feuchter Keller ...Erfahrungen mit Horizontalsperren (Injektonsverfahren) ??

23.03.2021 aci


Hallo zusammen,

ich befinde mich gerade mitten im Hauskauf ...leider hat das Objekt der Begierde einen feuchten Keller was für ein Objekt Baujahr 1949 sicherlich nicht unüblich ist ...

Das Haus steht an einer Hanglage somit ist der halbe Keller frei .

Das Haus hat eine Einliegerwohnung welche ich auch gerne wieder vermieten möchte, daher ist es für mich sehr wichtig den Keller trocken zu bekommen ...zumindest in den Räumen der EInliegerwohnung.

Ich habe heute in der letzten Besichtigung eine Firma dabei gehabt , welche Injektionen durchführt.
Die Messungen ergaben tlw. Ergebnisse von bis zu 190... die Mauern sind somit tlw. richtig nass. Obwohl nicht einmal Erdreich von aussen anliegt.

Ich bitte um eure Erfahrungen ob eine Injektion hier wirklich hilfreich sein kann =?? Was mich auch sehr fraglich macht ... warum das Wasser nur an den Wänden hochkommt und nicht am Kellerboden ???

Bin sehr gespannt auf eure Erfahrungen / Meinungen ..

VIelen Dank schon mal für euren Support

Gruss
Achim



Verwaltung des Mangels



V.a. Häuser der Baujahre 1945-Mitte/Ende der 1950er wurden zu Zeiten des absoluten Mangels und gleichzeitig größter Wohnungsnot gebaut. An allen Enden musste gespart werden. Das heißt, aber eben ohne das Objekt genauer zu kennen, dass bei Gebäuden dieses Baujahres genau die Wirtschaftlichkeit der Sanierung geprüft werden muss.

Die damaligen Keller wurden nur als Lagerraum errichtet, häufig ohne jede Abdichtung. Um aus diesen Räumen Wohnräume zu errichten, ist häufig ein sehr hoher Sanierungsaufwand mit den damit entsprechend hohen Kosten verbunden.

Ohne eine genaue Analyse der Ursache ist die Sanierung zum Scheitern verurteil. Schnell entstehen bei dem von Ihnen beschriebenem Schadensbild Sanierungskosten im mittleren fünfstelligen Bereich. Daher muss genau geplant werden.

Das Injektionsverfahren insgesamt ist in den seltensten Fällen wirksam. Sie müssen bedenken, dass hier flüssiges Wachs nach dem Erhitzen der Wände in die Wand gekippt wird. Das müsste sich also theoretisch so homogen und absolut rissfrei verteilen, dass es wasserdicht ist. Des Weiteren muss dieser Zustand über Jahre erhalten bleiben und die Ursache muss dazu die noch nie nachgewiesene, aber gerne zitierte, Ursache "der aufsteigenden Feuchtigkeit" sein.

Fazit: 1. Gutachten per unabhängigem Sachverständigen/ Gutachter zu den Ursachen erstellen lassen.
2. Sanierungsplan aufstellen.
3. Kostenvoranschläge einholen, inkl. Überprüfung der Wirtschaftlichkeit.
4. Sanierung oder Abriss



Ergänzung



Mein letzter Punkt "Sanierung oder Abriss" ist etwas drastisch formuliert. Zumindest sollten Sie aber überprüfen, ob eine Nutzung als Wohnraum, hier gar zur Miete, umsetzbar und wirtschaftlich ist.



Kritisch beurteilen ( lassen)



und bitte bedenken, dass die Beurteilung der Situation und die Lösungsvorschläge von jemandem kommen, der mit der Lösung Geld verdient. Die Firma ist da eben ( höchstwahrscheinlich) befangen.



Die Frage war doch: Erfahrungen mit Horizontalsperren ...



