Feuchte Aussenwand

15.01.2021 Pi74MM


Hallo Zusammen,

aktuelles Thema ist eine Feuchte Wand in der Küche. Dass Grundproblem ist bekannt und wird durch eine Fachfirma angegangen: Keine Horizontalsperre. Zudem ist die Fassade sanierungsbedürftig. Daher war es keine große Überraschung, dass hinter einer Rigipswand hinter der mit Mineralwolle gedämmt wurde zunächst feuchter Mörtel und danach feuchtes Mauerwerk zum Vorschein kam. Die Horizontalsperre wird im März/April in Angriff genommen, die Fassade im Anschluss. Was wäre der vernünftigste/praktikabelste Weg die Küche in Betrieb zu nehmen ? Mauerwerk mit Trocknungsgeräten bearbeiten ? Im Idealfall soll wieder im Trockenbau geschlossen werden. Hierbei dachten wir an Lüftungsgitter. Auf Innendämmung sollte man verzichten oder ?

Danke für euer Feedback!
LG
Stefan



Mauerfeuchtigkeit



Mineralwolldämmung unter Gipskartonverkleidung läßt zuerst Kondensat als Feuchtigkeitsursache vermuten, das auch nach einer Horizontalsperre wieder auftreten kann.
Welches Mauerwerk?
Wie wurde aufsteigende Feuchtigkeit als Ursache der Mauerfeuchtigkeit identifiziert?



Danke !!



Mauerwerk besteht aus Ziegel, BJ Mitte/Ende 19. JH
Bislang wurde die aufsteigende Feuchtigkeit von zwei unabhängigen Sachverständigen „nur“ nach visueller Begutachtung bestätigt. Gibt es hierfür spezielle Prüfverfahren ? Das wäre natürlich super zu wissen, da die Sache ja nicht ganz billig sein dürfte. Bei 35 umlaufenden Metern reden wir sicher von ca.10 TSD €+Erdarbeiten. Als Verfahren wurde uns das Mauersägeverfahren mit Einbringung von Metallplatten vorgeschlagen. 50x50 aufgraben dazu die senkrechte Abdichtung und ich würde noch eine entsprechende Drainage anlegen um das Wasser vom Haus wegzubringen.



Mauerfeuchtigkeit



Erst einmal alles freilegen, heizen oder Bautrockner verwenden zur Trocknung.
Dann feststellen, ob sich die Feuchtigkeit ändert.

Nur durch Ansehen der Wände läßt sich unmöglich die Art der Feuchtigkeit sicher identifizieren.
Die Kosten für das Sägeverfahren werden vermutlich um Einiges höher liegen als 10.000 €-
eher zweifelhaft, zudem der Mauerverbund erheblich reduziert wird.

Falls Feuchtigkeit von unten über den Putz hochsteigt kann die Kapillarität des Putzes und damit die Weiterleitung der Feuchtigkeit durch Einschneiden des Putzes bis auf die Ziegel unterbrochen werden.
Das läßt sich leicht selbst durchführen.

Es ist sinnvoller, zuerst das von außen eindringende Wasser abzuführen und anschließend das Resultat zu beobachten- allerdings dauert die Austrocknung der Wand sicher mehrere Monate, u.U. auch Jahre.

Wandheizung oder Verlegung der Heizrohre innen am Mauerfuß beschleunigt die Trocknung.



Drainage



von welchem Wasser redest Du ? hast Du mal eine Probegrabung gemacht. Bei wieviel cm bleibt im Grabeloch Wasser stehen? Gibt es einen Keller ?
Was heißt, die Fassade ist sanierungsbedürftig ? Ist sie nicht mehr gegen Schlagregen dicht?
Ich tippe, wie Herr Teich auf eine Ursache, die mit der fehlerhaften Innendämmung zu tun hat.
Nimm einen Bohrer ( 14 mm) und bohre in die Wand. Aller cm prüfst Du das Bohrmehl, wird es mit zunehmender Tiefe trockener kannst Du aufsteigende Feuchte ausschließen.
Lüftungsgitter nach innen stellen den selben Zustand her, denn Du jetzt vorgefunden hast.



