Holzfenster tauschen oder nicht?

14.08.2012 Ulrike



Hallo an alle,
wir sind dabei ein Forsthaus zu kaufen. Dieses wurde 1982 neu aufgebaut, die Außenmauern sind aber deutlich älter, BJ unbekannt, teilweise bis zu 60 cm dick. Das Haus hat Holzfenster, 2-fach Isoglas. Ich überlege nun, was besser ist - die Fenster Schleifen und Streichen oder austauschen. Beim Austausch befürchte ich Schimmelbildung, eine Lüftung möchten bzw. können wir aus finanziellen Gründen nicht einbauen (das Geld können wir an anderer Stelle gut brauchen :-) ) Hat hier jemand Erfahrung und kann uns einen Rat geben? Danke schon im Voraus!



Fensterzustand?



Wenn die Grundsubstanz der Fenster noch in Ordnung ist, würde ich einen Austausch einzig und allein aus energetischen Gründen prinzipiell nicht in Erwägung ziehen.
Erfahrungsgemäß amortisiert sich ein Austausch von Iso-Fenstern in den seltensten Fällen innerhalb wirtschaftlich vertretbaren Zeiträumen (als vertretbar werden etwa 10 Jahre angesehen!).



repräsentative Aufrechnung?



Gibt es eigentlich irgendwo eine halbwegs brauchbare Aufrechnung, inwiefern sich heutige Fenster mit konstruktiven Lösungen um den benötigten Luftaustausch herzustellen gegenüber ca. 30 Jahre alten Fenstern energetisch verhalten, bzw. wie die hochgerechnete Kostensituation in Relation einer erwarteten Energieeinsparung ist?

Ich meine nicht die "… bis zu XX Prozent …"-Versprechungen der Werbung, sondern realistische, am besten auf tatsächlicher Erfahrung beruhender Werte. Ist mir nämlich nicht bekannt. Meist wurde in solchen Fällen gleich die komplette Heizung mit ausgetauscht oder es wurde zusätzlich noch umfangreich gedämmt. Anderseits gibt es durch neue Lüftungsvorschriften der hermetisch dichtenden Fenster entweder Energieverluste durch Lüften oder weitere Kosten durch aufwändige elektronisch gesteuerte Zwangslüftungsanlagen.

Angessichts der heutigen Preise für handwerklich aufgebaute Holzfenster kommt mir der Amortisationszeitraum von 10 Jahren reichlich optimistisch vor, zumal 80er-Jahre Fenster, zumal wenn sie jetzt sinnvoll überarbeitet werden, ja auch etwas anderes sind, als 1870er Einfachverglasungen.

Ich empfehle, in dieser Angelegenheit mal den Johannes Mosler zu kontaktieren, er ist Fachmann und gibt auch Seminare zu Erhaltung und Pflege alter Fenster.



Danke



...schon mal für die Antworten!
Im Großen und Ganzen tendieren wir eher zum Erhalten der Fenster, insbesondere, weil es für mich keinen Sinn macht, alte "undichte" Fenster gegen neue "undichte" (zwangsbelüftete) Fenster zu tauschen - oder seh ich das falsch?
Die Frage der Amortisation habe ich mir natürlich auch schon gestellt, da die Einsparung ja vermutlich nur bei "relativ" wenigen Euro / Jahr liegen kann.
Die Substanz der Fenster ist im Übrigen einigermaßen in Ordnung, evtl. müssen ein paar Dichtungen getauscht werden.....



Wenn



die Fenster aus den 80ern sind, und die damaligen Anforderungen erfüllen, sind das durchaus "moderne" Fenster und keinesfalls als "undicht" anzusehen. Wenn die Holzsubstanz in Ordnung ist, wird sich eine sorgfältige Aufarbeitung sicher lohnen.

MfG
dasMaurer



Unter Umständen...



... ließe sich möglicherweise auch lediglich die Verglasung tauschen.

Über Eignung und Sinnhaftigkeit lässt sich allerdings von hier aus nur spekulieren, das sollte sich mal jemand vor Ort anschauen.

Gutes Gelingen & LG,
Sebastian Hausleithner



Fenster von 82



können eigentlich erhalten bleiben; fachlich korrekt beschichtet halten die noch Jahrzehnte. Mich interessiert warum viele Fragesteller und Antworter so gerne Schimmel reiten ?



Schimmel reiten?



Da spricht jemand in Rätseln, das ist zu hoch für mich.



War das jetzt...



... eine rhetorische Frage?

Die Antwort lautet: Ein Problem, dem man durch Nachdenken aus dem Wege gehen kann, ist keins mehr...
Und Schimmel kann ein echtes Problem sein...

LG, Sebastian Hausleithner



Was ist eigentlich ein Fenster ??



