Fachfrage für die Lehmbaufreaks...




Zunächst mal an alle: Ein schönes neues Jahr, Erfolg, Gesundheit und gutes Aussehen für 2008.
Spezieller nun für die Lehmbaufreaks:
Ende 2005 haben wir, häufiger schon mal in anderen Beiträgen erwähnt, die Sanierung eines alten Fachwerkhauses in MV fertig gestellt. Insgesamt für alle Beteiligten zufriedenstellend, aber ein kleines Problem bleibt irgendwie dauerhafter erhalten als wir das wollten und mir fällt dazu keine richtige Lösung ein.
Auf der Straßenseite (Ost) haben wir eine Ziegelfassade, Vollziegel, 25 cm, innenseitig 17-18 cm Blähton-Lehmmischung im Schalungsverfahren eingebracht. An den Fensterlaibungen innen wurden etwa 7-8 cm Blähton-Lehmmischung eingebracht.
Die etwa 120 Jahre alte Ziegelfassade wurde mit Wasserstrahl gereinigt. Das Foto zeigt eine von drei Fensterlaibungen der Ostsseite in Richtung Nord von außen gesehen. Die Laibungen hier trockneten anfangs zunächst langsamer ab als andere Bereiche und wiesen dann wechselnd starke Feuchteflecken auf, wie auf dem Bild aus September 2007 zu sehen. In den Übergangszeiten werden die Flecken schlimmer, im Nachgang zu längeren Regenzeiten verstärken sie sich ebenfalls.
Meine Vermutung geht in folgende Richtung: Sinterschicht der Ziegel durch Wasserstrahl entfernt; alter, porös gewordener Ziegelstein; Feuchtigkeitseintrag über die geringe Bauteilstärke im Laibungszwickel.
Aber eigentlich bin ich momentan eher ratlos wie ich an dieser Stelle weiterforschen soll und welche Maßnahmen ich dem entgegensetzen kann.
Hat jemand einen Tipp oder Erfahrungen mit ähnlichen Problemfällen?
Grüße aus Leipzig



Anmerkungen:



1. Ostseite wird bei uns nur in Ausnahmefällen beregnet (meistens Süd-West-Wind)und ist daher auch bei langanhaltenden Niederschlägen trocken. Kann bei euch eine derart große Feuchtemenge auf diesem Weg ins Mauerwerk gelangen?

2. Ist eine Blähton-Lehmmischung überhaupt in der Lage die Feuchtigkeit derart aus dem Ziegelmauerwerk "herauszutransportieren" (Kapilarbrechung durch grobe Blähtonkugeln ???). Einfach mal in einer Wanne Blähton-Leichtlehm in entsprechender Dicke auf Ziegel auftragen, trocknen lassen und dann die Ziegel befeuchten...

Interessantes Problemchen... Viel Erfolg

Gruß Frank



Feuchte Laibung



Hallo Martin,
die Feuchte Laibung kann natürlich durch Schlagregeneintrag entstehen; das bedeutet, die Fenster sind nicht schlagregensicher verbaut. Dann wäre aber der Sturz nicht feucht.
Restbaufeuchte wäre auch eine Möglichkeit. Und dann gibt es noch eine etwas abenteuerliche Vermutung (Ich hatte so was schon mal):
Über die Dachrinne oberhalb wird bei betimmten Witterungslagen Wasser in die Mauer eingetragen.
Wie gesagt, alles nur Vermutungen...

Viele Grüße



Antwort auf erste Antworten



Danke erstmal für die ersten Antworten.
@Stephan: Eine undichte Anschlussfuge ist natürlich auch möglich, aber bei den Anarbeitungen von Kompriband und abdeckende Leiste, der Fensterbauer war ich größtenteils dabei und bin eher überzeugt, dass hier fachkundig und sorgfältig gearbeitet wurde. Die Flecken würden aber auch nicht an jeder Stelle so einem Mangel entsprechen. Wärmebrücke schon eher (verbleibende Bauteilfeuchte und Luftfeuchte innen kondensieren im Laibungsbereich weil an dieser Stelle das Mauerwerk am dünnsten ist und durch Abkühlung von außen sehr viel kälter wird. Aber auch hierfür sind die Feuchteflecken eher seltsam angeordnet, weil nicht durchgehend gleichmäßig unmittelbar im fensteranschluss innen.
@Georg: Salzausblühungen sind auch eine Variante, allerdings sind mittlerweile schon über zwei Jahre ins Land gegangen und wir sind bereits im dritten Winter. OK, das sind Prozesse, die schon ziemlich lange dauern können. Würde also heissen: mittig der feuchten Flecken (im helleren Teil) treten Salze aus, die durch die langsame Austrockung im Material nicht mehr gehalten werden können und nach aussen getrieben werden. Die Salze an der Oberfläche wiederum reichern aber in diesem empfindlichen Bereich Feuchte an.
Richtig verstanden, Georg?
Wenn es dann nur ein sehr langer Prozess wäre, würde es Bauherrn und mich beruhigen. Andersrum weisen die Fenster seit langem zu hohe Holzfeuchten auf, was holzzerstörende Pilze hier ausrichten können, kann ich mir leider nur zu gut vorstellen.
Für Georgs These würde auch sprechen, dass auch in letzter Zeit nochmal kleinere Salzschleier auf der Außenfassade aufgetreten sind und ein paar Ziegelsteine, die vorher augenscheinlich in Ordnung waren, an der Oberfläche ausgebröselt sind und kleinere Abplatzungen aufweisen.

