Feuchte Wand... Wer hat Erfahrung mit Opferputz??

08.02.2014 Carina



Hallo liebe Community,

wir haben einen alten kleinen Bauernhof von ca. 1900 gekauft, den wir selbst sanieren wollen.
Nach entfernen der Tapete im EG sind uns Feuchte Flecken auf dem Putz aufgefallen.
Den Putz haben wir dann entfernt. Hierbei handelte es sich um Lehm- und Zementputz. Zwischen diesem Putz und der Tapete befand sich noch Gipsputz oder ähnliches. Hier habe ich auch schon meine erste Frage: Warum hat man den harten Zementputz bis ca zur Hälfte genutzt und ab Wandmitte mit Lehmputz gearbeitet? Weiß jemand ob ein Sinn dahinter steckte?
Unter dem Putz befindet sich die alte Ziegel- und Natursteinwand. Stellenweise sind die Steine salzig und Feucht gewesen. Das aber auch nur dort wo kein Lehm- sondern der Zementputz war. Feucht sind sie mitlerweile nicht mehr, weil die Wand getrocknet ist, das Salz ist aber noch da.
Wir haben uns dafür entschieden einen Opferputz aus Kalkputz zu verwenden. Das hat sicher schon mal jemand von euch gemacht - die Hersteller sprechen davon dass der Putz 5-7 Jahre hält, ist das realistisch? Kann uns da jemand seine Erfahrungen mitteilen??
Vielleicht gibt es bei uns im Raum Düren sogar einen Architekt oder ähnliches der Erfahrungen mit der Saniererei von alten Häusern hat und sich das mal vor Ort anschauen möchte? :)

Beste Grüße, Carina



Mauerwerkssanierung



Bevor ein Sanierungskonzept für feuchte- und salzbelastetes Mauerwerk erstellt wird, sollte die Art und der Umfang der Belastung jeweils möglichst genau festgestellt werden, Ggf. ist die Bestimmung des Salzes qualitativ und quantitativ duch die Entnahme von Materialproben und eine Laboruntersuchung vorzunehmen.

Die Feuchtebelastung hängt mit Sicherheit zum überwiegenden Teil mit der Salzbelastung des Mauerwerks zusammen (hygroskopische Feuchte), eventuell in Kombination mit kapillar aufsteigender Feuchte im Mauerwerk aus fehlender horizontaler oder/und vertikaler Abdichtung. Gelegentlich kommt noch Kondensatausfall aus der Raumluftfeuchte an der kalten Innenseite der Außenwand (hohe Wärmeleitfähigkeit=niedriger Wärmedämmwert) dazu.

Die Verwendung unterschiedlicher Putzarten kann aus dieser Feuchtebelastung resultieren. Zementputze als Sperrputze wurden bei solchen Feuchtephänomenen immer verwendet in der Absicht, die Feuchte "wegzusperren", was natürlich so nicht funktioniert.

Gips- und Lehmputze im Zusammenhang mit feuchte und salzbelastetem Mauerwerk sind grundsätzlich nicht passend. Zum Einsatz kommen dann dafür konzipierte Kalk-Zement-Sanierputze oder spezielle, hochdiffusionsoffene Kalkputze z.B. von der Firma HAGA.

Grundsätzlich sollte Ihre Situation aber im Gesamten untersucht und beurteilt werden, bevor Sie eine Sanierung vornehmen. Aufwand und späterer Nutzen sollten im rechten Verhältnis stehen.

Bei Beratungs- oder Planungsbedarf können Sie sich gerne mit mir in Verbindung setzen. Ich berate auch zu Sanierungen in Eigenleistung. Informationen zu meiner Bauberatung sende ich Ihnen bei Interesse gerne zu.



Statt einem Opferputz empfehle ich eher einen Sanierputz WTA.



