Dodecyltriethoxysilan

28.06.2013



Liebe Community,

ich wohne hinter 1,5 m breiten Kellerwänden. Insbesondere die Außenmauern sind immer leicht feucht, in Winter extrem kalt und nach langen Regenperioden neigen die Wände zum stocken. Für diese Kernprobleme suche ich eine möglichst einfache Lösung und vertraue darauf, das Thema in diesem Forum diskutieren zu können.

1. Ansatz
Also als dem Bauwesen unkundiger habe ich im Netz mal nach nachträglich anzubringenden Horrizontalsperren gesucht. Dabei findet man wie den meisten hier bekannt ist schnell diverse Flüssigkeiten, die versprechen oben genanntes Problem zu beheben.

Mir ist bewusst das ich mit dieser Thema verbranntes Land betrete und es hier in der Community deutlich mehr Gegner, als Befürworter solcher Flüssigkeiten gibt. Um so wichtiger ist mir aber an dieser Stelle eine Sachliche Diskussion.

Um dies von vorn herein klar zu stellen, ich bin in Ermangelung eigener Erfahrungen weder für, noch gegen solche Flüssigkeiten.

Die in der Überschrift genannte Verbindung befindet sich in einer der besagten Flüssigkeiten. Für mich als Ing. aus dem Bereich der Messtechnik/Analytik war dies zunächst einmal überraschend, da es technische Bereiche gibt, wo solche Organischen Silane genau dazu verwendet werden, um Oberflächen hydrophob zu machen.

Ich habe mir also die Frage gestellt: Ist die oben genannte Verbindung in der Lage, den Wassergehalt eines immer wieder Feuchtigkeit ziehenden Mauerwerks zu verändern?

Diese Frage kann ich nicht beantworten, weil mir hierzu tatsächlich der chemisch-physikalische Sachverstand fehlt.

Hat denn jemand innerhalb dieser Community eine plausible Antwort oder einen Hinweis auf eine plausible Antwort?

Ich danke allen im Voraus, für eine rege Teilnahme.

Liebe Grüße

P.s. Ich hoffe diesmal nicht den Eindruck eines Klinkenputzers zu erwecken. Obschon der ein oder Andere jetzt sicher ein Deja vu hat.
Bis auf meinen Namen ist oben beschriebene Geschichte wahr.



jetzt



bin ich aber gespannt: es gibt Mitglieder, die vertreten die Meinung, nicht dämmen, nur Masse würde es bringen. Wenn Du nun Deine Probleme schreibst, deckt sich das mit meiner Erfahrung. Mal sehen, was für Lösungen kommen. "Flüssigkeiten" beheben aber sicher nicht das Problem - ich denke eher, daß man bezüglich der Heizung/Lüftung etwas unternehmen sollte. Dazu brauchen wir aber mehr Infos zum Objekt !!



Danke



Vielen Dank,

Das läuft besser an als ich gehofft habe.

Also 2. Ansatz Änderung an Heizung und Lüftung
Die Wohnung nimmt mit ca. 100 qm beinahe die Hälfte des Kellers vom 4 stöckigen Fachwerkhaus ein.
Der zur Wohnung ausgebaute Kellerteil hat folgende Außenwände: Nordseite komplett ca. 20 m lang davon etwa 3 m mit ca. 1 m unter der Erde. West und Ostseite jeweils mit ca. 6 m Länge und auch wieder ungefähr 1 m unter Erdniveau.
In den Räumen - alle sehr klein - nur die beiden Flure sind riesig - befinden sich Heizkörper. Diese werden über eine Zentralheizung versorgt. Wenn wir die Heizkörper im Winter auf 3 stellen, haben wir auf dem Fußboden 15 bis 16 Grad und in 2,30 Höhe ( Decke) ungefähr 24 Grad. Die Luftfeuchte können wir im Winter durch 2 x tägliches Stoßlüften auf 30 bis knapp 50 % einstellen. In den Übergangszeiten haben wir Probleme, die Luftfeuchte unter 60 % zu drücken, wo wir dann nur früh morgens Lüften.
Die Außenwände des Keller haben folgenden Aufbau: von innen her mit Ziegel gemauert, wie dick ist unklar . Außen drauf befinden sich Große Steine in grauer Masse (Sorry genauer kann ich es nicht beschreiben) das ganze ist dann noch verputzt.
Bevor ich jetzt weiter eventuell unnütze Infos gebe, frag ich lieber erst einmal: Welche Infos werden denn gebraucht?

