Wie baut man denn ein Fenster in Lehmwände ein?

31.05.2005



Hallo Gemeinde,
wie "verschraubt" man eigentlich ein Fenster in einer Lehmwand? Früher wurden sogenannte Bankeisen genommen, aber heute!?

Tom



Wie sieht denn die Lehmwand aus?



Hallo Tom, wo in einem alten Haus eine Lehmwand ist, ist doch meistens das Fachwerk nicht weit -- und dort kommen die Fenster zwischen die Balken (so kenne ich das wenigstens). Sind bei Euch die Wände nur aus Lehm, ohne Balken? Oder ist es eine ganz andere Wandkonstruktion?
Gruß,
Uwe





Also die Wände bestehen aus Stampflehm und Feldstein, nix von wegen Fachwerk. Deshalb frage ich ja auch in der "Wiederaufbauergemeinde" danach.

Viele Grüße Tom





Hallo Tom May,
schön Sie hier ebenfalls wieder zu treffen.
@ für Uwe Fischer:
Der Tom wohnt und baut in einer Gegend, in der es viel Lehm und Sandstein, aber wenig Holz gab. Deshalb gibts dort in dieser historischen Hauslandschaft auch wenig Fachwerk.
Nur Deckenbalken wurden dann auf die Wände gelegt. Die ca. 60 cm starken Wände sind in Schichten, abwechselnd Stroh und Lehm, teils auch Bruchsteine übereinander, in der Regel ohne Verschalung hochgezogen. Die Wände wurden dann außen und innen mit einem besonderen Spaten glattgestochen. Das war früher ein eigenständiger Beruf.

Zur Frage von Tom:
Ich verstehe Ihre Frage so: Eine Wand soll ein zusätzliches, neues Fenster /Fensteröffnung erhalten. Nach allen Regeln heutiger Ansprüche. Ich denke, das ist eine Kunst für sich, in dieser Art ein wirklich gutes Fenster zu schaffen, als wäre es schon immer drin.
Dazu würde ich mir erst einmal das entsprechende Fenster bauen lassen, aber mit einem deutlich massiveren, dicken Blendrahmen. Dann würde ich die entsprechende Öffnung der Wand vornehmen und zunächst diesen Rahmen fest einbauen.
Freilich auch mit Eisen, seitlich justiert, unten auf Steinen, dann fest eingemörtelt, nachdem er seinen bleibenden Platz hat. Lehm mit Rahmen trocknen lassen, dann erst alle Feinheiten putzen.
Innen würde ich zum besseren Lichteinfall die Laibung rund gestalten. Ob außen auch, hängt vom Gesamtcharakter und Ansicht des Hauses ab. Mit Lehm kann man ja (fast) alles machen.

In diesem Sinne gutes Gelingen
wünscht Dietmar



Im Vorharz kein Holz?



Hallo Dietmar Fröhlich,
erstmal danke für die Infos, klingt plausibel und interessant. Wenn es auch nicht direkt zur Frage gehört: sollte im Vorharz tatsächlich das Bauholz so knapp gewesen sein?? Ich weiß zwar, daß es früher enormen Holzbedarf für Bergbau, Köhlerei, Glasherstellung etc. gab, aber sollte dabei in der Nähe eines stark bewaldeten Gebietes tatsächlich nichts für den Hausbau übrig geblieben sein?





Hallo allesamt! Der Uwe Fischer hat recht mit dem Gegend typischen Baumaterialien. Da ich gerade einen neuen Dachstuhl aufbaue kann ich alles bestätigen! Doch zum Fenster. In meinem Haus sind gerade DDR-Fenster, die sollen raus und dann wieder entsprechende Fenster aus der "Bauzeit" (ca. 1900!) rein. Natürlich nach heutigen Gesichtspunkten (verglasung....) Daher kommt auch meine Frage! Ich bin gelernter Tischler und habe schon unendlich viele Fenster eingebaut (zu DDR Zeiten) aber noch nie eins in solchen Baustoff!

