Feuchter Keller / Baubiologe?




Liebe Forumsmitglieder,

wir haben vor kurzem unseren kleinen Gewölbekeller vom Fachmann sanieren lassen, weil wir einen wilden Schwamm hatten. War Gott sei Dank kein großes Drama. Alles so weit wieder in Ordnung. das Problem ist aber, dass wir eine Grundfeuchtigkeit im Boden haben (damit hat das ganze Viertel zu kämpfen) und der Keller mir nicht richtig in Balance zu sein scheint. Im Rahmen der Sanierung wurde eine kleine neue Kellerwand errichtet, die schon jetzt nach einigen Wochen übersät ist von weißem Flaum (und wir haben auch einzelne dunkle Flecken in dem neuen Ziegelwerk, könnte Schimmel sein auf den ersten Blick). Wir werden die Feuchtigkeit nicht rauskriegen aus dem Boden. Wir brauchen eine Lösung mit Feuchtigkeit im mittlerweile freigelegten Lehmboden. Könnte man mit einer Lüftung vielleicht etwas erreichen? Sollte da vielleicht mal ein Baubiologe schauen? Irgendwie glaube ich nicht daran, dass es helfen würde, jetzt alles zuzuspachteln und groß mit Chemie zu arbeiten. Es muss doch für so einen Keller eine Art "Gleichgewicht" geben, damit die Feuchtigkeit keinen Schaden anrichtet, oder? Früher haben die Menschen sich doch was gedacht dabei, als sie das gebaut haben. Müsste man da vom Denken her nicht eigentlich "Back to the roots"? Bin für jeden kleinen Hinweis sehr dankbar :-)



Feuchtebelastungen



Die Feuchtebelastung in historischen Bauwerken, insbesondere bei erdberührten Bauteilen wie Kellern, nicht unterkellerten Erdgeschossen, Geschossen in Hanglagen etc. muß man unter Berücksichtigung der seinerzeit üblichen Bauweisen betrachten und bewerten.

Nachträgliche Bauwerksabdichtungen nach heutigem Standard und gemaß der DIN 18195 (Bauwerksabdichtung) als Reaktion auf die unterschiedlichen Feuchtephänomene sind in solchen Fällen kaum oder nur mit großem Aufwand zu realisieren. Sie sind nur dann angemessen, wenn eine wirklich massive Belastung vorliegt, die die Nutzung des Bauwerks ebenso massiv beeinträchtigt.

In Ihrem Falle liegt wohl eher eine erhöhte, aber normale Kellerfeuchte vor, die durch ausreichende und richtige Belüftung abgeführt werden könnte, sofern diese in Ihrem Keller möglich ist.

Ggf. können Boden und Wände mit passenden kapillaraktiven und diffusionsoffenen Aufbauten oberflächentrocken saniert werden, unter Berücksichtigung der Altbausubstanz, ohne das mit bauchemischen Mitteln gearbeitet werden muß. Eine hochwertige Nutzung des Kellers im Sinne einer Wohn- oder Büronutzung ist dabei dann eher nicht möglich.

Grundsätzlich empfiehlt es sich, die Bausubstanz von ihrer Grundkonstruktion erst einmal zu analysieren, bevor weitreichendere Maßnahmen zur Sanierung oder dem Ausbau beschlossen werden.

Dazu zählt auch die die Bewertung der Bodenverhältnisse, ggf. die derhydrologische Situation (Grund- und Oberflächenwasser, Grundstücks-entwässerung, Grundleitungen etc) und der angrenzenden Bebauung.

Ich kann mir Ihr Fachwerkhaus gerne einmal anschauen, speziell bezogen auf die beschriebene Feuchtebelastung oder grundsätzlicher und umfassender im Sinnen eine Bauberatung. Vielleicht ergeben sich noch weitere Punkte für Sie im Zusammenhang mit Sanierungs- und Umbauüberlegungen zu Ihrem frischerworbenen Fachwerkhaus.

Meine Kontaktdaten finden Sie unter "pickartz.architektur" (anklicken). Ich habe z.Zt. eine Baustelle in Köln-Sürth und kann gerne einmal unaufwendig bei Ihnen vorbeikommen.

Will Pickartz | Architekt | Bad Münstereifel





Danke, lieber Herr Pickartz, wir wären an Ihrer Einschätzung zu einer Belüftungslösung sehr interessiert. Wir brauchen den Keller nicht, er ist auch sehr klein - er soll nur keinen Schaden anrichten. Wir haben einen Luftschacht zu unserem Innenhof hin, wahrscheinlich reicht das aber nicht aus. Wir haben das kleine Zimmer über dem Keller "aufgemacht" - Boden und Wände. Es gibt keine Schäden durch Feuchtigkeit. Bei der Wiederherstellung könnte aber auch Ihr Rat hilfreich sein. Vielleicht könnte man auch den Boden so gestalten, dass es für das Raumklima im Keller darunter zumindest nicht schädlich ist. Ich werde Sie die Tage mal kontaktieren ...



Feuchter Keller / Lüften



Hallo Melanie,
durch ein richtiges Lüftungsverhalten läßt sich auch schon einiges erreichen. Bei feuchtwarmer Luft ist Lüften eher schlecht! Am besten bei trokenkalter Luft bzw. wenn die Luft außen kälter ist wie in deinem Keller. Klingt komisch ist aber so!

Gruß
HD



Das Problem



ist nicht das Wasser, das reinkommt, sondern das Wasser, das nicht rauskann.
Wenn an der Wandoberfäche mehr Wasser abtransportiert wird, als eindringt, ist der Keller trocken.
Eine Zwangsbelüftung installieren, kanalisierte Zuluft ca 15cm über dem Boden (in der hintersten Ecke), möglichst weit entfernt Entlüftungsöffnung unter der Decke, und die Schwerkraft ist dein Freund.
MfG
dasMaurer





Herzlichen Dank für die Tipps! Ich glaube, wir gehen jetzt in der Tat mal als allererstes das Thema Belüftung an ... Welches Gewerk macht denn sowas? Den Keller analysieren und Luftfeuchtigkeit o.ä. messen und eine Belüftungslösung entwickeln? Kennt jemand vielleicht einen guten Fachmann aus dem Großraum köln und Umgebung? Wir hatten einen superguten Statiker beim Umbau, Jens Baltzer (sehr zu empfehlen im Übrigen), vielleicht kann der auch mit seinem Netzwerk weiterhelfen ... Herr Pickert, bei Ihnen melde ich mich auch noch mal ...



Herrn Baltzer ..



kann ich ebenfalls empfehlen. Wir haben in einem gemeinsamen Planungsbüro in Köln gearbeitet und einige Projekte zusammen realisiert. Als Statiker sehr engagiert und kooperativ, auch und gerade in Bezug auf Fachwerkumbauten.