Danke im Voraus

Liebe Grüße



das



ist doch schon erstmal etwas zum Vorstellen (zum Fotos hochladen bitte anmelden, kostet nichts und tut nicht weh!). Detailfrage: Wo bzw. wie verlaufen die Heizungsrohre zu den Heizungskörpern. Was habt Ihr für Fußbodenbelag. Hast Du Ahnung, was für Putz sich auf der Innenseite der Außenwände sich befindet ?

PS: Ich kenne Dein Problem aus eigener Situation - aber wie haben nur 40er Bruchsteinwände/Mischmauerwerk. Da hat eine WDVS geholfen. Bei Deinen Wandstärken habe ich da meine Bedenken.



...



Die Heizungsrohre verlaufen "vermutlich" Hauptsächlich in den Außenwände unterhalb Kniehohe. An 1 bi 2 Stellen hatte ich im Winter jedenfalls das Gefühl den Verlauf der Volaufleitung an der Wan ertasten zu können. An anderen Stellen der Mauern und des Fußbodens ist aber nicht vom Vorlauf zu erspüren.
In zwei Zimmern wurde Laminat verlegt, was den kühlen Fußboden angenehmer macht. Alles andere ist gefließt. Den Aufbau unterhalb der Deckschicht kenne ich nicht, im Winter können wir jedoch Durch auslegen diverser kleiner Teppiche die Temperatur der Wohnung regulieren.
Was genau als Innenputz verwendet wurde ist mir nicht bekannt, er ist recht hart, hat nen deutlichen Sandanteil und Bohrmehl davon riecht leicht metallisch.
Angemeldet bin ich eigentlich, Fotos Sind prinzipiell kein Problem. Was soll ich ablichten?

Liebe Grüße und wieder ein Danke!



Kellernutzung



Ein typischer Fall für eine hochwertige Nutzung von Kellerräumen, hier als Aufenthaltsraum.
Dafür gibt es zwei grundsätzliche Vorgehensweisen:

1. Feuchte von außen abstellen
Das geht über die Abdichtung des Sockelbereiches. Ob noch weitere Abdichtungen erforderlich und sinnvoll sind, hängt vom Material und der spezifischen Bauweise von Kellern ab.

2. Feuchte von Innen abstellen
Das bedeutet Vermeidung von Kondensatbildung. Das geht entweder durch verstärktes Heizen und Lüften und/ oder durch Einbau einer Innendämmung. Die spart auch noch Energie. Von unten oder außen eindringende Feuchte kann man, falls eine erforderliche äußere Abdichtung nicht geht, mit einer Innenabdichtung fernhalten.
Wie das alles zu lösen ist kann nur individuell vor Ort entschieden werden.
Den Popanz "Aufsteigende Feuchte" und chemische Injektagen als alleinseligmachende Wunderwaffe dagegen kann man hier bei 1,5 m Wanddicke vergessen.
http://ingenieurbüro-böttcher-asl.de/mediapool/88/885822/data/Gab_es_frueher_trockene_Keller.pdf


Viele Grüße



Die Problemstellung und mögliche...



... Lösung ergibt sich eigentlich aus einer anderen Sichtweise...

Als erstes muss die Ursache für die Feuchtebelastung gefunden werden, dann sollte sie möglichst abgestellt werden, dann kann man über nötige/mögliche Sanierung nachdenken.

Zunächst: Deine geschilderten Werte der relativen Luftfeuchtigkeiten sind nicht dramatisch, eher im Durchschnitt. Ohne Kenntnis der örtlichen Geologie und Hydrologie sind Spekulationen über die Ursache nichts weiter als, nunja, Spekulationen...
Da ein Teil des Problems bei Starkregen auftritt, wird auch die vertikale Belastung eine Rolle spielen, da nützt dann auch eine nachträglich angebrachte Horizontalsperre nix, so sie denn ohne Anschluss an die Bodenabdichtung funktioniert. Zu dem nicht genannten Produkt äußere ich mich gar nicht erst...
Die anscheinend fehlende oder mangelhafte Fußbodendämmung und -Isolierung ist ein weiteres Problemfeld. Du hast geschrieben, dass Du durch Auslegen von Teppichen die Raumtemperatur regulieren kannst; das ist dramatisch...

Ich hoffe, ich habe Dir ein paar Denkanstöße geben können...

MfG,
sh



Vielen Dank!