-- Diese Frage sollte sich jeder Leser und Beitragsschreiber vor seiner Antwort stellen.
-

Ist es ein Loch in der Wand mit Glas drin -- oder ein ehrliches Fenster mit mehreren Flügeln und echten glasteilenden Sprossen ?
-
Passend zu dem Baustil des Hauses - Energetisch hin und her betrachtet kann man denkmalgerechte Fenster niemals mit Dreifachverglasung herstellen -- völlig unmöglich, weil
die historisch getreuen Rahmenquerschnitte einfach nicht
mit Mehrfach - Isolierglas versehen werden können !



Die einen…



sagen, dass das Schimmelproblem nur aufgebauscht und überdramatisiert würde, die anderen prophezeihen bei jedem noch so kleinen Baufehler die baldige Schimmelkatastrophe.



de Meinweg



nu hat er doch verstanden ?



Schimmel



.... befürchte ich aufgrund unserer Inkonsequenz beim Lüften :-)
Auch der Schreiner mit dem ich wegen neuer Fenster gesprochen hatte, hat mich darauf hingewiesen....
Wir werden die Fenster jetzt aber einfach mal lassen und sehen, ob uns der Wind um die Ohren pfeift oder nicht - im ersten Schritt werden wir sie eben schleifen und streichen (kann hier jemand eine gute Farbe empfehlen?).
Ich danke allen nochmal für die Antworten, die auf alle Fälle weitergeholfen haben!



Schimmel - Woher und warum?



Hallo

Schimmel entsteht aufgrund von Sporen in der Luft, Nährstoffen und Feuchtigkeit.

Die Feuchte entsteht auch durch kühle Aussenwände oder andere Bauteile an denen sich Kondensat bildet.

Dagegen kann helfen:
Luftbewegung
erwärmte Hüllflächen

Infos u.A.:
http://www.slow-house.de/slow-house/I-3_files/Temperierung-Text-Großeschmitt.pdf

FK



In meinem…



… vorangegangenen Beitrag erwähnte ich eine Adresse, wo man Hilfe bezüglich der richtigen Farbe und Technik für die Fenster erhalten kann. Soll keine Werbung sein, aber es gibt nicht so besonders viele, die dazu raten alte Fenster wieder aufzubereiten und sich darauf verstehen.

In einem normalen Farb-Fachgeschäft wird man wohl eher zu einer Versiegelung mit Acrylfarben raten, wahrscheinlich wird man Farben von Sikkens empfehlen, oder man wird gleich sagen, dass Fenster nichts für Laien sind, dass also ein Fachmann den Dreck drauf schmieren soll.





Sehr gute Erfahrungen hab ich mit Osmo Landhausfarbe gemacht.
Etwas aufwändiger, aber ebenfalls ein Klasseprodukt ist die Standölfarbe von Kreidezeit. Ein Sikkensprodukt hab ich an den Fenstern auf dem Bild verwendet, welches genau müßte ich nachsehen. Gute Verarbeitung, gute Deckkraft, schöner Glanzgrad. Die Fenster leben noch, die Hausbewohner und ich auch :-)



Fenster von 82



Ursula, schleifen Sie die Flügel und Rahmen allseitig gründlich an,entstauben alles,kleine Risse oder Nagellöcher mit Kitt ausfüllen. Dann mit Fenstergrund Fehlstellen vorstreichen; nachschleifen und mit spez.Fensterlack ,erst 5%verdünnt, dann fast original fertig streichen. Ob das Produkt von AKZO oder Sigma kommt ist doch gleich,schauen Sie im Umfeld mal bei Fachgeschäften rein."Alte"Beschichtungen auf Ihren Fenstern machen keinen Sinn.



Holz?



Warum sollte man alte Holzfenster mit Standölfarbe streichen und neue Holzfenster mit modernem Fensterlack von Akzo/Sigma/Sikkens?

Ich habe schon viele Holzfenster aus den 80er-Jahren gesehen, die alle paar Jahre teuer und aufwändig von Fachfirmen komplett abgeschliffen und mit der jeweils allerneuesten Farbe neu lackiert werden. Gerne auch in den damals beliebten Farben schwarzbraun und anthrazit.

Ein paar Jahre später fing der Lack doch irgendwann wieder an, aufzureißen und nachdem erst mal Feuchtigkeit eingedrungen war, abzublättern. Okay, bei weißem Lack dauert es sehr viel länger und man kann Glück haben, dass die Fenster auch mal 20-25 Jahre halten, ohne dass man augenscheinlich wieder neu streichen muss.

Aber gerade wenn Selbermachen die Option ist, also nicht die teure Zeit einer Malerkolonne, die auf schnell zu verarbeitendes Material angewiesen ist, in Anspruch genommen werden soll, spricht doch nichts dagegen, es mal mit Standölfarbe zu probieren.



