Feuchtigkeitsschutz durch Injektion?!

21.06.2006



Hallo Fachwerk-Gemeinde! Es scheint soweit, meine Frau und ich werden ein ca. 400 Jahre altes Gasthaus kaufen. Vom Dachstuhl bis zum Erdgeschoss sind alle "Baustellen" durchdiskutiert, nun haben wir bei der letzten Besichtigung mit einem Statiker entdeckt, daß in einem Zimmer auf Bodenhöhe Feuchtigkeit aufsteigt. Das Haus ist nicht unterkellert, und die Wände im EG sind 50cm stark, vermutlich ist das Fundament noch dicker.
Da das Haus in der Nähe eines überbauten Kanals steht wird dieses Problem permanent vorhanden sein, und nicht nur dem nassen Frühjahr geschuldet sein. Nun wurde uns der Vorschlag gemacht die "Injektionslösung" zu wählen. Weil das Haus sowieso entkernt wird, käme man auch überall gut bei. Die Frage ist nun, wie sieht diese Technik in der Praxis aus, wer hat Erfahrung damit, und was sind die ungefähren Kosten? Kennt jemand eine Fachfirma in der Gegend "südl.Weinstraße", Bad Bergzabern, Landau, und kann sie mir per e-mail senden? Vielen Dank schonmal. Michael B.



Entkernen?



Wozu diesen Unfug? 400 Jahre hat das gehalten, jetzt ist es alt und schlecht, alles muß raus? Alles rausreißen, um es dann wieder einzubauen, teuer, schadenträchtig, womöglich gesundheitlich bedenklich?
Nehmen Sie sich die Zeit, und suchen Sie bitte einen Planer, der den Wert des Alters noch zu schätzen weis, der mit Verstand an das Haus herantritt und die Substanz und damit nicht zuletzt Ihre Finanzen schont. Das ist die Nadel im Heuhaufen, aber tun Sie sich und der Nachwelt den Gefallen, dieses Haus nicht zu zerstören, denn darauf läuft es sonst hinaus!



Mensch Meier ..



K. Hildebrand ... jetzt waren Sie schneller ..
400 Jahre hat das Haus gehalten - das wird sich jetzt ändern ...
"...alle Baustellen durchdiskutiert" das arme Haus!
"Weil das Haus sowieso entkernt wird" ... Mumifizierung

... auf den neuesten Stand der Technik bringen ... modernisieren ... Sachzwänge ... "mir gefällt das so" … Gerneralsanierung ....

Wieder ein Bauwerk weninger ... dann schadet es auch nicht wenn es "injeziert wird" .. oder Sperrputz, oder Sanierputz oder Dichschlämme, Dichtanstrich, Stahlplatten ... usw. …

Das alles würde ich nicht machen!
erstens ... zweitens ... drittens ... tausendst ...

Anamnese - Diagnose - Therapie

Konzept - Planung - Abwicklung

....

FK



Missverständnis



Hallo Herr Hildebrandt! Vielleicht habe ich mich mit "Entkernen" missverständlich ausgedrückt, meine Frau und ich nennen es so, aber in dicken Anführungszeichen. Wir holen natürlich "nur" die Decken- und Wandbeläge raus, denn die fallen jetzt schon ab (20 Jahre Leerstand!); der Rest bleibt bestehen, denn wir sind komplett Ihrer Meinung. Ansonsten würden wir uns nicht an ein solches Objekt heranwagen. Wir wollen soviel wie möglich erhalten, und zuviel Geld haben wir auch nicht. 400 Jahre ist wirklich zu lange um dieses Haus jetzt zu verschandeln. Aber danke, daß sie alte Substanz so vehement verteidigen. Wären nur mehr Fachwerkler
unserer Meinung! Wenn der Kauf über die Bühne gegangen ist, lasse ich Ihnen ein paar Bilder zukommen, damit Sie sich mit uns an diesem wunderschönen Objekt erfreuen können. Ciao.



Nachtrag:



...und sehr geehrter Herr Kurz: Statt nur draufzuhauen und die Menschen sofort in eine Schublade zu stecken wäre es sicher konstruktiver wenn Sie Lösungen anbieten würden; als Architekt müssten Sie doch wissen was die Alternativen zur "Injektion" sind. Danke.



Schubladenstecken ...



Hallo
habe ich "Entkernen" geschrieben? oder Sie?

Ich kenne gute Alternativen zu den "Injektionen"!
Die erste ist: Anamnese - schauen woher udn Warum

dann Diagnose ... dann Therapie ...
Einzelfallbezogen - anders gehts nicht! Finde ich - aber es gibt auch Fachleute, die das ohne sehen beratschlagen können - die sind billig und schnell und unkompliziert ...

Ich stecke keine in irgendwelche Schubladen - aber ich kenne "meine Pappenheimer" ... komme oft auf Baustellen zur 2. oder 3. Sanierung nachdem "gute Freunde", hilfsbereite Fachberater der Fa. XY (natürlich kompetent und kostenlos) oder selbsernnannte Fachleute mit "Erfahrung" dran waren ... wenn man dann sagt: "Das war alles falsch" gibt es für den geschädigten zwei prinzipielle Möglichkeiten: Glauben oder nicht!

