Aufsteigende Feuchtigkeit Innenwand

10.11.2008



Hallo,

unsere Familie besitzt die Hälfte eines ca. 200 Jahre alten Fachwerkhauses in der Eifel ("über den First geteilt"). An einer Innenmauer zum Nachbarn, also genau in der Mitte des Hauses zieht sowohl beim Nachbarn als auch auf unserer Seite Feuchtigkeit hoch (ca. 1qm). Der Balken am Bodenn scheint morsch. Wasserleitungen befinden sich nicht in der Nähe, nach allem Anschein. Ein vom Nachbarn bestellter Gutachter sagte, es handele sich um aufsteigende Nässe, das Stück morscher Balken müsse raus, durch Beton ersetzt werden und mit Dachpappe abgedichtet werden.
Nun hat es beim Nachbarn vor ca. vier Jahren gebrannt, ungefähr an der Stelle, die jetzt feucht ist. Der Brand wurde durch die Feuerwehr gelöscht und die Nachbarn haben relativ schnell renoviert.

Nun die Fragen: a)kann die Feuchtigkeit noch vom Löschen des Brandes herrühren, bzw. von der nicht fachwerkgerechten Renovierung der Brandfolgen? Vorher war das Haus 200 Jahre lang trocken!
b) Was haltet Ihr von dem Sanierungsvorschlag des Gutachters?
c)Wieso sollte ein Haus, das 200 Jahre trocken ist ausgerechnet mittendrin feucht werden?

Herzlichen Dank im voraus für Eure Antworten.



Feuchte Innenwand



Ich glaube nicht, das sich der "Gutachter" zu Recht so nennen sollte.
Erstens sollten solche Sanierungsvorschläge schriftlich in Form eines Gutachtens erfolgen.
Zweitens ist die zitierte Aussage sehr zweifelhaft.
Warum sollte an einem mittelalterliche Haus an einer Innenwand plötzlich "aufsteigende Feuchte" auftreten?
Die Feuchteschäden haben eine Ursache, die erst vor kurzer Zeit eingetreten sein muß.
Sonst wäre der Balken schon vor Jahrhunderten verfault und nicht erst jetzt.
Diese Ursache gilt es zu ermitteln.
Dann sollte gesichert werden, das diese Ursache abgestellt wird und nicht mehr zu weiteren Feuchteeinträgen führen kann.
Die Sanierung des Schadens sollte dem Gebäude und seiner Bauweise entsprechen.
In diesem Fall ist es die Wiederherstellung des orginalen Zustandes.
Beton und Dachpappe hat da nichts zu suchen.

Viele Grüße

p.s. Die Begriffe Sachverständiger oder Gutachter kann sich jeder zulegen, der sich dazu berufen fühlt bzw. wenn er glaubt, das er über das notwendige Wissen verfügt
(nur bei öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen ist die berufliche und fachliche Qualifikation in einer Prüfung nachzuweisen).
Es sind keine geschützten Berufsbezeichnungen.
Wer sich allerdings als "Gutachter" ausgibt und dem Anspruch nicht gerecht wird, macht sich des Betruges strafbar.





Ich seh es so wie Georg.
Das auftreten von horizontal aufsteigender Feuchtigkeit im Innenbereich hat eine Ursache. Eine Mangelhafte Abdichtung hätte das Haus schon vor langer Zeit völlig ruiniert. Warum als nun plötzlich die Feuchteschäden. Die Ursache sollte von einem Kompetenten Fachmann gesucht werden. Wie Sie selbst erfahren haben ist nicht jeder der sich Gutachte bzw. Sachverständiger nennt auch kompetent.
Und das Einbringen eines Stahlbetonbalkens in eine Holz-Fachwerkkonstruktion scheint mir auch mehr als zweifelhaft.

gruß jens



Feuchte im Boden messen



Feuchte im Boden kann man relativ einfach mit verschiedenen Messmethoden bestimmen.

Es kann schon sein, dass die Feuchte auf den Feuerwehreinsatz vor vier Jahren zurückgeht, das ist zwar eine lange Zeit, aber dabei sind bestimmt auch grosse Wassermengen eingesickert. In bindigen Böden (Lehm, Ton) erfolgt der Wassertransport (also in diesem Fall versickern) sehr langsam, < 1 mm/Tag. Andererseits kann durch Kapillaraufstieg auch Wasser über grössere Entfernung hochgezogen werden.

Eine zweite, fast etwas wahrscheinlichere Möglichkeit ist, dass es zu einem "hydraulischen Kurzschluss" gekommen ist: Durch das Wasser der Feuerwehr stieg der Grundwasserspiegel an, und nun ist eine Verbindung zum Oberboden da, und das Wasser verdunstet und steigt nach.

Klingt gewagt, ich weiss, aber völlig unwahrscheinlich ist es nicht. Dies ist das Prinzip, nach dem man bei falscher Bewässerung den Boden versalzt! Es kommt bei "aridem Klima" (mehr Verdunstung als Niederschlag - solches herrscht im Haus) oft vor, z.B. in Australien.

Darum mein Tip: mal die Bodenart und -feuchte dort bestimmen, falls es sich ohne allzu grosse Zerstörungen machen lässt. Wenn drunter alles trocken ist, dann ist die Ursache doch woanders zu suchen.

Was man bei Nässe aber am besten tut, absperren oder die Feuchte auskoffern /abpumpen / abbinden ... da müsste ich mich erst schlau machen.


Gruss
stt



Vereidigter Sachverständiger kommt.



Zunächst einmal vielen herzlichen Dank für Eure schnellen Antworten.
Am Freitag dieser Woche kommt ein vereidigter Sachverständiger, der sich mit Fachwerkbauten auskennt. Danach werde ich sicherlich ein paar neue Fragen haben:-))