Feuchte Innenwand - Bruchstein

02.03.2017 Rene



Hallo,
wir haben begonnen ein altes Haus zu sanieren.
Eine Innenwand (ca. 60cm dick)ist aus Granitsteinen mit Lehm aufgesetzt. Ganz früher war das eine Außenwand, später kam ein Anbau hinzu, sodass die Wand jetzt Innen ist.
Nachdem der Putz abgeschlagen wurde, stellte ich fest, dass der Lehm in der Wand feucht ist. Vermutlich zieht die Feuchtigkeit von unten hoch.
Eine Horizontalsperre einbauen wird denke ich nicht möglich sein.
Kann man die Wand, respektive den Lehm der drinn ist irgendwie trocknen?
Oder reicht es die Wand wieder mit Kalkputz zu Verputzen und die Feuchtigkeit reguliert sich alleine aus?
Der Raum ist übrigens im Erdgeschoss (also kein Keller) und soll später als Partyraum genutzt werden.
Viele Grüße
Rene



Innenputz



Ob die Wand und wie stark durchfeuchtet ist- daran habe ich auf Grnd meiner Erfahrungen so meine Zweifel. So etwas kann man nicht durch bloßes Anschauen feststellen. Deshalb halte ich Ihre Schadensanalyse hinsichtlich kapillarer Feuchte aus dem Erdreich ebenfalls für zweifelhaft.
Wenn ich Partyraum höre muß ich an diskontinuierliche Nutzung denken, also der Normalfall wird ein leerstehender Raum sein der kaum beheizt und kaum belüftet wird. Nur im Nutzungsfall wird ein paar Stunden vorher der Ofen angeheizt oder die Heizung aufgedreht.
Während so einer "Party" wird immer eine Menge Kondensat in die Wand bzw. der Putzoberfläche eingelagert, je nach Anzahl der Gäste. Das sollten Sie bedenken.
Als Putz empfehle ich Ihnen mit einem gängigen Kalk- oder Kalkzementputz zu arbeiten. Lehmputz könnte bei dieser Nutzungsart nicht das Optimum bieten.
Das Raumklima und die Bauteilfeuchte können Sie am besten durch Heizen und Lüften einstellen.



Horizontalsperre



Sollte die Mauer tatsächlich Feuchtigkeit in den Fugen aufweisen, ist es definitiv möglich eine horizontale Sperre einzubringen.

In Ihrem speziellen Fall würde ich einen Anbieter wählen, der die Fugen vorher per eingebrachten Heizstäben im Bereich der Injektionsstellen austrocknet.



Da muss Luft dran...!



Hallo Rene,

also wenn der Putz schon ab ist, ist es oft schon eine Lösung die Fuge die dem Boden am nächsten ist auszuräumen ca. 2/3 und dort ein Widerlager in Form von Holzkeilen einzutreiben. So alle Stoßfunge und mitte Stein. damit die Feuchte dort aus diffundieren kann. Dieser Schlitz sollte weitgehend offen bleiben, damit die Feuchte weg kann.
Schadensursachensuche ist dort Pflicht, damit du weißt woher so viel Feuchte kommt und vorallen, die Feuchte transportiert dir Salze kapilar nach oben und kristallisiert in der Wand aus, was die Wand auf Dauer noch hygrophiler macht. Das ist ein Kreislauf.
Was der Kollege Böttcher sagt mit der Nutzung des Raumen ist absolut Fakt! Kurzzeitnutzung ist dort nicht von Nutzen.
Feuchter Lehm und unsachgemäße Trocknung dessen, beschleunigt dir stark die Schimmelbildung.

Am besten mit einem Steinmetz oder Steinsetzer sprechen, der mit Altbausanierung seine Brötchen verdient;)

Besten Gruß, Jörn



Keine Kondensationsfeuchte



Ich widerspreche Hr. Böttcher ungern.

Da es sich um eine ebenerdige Mauer handelt, gehe ich von einer Nutzung der umgebenden Räume als (beheizter) Wohnraum aus.

In diesem Falle sollte die Temperatur der Wand nicht unter 12 °C fallen können (da ja innenliegend) - und somit keine Gefahr der Kondensation bestehen (siehe Mollier-HX-Diagramm).

