Aufsteigende Feuchtigkeit - oder etwa doch nicht?

18.07.2011



Hallo liebe Gemeinde,

wir haben uns ein Haus um Bj. 1890 gekauft. Nun sanieren wir fleißig Raum für Raum.
Der erste Raum ist nun fertig. Hier haben wir uns für das Mauersägeverfahren entschieden. Wir hatten zwar ATG und Co. zu Gast, wollten aber nur ungern 20.000 Euro für eine Injektion ausgeben.
Derzeit ist unser künftiges Wohnzimmer an der Reihe. Beim Entfernen der Tapeten ist uns schon aufgefallen das diese Feucht und teilweise nass waren. Nach ca. 5 Lagen Tapete war dann endlich der Putz zu sehen. Diese klingt stellenweise sehr hohl.
Das Wohnzimmer ist unterkellert (der Rest des Hauses nicht), der Keller hat kein Fester (lediglich ein 60er Rohr [ändere ich allerdings noch]) und ist wie bei den alten Gebäuden üblich, feucht. Im Frühjahr als der Schnee geschmolzen ist hatten wir im Keller sogar ca. 10cm Wasser, welches nach einer Woche aber von selbst verschwunden ist. Das Haus an sich steht auf einem ca. 40cm hohen Sockel. Das Feuchtigkeitsproblem besteht aber auch bei den Innenwänden.
Anbei 3 Bilder von den Innenwänden. Auf dem ersten Bild erkannt man sehr gut wie hoch die Feuchtigkeit gestiegen ist. Das Mauerwerk besteht aus Lehmstein, unten scheinen normale Ziegelsteine zu kommen die Fundamente bestehen (zumindest dort wo ich sie freigelegt habe) aus Feldstein.
Ich habe irgendwie noch die Hoffnung dass es vielleicht doch keine aufsteigende Feuchtigkeit ist, allerdings könnte ich mir die Sache nicht anders erklären.

Bilder:

Aussanwand mit Durchbruch (hier stand das Wasser regelrecht)


Innenwand direkt nach dem Entfernen der Tapeten


Innenwand geöffnet

Ich hoffe, dass ich hier einige Hinweise und Tipps bekomme.

Vielen Dank



Feuchte Wand



Wie feucht ist denn die Wand?
Ist nur der Putz feucht oder auch das Wandinnere?
Wenn Sie das feststellen wollen hier ein einfacher Test ohne Messgeräte:
Nehmen Sie einen langen, dünnen Steinbohrer,
bohren Sie langsam ohne Schlageinstellung in die Wand,
bohren Sie in kleinen Abschnitten von ein, zwei cm Tiefe und kontrollieren Sie dann das Bohrgut (Stück Papier, Kehrschaufel o.ä. unten an die Wand legen).
Wenn das Bohrgut staubförmig ist haben Sie kein Feuchteproblem. Der Extremfall wäre eine weiche Masse, die sich am Bohrer spiralförmig abschälen läßt.
Zur Kontrolle machen Sie dasselbe nochmal im für sie trockenen Wandbereich.

Viele Grüße

p.s. Glauben Sie keinen Firmenvertretern bzw. selbsternannten Fachleuten, die mit wichtiger Miene irgendwelche piepsenden oder blinkenden Geräte an die Wand halten!



Aufsteigende Feuchtigkeit - oder etwa doch nicht?



Aufsteigende Feuchtigkeit bei Ziegelbauten auf Feldsteinfundament gibt es nicht. Das kann nur mit einem falschen Putzmaterial, verputzem Feldsteinfundament, nachträglich angebautem Mauerwerk das Wasser zieht oder ähnlichem zu tun haben. Eine nachträglich eingebrachte Horizontalsperre schädigt das Haus nur. Soweit ich das von den Bildern beurteilen kann, haben Sie Zementputz auf den Wänden. Dann sind Feuchte Wände vorprogrammiert. Sobald sie reinen Kalkputz auftragen (innen und außen) können die Wände abtrocknen. Versuchen Sie sich der Sache noch einmal grundsätzlicher zu nähern. Konrad Fischer hat dazu viel Sinnvolles geschrieben.



