Feuchtigkeit im Bruchsteinhaus

12.09.2021 Bootsmann

Feuchtigkeit im Bruchsteinhaus

Liebes Forum,
schon seit langer Zeit lese ich interessiert mit und bin begeistert von so viel wohlwollendem Fachwissen!
Wir haben in den letzten Jahren ein 120 Jahre altes Bruchsteinhaus kernsaniert, einiges davon in Eigenleistung. Mittlerweile sind wir eingezogen und sehr stolz. Mich besorgt allerdings die Feuchtigkeit im Sockelbereich. Dazu die Vorgeschichte:

Juni 2019: wir haben das Haus an drei Seiten freigegraben und eine Drainage verlegt. Dazu eine Noppenbahn an die Wand. Eine weitere Abdichtung von Außen haben wir nicht vorgenommen. Es gibt keine Horizontalsperre.

August-Oktober 2019: einen alten Gewölbekeller haben wir mit Bauschutt verfüllt. Dazwischen wurden immer wieder Lagen mit Füllmaterial eingeschlämmt und mit einem Stampfer verdichtet. Der Keller war vorher sehr feucht, es gab einen Pumpensumpf. Außen liegt Lehmboden und es gibt (vermutlich) Schichtenwasser.

April 2020: Über den zugeschütteten Keller (und im ganzen Haus) wurde eine 16cm dicke Bodenplatte aus Stahlbeton gegossen. Dämmung liegt unter und über dem Beton. In dem Bereich, in dem die Bodenplatte auf die Außenwand trifft, wurde vorher eine Dichtschlämme aufgetragen. Auf der Bodenplatte liegt eine Bitumenbahn mit AL-Einlage, die innen noch ca. 40cm an den Wänden hochgezogen wurde. Außerdem wurde eine 12cm dicke Innendämmung angebracht (Unger Diffutherm).

September 2020: das Haus wurde mit Trasszement neu verfugt

ab ca. Februar 2021: aufsteigende Feuchte im Sockelbereich sichtbar, ziemlich genau dort, wo der zugeschüttete Keller liegt.

Die Feuchte zeigt ja nun deutlich, dass Fehler gemacht wurden und ich vermute, dass einige Kinder schon in den Brunnen gefallen sind.
Ich muss allerdings auch sagen, dass der Bau von mehreren Fachleuten begleitet wurde (Architekt, Statiker, Energieberater, Bauunternehmer, Zimmermann, Maurermeister), die zu den oben genannten Maßnahmen geraten, bzw. sie abgesegnet haben.

Mir wurde nun als weiteres Vorgehen dazu geraten:
1. Alles wieder aufgraben, die Kellerwand mit Zementmörtel glätten, Dickbeschichtung und Folie anbringen.

oder:

2. es einfach aussitzen, ein trockeneres Jahr kommt bestimmt.

Was meinen Sie dazu? Kann es sein, dass durch das Einschlämmen des Kellers ein unterirdischer Swimmingpool geschaffen wurde? Wie gefährlich ist die Feuchte für das Gebäude? Was wären (natürlich möglichst einfache und günstige) Maßnahmen?

Vielen Dank schon einmal und Grüße
Philipp



Paar Rückfragen



Hallo Philipp,

ein tolles Haus habt Ihr da. So wie es aussieht, ist es ein schönes Sandsteinhaus. Verfugt wurde es bestimt mit Trass-Kalk-Mörtel und nicht mit Trass- Zement.

Wenn der Sockel vor der Sanierung nicht nass war, dann liegt ein Baufehler vor. Zwei Ursachen würden mir einfallen:

Durch die moderne Abdichtung ist der Trocknungshorizont nun deutlich höher.

Alle Alarmglocken läuten aber bei dem Wort Dränage. Wenn diese nicht absolut sorgfältig gebaut und vorher die Situation analysiert wurde und und vielleicht sogar noch das Haus an einer flachen Stelle liegt, könnte es nun erst recht im Wasser stehen. Steht denn Wasser in der Dränage?

