Fertighaus in Holzständerbauweise mit Außenwand ohne Dämmung, wer hat Erfahrung damit?

30.01.2022 katy


Guten Tag!

Wir sind dabei ein Haus Baujahr 1964 (Fertighaus in Holzständerbauweise) zu kaufen und haben zur Beurteilung der Feuchtigkeit in den Holzteilen der Wand diese geöffnet (das Holz weist keine Feuchteschäden auf).

Dabei kam folgender Wandaufbau zum Vorschein (außen nach innen):
1. verputzte Heraklitplatte
2. schwarzes Gewebe
3. Holzständer ohne Ausfachung/Dämmung in den Zwischenräumen
4. schwarzes Gewebe
5. 20 mm papierkaschierte Mineralwoll-Lage
6. Heraklitplatte 25mm
7. Innenputz 20mm

Die Außenwand hat laut Plan eine Stärke von 24 cm. Geplant war bisher eine Innendämmung, um die Wärmedänmmung zu verbessern.

Hat jemand Erfahrung mit einem solchen Wandaufbau? Wie könnte man nun eine ausreichende Wärmedämmung erreichen?

Viele Grüße und noch einen schönen Sonntag,
Katy



dafür gibts...



Energieberater.....der kann Berechnungen und Ausführung erläutern...

Thema Taupunkt ist hier glaube ich sehr intensiv zu betrachten.

grundsätzlich sollte man sich vorher genau überlegen was man machen will/ muss ...was lässt das Budget zu und was ist in Sachen kosten / nutzen sinnvoll

gruß



Habt...



...Ihr Aussagen des Vorbesitzers über die bislang benötigte Heizenergie?

Bislang funktionierte der Aufbau ja, und wenn der Heizaufwand moderat war, könnte eine Dämmmaßnahme auch unrentabel sein.

Ein Freund hat nur 70mm Fichte zwischen sich und Deutschland, nur die Nordfassade hat noch wenige cm Luftraum und eine innere Brettschalung aus 24 Faserplatte. Funktioniert seit 1927, und er klagt nicht über die Heizkosten.

Energieberater gibt es viele. Einige haben kaum mehr als die Basics in einem Grundkurs verinnerlicht. Derjenige sollte schon kompetent sein in Sachen Holzhaussanierung.

Grüße

Thomas



Energieverbauch...



Hallo und vielen Dank für die schnellen Antworten!

Der Vorbesitzer gibt den Endenergieverbrauch mit 100 kWh/(m2*a) und den Primärenergieverbrauch mit 180 kWh/(m2*a) an.

Viele Grüße
Katy





Endenergieverbrauch oder Endenergiebedarf?

Das wird immer gerne verwechselt? Wenn das Gebäude elektrisch (Primärenergiefaktor) beheizt wird müsste es doch genaue Abrechnungen geben. Diese wären aussagekräftig. Hieraus könnte in Anlehnung an das vereinfachte Verfahren zur Ermittlung der Gebäudeheizlast nach dem Jahresendenergieverbrauch (Verbrauch!) nach Beiblatt 2 der DIN EN 12831, die reale "energetische Qualität" ermittelt werden. Alles andere hat meist keine Zuverlässigkeit.



Endenergieverbrauch



Hallo!

Es handelt sich wirklich um den Endenergieverbrauch bzw. den Primärenergieverbrauch, ermittelt auf Grundlage der drei letzten Jahre, in denen das Haus bewohnt wurde. Die Angaben stammen aus dem Energieausweis. Das Haus wird seit 1980 mit Nachspeicheröfen beheizt.

Viele Grüße
Katy



Fertighaus in Holzständerbauweise mit Außenwand ohne Dämmung, wer hat Erfahrung damit?



Was mich wundert ist der Wandaufbau.......
Ist das Ständerwerk tatsächlich völlig leer?
Abgesehen von der Wärmedämmung, wie siehts denn da mit dem Schallschutz aus? Hört ihr nicht draußen die Vögelchen furzen?

