgatoren auf der Fläche. Beim Handauftrag wie im Anwendungsblatt von Kreidezeit beschrieben besteht dann auch noch die massive Gefahr der Überdosierung. Wenn's denn unbedingt Wachs sein muß, sollte immer ein Bodenwachs ohne Wasseranteile verwandt werden, das einpoliert wird.

Nicht, daß hier gegen Kreidezeit mobil machen will -ein paar Sachen kaufe ich immer nur dort. Aber der Bereich Holzböden scheint mir da etwas Nachholebedarf zu haben.

Wie wurde der Boden von Euch gepflegt?


Was tun?

Gib einem richtig geölten Boden eine Chance. Wenn mein Geschreibsel nicht überzeigen sollte, suche ich als letzte Variante auch einen Lack heraus, aber nur dann :-)

Reinigung:

Mit einer Einscheibenpoliermaschine und roten oder grünen Pads kann die Schmutz/ Wachsschicht abgetragen werden. Ideal ist hier der "Refesher" von "Naturhaus". Er wird mit einer Sprühflasche dünn aufgesprüht und eingearbeitet. Der Dreck landet in den Pads. Solange reinigen, bis die Fläche sauber ist. Das geht sehr gut - ich habe mit diesem Verfahren schon jahrzehntedicke Krusten wegbekommen.

Ölen

Gerade bei Wachsresten ist daß Heißölverfahren ideal (Thermopadmaschine von Columbus) mit dem Heißöl von Natural. 3 Aufträge können an einem Tag gemacht werden, am näcsten Tag könnt Ihr schon in Socken darüberhuschen.
Wenn Ihr niemanden findet, der Euch so ein Teil leihen kann,
geht's auch im Kaltauftrag (Hartöl Spezial und Hartöl HS von Naturhaus oder Fußbodenhartöl von Natural).

Immer gilt: mehrere Aufträge, die immer mit der Einscheibenpoliermaschine mit weißem Pad eingearbeitet werden müssen. Der Erstauftrag wird dünn aufgerollt, gespachtelt oder gestrichen und je nach Anleitung des Öles einziehen lassen, für die Folgeaufträge habe ich eine Suppenkelle zweckentfremdet und gebe je nach Saugfähigkeit mehr oder weniger viel Öl auf den Boden und arbeite es sofort ein.

Wenn Ihr so verfahrt, habt Ihr einen dauerhaft schönen Boden ohne Lack.

So viel kann einer nur schreiben, wenn er erkältet zu Hause abhängt und sich vor dem Abwasch drücken will ("Ich arbeite doch!")

Für Fragen bin ich gern zu sprechen, Tel. Nr. im Profil.

Grüße

Thomas mehr ...
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Euere Wahl einer massiven Dielung war richtig. 28mm Stärke sollten freilich bei dem Balkenabstand gut ausreichen, das ist ein handelsgängiges Maß. Fichte freilich wäre mir etwas weich (die wurden früher immer deckend gestrichen und damit zusätzlich geschützt). Wenn Ihr das noch ändern könnt, würde ich überall oder zumindest in der Küche Lärche oder Douglasie wählen (Härtegrad in Brinell: Fichte 12, Lärche und Douglasie 19).

Grüße

Thomas



Spapapannplatte ..



..könnte ja auch eine OSB werden . Schwimmend mit Trennstreifen verlegt , darauf die Diele geschraubt , hat mensch etwas weniger zum Tischgespräch der Untermieter beizutragen , Schallschutz war in diesen Baujahren nicht gerade das Thema der Saison . ( ich weiss wovon ich rede , wenn unserem Überuns der Bierkorken aus der Hand gleitet , schreckt unsereins hoch - vermutlich hält meine Unternachbarin mein Tastaturklackern für Nagekäfer .. ;-) ).
Kiefer 26mm ist vielleicht n Kompromiss , auch preislich - und schön ölen , das wird bestimmt schön !!

Gruß Jürgen Kube



Auch für diese schwimmende Verlegung



wäre die Spanplatte überflüssig. Dielen ausreichender Stärke können auf Streifen von Holzweichfaserplatte verlegt werden und nicht auf die Balken, sondern nur auf ein im Balkenzwischenraum frei unter der Dielung befestigtes Kantholz geschraubt werden. Mit dem Statiker wäre freilich zu klären, ob die Scheibenwirkung des Dielenbodens benötigt wird, dann geht's nicht.

Grüße

Thomas



Hallo und vielen Dank - könntet Ihr mir wohl noch einmal weiter helfen???



