Lärmschutz und Fachwerk

18.03.2012



Hallo zusammen,

heute mal einige Fragen bezüglich Schallschutz und Fachwerk. Ich möchte mein Fachwerkhaus, das ihr auf dem Photo seht, kernsanieren und in den Originalzustand rückbauen. Das Haus steht leider an einer Landesstrasse, an der täglich etwa 6000 Fahrzeuge vorbeifahren. Weil die Strasse am Hang liegt und direkt vor dem Haus vorbeiführt, ist der Verkehrslärm entsprechend gross - man muss Gas geben, um den Berg hochzukommen.

Schallschutz hat deshalb oberste Priorität für mich, aber in der Praxis wird es schwierig, das umzusetzen. Deshalb meine Fragen:
1. Gibt es historisierende Schallschutzfenster, und wenn ja, wer bietet so etwas an ? Ich dachte zunächst an 2-flügelige Holzfenster mit Wiener Sprossen, Wetterschenkel, usw. Meiner Meinung nach müsste es Schallschutzklasse 5 sein. Ich hätte da auch noch eine Balkontür und eine neue Haustür zu kaufen. Passen 3-fach verglaste Fenster überhaupt in eine Fachwerkwand ?
2. Mein ursprünglicher Plan war es, die Gefache der Aussenwände mit Lehmsteinen auszumauern und eine Innendämmung mit Haacke Cellco Leichtlehm hinter verlorener Schalung in 6 cm Stärke auszuführen. Hat jemand Erfahrung damit, ob dieser Wandaufbau überhaupt geeignet ist, um den Verkehrslärm auszusperren ?
3. Das Dach wird komplett neu aufgebaut. Mir liegt schon ein Angebot vom Zimmermann vor, für eine Aufsparrendämmung, Bretterschalung und Sparren, die von innen sichtbar sind. Dieser Aufbau war ursprünglich meine Absicht. Hier im Forum habe ich jetzt gelesen, dass diese Konstruktion kaum geeignet ist, um Verkehrslärm zu dämpfen. Nur, welcher Konstruktionsaufbau ist dann sinnvoll ?

Bei allen Gesprächen, auch mit dem Archtekten, war Verkehrslärm kein Thema. Ich bin erst mit der Zeit darauf aufmerksam geworden, nachdem ich mich öfter vor Ort aufgehalten habe.

Für Anregungen und Antworten, insbesondere zu den Fenstern, wäre ich dankbar.

Viele Grüsse,

Dirk



Schall



Halllo

eine Schalldämpfung werden sie am besten mit Masse schaffen, weniger mit Wollen und Gespinsten.

Bei Fenstern und Türen wären Konstruktionen a la Kastenfenster evtl mit unterschiedlichen Glasstärken zu empfehlen - die sind auch "energetisch" sehr zu empfehlen.

Bei den Gefachausmauerungen möglichst schwere Materialien mit viel Masse verwenden und weniger mit Lehm als mit Luftkalk Mauern etc.

Beim Dach würde ich auch Masse statt Gespinste nehmen

und das alles in einem stimmigen Sanierungskonzept mit Heizung etc. abgestimmt ausführen.

Kein Stückwerk.

Schön, dass Sie das Dachhaus rückbauen - evtl 2 kleine Gauben ????

Schöne Zeichnung

Viel Erfolg

FK



ein guter Schallschutz ist gerade mit Lehmbaustoffen zu erreichen



weil Lehmsteine, Lehmschüttungen im unteren Frequenzbereich
den Schall wegschlucken. Thema Fenster: da würde ich Kastenfenster empfehlen.



eine vorgemauerte Lehmwand Stärke 12cm



mit Leichtlehmzwischenfüllung haben wir bei einem ähnlichen Problemfall hier im Rhein-Maingebiet mit sehr guten Erfahrungen realisiert.



Vielen Dank



Vielen Dank für Eure Antworten.

Von Kastenfenstern habe ich gehört, nur möchte ich noch in Erfahrung bringen, wieviel Schallschutz damit tatsächlich möglich ist. Ich denke mal, dass es auf einen Kompromiss zwischen Optik und Schallschutz hinauslaufen wird, denn bezahlbar sollten die Fenster auch sein.

Die Vorsatzschale ist ganz klar mein Favorit. Den U-Wert werde ich mal durchrechnen, bezüglich der Dicke des Wandaufbaus (www.u-wert.net). Um den Statiker werde ich beim Bauantrag eh nicht herumkommen.

Die Zeichnung ist übrigens nicht von mir, sondern vom dem Architekten, der für die Gemeinde als Sanierungsentwickler arbeitet.

Viele Grüsse,

Dirk



Schallschutz:



bei Fenstern nicht nur auf Glas , Dichtungen , Glaslesiten achten , auch die Art der Montage und die Fugenausbildung ist wichtig !
Aufsparrendämmung mit Weichfaserplatten bringt ordentlich Masse , auch hier sind Nebenübertragungswege zu beachten .
Beratung von SChallschutz-SV kann helfen .
leise Grüße
Jürgen Kube
FensterEcke BrÜggemann + Kube ZiMMEREi
www.fensterecke-minden.de



Fenstereinbau



Hallo Herr Kube,

Eigentlich wollte ich Sie ja direkt anschreiben, aber ich denke es ist auch für den Fragesteller interessant wenn Sie das Thema Fenstereinbau etwas vertiefen würden.
Ich habe bei mir nämlich am Wochenende eins ausgebaut da die Zarge etwas lädiert ist.
Nach Reparatur (oder Neubau) muss das Fenster wieder ins Loch und dabei würde ich ungern schallschutztechnisch etwas falsch machen.
Die Fenster sind aus Isolierglas und die hat der Vorbesitzer eingebaut / einbauen lassen. Leider mit PU-Schaum :/ Den Fehler will ich nicht machen, deswegen hier nochmal eine Nachfrage wie man ein Fenster schalldämmend in einer Fachwerkwand befestigt.

