Feuchter Keller mit Lehmboden

08.06.2014 Michael



Hallo allerseits!

Beim Suchen nach passenden Antworten bin ich recht schnell auf dieses Forum gestoßen und hab mich gleich mal angemeldet.
Hab auch schon verdammt viele (gute) Beiträge zu meinem Problem gelesen, aber kann es irgendwie nicht so recht für mich zusammenfassen.
Zunächst mal die Fakten:

Fachwerkhaus, BJ 1904, mit Anbau aus den 60er.
Im Fachwerkteil Kriechkeller (ca. 1.5m hoch) mit Lehmstampfboden und Sandsteinwänden, unverputzt.
Insgesamt zwei etwa gleich große Kellerräume, beide ca. 25m².
Ein Keller (der jetzt nutzbare) hat ein großes (ca. 50x50cm) Fenster ohne Glas oder sonstigenn Verschluss.
Im anderen Raum zwei kleinere Fensterchen, auch immer offen. Durchzugsmöglichkeit besteht, keine Trennung der Räume.
Vor 2 Jahren haben wir die Kellerdecken komplett erneuert, auf der einen Seite Fertig-Beton, vollisoliert, auf der anderen Seite Holzbalken mit Styropor-Isolierung.
Als die Kellerdecke weg war, war der Boden herrlich trocken.
Jetzt aber ist er ziemlich feucht, momentan im Raum ca. 85% Luftfeuchte bei eta 15°C. Flaschen und Etiketten fangen gerade jetzt im Sommer an zu schimmeln.
Auf einem Teil des Bodens habe ich alte Waschbeton-Platten verlegt, den Rest des Raumes möchte ich auch noch auf diese Art "nutzbar" machen.
Jetzt meine Frage: wie bekomme ich die Feuchtigkeit, die vermutlich über einen hohen Grundwasserspiegel von unten in den Keller drückt, in den Griff? Boden absperren mittels Plane habe ich mittlerweile ausgeschlossen, da ich das Wasser dann in die Wände drücke.
Nachbar meinte, ein großes Loch ausheben, Betonringe rein, ggf. Drainagen legen und ne Pumpe rein. Bringt das was?
wie schaut es mit der Belüftung aus? Jetzt im Sommer lieber alles dicht machen?

Viel Text, aber ich habe versucht, die Randbedingungen so gut wie möglich zu beschrieben. ich kann auch gerne mal Bilder hochladen, wennn notwendig

Vielen Dank schon jetzt für eventuelle Antworten!!

Michael (aus dem Kinzigtal)



feuchter Keller



Ich glaube mit Ihren Ideen werden Sie das Problem nicht lösen können.
Da ist erst einmal Ihre Vermutung über die Feuchteursache, ein "hoher Grundwasserspiegel" Ich halte das für nebensächlich; wenn dann wären die Auswirkungen an den Wänden zu sehen.
Hohe Luftfeuchtigkeit wie jetzt im Sommer führt zu Kondensatausfall im kühlen Keller und an den kühleren Bauteilen einschließlich der Flaschen. Sorgen Sie für neue, verschließbare Fenster. Im Winter oder nachts lüften, bei warmem Wetter die Fenster geschlossen halten.
Dichten und Dämmen Sie die Kellertür, falls die vom Wohnraum aus in den Keller führt. Sie vermeiden Wärmeverluste und das Eindringen von warmer und damit feuchter Luft aus dem Wohnbereich.
"Als die Kellerdecke weg war war der Boden herrlich trocken", Natürlich, zumindest an der Oberfläche. Die Verdunstungsrate war höher als der kapillare Nachschub an Erdfeuchte; Prinzip Trocknung durch Wärmeenergie. Damit kann man aber dauerhaft keinen Keller trocken halten; Sie können den Grundwasserhorizont damit nicht trockenlegen. Besser ist es die Bodenfeuchte da zu lassen wo sie ist und hingehört, im Boden. Das erreichen Sie mit einer diffusionsdichten Abdeckung. Unterhalb feucht, oberhalb trocken. Eine Folie auf den begradigten bzw. abgeschälten Lehmboden, ein paar Zentimeter Bettungssand, dann Gehweg- oder Terrassenplatten knirsch verlegt.
Kapillare Wasserströme können Sie nicht irgendwohin drücken, das kann niemand. Sie hängen allein vom Wand- und Bodenmaterial und den Klimabedingungen im Raum ab, nicht vom Zustand benachbarter Bauteile. Die Bodenfeuchte strömt nicht einfach zur Wand und steigt da hoch nur weil ihr der Weg über den Boden versperrt ist. Das fällt unter die Rubrik "Märchen für Erwachsene" genauso wie die Geschichtchen das im Spinat viel Eisen ist oder August Monier den Stahlbeton erfunden hat.
Was Ihr Nachbar meint fällt unter die Rubrik: Was macht der Laie bei feuchtem Keller? Drainage legen, keiner weiß was das ist aber wir legen eine. Dränungen werden nur in einem engbegrenzten Fall im Neubau! eingesetzt, nämlich um Abdichtungen gegen Bodenfeuchte bei kurzzeitig stauendem Sickerwasser drucklos zu halten. Sie sind dabei nur ein Teil eines konstruktiven Systems. Bei Altbaukellern in bindigen Böden kann nachträgliches Aufschachten zur Zerstörung der vorhandenen Abdichtung aus gewachsenem Boden führen. Dann wird die Laiendrainage zur Kellerbewässerungsanlage.
Oder eine Grundwasserabsenkung. Er soll sich damit nicht erwischen lassen, außerdem dürfte das seinem Haus auf die Dauer nicht gut bekommen.