Nochmal Danke



Uns wurden von besagtem Unternehmen 300€ lfd Meter genannt. Da die Fassade 35 Meter umfasst kam ich auf die 10TSD !?
Den Punkt mit der Unterbrechung der Kapilarität des Putzes finde ich interessant, muss ihn aber richtig verstehen ;) Auf welcher Höhe unterbreche ich den Putz ? Was ist dann mit der Fläche unterhalb des Einschnittes? Die bleibt ja feucht und das Wass drückt weiter in die Ziegel. Sind diese „satt“ drückt das Wasser doch nach oben oder ? Danke für eine nähere Erläuterung, bin echt wissbegierig, da sich das fast schon zu einfach anhört/zu schön wäre ;)
Den Punkt mit den Heizungsrohren hat unser Heizungsbauer auch schonmal erwähnt. Das wäre punktuell sicher durchführbar allerdings kommen wir ohne größeren Aufwand nicht mehr komplett ums Haus rum.
Wie ist „das von außen eindringende Wasser ist abzuführen“ zu verstehen?



@Pope


@Pope

In erster Linie vom Niederschlag. Im Moment ist bis ans Haus gepflastert. Plan wäre ca 40 cm Kiesbett mit Drainage AUCH wegen der Optik.
Tja die Fassade: Ist teilweise schon sehr brüchig und hat lange lange keine frische Farbe mehr gesehen. Im Zuge dessen stünde auch gleich eine diffusionsoffene Dämmung an. Das ganze dann in Verbindung mit einer hinterlüfteten Vorhangfassade im Bereich EG/1.OG (oben ist nicht ausgebaut und soll nur gestrichen werden). Hier mal ein Bild aus etwas weiterer Entfernung (Südosten). Man kann den Wasserrand gut erkennen. Ich mach morgen auch gerne mal ein paar Nahaufnahmen wenn das zur besseren Beurteilung dient. Die Nordseite ist noch etwas brüchiger..



Außenansicht



das Schadensbild sieht nach Feuchte aufgrund von Salzbelastung aus. Ist bekannt, was es da früher im EG für eine Nutzung gab ? So ein Hof wird im Winter auch gern mal mit Streusalz eisfrei gehalten, wenn das ein paar Jahre gemacht wird, kann das auch zur Belastung führen.
Es ist Eure Entscheidung, ich aber würde zuerst den Putz im belasteten Bereich entfernen, den Bewuchs ebenso und die Spritzwasserbelastung beseitigen ( das ist das was Herr Teich meinte). Neben der Trocknung innen kann die Feuchteentwicklung bzw. der Rückgang erstmal beobachtet werden. Ich vermute nach wie vor keine aufsteigende Feuchte bzw. nur geringe. Die Frage nach dem Keller ist noch offen, nur bei Vorhandensein eines Kellers ist eine Drainage sinnvoll. Und die Höhe des Grundwasserspiegels sollte wie schon empfohlen überprüft werden.
Das sind alles kleine Maßnahmen die zur Ursachenklärung durchgeführt werden können. Für die H-Sperre bleibt dann immer noch Zeit, evtl . reicht bereits eine äußere senkrechte Abdichtung des Fundamentes bis in 50 cm Tiefe.



Fragen Fragen Fragen ;)



Im Norden und Osten ist das Haus teilunterkellert. Eine Probegrabung werde ich mal machen, wenn der Schnee bzw. der Frost weg ist.
Vielleicht liegt’s an der Uhrzeit oder ich bin doch zu doof....Spritzwasserbelastung beseitigen ?? Sprich: Einen Abstand zwischen Pflaster und Fassade ? War ja ohnehin so geplant ;)
In den letzten 20 Jahren wurde der Hof als Wohnhaus genutzt.
Verständnisfrage: Wenn ich den Putz wegschlage, setze ich das Mauerwerk doch noch mehr der Witterung aus !? Wie lange darf so etwas offen bestehen bleiben oder hab ich was nicht kapiert.

LG



Hofpflaster



Ich würde auch erst einmal prüfen ob das Hofplaster zum Haus hin ansteigend verlegt wurde, oder ob sich an der Fassade auch Pfützen bilden können.