Mit bestem Dank,
Bob



Wir haben sehr gute Erfahrungen mit Stopfwolle aus Hanffasern



Die Schimmeln nicht, haben gute Dämmeigenschaften und sind extrem Schallschluckend.
Die Anschlussfugen müssen natürlich trotzdem sauber ausgeführt werden.
Und ja, es gibt schmale Fensterprofile in die nicht nur Wärmeschutz- sondern auch Schallschutzgläser eingesetzt werden können.
"Guckst Du hier" :-)



Wozu Schallschutzfenster ,



,es gibt doch geeignete Kleidung ;-)
sind leider eine zu komplizierte Angelegenheiten für einfache Antworten , daher erlaube ich mir hier einen Link , mit freundlicher Genehmigung vom Umweltbundesamt ( schönen Gruß an Herrn W.! )

http://www.umweltbundesamt.de/laermprobleme/publikationen/fenster.pdf

schönsten Gruß
Jürgen Kube
FensterEcke BrÜggemann + Kube ZiMMEREi
www.fensterecke-minden.de
Ps. Die Befahrenheit der o.g. Straße liegt sicher nicht im hochfrequenten Bereich , ich ahne ein "gewöhnliches" Schallschutzglas und 2.Dichtung tut hier das Nötige - die Schwingungen die durch fehlende entkopplung von fundamenten Mauerwerk und Holztragwerk übertragenwerden , gerade bei Schwerverkehr werden sich trotz aller Vorkehrungen bemerkbar machen ..



Verkehrsbelastung



Nochmals vielen Dank für die wertvollen Hinweise.

Zur Verkehrsbelastung kann ich Folgendes beitragen: Schwerlastverkehr gibt es zum Glück nicht, Lkws kann man an einer Hand abzählen und alle 20 Minuten fährt der Regionalbus vorbei. Trotzdem sollte nan den Verkehr nicht unterschätzen. Hinter dem Berg liegen eigentlich nur noch 2 Käffer, da kommt eigentlich nichts mehr, dachte ich mir beim Kauf.

Ich zitiere mal aus der Veröffentlichung des Rathauses von letzter Woche:
"Der Ausschuss für Umwelt und Technik/Betriebsausschuss Abfallwirtschaftsbetrieb des Kreistags im Landkreis Karlsruhe kommt zu einer weiteren öffentlichen Sitzung im Landratsamt in Karlsruhe zusammen...bla bla...
Von großem Interesse ist der Sachstandsbericht zur Verkehrssituation im Landkreis. Die amtlichen Verkehrszahlen des durchschnittlichen täglichen Verkehrs auf Bundesautobahnen, Bundes-, Landes- und Kreisstraßen wurden bis zum Jahre 2005 landesweit alle fünf Jahre durch eine groß angelegte, manuelle Verkehrszählung erhoben. Erstmals 2010 kamen vom Land Baden-Württemberg finanzierte, automatische Verkehrszählgeräte auf Seitenradarbasis an Landes- und Kreisstraßen zum Einsatz. Rd. 80 % aller Zählstellen wurden 2010 mit dem neuen Verfahren gezählt. Dabei wurde an diesen Zählstellen der Verkehr über mindestens sieben Tage kontinuierlich rund um die Uhr gezählt. Zum ersten Mal konnten auch über längere Zeiträume Nachtwerte erhoben werden. Diese Geräte ermöglichen es, bei geringerem Personaleinsatz, den Zählzeitraum einer Zählstelle von bislang 18 Stunden auf 168 Stunden auszuweiten. Die Verkehrserhebung 2010 hat gezeigt, dass der Landkreis Karlsruhe im Landesvergleich weiterhin ein sehr stark befahrenes Straßennetz hat. Die durchschnittlichen Verkehrsstärken an den Zählstellen im Landkreis Karlsruhe liegen im Landesvergleich im oberen Bereich (Bundesstraßen mit 15.524 zu 14.124 Fahrzeugen) und bei den Landesstraßen mit 8.237 zu 4.885 Fahrzeugen und bei den Kreisstraßen mit 5.023 zu 2.475 Fahrzeugen. Zu den schwach befahrenen Bundesstraßenabschnitten gehört die B 293, die an der Zählstelle zwischen Zaisenhausen und Sulzfeld mit nur 6.660 Fahrzeugen erfasst wurde. Aufgrund der neuen Datengrundlage, die bis 2015 weiter ausgebaut wird, wird deutlich, dass das Verkehrsaufkommen auf den Straßen Baden-Württembergs nicht pauschal als ab– oder zunehmend klassifiziert werden kann. Vielmehr muss zwingend die Raumschaft, die Funktion der einzelnen Straße und die Art der verkehrlichen Inanspruchnahme zumindest regional betrachtet werden."

Der Witz ist, das die Landesstrasse, die an meinem Haus vorbeiführt, hinter Sulzfeld auf die B293 trifft, die oben im Zitat erwähnt wird. Ich könnte mir vorstellen, dass die Leute die schönere Strecke über diese Landesstrasse nehmen, anstatt die öde B293 zu benutzen...

Meine eigenen Zählungen und Hochrechnungen aus dem letzten Jahr ergeben ebenfalls 6000 als Mittelwert, Untergrenze 4000 und Obergrenze 8000. Für so eine Dorfstrasse ist das eine ganze Menge.

Die Idee, einen Sachverständigen einzuschalten, halte ich gar nicht für abwegig. Das könnte gut angelegtes Geld sein.


Viele Grüsse,

Dirk