Fenster zu!



Bei Kellern ist es eben ein wenig anders. Bei einer Wandtemperatur von 15 und am Boden vielleicht von 12°C schlägt sich überall Kondenswasser nieder. Bitte auch den Zugang zum Erdgeschoß verschließen. Um den Keller wieder trocken zu bekommen hilft jetzt nur ein Trockner und im Winter, wenn es draußen kälter ist, dann alle Fenster auf und raus mit der feuchten Luft. Ausführlicher habe ich hier was dazu geschrieben: //forum.derhausdoktor.net/#post6



Hangwasser ?



Ob sich Wasser aufstaut, sieht man nach ein paar Tagen wenn man die oberste Lehmschicht abschält.

Bei aufstauendem Hangwasser (wie bei unserem Haus) kann eine sanfte Drainage nützlich sein. Man sollte dann aber den Pumpenschacht tiefer machen, da die meisten Tauchpumpen mit ihren ollen Schwimmerschaltern sonst nicht brauchbar sind.

Sonst scheint mir der Aufbau Lehm - Folie - Sand - Platten auch erfolgversprechend.

Auf jeden Fall Fenster zu.



Feuchter Keller



Ist der Boden Feucht oder Nass?Sprich steht das Wasser manchmal im Keller?
Ich habe hier auch einen Kriechkeller mit Pumpensumpf,einsickerndes Schichten wasser wird innen in einer umlaufenden Rinne aufgefangen in den Pumpensumpf geführt und abgepumpt.
Bei starken Regen drückt es auch durch den Boden und es steht 1-2cm hoch,trotzdem steigt das Wasser nicht im Bruchsteinfundament auf .

Grüße Martin



feuchter Keller



Werft nicht alles durcheinander.
Grundwasser ist etwas anderes als temporäres Hang- oder Schichtenwasser.
Ein Pumpensumpf ist eine offene Wasserhaltung, etwas ganz anderes als eine Grundwasserabsenkung die der Fragesteller bzw. sein Nachbar bauen wollte.
Im Pumpensumpf wird zeitweilig eindringendes freies Wasser im Keller abgepumpt (davon war in der Fragestellung nicht die Rede), bei einer Grundwasserabsenkung wird dauernd gepumpt und so ein Absenktrichter mit Strömungsgefälle erzeugt.
Was ist eine "sanfte Drainage"? Wahrscheinlich sowas wie ein bisschen schwanger. Entweder richtig oder gar nicht.
Wenn es ein Altbau ist kann der Einbau in Höhe Kellersohle verheerende Folgen haben!
Lasst als Laien also lieber die Finger weg. Das ist Sache des Tiefbauers.
Es genügt Oberflächenwasser beim Altbau hangseitig an der Oberfläche zu fassen und abzuleiten. Bei klüftigem Fels habe ich schon Fassungen, sogar offene Gerinne in Kellern gesehen. Die funktionieren tadellos solange niemand auf die Idee kommt sie zurückzubauen.
"Ob sich Wasser aufstaut..." Wasser kann sich nur von oben aufstauen, also von oben hineinlaufen. Von unten eindringendes Wasser wäre artesisches Grundwasser, dort hätte man a) nie eine Haus hineingebaut da b) die Wasserhaltung sehr schwierig bis unmöglich ist und c) so ein Keller eine Badewanne mit unterem Zulauf wäre.



Ich versuchs mit Folie



Vielen Dank für die bisherigen Kommentare uns Lösungsvorschläge!
Vor allem Hr. Böttcher, die Erklärung ist durchweg einleuchtend.
Hangwasser schließe ich aus. Das Haus steht zwar an leichter Hanglage, aber ich denke nicht, dass es daher kommt.
Es bilden sich auch keine Pfützen oder ähnliches.
Es ist halt einfach nur "Feucht", bzw. mittlerweile schon recht nass, weil die Luftfeuchtigkeit auf satte 99% angestiegen ist!
Ich denke, ich werde meine zunächst angedachte Lösung, die auch Hr. Böttcher vorgeschlagen hat, angehen: Gerade machen, Folie drüber, Sand drauf und dann die guten alten Beton-Gehwegplatten, die (bei einem anderen) Nachbarn sinnlos rumstehen drauflegen.
Als Akutmaßnahme werd ich mal das Fenster so gut es geht dicht machen und nen Lufttrockner reinstellen, sonst hat´s da Bald Regentropfen an der Styropordecke... ;)

Für weitere Meinungen bin ich aber immernoch dankbar, ich diskutiere gerne verschiedene Lösungsansätze und lasse mich entsprechend überzeugen! ;)

Auf jeden Fall ein tolles Forum, ich denke, ich werde hier noch öfter Fragen stellen, denn ich bin zwar auch Inschenöör, aber halt in einer anderen Fakultät und als Baumeister blutiger Laie..

Viele Grüße

Michael