Fenster zeitlich eingrenzen



Fenster zeitlich eingrenzen

Wir versuchen rauszukriegen, wann und mit welchem Material unser Fachwerkhaus verputzt worden ist. So wie die Fenster weit außen sitzen in der verputzten Wand, sind die wohl entweder neu angefertigt oder eben die alten einfach nach außen gesetzt worden. Hilft auch nicht wirklich weiter wenn ich wüsste von wann die Fenster circa sind. Ich stelle die Frage aber trotzdem, eventuell kommt ja jemand hier im Forum vorbei und hat ähnliche Fenster zu datieren und dann hilft das schon weiter.

Die angeschraubten Holzleisten im Rahmen sind übrigens für unsere selbst gemachten Vorsatzfenster, welche wir im Winter reinsetzen wenn es richtig kalt ist.



Frühestens



Ungefähr 2. Hälfte 19. Jahrhundert würde ich sagen.

Aber Kittfalz innen?!?



Zu Kittfalz innen



Wann war Kittfalz außen üblich und warum hat man das mal gemacht/geändert? Vielen Dank !

Falls es noch hilft: Eine Etage tiefer sind die Fenster ähnlich aber etwas aufwendiger. Vorreiber von der Seite als kleine Hebelchen, Ablaufrinne mit Loch und blechernen Auffangbehältern für Kondenswasser. Stell ich bei Bedarf Fotos gern rein.



Ich



bin weder Tischler noch Experte, aber der Kittfalz war meiner Meinung nach seit der Erfindung eingekitteter Scheiben (um 1850) immer außen um bessere Dichtheit zu gewährleisten. Das war also keine Datierungshilfe, sondern generelle Irritation.

Ansonsten kommen mir die Fenster zwar alt vor, eben eher vor der Jahrhundertwende als nachher, aber älter können sie aufgrund der eingekitteten Scheiben nicht wirklich sein. Teilweise war es sogar noch deutlich länger üblich, Scheiben in Nuten einzusetzen statt sie einzukitten.





Hier ein ähnliches Fenster aus meinem Haus, das Fenster ist im Giebel des Dachgeschosses in einem Anbau von 1901.
Wobei es früher sehr üblich war, vorhandene Materialien wieder zu verwenden.
Gruß Jan



Hallo



Also wie die scheiben eingebaut wurden hat meist der Tischler selbst entschieden. Entweder weil er es so von seinem Meister angelernt bekommen hat, Oder durch seine eigenen erfahrungen.Das weis ich da mein Vater Tischler war
Mein haus wurde 1790 gebaut bei einer größeren Renovierung 1906 wurden neue Fenster eingebaut.
von den maßen ähnlich wie deine da sind die scheiben auch noch eingenutet. Das hat den vorteil das man keinen Fensterkitt erneuern muss.
Also um auf dem punkt zu kommen da die metallteile industriel hergestellt sind würd ich auch auf Jahrhundertwende tippen.



Hier


Hier

noch was zum gucken



Fensterdatierung



Lieber Torsten,
entsprechend meinen Erfahrungen würde ich auch sagen: Vor 1900. Die Beschläge wurden zwar - wie schon genannt - serienmäßig hergestellt, aber das sagt noch wenig. Weitere Aussagen lassen sich treffen, wenn die Farbschichten gründlich untersucht werden. Irgendwann kann ich Euch dabei sicher helfen.

Herzliche Grüße nach Klein Bartensleben
Dietmar





Die Fenster sitzen wirklich weit außen, aber mir scheint, als ob da noch eine alte Doppelverglasung drin ist. Schau dir mal diese Holzfenster online an, dort sind auch einige Modelle, die sich hervorragend in das alte Fachwerkhaus integrieren lassen. Wir haben uns damals ebenfalls für ein ähnliches Fachwerkhaus beraten lassen. Im Grunde ging es um ein Gebäude, welches ursprünglich eine alte Mühle war. Dieses haben wir umgebaut, allerdings waren die Fenster die selben wie bei dir auf dem Bild.

Weiterhin viel Erfolg wünsche ich dir :)




Fenster 1704

Die Fenster können auch wirklich älter sein. Die Flügel und Glasflächen erscheinen klein, im ausgehenden 19. Jhd. waren schon größere Flügel gängig auch Basculeverschlüsse oder Espagnoletten (Stulp) hatten sich schon weit durchgesetzt. Auch das Vorhandensein des Kreuzes lässt ein höheres Alter erwarten (oder einen alten Schreiner :-)). Letztlich handelt es sich nämlich um vier eigenständige Einzelfenster ohne Stulp.
Der Kitt alleine sagt nichts aus, da dieser auch später abgearbeitet worden sein könnte, nachdem die Nut das Zeitliche gesegnet hatte. Das Bild zeigt das Fenster eines Fachwerkhauses, das vom Landesdenkmalamt als bauzeitlich eingeschätzt wurde. Das Haus datiert auf 1704.