Die Außenwände sind innen mit Wandheizung ausgestattet. Grundsätzlich wäre es sicherlich günstiger gewesen in die Laibungen ebenfalls ein paar Heizschlaufen einzulegen. Da hatte auch Udo in einem Telefonat nochmal darauf hingewiesen.
Gemäß Georgs These müsste dann die Salze stärker eher nach außen getrieben werden und nach noch längerer Zeit auf der Außenseite Ausblühungen bilden, weil die Wärme auf den vollständigen Innenflächen den Dampfdruck im Bauteil eine eindeutigere Richtung vorgibt.
Liege ich immer noch richtig, Georg?
Verzeiht mir die blöden Nachfragen, ich mag ja von einigen Dingen ein wenig Ahnung haben, aber Physik und Chemie stellen sich immer wieder als meine Achillesfersen dar.
Das war schon in der Schule so :-(
Danke aber für Eure Hilfe.
Grüße
Martin



Wenn das Ziegelmauerwerk



25 cm stark ist, dann kommen Innenkante Fensterrahmen, Lehmwand und Ziegelwand an einer Stelle zusammen. Eine schönere Wärmebrücke kann es eigentlich nicht geben.
Ich Tippe auf Kondensat. Trocknen die Stellen im Sommer ab?Es wäre aus meiner Sicht besser gewesen, wenn die Fenster in einer Linie mit der Fuge zwischen Ziegel und Lehm gesetzt worden wären. Und wenn die Fensterleibungen etwas besser gedämmt worden wären (besserer Dämmwert).
Aber auch das sind nur Vermutungen.
Vielleicht kann man das ausprobieren, indem man einmal ein Fenster nach innen versetzt und dabei darauf achtet, dass die Dämmung neben dem Fensterrahmen stimmt und auch die Luftdichte an dieser Stelle gewährleistet ist.
Vielleicht kannst du das Detail Fensteranschluss einmal skizzieren.



Ich sehe da eine Dachrinne darüber!



Tippe zwar auch auf Wärmebrücke, aber im September schon solche Flecken? Ist über allen 3-Fenster dieses Dach? Der Überstand ist mir recht kurz. Nicht das der Wind Wasser auf die Mauer drückt?

Wenn nur 3-Fenster; ist der Wandaufbau bei den anderen Ost-Fenstern anders?

grübel, grübel

Marko



rätselhafte Feuchte



Hallo Martin,

Mit Ferndiagnosen ist das natürlich schwierig. Aber was zu sehen ist würde ich der Aufnahmefähigkeit der Ziegelwand zuschreiben. Ich hatte den Fall, daß bei Starkregen die Rinne überlief und das Wasser sich über die Fassade ergoß. Schadbild vergleichbar, nur dass dieser Aufbau hier das Wasser leichter wieder rausläßt. Die Lösung in meinem Fall war: Reinigung der Dachrinne, 2. Fallrohr und die Behandlung der Fassade mit Altrosil Fino. Diese Behandlung bewirkte eine dichtere Oberfläche durch die Kristallisation in den Poren, Verfestigung des Mauerwerks und Abtrocknung über etwa sechs Monate. ( Die Diffusonsfähigkeit bleibt erhalten). Prinzipiell behandle ich alle saugfähigen Wetterseiten egal aus welchem Material mit den Altrosil Materialien. Besonders aber die Spritzwasserbereiche.
Vielleicht ist das auch in diesem Fall die Lösung.


Mit freundlichen Grüßen aus Berlin


Werner Gensky


www.das-gesunde-bauwerk.de