Liebe Grüße
Holger



Danke für die Antwort!


Danke für die Antwort!

Hallo Holger,
tatsächlich wurde mit Trasszement verfugt. Scheinbar wird das in der Region hier so gemacht. „Trasszement und nichts anderes!“ - klipp und klar so gesagt von einem befreundeten Bauunternehmer, der hier häufig Sandsteinhäuser saniert.
Die Drainage führte im ersten Jahr (2019) sehr viel Wasser ab, nach Regenfällen noch tagelang. Wir haben einen Pumpenschacht angelegt, da hört man die anspringende Pumpe im 5-Minuten-Takt. In diesem Jahr läuft praktisch nichts mehr durch, obwohl es so viel geregnet hat. Ich dachte erst an eine Verstopfung und hatte auch einen Rohrreiniger da. Aber verstopft ist da nichts, es kommt nur kein Wasser mehr im Schacht an. Der Fachmann vermutete, dass das Gefälle der Drainage nicht mehr passt.
Andererseits ist auch eine Wand feucht, an der gar keine Drainage anliegt, was wohl wieder auf den zugeschütteten Keller hinweisen könnte? Ich habe eine Skizze angehängt.
Besten Dank schon mal!



Hanglage?



Moin,

mir sieht das so aus, als wenn das Grundstück an der linken Seite (Weg) höher liegt als auf der rechten Seite (Baum).

Die Drainage würde ich mit Gefälle vom Haus weg (4 bis 5 Meter) einfach von den Hausecken weg versickern lassen (Kiesbett). Dafür würde ich den Ring öffnen und jeweils ein entsprechendes Stück ansetzen (eventuell mit Reinigungsschacht an den Hausecken.

Die Regenfallrohre entwässern wohin? Eventuell können die Rinnen und Rohre auch den Starkregen nicht schnell genug aufnehmen. Die Rohre im Boden sollten eventuell mit größerem Querschnitt verlegt werden.

Den verfüllten Keller würde ich mit Lüftungsluken zur Querlüftung ausstatten.

Mein Rat: Kleinen Bagger mieten und die Erdarbeiten um das Haus in einem Tag oder zwei erledigen. Rohre schön neu Verlegen mit ordentlich Gefälle vom Haus weg (an allen Seiten!).

Dann die Rohre abdecken mit Flies und mit Kies fixieren und bedecken.

Die Gräben würde ich entweder noch offen lassen und das Trocknen beobachten oder falls nicht gewünscht, mich auf eine erneute Öffnung an einzelnen Stellen einstellen..

Hin und wieder bei Starkregen aus dem Haus gehen und schauen, ob das Regenwasser ordentlich abfließt.

Gruß Karl



Vielen Dank



für die Tipps! Für eine Querlüftung könnte ich die zugemauerten Kellerfenster wieder (teilweise) öffnen, das ist wohl das einfachste.
Ja, an der Giebelseite gibt es ein leichtes Gefälle, ca. 50cm auf 10m. Die Fallrohre entwässern unterirdisch in die Kanalisation.
VG Philipp



Funktion Keller



Hallo Philipp,

Vielleicht könnten Sie nochmals in eines der Fotos einzeichnen, wie hoch genau der Keller verfüllt wurde.

Sie schreiben ja selbst, dass Sie eine große Menge an Wasser zusätzlich einbrachten, um den Bauschutt beziehungsweise das Material für die Verfüllung zu verdichten. Wenn nun der Keller zu allen Seiten abgeschlossen ist, kann das Wasser nur über das Mauerwerk abtrocknen.

Bei der Belüftung achten Sie aber bitte darauf, dass ausschließlich dann, wenn die Außenluft kälter ist als die Luft im Keller, gelüftet wird.

Bevor sie aber nun selbstständig die Sache angehen, würde ich erst mal die ausführende Firma beziehungsweise den planenden Architekten in Regress nehmen.,

Liebe Grüße
Holger