Ich weiß wie schwer das als Laie ist den "Richtigen" zu finden - "fragt man 4 Fachleute - bekommt man 6 verschiedene Antworten" ...
Das die Inflation der Informationen - ein Fluch!

Wünsche Ihnen trotzdem guten Erfolg bei Ihrer Sanierung ... wobei man hier gleich wieder bei den Sachzwänges sind .. und Kompromisse gibt es - diese beeinträchtigen aber immer die Qualität!

Frohes Schaffen

FK



Feuchtigkeit



Hallo Herr Kurz! Danke für die Antwort. Die Anamnese ist wohl soweit vollzogen, daß wir wissen woher die Feuchtigkeit kommt, nämlich vom Gewässer welches irgendwo unter dem Haus verläuft. Die Diagnose und Therapie werden wir nun den Fachleuten überlassen, nicht irgendwelchen "Bekannten" oder selbsternannten Profis. Ihren Frust kann ich sehr gut verstehen, durfte als gelernter Elektriker auch schon häufig den Retter in der Not spielen wenn zuvor freundliche Helfer am Werk waren. Wir werden das Problem mit dem demnächst zu beauftragenden Architekten besprechen und dann weitersehen. Ich habe die Frage hier nur reingestellt um einen groben Überblick über Techniken und Kosten zu bekommen, nicht für eine Ferndiagnose. Nun werden wir sehen. Wenn Sie sich mein Motto ansehen, werden sie feststellen, daß Ihre Sorgen sehr
unbegründet sind. Danke trotzdem.



Ha, erster!



Zufall, Herr Kurz, das gelingt selten ...

Mir fällt gewissermaßen ein Stein vom Herzen, Herr Beha. Immer daran denken: Holz, Kalk, Lehm gehen immmer - und mehr braucht man nicht. Und lassen Sie sich nicht entmutigen, wenn Sie zum hundertsten Mal hören müssen "das macht doch heute keiner mehr so ... ". Konsequent bleiben, lieber nochmal nachfragen, sonst werden Sie sich lange nachher immer wieder ärgern! Achten Sie auf die Wortwahl, manch Handwerker könnte Sie falsch verstehen ...
Viel Freude wünsche ich Ihnen mit Ihrem neuen Heim!



Missverständnis aufgeklärt!



Hallo Herr Hildebrandt! Na zum Glück konnte ich das aufklären bevor die halbe Fachwerk-Gemeinde den Stab über mir brechen konnte; da bin ich wohl komplett falsch verstanden worden. Wie gesagt: Ich werde mich dann bald mit Bildern rehabilitieren. M.Beha p.s.: Das scheint ja ein richtiger Wettbewerb zwischen Ihnen und Herrn Kurz zu sein.





Hilfreich ist, sich vorzustellen, was das Injektionsverfahren eigentlich ist: Sie injizieren eine Flüssigkeit in die Bausubstanz. Diese verfestigt sich anschließend und sperrt das Objekt nachträglich horizontal ab.

Ganz einfach, oder? *g

Allerdings ist die Methode nur in den wenigsten Fällen erfolgversprechend, und anerkanntermaßen umstritten, auch bei den ernstzunehmenden Befürwortern der nachträglichen Horizontalsperre. Es setzt aufwendige Voruntersuchungen und eine genaueste Bauaufnahme voraus. Die Kenntnis der Nähe zu einem Kanal und Feuchtigkeit in Bodenhöhe ist defintiv zu wenig Information, um eine solche Maßnahme rechtfertigen zu können. Jeder, der ihnen da etwas anderes erzählt, ist von daher abzulehnen.

Ferner betrifft eine wirksame Horizontalsperre sämtliche Mauern des betroffenen Gebietes, Häufig sämtliche erdberührende Teile des gesamten Objektes. Für Mischmauerwerk, für Sie vielleicht das entscheidende Argument, von vorne herein abzulehnen, da nicht davon auszugehen ist, dass sich die Injektion gleichmäßig verteilt. Ferner muss zumeist, wenn man sich schon innerhalb dieser Überlegung befindet, ein sperrender Anschluss an den Bodenbelag erfolgen. Ein weiteres Problem neben anderen: Wie soll feuchtes Mauerwerk überhaupt eine weitere Flüssigkeit aufnehmen? Sie ahnen nicht, wie oft da schon aufgrund falscher Anwendung, das Grundwasser verschmutzt wurde. Vom Bauherren (teuer) bezahlte Umweltverschmutzung :-) Usw.

Sollte jedenfalls ein „Fachmann“ vor Ort sein, der nicht mindestens all diese Überlegungen beim Namen nennt, ist er abzulehnen.

MfG



Stichworte...



Danke Herr Hoffmann. Das sind doch wenigstens ein paar Stichworte die ich bei der nächsten Gelegenheit (sprich Baubegehung) einwerfen kann. Damit bin ich einen kleinen Schritt weiter, und schon vor den ersten Arbeiten froh hier diskutieren zu können. Beste Grüße an die Gemeinde. M.Beha



Wettbewerb



bestimmt nicht. Machten wir das Gasthaus zum Saloon, könnte man sagen "Schneller als Herr Kurz zieht keiner ... "
Auf die Bilder bin ich gespannt!