Fenster von 82



Entschuldigen Sie bitte Ulrike, das ich Ursula schrieb.



Vielen Dank



....für die vielen und ausführlichen Rückmeldungen!
An Osmo Landhausfarbe habe ich auch schon gedacht, mein Balkongeländer ist damit auch gestrichen und ich bin zufrieden...

@Benjamin: kein Problem, ich wusste, wer gemeint ist :-)



(Lein)Ölfarben und Lasuren...



haben gegenüber Dispersionsbeschichtungen wie auch konventionellen Kunstharzlacken auf Lösemittelbasis folgende Vorteile:

-Dampfoffener, d.h. eingedrungenes Wasser kann besser entweichen
-elastischer, also weniger versprödend
-wartungsfreundlicher, können somit nach Jahren überstrichen werden ohne zu schleifen

Damit das aber auf Bestandsfenstern, die vorher konventionell behandelt wurden, auch funktioniert, muß sauber bis in's Holz geschliffen werden, da alte (Dispersions-) Grundierungen Eindringen und Dauerhaftigkeit des Folgeanstriches beeinflussen können.

Ich habe mit folgendem Aufbau durch die Jahre sehr gute Erfahrungen gemacht:

Grundierung "Schele"
Natural Holzlasur 2-3x dünn auftragen
nach 1/2 Jahr Natural Wetterschutz 1x dünn auftragen

Nachfolgende Wartungsarbeiten (nach Bewitterung je nach Himmelsrichtung) reduzieren sich auf eine Reinigung der äußeren Holzpartien und das Überwischen mit Natural Wetterschutz.

Dazu kann ich gern auch detaillierter beraten.

An OSMO habe ich zu bemängeln, daß die Farben keine Volldeklaration haben, ferner die Verarbeitungsanleitungen recht lückenhaft daherkommen. Das führt besonders bei Laien oft zu Fehlanwendungen. Es gibt bessere Farben von den bekannten Naturfarbenherstellern.

Grüße

Thomas



Öllasur



Am eigenen Objekt haben wir zum Anstrich des Fachwerks eine Öllasur von leinölpro (http://www.leinoelpro.de/) verwendet.
Für die Grundierung haben wir kalt gepresstes, rohes Leinöl des v. g. Herstellers genommen.

Die Öllasur wurde nach einem von uns gewünschten RAL-Farbton individuell angemischt.

Mit der werkseitigen Beratung und Bedienung sind wir sehr zufrieden gewesen. - Ebenso mit dem Ergebnis des Anstrichs. Und das, obwohl der Holzuntergrund in Folge von Auswirkungen der im Gefache-Deck-Lehmputzes enthaltenen Hanfschäben stellenweise (da, wo beim Ausreiben mit dem feuchten Schwamm drüber gewischt worden war) recht stark verfärbt, d. h. insgesamt recht scheckig gewesen ist.

Von daher kann ich sowohl das v. g. Unternehmen als auch deren Produkte mit bestem Gewissen weiterempfehlen.

Tip:
Bislang sind wir auf Anfrage stets prompt mit Proben versorgt worden, um im Einzelfall Versuche durchzuführen.


Noch eine Anmerkung zur Aufnahme:
Die Fenster aus Lärchenholz haben lediglich einen unpigmentierten Anstrich mit LINUS - Firnis für Lärche, Art.-Nr. 238 von Livos erhalten, was sich trotz einiger Unkenrufe im Vorfeld der Maßnahme seit Jahren bewährt hat.
(Das v. g. Produkt ist zwar nicht mehr im Programm von Livos gelistet, wurde aber - zumindest an uns - bislang immer noch geliefert!)
Die Blendrahmen haben als Deckanstrich die Wetterlasur von Livos erhalten.

Abschlussbemerkung.
Im direkten Vergleich der Deck- / Verarbeitungseigenschaften zwischen der v. g. Wetterlasur von Livos und der Öllasur von leinölpro war für uns die Öllasur überzeugender.



Rückmeldung



Hallo Forum,
danke nochmal für die Rückmeldungen und Anregungen.
Ich wollte hier nur kurz eine Rückmeldung geben:
Jetzt im Winter zeigt sich, das das Haus Klima mit den "alten" Fenstern ein sehr angenehmes ist und die Entscheidung gegen neue Fenster eine gute war.... auch von der Temperatur her, ist es in Ordnung, wir haben ca. 13 Grad bei Heizkörper auf 'Frostschutz', da kann man wohl auch nicht meckern.
Gestrichen haben wir nach dem Abschleifen des alten Lacks mit Osmo Lasur.

Das wars soweit, danke nochmal an alle,
Viele Grüsse
Ulrike