@ Johannes



Ein lästiges Phänomen in (nicht nur) diesem Forum sind Nachbeter. Also Leute, die mangels theoretischen und praktischen Wissens einen Sachverhalt nicht überschauen, aber ihre hier angelesenen Glaubenssätze unters Volk streuen: "Aufsteigende Feuchtigkeit bei Ziegelbauten auf Feldsteinfundament gibt es nicht." & " Eine nachträglich eingebrachte Horizontalsperre schädigt das Haus nur." & "Zementputz ... feuchte Wände vorprogrammiert".

Gibt es denn keine Kapillarkräfte, wie soll denn eine richtig eingebaute Horizontalsperre das Haus schädigen, und warum sind viele zementhaltig verputzte Wände staubtrocken?

Suchen Sie sich besser einen profilierten Sachverständigen zu diesen Fragen. Der kann denn auch vor Ort klären, ob das teuere Mauersägen sinnvoll ist, ob's vielleicht nur Kondenswasser ist und ob ein Kalkputz nicht besser wäre. Mit Ferndiagnosen von Epigonen kommen Sie jedenfalls nicht weiter.

Vielleicht können Sie Georg Böttcher ja 'mal zu sich locken? Das kostet sehr viel weniger als eine (vielleicht) unnötig durchsägte Wand.

Große Erfolge wünscht

Thomas



Aufsteigende Feuchtigkeit - oder etwa doch nicht?



Hallo Johannes,

lassen Sie sich nicht kirre machen. Wichtig ist, dass sie die grundsätzlichen Zusammenhänge verstehen. Also zum Beispiel, das ein Feldsteinfundament kapillarbrechend ist und Feuchtigkeit daran nicht hochsteigen kann. Da mag es jetzt noch 1000 weiterer Sachen geben, mit denen Ihnen ein Fachmann kommen kann, aber dieser eine Grundsatz reicht schon, um sich die richtige Fragen zu stellen. Warum sind meine Mauern denn trotzdem noch feucht? Und wenn sie die beantwortet haben, sind sie auf dem richtigen Weg. Wie gesagt hat Herr Fischer eigentlich alles Wesentliche dazu geschrieben. Ich hatte mit denselben Problemen zu kämpfen. Auch meine Mauern waren hinter dem Zementputz feucht. Folgendes habe ich zusammen mit meinem auf Denkmalpflege spezialisierten Architekten dann umgesetzt: 1. Ersatz Zementputz gehen Kalkputz. 2. Das außen verputzte Feldsteinfundament wurde vom Putz befreit, damit das Wasser nicht am Putz hochsteigen kann. 3. Abriss einer angeflickten Mauer, die ebenfalls Feuchtigkeit an die Wand geführt hat. Und 4. Ausschliesslich Einbau von diffusionsoffenen Baumaterialien. Danach war Ruhe mit Feuchtigkeit. Jedes Forum hat auch seinen Platzhirsch ;). Dieser hier hat zudem noch seine Probleme mit Herrn Fischer. Würde an Deiner Stelle aber trotzdem lieber noch weiter lesen, als jetzt schon einem Fachmann zu vertrauen. Meistens ist man gut beraten, sich selber erst einmal so schlau zu machen, dass man am Ende auch den richtigen Fachmann beauftragt.



Aufsteigende Feuchte und kapillar brechende Schichten



Hallo Herr Kern,

Die Durchfeuchtung einer Wand steht in Abhängigkeit zu den Poren der verarbeiteten Materialien. Feuchtigkeit bestrebt immer aus grobporigem Material heraus in das feinporigere zu dringen. Andersherum funktioniert das gar nicht. Also kommt es darauf an, wie die Materialien (und somit deren Poren) zueinander liegen.
Das bedeutet, dass die so genannte "aufsteigende Feuchte" spätestens an der nächsten grobporigen Schicht aus dem feinporigeren, "saugenden" Material heraus nicht mehr weiter kapillar transportiert werden kann (kapillarbrechende Schicht).
Umgekehrt: Aus diesem Grunde funktionieren Lehmkompressen und Kompressenputze überhaupt nur.

Selbst Putze, die jene grobporigen Schichten überbrücken schaffen es nicht ausreichend Feuchtigkeit zu transportieren. Nicht einmal eine simple Zementschlämme schafft es nennenswert unter normalen Bedingungen irgendwelches Wasser nach oben zu transportieren.