Meinen herzlichen Dank an alle, für die Denkanstöße, Vorgehensweisen und den Lösungsvorschlag bzgl. der Kernprobleme. Ich Werde versuchen mit deren Hilfe ein entsprechendes Anschreiben an meinen Vermieter zu formulieren. Mit welchen Argumenten ich Ihn nun vom Popanz der Matscherei mit der Brühe überzeugen soll, weiß ich zwar noch nicht, aber vielleicht fällt mir noch was ein. Problem ist nämlich sowas hat er voriges Jahr im Keller auf der Südseite des Hauses machen lassen, als bei uns in der Wohnung noch nichts gestockt war.
@ Herr Bötcher, haben Sie einen Tipp, wo ich in meiner Nähe einen in Ihren Augen kompetenten Kollegen finde, der letzte Tiefbauer hat nämlich vor mir zum Vermieter gesagt: "Die alte Isolierung an dem Sockel, faß ich nicht an" dat war nicht grad Hilfreich, denn jetzt steht an der Stelle ein schickes Mäuerchen vorm Sockel (Nordseite).

Nochmal vielen Dank an alle. Das Problem mit der Brühe hab ich nun Begriffen, ich werd's hier nicht mehr ansprechen. Außer das eine noch: den Versuch ob sowas den Feuchtegahalt in einem mineralische Baustoff beeinflussen kann, und was denn eigentlich nach Tagen Wochen oder Monaten davon übrig bleibt, werd ich trotzdem durchführen (Frostbeständigkeit werd ich auch mit anschauen, danke nochmal für diesen Hinweis) das gebietet nun mal mein Forscherdrang.
Zu Details Durchführung und eventuellen Ergebnissen, werd ich mich öffentlich aber nicht mehr äußern. Falls trotzdem jemand Interesse hat, ist er herzlich eingeladen sich einzubringen, im Gegenzug gibt's Erkenntnisse auf Basis von Messdaten.



feuchter Keller



Thüringen ist für mich in der Nachbarschaft, ich kann mir das mal ansehen.



Ich freue mich riesig ...



Über Ihr Angebot, vielen Dank dafür. Ein Termin hierfür wird sich sicher finden lassen. Wo es genau ist, wissen Sie ja!?
Sie sollen es sich auch nicht für umsonst ansehen. Über eine kurze P.N. wie hoch Ihr Aufwand dafür ist, würde ich mich sehr freuen.

Bis dahin.

Liebe Grüße



Danke!!!



Endlich mal eine wirklich sachliche und gut argumentierte Diskussion zu diesem Thema! Eine Wohltat!

Meine Schulbildung in Chemie und Physik lässt mich bezüglich Injektionsverfahren folgendes vermuten:
- das Injektionsgut kann nur über Kapillarwirkung in die Mauer eindringen
- es ist ziemlich unberechenbar, wie sich bunt gemischtes Mauerwerk im Inneren diesbezüglich verhält
- wenn das Mauerwerk mit Wasser gesättigt ist, wird es kaum viel Injektionsgut aufnehmen (letzteres habe ich auch aus einem Papier der TU Wien zum Thema Mauerwerksabdichtung, müsste man im Internet finden)

Also selbst wenn eine Horizontalsperre die Ursache der Probleme abstellen sollte - was ja noch längst nicht klar ist - ist ein Injektionsverfahren aus meiner Sicht nicht unproblematisch.

Das mal als Argumentensammlung für den Vermieter.



Mir hat es auch gut gefallen!



Es ist eben immer wieder beeindrucken, wie gut sich die von Emanuel Lasker beschriebenen Grundsätze (sehr kleines rotes Buch mit dem Titel "Kampf") auf das tägliche Leben übertragen lassen!

Für meinen durch Ungeschicklichkeit verursachten Fehltritt im 1. Anlauf möchte ich bei allen die dadurch kurzzeitig Puls hatten um Entschuldigung bitten, für meine Katastrophale Rechtschreibung aber auch.

Nach Stunden der Suche, hab ich leider noch nichts wirklich interessantes zum Thema feuchtes Mauerwerk in Kombi mit Flüssigkeiten gefunden. Werd aber dran bleiben, es wird auch erstmal reichen dem Vermieter das Problem umfassend zu schildern. Trotzdem danke für den Tipp!



Das



ist zwar nicht der Artikel, den ich gesucht habe, aber er wirkt zumindest recht sachlich und solide, soweit ich das beurteilen kann.

http://denkmalpflege1.e251.tuwien.ac.at/wp-content/uploads/2009/09/Mauertrockenlegung.pdf