Es ist grundsätzlich zu prüfen, welche tatsächliche Feuchtigkeit im Inneren der Fugen der Mauer herrschen.
Dies kann von Fachfirmen oder Gutachtern vorgenommen werden oder von Rene selbst (DARR-Methode):

Bohrer mit nutzbarer Länge von 40 cm in eine Fuge nähe Boden.
Aufsammeln des Bohrmehls (ideal 100g), Messung des Gewichtes (0,1 g Genauigkeit reicht = Waage für 10 -20 Euro) Trocknung in der Mikrowelle, nochmalige Wägung.
Die Differenz gibt die tatsächliche Feuchtigkeit wieder.



12°C



Ab wann die Feuchtigkeit der Luft an der Wand auskondensiert hat doch nicht nur etwas mit der Oberflächentemperatur zu tun, sondern hängt auch von der rel. Luftfeuchte ab...viele Leute, hohe rel. Luftfeuchte bei zudem noch hoher Lufttemperatur...da finden sich schnell kühlere Oberflächen, an denen Kondensat ausfällt...

Dicke kalte Wände reichen im normalen Sommer schon aus, um die Luftfeuchte auskondensieren zu lassen



Innenwand



Ich halte den Vorschlag von Jörn Warnberg für unpraktikabel, gefährlich und überflüssig.
Fugen im Bruchsteinmauerwerk bis in 40 cm Tiefe ausräumen zu wollen ist schlicht unmöglich, allein schon bei der Wahl des Werkzeuges. Solche Wände sind immer zweischalig aufgebaut, mit einer regellosen Füllung zwischen beiden Wandschalen. Spätestens an der Füllung ist Schluß. Dann ist eine Tiefe von etwa 20 Zentimetern schon eine Gefahr für die Standsicherheit der Mauer, die Innenschale kann sich ablösen. Durch Lastumlagerung können Risse entstehen da sich die Außenschale verformen kann.
Die Holzkeile sind dafür nur ein Notbehelf. Beim Eintreiben können ganze Steine aus dem Verband gelöst bzw. gelockert werden die ohnehin schon beim Freistemmen der Fuge in der Mörtelmatrix gelockert wurden.
Die Wirkung dieser Fuge ist fraglich. Bei Kondensatanfall ist nur der äußere Bereich nass. Das können Millimeter, max. ein paar Zentimeter sein.
Im Sommer kann durch Sommerkondensation das Gegenteil passieren, Kondensatausfall in der Tiefe so einer ausgeräumten Fuge.
Kondensatbildung kann auch bei 18° oder 20°C Oberflächentemperatur passieren, je nach Lufttemperatur und absoluter Luftfeuchte.



Feuchtigkeit



Vielen Dank für die vielen Antworten und Vorschläge.
Die Mauer ist von Außen trocken, also kein Kondensat erkennbar. In der Mitte der Lehm ist jedoch leicht feucht.
Erkennbar ist dies dadurch, dass in der Mauer eine alte Fensternische ist, die ich wieder frei gelegt habe. (Dort hatte der Vorbesitzer eine Art Vitrine eingebaut....)
Ich werde der Wand durch Lüftung Gelegenheit geben auszutrocknen, später die Nische wieder zu setzen und alles mit Kalkputz verputzen.
Regelmäßiges Lüften und Beheizen ist selbverständlich und sollte das Problem (hoffentlich) beheben.
Viele Grüße
Rene



Wie kalt ist die Wand?



Ich denke Granitstein und aufsteigende Feuchtigkeit passen nicht zusammen.

Ich tippe eher auf Kondensatfeuchte wegen der kalten Wand und rate von einer Horizontalsperre als pauschale Lösung dringend ab.

Grüße



Kondensation



Hallo, nach dem was ich hier gelesen habe, möchte ich auf einen Aspekt hinweisen oder eigentlich auch zwei. Die Wand ist 60 cm dick und sehr massiv, sie ist also ein enormer Speicher. Wenn Sie den Raum nur temporär benutzen, wird die Wand nicht warm, da reicht schon die Aufheizphase, damit sich der Wasserdampf aus der Umgebungsluft an dieser trägen Wand niederschlägt. Deshalb pflichte ich denen bei, die zu lüften und wenn möglich mit Strahlungswärme den Raum beheizen, damit die Wand mit erwärmt wird. Bei einer Konvektionsheizung könnte das Problem bestehen bleiben, weil die Wand nicht ausreichend mit erwärmt wird.



Genaus so



hausdoktor.

Grüße