Gruß,
KH

PS: Unrentabel kann eine bessere Dämmung nur pekuniär gesehen sein, aus ökologischer Sicht nie.



Das sehe ich anders:



Rentabilität misst sich immer am Verhältnis finanzieller Aufwand : realer Nutzen. Es ist zum Beispiel unsinnig, für 100.000€ zu dämmen, wenn dafür im EFH nur 5% Heizaufwand (von 1000€) gespart wird. Soviel zum Thema "Lohnt sich ökologisch immer".

Ein (ggf. herbeihalluzinierter) ökologischer Nutzen ist nicht bezifferbar, wenn es für dessen Berechnung keine allgemein akzeptierten Kriterien gibt. Und die gibt es nicht.

Und dieser Nutzen schlägt garantiert in's Negative um, wenn mit irrgeleitetem Dämmeifer auch noch die Bausubstanz geschädigt wird.

Ein spitzer Stift und klarer Kopf ist hier dringend geboten. Die Sanierung eines Hauses ist keine Spielwiese zum Aufpeppen des Kharmas, sondern für viele Bauherren die teuerste und risikoreichste Aktion ihres Lebens.

Grüße

Thomas



So ist es auch bei uns...



Guten Morgen!

Wir gingen bis jetzt von einer leichten zusätzlichen Innenwanddämmung aus, in der auch die Elektroinstallation laufen sollte und deren "geringe" Kosten ins Budget eingeplant waren. Nun müssen wir schauen, wieviel Dämmung sinnvoll und bezahlbar ist.

Das Ständerwerk ist wirklich leer, ich konnte es auch nicht glauben. Die Öffnung haben wir am Fußpunkt der Mauer gemacht, um auch den Zustand der Hölzer, die direkt auf der Kelledecke liegen, zu beurteilen. Nach oben gefilmt (Handy machts möglich) sind auch keine Querhölzer zu erkennen. Aber im Haus ist nichts hellhörig, vielleicht liegt das auch an den Heraklitplatten, die mit Putz ca 45 mm dick sind, da sie ja eine gewissen Schalldämmungwirkung haben.

Viele Grüße
Katy



Eine Möglichkeit die "leeren" Wände zu füllen?



Ladet euch einen versierten Architekten oder Energieberater ein, der sich die Sache vor Ort anschaut!
Vielleicht wäre es eine Option die "leeren" Außenwände mit ISOFLOC auszublasen. Das geht recht schnell, ist relativ preisgünstig und verursacht wenige "Kollateralschäden". Es werden "nur" mit einer Lochsäge pro Wandgefach je ein Loch gesägt, von dem aus jeweils das Gefach voll geblasen wird. Der ausgesägte "Deckel" wird dann wieder ins das Loch geklebt und zu verputzt/gespachtelt. Wenn es Pläne zu dem Haus gibt, aus denen ersichtlich ist, wo die Ständer, Rahmen und eventuelle Querriegel sind, die die einzelnen Gefache von einander trennen, ist das eine Sache von 1 - 2 Tagen.

Gruß,
KH



Danke!



Hallo und vielen Dank für den Tipp! Dann werde ich uns mal einen Architekten suchen.

Das Einblasen von Dämmmaterial in die Hohlräume ist eine gute Idee. Uns liegen zwar die Originalpläne von 1964 vor, aber die Lage der Hölzer geht daraus leider nicht hervor. Wie könnte ich denn rauskriegen, wo die Hohlräume liegen? Den Holzständerabstand müsste man zumindest durch die Wandöffnung ermitteln können. Aber die Querhölzer?

Viele Grüße
Katy



Fertighaus-Sanierung



Holzständer und Querhölzer sind üblicherweise sehr regelmäßig angeordnet und ggf durch Klopfen feststellbar- evt mit Meßgerät ermitteln.
Mit Zellulose ausblasen ist sicher am einfachsten und genügt bei der Wandstärke.

Ein Loch im oberen Bereich der Felder genügt- dabei können vertikal Elektrokabel und ggf horizontal im Bereich der Fußleisten verlegt werden -
zur Kontrolle der Dämmung kann später bei kälteren Außentemperatur eine Thermografie erfolgen.