Die so genannte "aufsteigende Feuchte" gibt es bauteilübergreifend nicht, bzw. in nur sehr geringem Maß. Anders verhält es sich in ein- oder zweiseitig abgesperrten Wänden, auf denen sich beispielsweise ein Zementputz oder Fliesen befinden. Hier kann die Feuchtigkeit nicht bis an die Materialoberfläche vordringen und ausdiffundieren, sondern wird weiter noch oben transportiert als es die natürlichen Materialeigenschaften zulassen würden.

Die eigentliche Frage aber ist: Woher kommt das Wasser?

- Wie sieht der vollständige Wandaufbau aus? Gibt es außen auch einen Zementputz?
- Sind Innenwände über dem unterkellerten Bereich ebenso feucht?
- Woraus besteht die Kellerdecke und der darüber liegende Bodenaufbau?
- Wie ist der Boden im nicht unterkellerten Bereich aufgebaut?
- Wie sieht der äußere Sockelbereich aus (Materialien)?
- Wie lange ist das Haus unbewohnt?
- Bilder helfen sich ein Bild zu machen. Von Innen und Außen.

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer



Moin Johannes,



ergänzend zu Georgs und Christophs Fragen:

Regnet's in den Kamin rein?

Wurden die Heizungsrohre mal abgedrückt?

Ich tippe aber zunächst auf ehemalige Bewohner von der Sorte "sind schon viele erfroren, aber noch keiner erstunken"....;-)

Gruss, Boris



Mauersalze



Ebenfalls ergänzend möchte ich daran erinnern das auch Mauersalze eine Rolle spielen könnten. Diesbezüglich sollten die Wände untersucht werden!
mfG A.Hoppe



@ Herr / Frau Katta



Nee, nicht von Herrn Fischer, sondern von IHNEN hätte ich gern eine wenigstens ansatzweise Begründung IHRER oben zitierten Behauptungen. Ich habe hier nicht gegen den abwesenden Herrn F. polemisiert, sondern das lauthalse und simplifizierende Nachplappern von Angelesenem hinterfragt.

@ Christoph Kornmayer

" Feuchtigkeit bestrebt immer aus grobporigem Material heraus in das feinporigere zu dringen. Andersherum funktioniert das gar nicht."

Wo kann man das "gar nicht" 'mal nachlesen, auf bauliche Gegebenheiten spezifiziert?

Grüße

Thomas





Das kann man überhaupt nicht nachlesen, ist nämlich falsch.
Das Maurer- oder Putzmörtel so kapillarbrechend sind das kein Feuchtetransport mehr möglich ist ist Unsinn.
Immer wieder bezeichnend ist, dass die hier oft erwähnte Rücktrocknung (Ausgleichfeuchte) von Baustoffen, da ist die Kapillarität das A und O.
Wenn dann diese Baustoffe aber in der Erde stecken ist die Kapillarität auf einmal weg.
Die Größe der Kapillaren bestimmt erstmal die Geschwindigkeit des Wassertransportes.

Grüß
Oliver Struve





Kann ja mal jeder Maurer und die die sich dafür halten mit einem kapillarbrechendem Mineralgemisch mauern oder gar putzen.
Bei Korngrößen bis 32 mm können wir dann die Putzmaschine getrost im Lager lassen und zum putzen eine Betonpumpe bestellen.





Vielen Dank für die zahlreichen Antworten. Gern gehe ich noch auf die Fragen ein.

- Wie sieht der vollständige Wandaufbau aus? Gibt es außen auch einen Zementputz?
Kann ich leider nicht beurteilen weil die Seite zur Straße 2cm gedämmt ist, darauf ist kein Kratzputz. Der Rest vom Haus hat diesen Putz auch, allerdings keine Dämmung.
Die Wände bestehen hier aus Ziegelstein und Lehmstein.

- Sind Innenwände über dem unterkellerten Bereich ebenso feucht?
Ja, teilweise sogar feuchter. Im Keller liegen die Wasserleitungen, diese schwitzen extrem. Ich dachte erst das sich das Wasser aus diesem Grund hochzieht. Allerdings habe ich auch Ecken in dem Raum wo darunter keine Wasserrohre liegen und die Wand nass ist.