Wann wurde das Haus errichtet?

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer





Hallo Christoph,

vielen Dank auch an Euch anderen Beiträger !

Die Geschichte des Hauses herauszukriegen von seinen Ursprüngen durch die verschiedenen Erweiterungen/Umbauten hindurch auch im Zusammenhang mit den anderen Gebäudeteilen auf dem Hof ist unser Anliegen.
Über die verbauten Fenster verschiedener Epochen versuchen wir dabei was rauszukriegen, über die Außenfassade usw, http://community.fachwerk.de/index.cfm/ly/1/0/forum/a/showForum/233172$.cfm ist ein Thema dazu.

Das Fenster im Bild von Tloen z.B. gleicht unseren Fenstern im erhöhten Erdgeschoß der nordseitigen Wand schon sehr deutlich, obwohl es Detailunterschiede gibt bei den Beschlägen. Wir haben hier ein altes schwarz/weiß Foto datiert 1912 mit diesen Fenstern, Eingangsbereich von außen, der verputzten (ausgetauschten) Ziegelnordwand und einer Ecke eines Nebengebäudes. Der Putz sieht da übrigens auch schon verwittert aus, das Nebengebäude wohl ziemlich neu. Sobald ich das Foto mal finde stell ich es rein.

Wenn Kittfalz innen (was wir nur bei den Fenstern haben um die es in diesem Thema geht) allerdings so ungewöhnlich ist, dann vielleicht weil ehemals innen geschützt die Holzleistchen saßen - würde Sinn ergeben, die innen zu halten geschützt vor Schlagwetter, aber innen hat man immer Kondesnwasser. Weiß da jemand was wo die Leistchen früher saßen, welche das Glas hielten bevor es Kitt gab?

Ansonsten frage ich mich, wie die doch recht dünnen Blechteile der Anschläge gemacht worden sind. Die dicken nagelähnlichen Teile, welche die Drehvorreiber halten und die Angelteile sehen mir sehr geschmiedet aus. Aber zu so dünnem Blech schmieden und so eckig um die Ecken rum, das sieht mir auch eher maschinell gemacht aus. Zu glatt. Bei Christoph sein Fenster läuft das eher glatt aus, leicht gewölbte Oberfläche - schmieden. Einige Scheiben sind auch schlierig mit kleinen langezogenen Luftblasen drinnen bei uns, sieht auch sehr alt aus.

Christoph, ist dein Fenster auf 1704 datiert, mit den recht großen Scheiben drin? Oder ist da ein Kreuz oder eine Aufteilung verloren gegangen über die Zeit. Evtl. fehlt mir aber auch einfach ein Größenvergleich. Auffallend aber bei deinem Fenster wie die Flügel glatt in den Rahmen gehen innen wie bei unseren auch.

Meiner bisherigen Einschätzung nach war unser Haus bei einem Dorfbrand ca. 1770 betroffen und danach etwas großzügiger ausgelegt was die Ausdehnung in Richtung Hofseite betrifft, erkennbar an ungleichem Fachmaß am recht gut erhaltenen Innengiebel.

Dann wurde irgendwann die verfaulte untere Fachwerknordwand komplett rausgenommen und durch Ziegel ersetzt und das ganze Haus neu mit Putz versehen - wann das war rätsel ich aber noch. Ich weiß nur, das bezüglich Deckenhöhe, oberes Geschoß wie unteres, und bei Stärke und Abstand der Deckenbalken sehr gespart wurde - gebaut zu Zeiten in Not, wenig Geld. Der dazu im Gegensatz doch recht protzige Ziegelspeicher nebenan eher so Jahrhundertwende - Zuckerrübenaufschwung halt.

Uns liegt es schon daran, unser Haus, in welchem wir jetzt schon seit fast 6 Jahren wohnen, in seiner Ursprünglichkeit zu erhalten.



Zumindest



hierzulande waren die Scheiben vor dem Aufkommen von Kitt nicht mit Leisten in einem Glasfalz eingesetzt, sondern in Nuten! Zum Scheibentausch mussten also die Holznägel an den Ecken herausgezogen werden, der ganze Flügel zerlegt und nach dem Einsetzen des neuen Glases wieder zusammengebaut werden.