Danke an alle, auch im voraus

Tom May





...ich meine natürlich Dietmar, sorry

Tom



Ja, das kennen wir - 60 cm Stampflehm



Hallo Tom,

schau mal bei uns ins Profil.
Auf dem Bild " Südansicht 2001 (Hofinnenseite)" mal die Lupenfunktion aktivieren: Das Fenster links über dem Ziegelstapel hatten unsere Vorbesitzer nicht zum Haus passend vergrößert, sitzt in der Stamplehmwand. Ich habe das Fenster auf das hausübliche Fenstermaß verkleinert und dabei die am Fenster anliegende Schicht Ziegel mit normalen Hochlochziegeln und Lehm gemauert. Auf Grund fehlender Erfahrung habe ich ohne Anschlag gemauert, würde ich aber heute nicht mehr machen, wegen der Optik und der Dämmung. Unser Tischler hat die Fenster dann ganz normal gekeilt/ justiert, rechts und links in die Ziegel geschraubt und mit Schaum befestigt. Übrigens haben wir keine extrabreiten sondern extraschmalen Rahmen wegen der Optik gegenüber der Fenster von früher.
Auf dem Bild "Giebel Straßenseite 2002" sind die beiden Fenster im Erdgeschoss in Stamplehm. Dort haben wir die Fenstemaße so lassen können. Die Fenster hatten einen gemauerten Anschlag, den wir auch gelassen haben. Dadurch wirken die Rahmen nicht so wuchtig. Hier geht der Stamplehm auch direkt am Fenster los. Die Anschläge selber sind Mischmasch aus Lehm, Stamplehm und Ziegelstücken, habe ich auf diese Art und Weise gelassen und nur etwas ausgebessert. Dort hat der Fensterbauer sehr viele und große Keile benötigt und hat monströs lange Schrauben für die Seiten genommen. Ich würde mal sagen so 20 cm waren die bestimmt. Na und dann wieder jede Menge Schaum... Das ist bestimmt nicht der klassische Lehmbau, aber ein für uns akzeptabler Kompromiss. Die Fenster sind ja auch Isolierglasfenster wegen der Heizkostenrechnung und keine Kastenfenster mehr.
Solltet Ihr für die Fenster noch keine vorhandenen Löcher in der Wand haben, sondern neue reinbrechen- kleiner Tipp: die genaue Lage nicht nur nach der Raumaufteilung innen festlegen, sondern auch mal von außen schauen. Das Fenster auf dem o.g. ersten Bild hätten wir auch einen halben Meter weiter rechts oder links einbauen können. Von außen betrachtet hätte das aber alles etwas schief ausgesehen. Wir haben dann aus der Etage darüber das Fenster runtergelotet, damit die ordentlich übereinander und nicht mäßig versetzt sind. Sieht in der Gesamtansicht des Hauses einfach besser aus.
Ich hoffe, es hilft Euch weiter. Stehe Euch auch gern noch für Detailfragen bei Sturz /Sauerkrautplatte /Rundbogen- Kombination mit "Fensterlanger" Erfahrung zur Verfügung.
Gruß Petra





@ Hallo Uwe,
danke für die Antwort. Das Harzrandgebiet darf man etwas weiter sehen. Es reicht nicht bloß bis zu den Hügeln, sondern auch ins flache Land hinein. Ohne Tom zu nahe treten zu wollen: Sein Haus steht im Einzugsgebiet der Saale, nordwestl. der Saale. Dort ist eine geologische Besonderheit ohne reiche Waldbestände schon seit dem Mittelalter. (Hat aber auch was.) Aber um so mehr Lehm und eine besondere Sandsteinart gibt es dort. Früher hat man ja die Häuser mit dem gebaut, was man am Ort vorfand. Und je nachdem welche landwirtschaftliche und wirtschaftliche Nutzung möglich war, haben sich verschiedene Haustypen und regional doch recht unterschiedliche Hauslandschaften entwickelt.
Noch vor 100 Jahren konnte man an den alten Häusern erkennen, in welcher Gegend man sich befand. Spätestens seit den Fertigteilhäusern wird nun von Flensburg bis zum Bodensee alles "einheitlich", trotz aller Vielfalt.
Schade drum...
Wer hat nun mehr Kultur? Unsere Vorfahren oder wir ??



Stampflehmwand und Öffnungen verkleinern



Mit der Variante von Olaf und Petra können wir uns nur bedingt anfreunden, denn die Ziegelmaterialien von heute sind nicht mehr die unserer Altvorderen.
Somit ist in der Stampflehmwand "plötzlich" ein Fremdmaterial, auch wenn es mittels Lehmmörtel vermauert wurde.
Nach unsrer Ansicht würden sich schraubfeste Lehmsteine mit einem mittleren Gewicht von ca. 1200 kg/m³ (mit organischem Anteil und ohne Lochanteil!) und mit einem guten Lehmstrohmörtel vermauert, besser eignen und im Altbestand besser harmonieren uns sich einfügen.
In diese Ebene läßt sich nachher das Bauteil mittels mechanischer Befestigung (herkömmlich bekannt!) gut einbauen und fixieren.
Umlaufend dann mit Stopfmaterial (Hanf, Kokos etc.)und einem anbindenen Lehmputz fertigstellen.
Zu weiteren Details sind wir gern aussagebereit, so wie wir es mit Olaf und Petra aus Lunzig ebenfalls bereits getan haben.

Grüße aus der Lausitzer Umgebinderegion Sohland/Oppach