- Woraus besteht die Kellerdecke und der darüber liegende Bodenaufbau?
Der Bodenaufbau ist ein Betonestricht. Die Kellerdecke wurde vermutlich in den 80ern eingezogen. Scheint eine Hohkammerdecke zu sein

- Wie ist der Boden im nicht unterkellerten Bereich aufgebaut?
Was ich bisher sah scheint unter der Sauberkeitsschicht aus Beton (keine Ahnung wieviele Generationen hier schon rumgewerkelt haben) das blanke Erdreich zu kommen.

- Wie sieht der äußere Sockelbereich aus (Materialien)?
Betonputz wie es aussieht, die gedämmte Straßenseite hat noch eine Schicht Buntsteinputz drauf

- Wie lange ist das Haus unbewohnt?
Lediglich 2 Tage als wir im Herbst letztes Jahr eingezogen sind.

- Bilder helfen sich ein Bild zu machen. Von Innen und Außen.
Bilder anbei :)


Hofseite (Hier wurde Feuchtigkeit gemessen, allerdings halten die Tapeten ohne Problme.)


Straßeseite und Aussenwand von dem Raum der hier im Gesprach ist. (inkl. "Kellerfenster")


Giebelsteite


Kellerdecke


Hauptwasseranschluss im Keller


Kellertreppe mit Wasserleitung. Das ist die Rückseite von meinem 2. Bild im ersten Beitrag



nasse Wand



falls dieser Keller mit dem Wohnraum oberhalb über eine (undichte) Tür verbunden ist wäre hier die erste Feuchtequelle zu vermuten: Kondensatausfall an der kälteren Kellerdecke und den kälteren Kellerwänden. die Wände leiten das Kondensat nach innen, die wenig kapillaren Betonteile belassen es an der Oberfläche.
Eine zweite Feuchtequelle sehe ich in den Sockelvorsprüngen. Der an der betreffenden Wand ist fast waagerecht, der Putz darüber und darunter sicher hydrophob eingestellt. An der Wand herablaufendes Wasser dringt über die Fuge am Sockelvorsprung ein, Spritzwasser wird durch kapillare Risse in den Sockel regelrecht eingesaugt.
Über die Ausbildung des unteren Sockelbereiches bis -30 cm kann man nur spekulieren. An eine regelkonforme Ausführung glaube ich weniger.

Viele Grüße
p.s. Nach meiner Erfahrung gibt es meistens mehr als eine Ursache für Feuchteeintrag. Eine durch äußeren Eintrag feucht gewordene Wand neigt immer auch zum Kondensatausfall, da die Wärmeleitfähigkeit durch die Feuchte erhöht wird. Wenn dann die Verdunstungsrate durch geringen Wärmeeintrag, dichte Wandbeschichtungen oder vorgestellte Möbel vermindert wird, gibt es eben nasse Wände bzw. -Oberflächen.



"aufsteigende Feuchte" was ist das überhaupt?



Wir hatten doch schon mal eine Erklärung - ob der Begriff richtig ist - sei dahingestellt.
Besser ist eine andere Definition der Feuchteschäden im Keller bzw. auch im erdberührenden - bzw. Sockelbereich.
Dabei ist einerlei ob die Schäden innen oder außen sichtbar sind.
Mein Vorschlag dazu, den Begriff von Herrn Dr. Künzel aufzunehmen, dieser spricht von "Feuchte-Akkumulation".
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Ich hatte bei einer früheren Auseinandersetzung schon mal den folgenden Beitrag eingestellt. Siehe: http://community.fachwerk.de/index.cfm/ly/1/0/image/a/showPicture/5282$.cfm
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Soweit so gut.
Zur Frage selbst - was ist denn "Feldstein" ?
Auf dem Bild sind Ziegelsteine zu erkennen!
Dass der Vertreter von "Zauberkästchen" auf den dramatischen Salzgehalt hinweist und gegen den Einbau einer Horizontalsperre ist liegt nur am Versuch auf seinen Nonsens hinzuweisen.
Ich rate jedenfalls davon ab.
Interessant ist jedoch, dass an den Stellen wo die Heizleitung verlegt ist, weniger Schaden (Feuchte) sichtbar ist.
Also - was ist Feldstein?