Es gibt doch dazu auch Empfehlungen wie bei Feuchte- und Salzbelastung zu arbeiten ist.
Oder ist das Ziel nach einigen Jahren wieder alles neu zu verputzen?
Lassen Sie sich von einem guten Sanierputzhersteller beraten. Meist haben diese auch einen guten Berater der helfen kann.
Wenn Sie Hilfe dazu brauchen:-) www.wta.de hier die Seite geprüfte Sanierputze durchsuchen wer in Ihrer Nähe ist.



Kalkputz als Lösung - aber wie lange hält der?



Danke für die beiden Antworten.

Wir haben bereits Tests bezüglich Salz und Feuchtigkeit gemacht. Das Mauerwerk ist an den Stellen die feucht waren definitiv versalzen. Von aufsteigender Feuchtigkeit gehen wir nach den Tests nicht mehr aus. Deshalb kommt zB eine Horizontalsperre für uns nicht mehr in Frage.
Vermutlich wird die Raumluftfeuchte eine Rolle gespielt haben, vielleicht aufgrund früherer falscher Belüftung oder Nichtnutzung des Raumes...
Einen Sanierputz wollen wir nicht einsetzten, da dieser meist Zement beinhaltet. Wir haben uns bewusst für einen Kalkputz entschieden.
Ich frage mich allerdings wie lange der dann wohl auf der Wand hält... Zur Not würden wir den Putz nach einigen Jahren auch erneuern. Wichtig ist uns dass Salz und Feuchtigkeit nicht eingesperrt werden, sondern aus der Wand gezogen werden...
Ich danke für den Tipp mit der WTA - interessante Seite!

Erfahrungen dazu wie lange ein Opferputz jeweils gehalten hat, habe ich leider noch nicht gefunden.... :(



nun macht es doch nicht so komplizert



Es gibt doch auch Kalk-Sanierputz. Leider gibt es immer noch sogenannte Fachleute die sich mit den Begriffen schwertun und somit zur Verwirrung beitragen.
Viele wissen auch nicht wo die Begrifflichkeit Kalk / Zement-
Putz anfangen und aufhören.
Hierzu hat Herr Hermann Meier (früher Inhaber der Fa. Colfirmit) einer der Ersten Sanierputzhersteller eine sehr gute Abhandlung geschrieben.
Dazu eine kurze Info: der Übergang ist fließend.
. Aber es ist für viele Menschen halt viel einfacher auf den bösen Zement zu schimpfen als sich dieser Thematik etas mehr anzunehmen.



Opferputz



Ich komme gerade von einer Baustelle in der Gegend von Potsdam. Der neue Innenputz ist als Kalkzementputz aufgebaut. Die jetzt fast trockenen, vorher durch defekte Fallrohre aufgefeuchteten Wände zeigen punktuelle Ausblühungen, auch durch versalzene einzelne Steine. Glücklicherweise waren die Bauherren nicht dem reinen Luftkalkwahn verfallen, der dichtere Kalkzementputz wirkt hauptsächlich kapillar. Mit Salz befrachtetes Wasser dringt nach innen wo es verdunstet. Die Salzkristalle kann man abkehren, den Farbanstrich (eine Kalkfarbe) nachbessern. Der Feuchtenachschub ist durch Dämmung, Putz, neues Dach unterbunden.
Bei "reinem, diffusionsoffenen (atmenden)" Kalkputz wäre der wohl schon von der Wand geflogen. Das Wasser verdampft dann schon in der Zwischenschicht Ziegel- Putz. Das kristallisierende Salz löst mit seinem Sprengdruck den Putz ab.
Sanierputz fliegt nicht von der Wand weil er zwar auch diffusionsoffen ist aber Salzkristalle spannungsfrei einlagern kann.
Falls Du was über Kalk- und Zementputz wissen willst, Carina:
http://ingenieurbüro-böttcher-asl.de/mediapool/88/885822/data/Kalk_oder_Zement_oder_beides_1_.pdf



Aha :)



Super, danke für die letzten beiden Antworten - so habe ich mir das vorgestellt hier im Forum ;)

Danke.