Hallo und vielen Dank für Eure Antworten!
Ich glaube, meine Antwort, die ich gerade geschrieben habe, ist im Netz verschütt gegangen! Also, Fichtedielen sind voraussichtlich schon bestellt. Werde trotzdem noch einmal nach dem Preis für Lärche fragen, wird aber voraussichtlich unseren finanziellen Rahmen sprengen - oder meint Ihr, dass Lärche sowohl Sicherheitstechnisch als auch statisch unbedingt erforderlich sein wird? Ansonsten werden wir ölen lassen (haben selbst leider nicht das Zeug zum Handwerker...), allerdings haben uns die Organisatoren gesagt, Versiegelung/Lackierung sei in Bad und Küche unumgänglich. Halte diese Aussage nicht mehr für richtig, insbesondere, weil auch die Waschmaschine im Bad stehen muss und durch die Schwingungen Risse im Lack erzeugen könnte - oder? Reicht eine Ölung wirklich aus? Auch bei Fichte? Habe im Forum gelesen, dass Fichte besonders viel Feuchtigkeit aufnimmt. Würde aus finanziellen Gründen gern bei Fichte bleiben. Müssen wir noch einen Statiker hinzuziehen? Ich hoffe nicht :-)
Worauf sollte ich achten: dass die Dielen auf den Balken fest verschraubt werden oder dass diese schwimmend verlegt werden? Würden in dem Fall andere Hölzer unter gelegt werden müssen?
Danke für Eure Mühen! Andrea



Lärche und Douglasie



sind härter, deshalb strapazierfähiger. Mit Sicherheit oder Statik hat das nichts zu tun, da tut es die Fichte auch. Der Preis dürfte etwa 10€ mehr sein, hinsichtlich der Gesamtkosten ein (prozentual) eher geringerer Anteil.

Schwimmende Verlegung massiver Dielung ist nicht möglich, diese müssen immer auf Lagerhölzern genagelt oder, besser, geschraubt werden. Das kann auch verdeckt durch die Feder erfolgen.

Lackierte Böden aus weichem Holz sind immer, und ganz besonders in Küche/Bad, Blödsinn. Vielleicht sieht es ja die 2 bzw. 4 Jahre gut aus, die es für die Gewährleistung halten muß, danach dann so wie auf dem Foto. Wo der Lack abgetreten ist oder aus anderen Gründen beschädigt, kommt darunter das blanke Holz zum Vorschein, das Schmutz annimmt und grau wird. Der Unterschied zwischen konventionellen Öl/Kunstharzlacken und natürlichen Versiegelungen(z.B. "Kunos" von Livos) fällt dabei kaum in's Gewicht - ich beobachte das auf meiner Teststrecke zu Hause. Außerdem ist in Küche und Bad das Risiko vorhanden, daß Wasser über die Fugen oder durch Risse im Lack in das Holz gelangt. Durch eine geölte Fläche kann es wieder herausdiffundieren, durch Lacke und Wachse nicht.

Die Erschütterungen der Waschmaschine freilich verursachen bei elastischeren Lacken keine Risse :-)

Ich weiß nun nicht, in welchen Zusammenhang behauptet wurde, Fichte nähme besonders viel Wasser auf - beobachtet habe ich das noch nicht. Das mittlere differentielle Schwindmaß der Fichte liegt mit 0,29 etwas über den 0,22% je 1% Holzfeuchteänderung der Lärche, was letztere für periodisch feuchtere Räume geeigneter macht - aber ein Unterschied in Größenordnungen ist das nicht. Bei einer angenommenen Breite Eueres Badezimmers von 2,5m bedeutet das bei 5% Holzfeuchteänderungein Schwinden oder Quellen Euerer Dielung einen Unterschied von 8,5mm für Lärche zu Fichte bzw. ca. 0,5mm pro Fuge bei unbehinderter Arbeitsmöglichkeit - bei fachgerecht befestigten Dielen ist der Wert aber noch weitaus geringer.

Falls Ihr noch die Wahl habt, solltet Ihr für die Bodenarbeiten, insbesondere für die Ölbehandlung der Dielen, eine Fachfirma hinzuziehen. Optimal ist der Öleintrag im Thermopadverfahren. Fragt doch 'mal nach, was die jetzige Firma unter Ölen versteht (Produkte, Auftragsweise, wie viele Aufträge)

Grüße

Thomas





Hallo Thomas!
Ganz herzlichen Dank für die guten Informationen. Ich werde berichten, was sich bei uns getan hat!
Viele Grüße, Andrea