..insbesondere Injektionsverfahren, oder habe ich das falsch verstanden?
Ja. seit ungefähr 50 Jahren beschäftige ich mich mit diesen Themen.
Meine Erfahrungen damit sind alle positiv, aber...
Es setzt voraus, dass die dementsprechenden Voruntersuchungen z. B. nach Merkblatt der WTA. e. V. erfolgen.
Ich zitiere dazu aus Bauwerksabdichtung in der Altbausanierung von meinem Freund Jürgen Weber:
Der Erfolg oder Misserfolg der Bausanierung ist im Wesentlichen von einer ausreichend sensiblen und durch Fachkenntnis gekennzeichneten Planung abhängig. Der Spagat zwischen einer vom Bauherren gewünschten kostengünstigen Planung und der Ausarbeitung eines fachlich fundierten Sanierungskonzeptes wird immer wieder in Folge des Kostendruckes „ausgereizt“. Durch falsch verstandene Kosteneinsparungen werden Fehler in der Planung von Abdichtungsarbeiten an Bestandsbauten vorgenommen, die sich in der Ausführung selbst, aber auch im Nutzungszeitraum nur noch durch erhebliche Kosten- und Zeitaufwendungen wieder revidieren lassen. Die Verhältnisse im letzten Bauschadensbericht der Bundesregierung weisen eindeutig auf diesen Umstand hin. Zitat Ende.
Ich möchte jedoch nicht pauschal zu diesen oder jenen Verfahren Stellung beziehen sondern darauf verweisen es gibt dazu auch Merkblätter der WTA.
Referat 4 Bauwerksabdichtung
Paket WTA-Referat 4
€ 110.00
4-5-99/D Beurteilung von Mauerwerk - Mauerwerksdiagnostik
10 / 2015 € 17.50
4-6-14/D Nachträgliches Abdichten erdberührter Bauteile
11 / 2014 € 30.00
4-7-15/D Nachträgliche mechanische Horizontalsperre
04 / 2015 € 15.00
4-9-19/D Nachträgliches Abdichten und Instandsetzen von Gebäude- und Bauteilsockeln
11 / 2019 € 30.00
4-10-15/D Injektionsverfahren mit zertifizierten Injektionsstoffen gegen kapillaren Feuchtetransport
03 / 2015 € 25.00
4-11-16/D Messung des Wassergehalts bzw. der Feuchte von mineralischen Baustoffen
03 / 2016 € 20.00
4-12-16/D Ziele und Kontrolle von Schimmelpilzschadensanierungen in Innenräumen
11 / 2016 € 15.00
E 4-12-20/D Ziele und Kontrolle von Schimmelpilzschadensanierungen in Innenräumen
03 / 2020 € 8.00

Oder was natürlich auch möglich ist, Sie kaufen mein Buch "Gesund wohnen in Altbauten" und erhalten so auch meine Erfahrungen dazu.



Umstrittenes Thema



Den Ausführungen von Herr Bromm ist eigentlich nicht mehr viel hinzuzufügen.

Das Thema Injektionsverfahren/chem. Abdichtung ist aber nach wie vor sehr umstritten.
"dass hier flüssiges Wachs nach dem Erhitzen der Wände in die Wand gekippt wird" kann man allerdings auch nicht einfach sagen, die Zeiten sind vorbei, es gibt mittlerweile etliche Verfahren mit anderen Materialien, bei denen Wände nicht mehr erhitzt werden müssen.
Und,
es gibt nach wie vor riesige Preisunterschiede.
Beispiel: Auf einer meiner Baustellen im letzten Jahr wurden 3 verschiedene Firmen um Angebote für eine Horizontalsperre für stark durchfeuchtetes Ziegelmauerwerk gebeten: Preisdifferenz 150%....
Ich würde auf jeden Fall empfehlen mehr als 2 Angebote für gleiche od. vergleichbare Anwendungen/Verfahren einzuholen!

In diesem Fall hier bleibt noch die Frage: Was ist mit den bergseitigen, in der Erde steckenden Wänden?
Da geht es dann (auch) um Vertikalsperren.



Das sehe ich nicht so, denn...



..es soll nicht die Abdichtung (welcher Art auch immer) bewertet werden sondern ob eine solche Horizontalsperre Sinnvoll ist.
Mit keiner Horizontalsperre und auch nicht mit irgendwelchen Injektionen werden die Temperaturen in einer Wand erhöht.
Da dies nach meiner Erfahrung aber in den meisten Fällen das Problem ist, sollte schon genau untersucht werden warum die Keller feucht sind.
Dazu die Frage: wie hoch steht denn das Wasser im Keller oder sind nur die Wände feucht?
Wie oft steht Wasser im Keller?
Wieviel Liter Wasser dringen in welcher Zeit ein?
Um welchen Baustoff handelt es sich?
War das schon immer eine Wohnung?
Wie wird oder auch wurde diese geheizt?
Aber manche Menschen wollen halt auch nur das Geld anstatt das Problem lösen!
Der Baustoff der Außenwand wäre wichtig!