Putzabschlagen



wäre natürlich etwas für Ende April bis September. Wie sieht denn die Kelleraußenwand innen aus? Ist die naß? Ein Foto von da würde den Sachverhalt erhellen.



Nochmal zurück....



Zur Fassade wurden ja einige Vorschläge gemacht. Hierfür nochmal Danke, wir werden uns an die Sache rantasten,
Akut ist aber die Frage nach dem übernächsten Schritt der Sanierung der Innenwand.
Werde jetzt erstmal ein Trockengerät aufbauen und da sowieso noch ein Heizungsrohr verlegt werden muss werden wir auch dies zeitnah machen können. Bleibt dann noch die Frage, wie die Wand wieder geschlossen wird. Ist in Verbindung mit der Verlegung des Heizungsrohres Trockenbau (Dämmung ja/nein) möglich oder wäre ein Spezialputz angezeigt ? Bliebe das Heizungsrohr dann auzputz ?



Ziegelmauerwerk



zur Frage nach dem Mauerwerk von Herrn Teich zählt für mich nicht nur eine Angabe zum Material, sondern auch mal eine Aussage zur Mauerwerksdicke. Ich finde eine Vorsatzschale zwar praktisch in der Ausführung, aber ungeeignet an dieser Stelle. Viel interessanter wäre z.B. ein Kalk-Hanf-Putz als Innendämmputz. Der könnte auch mit evtl vorhandener Restfeuchte viel besser zurechtkommen als eine Vorsatzschale. Die Verlegung der Heizungsrohre aufputz ist zugegeben nicht besonders Schmuck ( und das ist ja neuerdings wichtiger als Praktikabilität), fungiert aber als Temperierung insbesondere am Mauerfuß. Ich habe mit der Herstellung der Aufputzvariante durch Entfernung der Rohrverkleidung das Schimmelproblem in einem Haus mit 36-iger Ziegelmauer gelöst ( neben der Umsetzung einer konsequenten Verwendung von Silikatfarbe und Kalktünche).



Mauerwerk



Das Mauerwerk ist im unteren Bereich des EG beachtliche 50-55 cm stark. Die Frage mit der Optil ist natürlich so eine Sache. Ich tu mir auch schwer alles der Funktionalität unterzuordnen, schließlich gibt es da ja auch sowas wie einen Wohlfühlfaktor aber wie immer im Leben bestimmt der Kompromiss de Melodie und in so einem Haus wäre ein Aufputz Kupferrohr sicher nicht das schlimmste im Leben. Allerdings stellt sich die Frage ob und warum man das Rohr nicht gleich unter den Putz bringen kann ?
Besten Dank auch für den Hinweis auf den Putz. Dieser besitzt eine Dämmwirkung ? Habe ich das richtig verstanden ? Kannst du hier ein bestimmtes Produkt empfehlen ? Ein erstes googeln hat ergeben, dass es sich wohl eher um Bestellware handelt, der Baustoffhändler um die Ecke scheint ihn eher nicht auf Lager zu haben !? Gibt es bei der Verarbeitung etwas spezielles zu beachten ?



Heizungsleitung



die Dicke des Mauerwerks spricht nochmal eher für Kondensat. Was den Putz betrifft, konkrete Produkterfahrungen habe ich selbst nicht, aber das sollte sich doch übers Netz rausfinden lassen, genau wie Produkt- und Verarbeitungshinweise. Ja, er hat dämmende Wirkung.
Die Verlegung der Heizungsrohre unter Putz ist nicht so effektiv wie darauf. Zumal die Leitungen unter Kalkputz häufig in einem Schutzschlauch verlegt werden. Aufputz kann die Wärme, die von den Rohren abstrahlt an der Wand nach oben Streichen und so, wenn auch nur minimal, die Wandoberfläche erwärmen.
Eine weitere Möglichkeit der Innendämmung wären Multipor oder CaSi-Platten, aber die würde ich erst dann verarbeiten, wenn die Feuchte weicht, bzw. abzusehen ist, dass dieser Prozess begonnen hat. Zeitdruck ist bei solchen Sanierungen immer ein Feind.