Ich habe...



...auch schon eine "abgesoffene" derartige Dämmung gefunden.

Insofern sollte bei Planung und Ausführung mit hinreichend Sachkunde agiert werden.

Grüße

Thomas



Fertighaus in Holzständerbauweise mit Außenwand ohne Dämmung, wer hat Erfahrung damit?



Die eingangs erörterte auffällig hohe spezifische Heizlast lässt generell eine unzureichende Luftdichtung vermuten.

Der hohe unkontrollierte Luftwechsel induziert einen hohen Heizwärmeverbrauch, da nachströmende Luf aufgeheizt werden muss. Daraus resultiert ein ergänzend zu den Energieverlusten durch Übertragung von Wärme durch die mehr oder weniger unzureichende Dämmung der Wände auch ein überproportionaler unnötiger Verlust durch unkontrollierten Luftaustausch.

Demnach wären die detailierten Anschlüsse der Außenbauteile in den Fokus der Betrachtung zu rücken.

Deren einwandfreie Ertüchtigung bzw. Erneuerung reduziert neben dem Energieverbrauch auch das vorstehend benannte Versagensrisiko einer zusätzlich vorgenommen Dämmung.

Zur "Qualitätssicherung" und "Leckortung" kommt dann ein Differenzdruck-Messverfahren (sogenannter "Blower Door Test") in Betracht.



weiteres Problem: KMF und fehlende Schüttung in Holzbalkendecke



Vielen Dank für die zahlreichen hilfreichen Infos.

Der hohe Energieverbrauch rührt sicher nicht nur von der fehlenden Dämmung der Außenwand her, sondern auch von den alten Fenstern und Fenstertüren, die nicht mehr dicht schließen. Diese werden wir aber sowieso austauschen lassen. Zusammen mit der Einblasdämmung in der Außenwand müsste das schon viel bringen.

Was mir noch Sorgen macht sind die kanzerogenen Mineralfasern (lockere Füllung) in den Holzbalkendecken und deren fehlende Schüttung, sodass wir ein erhebliches Trittschallproblem haben. Würden die Holzbalkendecken eine Beschwerung überhaupt aushalten?

Viele Grüße
Katy



Re: Balkendecke beschweren



"Würden die Holzbalkendecken eine Beschwerung überhaupt aushalten?"
Es kommt auf die Dimensionierung, den Verlegeabstand, die Länge der Deckenbalken und die Tragfähigkeit der Wände darunter an.
Diese Frage kann dir nur ein Statiker beantworten, dem ihr entweder Baupläne/statische Berechnungen vorlegen könnt oder der die Sache vor Ort untersucht. Aus der Ferne und ohne detaillierte Infos kann selbst ein Statiker die Frage nicht beantworten.

Gruß,
KH



Vielen Dank



...für die schnelle Antwort. Dann schau ich mich mal nach einem Statiker um.

Würde es denn etwas bringen, wenn man in die Hohlräume in den Decken ISOFLOC einblasen würde, falls die Decke keine zusätzliche Masse aushält?

Viele Grüße
Katy



Re: ISOFLOC einblasen



ISOFLOC ist zwar schwerer als Mineralwolle, aber bei Weitem nicht schwer genug um den Körperschall (=Trittschall) einer Decke merklich zu dämpfen. Es braucht wesentlich mehr Gewicht um eine Decke so massiv "nachzurüsten", dass sie beim Drüberlaufen nicht mehr oder nur noch unwesentlich schwingt. Deswegen, unbedingt einen Statiker dazu holen! Er kann euch ausrechnen wieviel kg/m² bei den verbauten Deckenbalken möglich sind. Dem entsprechend kann man sich dann überlegen mit welchem Material es umgesetzt, bzw. wie der neue Deckenaufbau insgesamt gemacht werden kann.

Gruß,
KH



Danke



dann also auf zum Statiker. Vielen Dank für deine Hilfe, insbesondere den Verweis auf Isofloc!

Viele Grüße
Katy